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A2Verbformen und Modalverben16 Min. Lesezeit

Phrasal Verbs — Aufbau, Trennbarkeit und die Pronomen-Regel

Wie Phrasal Verbs gebaut sind, welche sich trennen lassen und warum turn it off richtig ist und turn off it nicht.

Das kannst du danach

  • Du erkennst ein Phrasal Verb und unterscheidest es von einem Verb mit normaler Präposition.
  • Du ordnest ein Phrasal Verb einem der vier Bautypen zu.
  • Du stellst Pronomen bei trennbaren Verben immer an die richtige Stelle.
  • Du wählst je nach Textsorte zwischen Phrasal Verb und einzelnem Verb.
  • Du weißt, warum das Wörterbuch bei Phrasal Verbs unverzichtbar bleibt.

Was ein Phrasal Verb ist

Ein Phrasal Verb besteht aus einem gewöhnlichen Verb und einem kleinen Zusatzwort, der Partikel: get up, turn off, look after, give up. Die Partikel sieht aus wie eine Präposition, arbeitet aber anders. Sie gehört zum Verb und verändert dessen Bedeutung, oft bis zur Unkenntlichkeit. give heißt geben, up heißt oben, give up heißt aufgeben. Aus den Einzelteilen lässt sich das nicht erschließen.

Genau darin liegt die Schwierigkeit und zugleich die gute Nachricht: Deutschsprachige kennen dieses Prinzip bereits. Deutsch hat trennbare Verben, die exakt so funktionieren. aufgeben, ausmachen, nachschlagen, auskommen — auch dort steht ein Zusatz vor einem bekannten Verb und verschiebt die Bedeutung. Und auch dort wandert der Zusatz im Satz herum: Ich gebe auf. Ich mache das Licht aus. Wer die deutsche Mechanik durchschaut hat, versteht die englische in wenigen Minuten.

Wichtig ist trotzdem die Abgrenzung. Nicht jedes Verb mit nachfolgendem kleinen Wort ist ein Phrasal Verb. In He looked at the picture ist at eine normale Präposition, look behält seine Bedeutung. In He looked after the children heißt look after sich kümmern und hat mit Schauen nichts mehr zu tun. Die Faustregel: Ändert sich die Bedeutung, ist es ein Phrasal Verb; bleibt sie erhalten, ist es ein Verb mit Präposition, wie es die Lektion zu den Präpositionen nach Verben behandelt.

Warum der Aufwand? Weil Phrasal Verbs im gesprochenen Englisch nicht die Ausnahme sind, sondern der Normalfall. Wer keine benutzt, klingt nicht gehoben, sondern fremd. Ein Muttersprachler sagt selten I extinguished the light, sondern I turned the light off. Diese Lektion ist der Einstieg, die einzelnen Verben stehen jeweils auf eigenen Seiten.

Die vier Bautypen

Phrasal Verbs zerfallen in vier Gruppen, und die Gruppe entscheidet über die Wortstellung. Wer den Typ kennt, muss die Stellung nicht raten. Leider sieht man einem Verb den Typ nicht an — er steht im Wörterbuch und wird mitgelernt wie das Geschlecht eines deutschen Nomens.

Typ eins ist intransitiv: Es folgt kein Objekt. get up, break down, grow up, sit down. Verb und Partikel bleiben immer zusammen, es gibt nichts, was dazwischen könnte. My car broke down yesterday.

Typ zwei ist transitiv und trennbar. Hier steht ein Objekt, und es darf zwischen Verb und Partikel oder dahinter stehen: turn off the radio oder turn the radio off. Beides ist richtig. Zu dieser größten Gruppe gehören auch put off, find out, take off, pick up und fill in.

Typ drei ist transitiv und untrennbar. Das Objekt muss hinter die Partikel, dazwischen geht nichts: look after the children, niemals look the children after. Ebenso get over an illness und run into an old friend.

Typ vier ist dreiteilig, besteht also aus Verb plus zwei Partikeln, und ist immer untrennbar: look forward to, put up with, get on with, come up with. Das Objekt steht hinter allem: I can't put up with this noise.

TypObjektTrennbar?Beispiel
intransitivkeinskeine FrageThe car broke down.
transitiv trennbareinsjaTurn off the TV. / Turn the TV off.
transitiv untrennbareinsneinShe looks after her mother.
dreiteiligeinsneinI look forward to the trip.

Die Pronomen-Regel

Das ist die eine Regel, die wirklich jeder braucht, und sie kostet einen Satz: Bei trennbaren Phrasal Verbs steht ein Pronomen immer zwischen Verb und Partikel. turn it off ist richtig, turn off it ist falsch. Kein Ermessen, keine zweite Möglichkeit.

Solange ein volles Nomen dasteht, hat man die Wahl: Turn off the light und Turn the light off sind beide korrekt. Ersetzt man das Nomen durch it, them, him, her oder us, verschwindet diese Wahl sofort. Turn it off. Pick them up. Wake her up. Throw it away. Wer hier Turn off it sagt, macht einen Fehler, den Muttersprachler nie machen und den sie deshalb sofort hören.

Der Grund dahinter ist Betonung. Ein Pronomen trägt keine neue Information und kann deshalb nicht am Satzende stehen, wo Englisch das Gewicht hinlegt. Die Partikel dagegen ist betont — sie trägt die Bedeutung. Deshalb rutscht das leichte Pronomen nach vorn und die schwere Partikel nach hinten. Dasselbe Prinzip erklärt, warum man bei einem langen Objekt umgekehrt verfährt: I turned off the old radio in the kitchen klingt besser als I turned the old radio in the kitchen off, weil sonst die Partikel zu weit weg wandert.

Bei untrennbaren Verben ändert das Pronomen dagegen nichts. Die Partikel bleibt am Verb, das Pronomen kommt dahinter: She looks after them. I ran into him. I'm looking forward to it. Wer den Typ verwechselt, produziert genau hier den auffälligsten Fehler: look them after gibt es nicht.

Objekttrennbar (turn off)untrennbar (look after)
Nomen, hintenTurn off the light.She looks after the baby.
Nomen, dazwischenTurn the light off.nicht möglich
PronomenTurn it off.She looks after it.
falschTurn off it.She looks it after.

Was nach dem Phrasal Verb steht

Folgt auf ein dreiteiliges Phrasal Verb ein weiteres Verb, steht dieses in der -ing-Form. Das liegt daran, dass die letzte Partikel eine echte Präposition ist, und nach Präpositionen steht im Englischen immer das Gerundium. I'm looking forward to seeing you, nicht to see you. Das ist die häufigste Falle des ganzen Bereichs, weil das to wie ein Infinitiv aussieht. Die Systematik dahinter steht in der Lektion zu Gerundium und Infinitiv.

Dasselbe gilt für put up with, give up, carry on und alles Weitere mit Präposition am Ende: I gave up smoking, she carried on working, he insisted on paying. Wer die Probe machen will, ersetzt das folgende Verb durch ein Nomen. Passt I'm looking forward to the holiday, dann passt auch to seeing you.

Ein Sonderfall sind Partikeln, die räumlich gemeint sind und deshalb keine Bedeutungsverschiebung bringen. walk into the room, climb up the stairs, go through the door — hier arbeiten die Wörter noch als Präpositionen der Bewegung und nicht als Partikel. Dasselbe Wort kann also je nach Satz beides sein: run into the garden ist wörtlich, run into an old friend ist ein Phrasal Verb.

Im Passiv verhalten sich Phrasal Verbs wie normale Verben, die Partikel bleibt hängen: The meeting was called off. The children are well looked after. Für Deutschsprachige sieht das nach einem verirrten Wort am Satzende aus, ist aber der Normalfall — Näheres in der Lektion zum Passiv in der Gegenwart.

Register: Phrasal Verb oder einzelnes Verb

Für fast jedes Phrasal Verb gibt es ein einzelnes Verb mit ähnlicher Bedeutung, meist aus dem Lateinischen oder Französischen. put off und postpone, find out und discover, give up und surrender, look into und investigate, call off und cancel. Falsch ist keines von beiden, sie gehören nur in verschiedene Textsorten.

Die Faustregel: Gesprochenes Englisch und alltägliche Texte nehmen das Phrasal Verb, formelle Berichte und wissenschaftliche Texte nehmen das einzelne Verb. Eine E-Mail an Kolleginnen sagt We had to call off the meeting, ein Protokoll schreibt The meeting was cancelled. Wer in der Prüfung einen formellen Brief verfasst, sollte die einteilige Variante kennen; wer sich unterhält, klingt damit steif.

Deutschsprachige neigen ausgerechnet zur formellen Seite, weil die lateinischen Wörter den deutschen ähneln: informieren und inform, organisieren und organise. Das führt zu grammatisch tadellosem Englisch, das trotzdem nach Lehrbuch klingt. Wer natürlicher wirken will, tauscht in Gesprächen bewusst ein paar dieser Wörter gegen ihre alltäglichen Entsprechungen.

Nebenbei entstehen aus vielen Phrasal Verbs Nomen, und die werden zusammengeschrieben oder mit Bindestrich: a breakdown, a takeoff, a checkup, a printout, a comeback. Achte auf die Betonung — beim Verb liegt sie auf der Partikel, beim Nomen auf dem ersten Teil. The car broke DOWN gegen a BREAKdown.

Wie man sie lernt und welche Fehler passieren

Der erste Fehler ist der Versuch, nach der Partikel zu sortieren. Listen mit allen Verben auf up wirken ordentlich, helfen aber nicht: up bedeutet in give up, wake up, make up und look up jedes Mal etwas anderes. Sinnvoller ist es, ein Phrasal Verb im ganzen Satz zu lernen, zusammen mit einem Objekt, das man wirklich benutzen würde.

Der zweite Fehler ist die wörtliche Rückübersetzung. Deutsch macht man das Licht aus, aber turn off heißt nicht ausdrehen. Umgekehrt gibt es zu vielen deutschen trennbaren Verben kein Phrasal Verb, und wer eines erfindet, produziert Unverständliches. Im Zweifel nachschlagen statt bauen.

Der dritte Fehler ist die Wortstellung mit Pronomen, die oben beschriebene Regel. Der vierte ist die Verbform: Phrasal Verbs folgen dem Grundverb in allen Zeiten. get up wird zu got up, break down zu broke down, take off zu took off. Wer die Formen des Grundverbs kennt, wie sie die Lektion zu den unregelmäßigen Verben auflistet, hat nichts Zusätzliches zu lernen.

Der fünfte Fehler ist Übermut in der Prüfung. Ein Phrasal Verb, dessen Typ man nicht sicher kennt, sollte man mit Nomen statt mit Pronomen verwenden — dann ist die Stellung in den meisten Fällen unverfänglich. Und ein Verb, dessen Bedeutung man nur ahnt, gehört nicht in den Text: Die Bedeutungen liegen oft weit auseinander, make up kann schminken, erfinden oder sich versöhnen heißen.

Häufige Fragen

Heißt es turn it off oder turn off it?
turn it off. Bei trennbaren Phrasal Verbs steht ein Pronomen zwingend zwischen Verb und Partikel, nie dahinter. Mit einem vollen Nomen hat man dagegen die Wahl: turn off the radio und turn the radio off sind beide richtig. Bei untrennbaren Verben gilt das Gegenteil, dort steht auch das Pronomen hinten: look after it.
Woran erkenne ich, ob ein Phrasal Verb trennbar ist?
Am Verb selbst nicht. Die Trennbarkeit steht im Wörterbuch und wird mitgelernt, meist als Angabe wie turn something off gegenüber look after somebody. Eine grobe Orientierung gibt es dennoch: Dreiteilige Verben sind immer untrennbar, und Verben, bei denen die Partikel eine echte Richtung angibt, bleiben meistens zusammen.
Warum heißt es I'm looking forward to seeing you?
Weil das to in look forward to keine Infinitivpartikel ist, sondern eine Präposition, und nach Präpositionen steht im Englischen die -ing-Form. Die Probe: Nach to kann ein Nomen stehen — I'm looking forward to the weekend. Wo ein Nomen passt, passt auch ein Gerundium. Dasselbe gilt für be used to und object to.
Wie viele Phrasal Verbs muss ich können?
Für sicheres Alltagsenglisch reichen etwa 100 bis 150, und davon kommen die ersten 50 so häufig vor, dass sie sich beim Hören von selbst festsetzen. Vollständige Listen führen über 5000 Kombinationen, aber die meisten davon sind selten oder auf ein Fachgebiet beschränkt. Sinnvoll ist, mit den häufigsten anzufangen und beim Lesen nachzuschlagen, was tatsächlich vorkommt.
Sind Phrasal Verbs umgangssprachlich?
Sie sind alltäglich, aber nicht salopp. In Gesprächen, E-Mails und Zeitungstexten sind sie völlig normal. Nur in sehr formellen Texten, etwa in wissenschaftlichen Arbeiten oder juristischen Dokumenten, greift man lieber zum einteiligen Verb: postpone statt put off, cancel statt call off. Wer beides kennt, kann die Textsorte treffen.

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