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B2Verbformen und Modalverben17 Min. Lesezeit

Gerundium oder Infinitiv — wenn die Form den Sinn ändert

stop smoking gegen stop to smoke: Bei einer kleinen Gruppe von Verben entscheidet die Form über die Bedeutung, nicht über den Stil.

Das kannst du danach

  • Du unterscheidest remember doing und remember to do sicher und in beide Richtungen.
  • Du erklärst, warum stop smoking und stop to smoke völlig verschiedene Sachverhalte bezeichnen.
  • Du kennst die Bedeutungsunterschiede bei try, mean, regret, go on und need.
  • Du erkennst, welche deutschen Sätze hinter welcher englischen Form stehen.
  • Du vermeidest die Übertragung des deutschen Infinitivs auf alle englischen Fälle.

Zwei Formen, ein Verb, zwei verschiedene Sätze

Nach vielen englischen Verben steht die -ing-Form, nach vielen anderen der Infinitiv mit to. Welche Gruppe welches Verb enthält, ist im Kern Vokabellernen, und die Listen stehen in den Lektionen zu den Verben mit Gerundium und zu den Verben mit Infinitiv. Wer die Grundlagen noch nicht sortiert hat, fängt bei Gerundium und Infinitiv an.

Diese Lektion behandelt eine kleine, aber folgenreiche Sondergruppe. Bei etwa einem Dutzend Verben sind beide Formen möglich — und sie bedeuten nicht dasselbe. Der Satz ändert nicht seinen Stil, sondern seinen Inhalt. I stopped smoking heißt, dass jemand mit dem Rauchen aufgehört hat. I stopped to smoke heißt, dass jemand stehen geblieben ist, um zu rauchen. Zwei Buchstaben Unterschied, zwei völlig verschiedene Biografien.

Genau hier liegt die Schwierigkeit für Deutschsprachige, und zwar aus einem strukturellen Grund. Im Deutschen sind das zwei verschiedene Sätze mit verschiedenen Verben und verschiedenen Konjunktionen: aufhören zu rauchen gegen stehen bleiben, um zu rauchen. Die deutsche Sprache markiert den Unterschied überdeutlich. Das Englische markiert ihn nur an der Verbform. Wer aus dem Deutschen heraus übersetzt, hat den Unterschied gedanklich gar nicht vorliegen und trifft die Form deshalb zufällig.

Es gibt eine Logik dahinter, und sie hilft mehr als jede Liste. Die -ing-Form beschreibt eine Handlung, die real ist oder war — etwas, das tatsächlich stattgefunden hat oder gerade stattfindet. Der Infinitiv mit to zeigt nach vorn: auf ein Ziel, eine Absicht, eine Aufgabe, etwas noch nicht Eingetretenes. Diese Faustregel trägt bei fast allen Verben dieser Gruppe.

remember, forget, regret — Rückblick oder Aufgabe

Bei remember steht die -ing-Form für die Erinnerung an etwas Geschehenes: I remember posting the letter bedeutet, dass der Brief eingeworfen wurde und die Erinnerung daran vorhanden ist. Der Infinitiv steht für das Denken an eine Aufgabe: Remember to post the letter heißt, dass der Brief noch eingeworfen werden muss. Deutsch trennt das sauber mit sich erinnern, dass gegen daran denken, etwas zu tun.

Die Reihenfolge ist der Schlüssel. Bei der -ing-Form kommt zuerst die Handlung, dann die Erinnerung. Beim Infinitiv kommt zuerst die Erinnerung, dann die Handlung. Wer sich das als Zeitstrahl vorstellt, muss die Regel nicht auswendig lernen.

forget funktioniert spiegelbildlich. I'll never forget seeing the Alps for the first time bezieht sich auf ein Erlebnis, das stattgefunden hat. I forgot to lock the door bedeutet, dass die Tür unverschlossen blieb. Der zweite Satz ist der weitaus häufigere, denn Vergessen betrifft im Alltag meistens Pflichten. Deshalb greifen viele reflexartig zum Infinitiv — und stolpern dann über den ersten Typ.

regret verhält sich genauso, nur dass die Infinitivvariante ein enger Sonderfall ist. I regret telling him heißt, dass es gesagt wurde und man es bereut. I regret to tell you that ... ist eine förmliche Ankündigung einer schlechten Nachricht, die gerade folgt: Es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen. Diese Wendung steht fast nur in Briefen und Absagen und praktisch nur mit den Verben tell, inform, say und announce.

Verbmit -ingmit Infinitiv
rememberI remember locking it. (habe es getan)Remember to lock it. (musst es noch tun)
forgetI'll never forget meeting her. (Erlebnis)I forgot to call. (Pflicht versäumt)
regretI regret saying that. (bereue Gesagtes)We regret to inform you ... (förmliche Absage)

stop und go on — Ende oder Zweck

stop ist der berühmteste Fall und zugleich der klarste. Mit der -ing-Form ist die Handlung das, was aufhört: She stopped working at six. Mit dem Infinitiv ist die Handlung der Zweck der Unterbrechung: She stopped to talk to a neighbour. Im zweiten Fall ist to nicht Teil eines Verbmusters, sondern eine verkürzte Absichtsangabe, wörtlich in order to. Deshalb funktioniert die Probe: Wenn sich in order to einsetzen lässt, ist der Infinitiv richtig.

Diese Probe ist zuverlässiger als jede Liste, denn sie beruht nicht auf dem Verb, sondern auf der Satzlogik. Wer sie beherrscht, löst auch Fälle, die in keiner Tabelle stehen. Der gleiche Mechanismus steckt hinter den Finalsätzen, in denen das Englische Absicht ebenfalls mit to, in order to oder so as to ausdrückt.

go on funktioniert nach demselben Prinzip mit anderem Ergebnis. He went on talking for another hour bedeutet, dass er ohne Pause weitergeredet hat. He went on to talk about the budget bedeutet, dass er einen Punkt abgeschlossen hat und danach zu einem neuen übergegangen ist. Deutsch braucht dafür zwei verschiedene Verben: weiterreden gegen anschließend übergehen zu. Es ist übrigens ein Phrasal Verb und folgt denselben Regeln wie carry on, das nur die erste Bedeutung hat.

Ein verwandter Fall ist need. Mit dem Infinitiv steht der übliche Sinn: I need to fix the bike. Mit der -ing-Form entsteht eine passive Bedeutung: The bike needs fixing, also das Fahrrad muss repariert werden. Dieselbe passive Lesart hat want in britischer Umgangssprache: Your hair wants cutting. Diese Konstruktion ist inhaltlich mit dem Passiv verwandt, obwohl äußerlich nichts darauf hindeutet.

try und mean — Versuch oder Experiment

try ist der Fall, bei dem der Unterschied am feinsten und die Verwechslung am folgenreichsten ist. try to do bedeutet, sich anzustrengen, etwas zu schaffen, das schwierig ist: I tried to open the window, but it was stuck. Der Versuch kann scheitern, und meistens tut er das im Satz auch.

try doing bedeutet dagegen, etwas als Experiment auszuprobieren, um zu sehen, ob es hilft. Der Vorgang selbst ist einfach, unsicher ist nur die Wirkung: Try turning it off and on again. Try adding a bit more salt. Deutsch macht den Unterschied mit versuchen zu gegen es einmal mit etwas versuchen oder probier mal.

Praktisch relevant wird das in Ratschlägen. Try to sleep more klingt nach einer Ermahnung, sich anzustrengen. Try sleeping with the window open klingt nach einem Vorschlag zum Ausprobieren. Wer im Kundengespräch Try to restart the router sagt, unterstellt, dass der Neustart schwerfällt. Try restarting the router ist gemeint und auch das, was jeder britische Techniker sagen würde.

mean folgt derselben Zweiteilung, allerdings mit zwei ganz verschiedenen Bedeutungen des Verbs. mean to do heißt beabsichtigen: I meant to call you yesterday, also ich wollte anrufen und habe es nicht getan. mean doing heißt bedeuten, zur Folge haben: Taking the job would mean moving to Bristol. Im ersten Fall gibt es ein handelndes Subjekt mit Absicht, im zweiten eine sachliche Folge. Beides steht im Deutschen so weit auseinander, dass niemand sie verwechseln würde — im Englischen trennt sie nur die Verbform.

Verbmit -ingmit Infinitiv
stopstop smoking = aufhören zu rauchenstop to smoke = anhalten, um zu rauchen
trytry adding salt = probier mal Salztry to add salt = mühsam versuchen
meanmean moving = einen Umzug bedeutenmean to move = umziehen wollen
go ongo on talking = weiterredengo on to talk = danach übergehen zu
needit needs cleaning = es muss geputzt werdenI need to clean = ich muss putzen

Die Wahrnehmungsverben: see, hear, watch, feel

Nach see, hear, watch, notice und feel steht das folgende Verb entweder in der -ing-Form oder im Infinitiv ohne to. Der Unterschied ist derselbe wie bei einem laufenden gegen ein abgeschlossenes Geschehen. I saw him crossing the road bedeutet, dass er beim Überqueren beobachtet wurde, ohne dass klar ist, ob er drüben ankam. I saw him cross the road bedeutet, dass der ganze Vorgang von Anfang bis Ende gesehen wurde.

Deutsch kennt diesen Unterschied nicht. Ich sah ihn über die Straße gehen deckt beide Fälle ab. Wer beim Übersetzen nichts spürt, wählt entsprechend zufällig — mit dem Ergebnis, dass Aussagen ungenau werden. In Zeugenaussagen und Berichten ist genau das der Punkt, auf den es ankommt.

Wichtig ist die Form: nach diesen Verben steht der Infinitiv ohne to. I heard her leave, nicht I heard her to leave. Dasselbe gilt nach make und let, worauf die Lektion zu have something done genauer eingeht. Nach help sind beide Formen erlaubt: He helped me carry it und He helped me to carry it sind beide korrekt, wobei die Form ohne to im gesprochenen Englisch überwiegt.

Im Passiv kommt das to zurück. He was seen to leave the building ist die passive Fassung von They saw him leave. Diese Eigenheit betrifft nur die Wahrnehmungsverben und make, und sie ist ein beliebter Prüfungsstoff. Verwandt ist sie mit den Konstruktionen aus der Lektion zum Passiv mit Verben des Sagens.

Fälle ohne echten Unterschied

Nicht bei jedem Verb, das beide Formen zulässt, ändert sich die Bedeutung. Nach like, love, hate und prefer sind beide möglich, und der Unterschied ist gering. I like swimming beschreibt eine Neigung, I like to swim in the morning beschreibt eher eine Gewohnheit oder eine bewusste Entscheidung. Britisches Englisch bevorzugt die -ing-Form, amerikanisches greift häufiger zum Infinitiv.

Nach would like, would love und would prefer steht dagegen ausschließlich der Infinitiv: I'd like to go home. I'd like going home ist falsch. Das ist der einzige Punkt in dieser Gruppe, der wirklich hart ist, und er wird oft übersehen, weil like allein ja beides erlaubt.

Nach begin, start und continue sind beide Formen praktisch gleichwertig: It began to rain und It began raining sind austauschbar. Nur eine Regel gilt: Zwei -ing-Formen hintereinander vermeidet man. It's starting to rain ist besser als It's starting raining, weil das doppelte -ing schwerfällig klingt.

Und nach can't stand, can't help und keep steht immer die -ing-Form: I can't stand waiting, I can't help laughing, He kept asking. Diese Verben gehören zur festen Gruppe und tauchen hier nur auf, weil sie oft mit der Wechselgruppe verwechselt werden. Wer bei einem Phrasal Verb unsicher ist, prüft dieselbe Frage getrennt: put off verlangt zwingend die -ing-Form, look forward to ebenfalls, weil das to dort eine Präposition ist und kein Infinitivzeichen.

Typische Fehler von Deutschsprachigen

Der erste Fehler ist der Rückgriff auf den deutschen Infinitiv. Weil Deutsch praktisch immer zu tun sagt, wirkt der englische Infinitiv vertrauter, und die -ing-Form fühlt sich exotisch an. Das führt systematisch zu I stopped to smoke, wenn Aufhören gemeint war, und zu I remember to see her, wenn eine Erinnerung gemeint war. Beide Sätze sind grammatisch tadellos und inhaltlich falsch — deshalb korrigiert sie niemand.

Der zweite Fehler ist die Verwechslung von to als Infinitivzeichen und to als Präposition. Nach einer Präposition steht immer die -ing-Form: I'm used to working late, nicht I'm used to work late. Die Lektion zu be used to und get used to behandelt das im Detail, und das Prinzip gilt für alle festen Verbindungen mit Präposition, wie sie in der Lektion zu den Präpositionen nach Verben gesammelt sind.

Der dritte Fehler ist die Übergeneralisierung der neuen Regel. Wer gelernt hat, dass die -ing-Form für Reales steht, wendet das auf alle Verben an und sagt I decided going. decide gehört aber zur festen Infinitivgruppe, dort gibt es keine Wahl. Die Bedeutungsregel gilt nur für die Verben aus dieser Lektion.

Der vierte Fehler betrifft die Verneinung. Sie steht direkt vor der Form: I remember not saying anything, He decided not to go. Nicht I don't remember to say. Die Stellung von not ist im Englischen deutlich starrer als im Deutschen.

Der fünfte Fehler ist ein Ausweichfehler: Wer sich unsicher ist, formuliert den Satz um und verliert dabei den Unterschied. That's why I don't smoke any more sagt weniger als I stopped smoking two years ago. Die Formen sind der Punkt, nicht das Hindernis.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen stop smoking und stop to smoke?
stop smoking heißt mit dem Rauchen aufhören, das Rauchen ist die Handlung, die endet. stop to smoke heißt anhalten oder unterbrechen, um zu rauchen, das Rauchen ist der Zweck der Pause. Die Probe ist einfach: Wenn sich in order to einsetzen lässt, ist der Infinitiv richtig. He stopped in order to smoke ergibt Sinn, He stopped in order to smoking nicht.
Heißt es remember posting oder remember to post?
Beides ist möglich, aber nicht gleichbedeutend. remember posting bedeutet, dass der Brief eingeworfen wurde und die Erinnerung daran vorhanden ist. remember to post bedeutet, dass das Einwerfen noch bevorsteht und man daran denken muss. Als Merkhilfe hilft die Reihenfolge: Bei der -ing-Form kommt die Handlung zuerst, beim Infinitiv die Erinnerung.
Wann sagt man try doing und wann try to do?
try to do heißt sich anstrengen, etwas Schwieriges zu schaffen, und schließt ein Scheitern ein: I tried to lift it, but it was too heavy. try doing heißt etwas als Versuch ausprobieren, um zu sehen, ob es hilft: Try restarting your computer. Im Kundendienst und in Ratschlägen ist fast immer die zweite Variante gemeint.
Warum heißt es The car needs washing und nicht to wash?
Nach need in dieser Konstruktion hat die -ing-Form passive Bedeutung. The car needs washing entspricht The car needs to be washed, ist aber kürzer und im Alltag üblicher. Der Infinitiv nach need behält dagegen die aktive Bedeutung: I need to wash the car. Britisches Englisch kennt dieselbe Konstruktion auch mit want, etwa in Your shoes want cleaning.
Gibt es eine Regel, oder muss ich alles auswendig lernen?
Für diese Sondergruppe gibt es eine tragfähige Regel: Die -ing-Form steht für etwas Wirkliches, Stattgefundenes oder Laufendes, der Infinitiv mit to zeigt nach vorn auf Ziel, Absicht oder Aufgabe. Damit lassen sich remember, forget, regret, stop, go on, try und mean herleiten. Auswendig gelernt werden muss nur, welche Verben überhaupt zu dieser Gruppe gehören — es sind etwa zehn.

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