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A2Verbformen und Modalverben16 Min. Lesezeit

Gerundium und Infinitiv — wann -ing steht und wann to

Warum ein Verb nach einem anderen Verb eine Form braucht, welche zwei zur Wahl stehen und warum nach Präpositionen immer -ing folgt.

Das kannst du danach

  • Du erklärst, was ein Gerundium ist und wodurch es sich vom Infinitiv unterscheidet.
  • Du setzt nach jeder Präposition zuverlässig die -ing-Form ein.
  • Du erkennst, wann der Infinitiv ohne to steht.
  • Du benennst, warum das Deutsche diese Unterscheidung nicht kennt.
  • Du weißt, in welcher Lektion die jeweilige Verbliste steht.

Das Grundproblem: zwei Verben in einem Satz

Sobald in einem englischen Satz zwei Verben aufeinandertreffen, muss das zweite eine Form annehmen. Es kann nicht einfach in der Grundform stehen bleiben. „I enjoy swim.“ ist kein Satz. Englisch bietet zwei Formen an: die -ing-Form, das Gerundium, und den Infinitiv mit to. „I enjoy swimming.“ und „I want to swim.“ sind beide richtig — nur eben mit verschiedenen Verben davor.

Damit ist die eigentliche Frage gestellt, und sie ist die Frage dieser ganzen Lektionsgruppe: Welches Verb verlangt welche Form? Die Antwort ist zu einem großen Teil Vokabelarbeit. Es gibt Muster, es gibt Erklärungen, aber es gibt keine Regel, die alle Fälle abdeckt. Die Listen stehen in Verben mit Gerundium und in Verben mit Infinitiv.

Diese Lektion klärt das Prinzip: was die beiden Formen sind, wo sie unabhängig vom einzelnen Verb vorgeschrieben sind, und warum Deutschsprachige die Frage überhaupt als schwierig empfinden.

Was ein Gerundium ist

Das Gerundium ist die -ing-Form, die sich wie ein Nomen verhält. „Swimming is good for your back.“ Hier ist swimming das Subjekt des Satzes, an genau der Stelle, an der sonst ein Nomen stünde. Man kann es zählen, betonen, mit Adjektiven versehen: „Slow swimming is even better.“

Optisch ist das Gerundium nicht vom Present Progressive zu unterscheiden — beide enden auf -ing. Der Unterschied ist die Aufgabe im Satz. In „She is swimming.“ ist swimming Teil der Zeitform. In „She likes swimming.“ ist es das Objekt des Verbs like. Die Schreibregeln sind dieselben: das stumme e fällt weg (make wird zu making), der Endkonsonant verdoppelt sich nach kurzem betontem Vokal (sit wird zu sitting).

Das Gerundium kann alles, was ein Nomen kann. Es steht als Subjekt: „Waiting is the worst part.“ Als Objekt: „I hate waiting.“ Nach einer Präposition: „I'm tired of waiting.“ Und es kann selbst ein Objekt bei sich haben: „Reading long emails takes time.“

Stelle im SatzBeispielRolle
SubjektSmoking damages your lungs.wie ein Nomen
ObjektShe avoids driving at night.wie ein Nomen
nach PräpositionHe left without saying goodbye.immer -ing
nach beThey are leaving now.Progressive, kein Gerundium

Was der Infinitiv ist — mit to und ohne

Der Infinitiv ist die Grundform des Verbs, meist mit vorangestelltem to: to go, to see, to decide. Er drückt eher eine Absicht, ein Ziel oder etwas Bevorstehendes aus. „I want to go.“ „She stopped to buy milk.“ Das to ist hier kein Ort und keine Richtung, sondern nur ein Zeichen dafür, dass ein Infinitiv folgt.

Nach Modalverben fällt das to weg: „I can swim.“ „You must go.“ „She might come.“ Das ist der sogenannte bare infinitive, der Infinitiv ohne to. Genauso nach let, make und meistens nach help: „Let me try.“ „They made him apologise.“ „Help me carry this.“

Der Infinitiv steht außerdem, wenn ein Zweck genannt wird: „I came here to learn English.“ Das ist nicht die Frage von Gerundium oder Infinitiv, sondern eine eigene Funktion — der Zweck-Infinitiv, der im Deutschen „um zu“ entspricht. Ausführlich behandeln das die Finalsätze.

Auch nach Adjektiven steht in der Regel der Infinitiv: „It's easy to say.“ „I'm happy to help.“ „She was the first to arrive.“ Hier gibt es kaum Schwankungen, und das ist eine der wenigen Stellen, an denen die deutsche Intuition mit „zu“ direkt trägt.

Die eine Regel ohne Ausnahme: nach Präpositionen -ing

Nach einer Präposition steht immer die -ing-Form. Nie der Infinitiv. Das gilt für alle Präpositionen ohne Ausnahme: about, after, before, by, for, in, of, on, without, at, with. „She's good at listening.“ „He apologised for being late.“ „You can't learn a language without making mistakes.“ „Before leaving, check the windows.“

Diese Regel ist wertvoll, weil sie nichts verlangt außer der Fähigkeit, eine Präposition zu erkennen. Sie deckt einen großen Teil der schwierigen Fälle ab und ist die Grundlage für Präpositionen nach Verben und Präpositionen nach Adjektiven.

Die Falle steckt im Wort to. Es ist meistens ein Infinitivzeichen, manchmal aber eine Präposition — und dann folgt -ing. In look forward to ist to eine Präposition, deshalb heißt es „I'm looking forward to seeing you.“ und nicht „to see you“. Dasselbe bei be used to und get used to: „I'm used to working late.“ Wer hier den Infinitiv setzt, macht den vielleicht häufigsten Fehler des fortgeschrittenen Anfängers.

Ein einfacher Test: Lässt sich hinter das to ein Nomen setzen, ist es eine Präposition. „I'm looking forward to the weekend.“ funktioniert, also ist to eine Präposition, also folgt -ing. „I want the weekend.“ statt „I want to go“ funktioniert nicht in derselben Weise, also ist to dort ein Infinitivzeichen.

Ausdruckto istrichtige Form
look forward toPräpositionlook forward to seeing you
be used toPräpositionI'm used to getting up early
get round toPräpositionI finally got round to writing
want toInfinitivzeichenI want to see you
decide toInfinitivzeichenWe decided to leave

Warum Deutschsprachige hier ins Rutschen kommen

Das Deutsche kennt diese Unterscheidung nicht. Wo das Englische zwischen zwei Formen wählt, steht im Deutschen fast immer dasselbe: ein Infinitiv mit „zu“ oder ein Nebensatz mit „dass“. „Ich vermeide es, nachts zu fahren.“ und „Ich habe beschlossen, früher zu fahren.“ sehen strukturell gleich aus. Im Englischen sind es zwei verschiedene Muster: „I avoid driving at night.“ und „I decided to leave earlier.“

Daraus folgt die Standardfalle: Deutschsprachige übersetzen das „zu“ und landen beim Infinitiv, auch dort, wo das Gerundium stehen muss. „I enjoy to read.“ „I avoid to speak.“ „I suggest to go.“ Alle drei sind falsch, und alle drei entstehen aus derselben wörtlichen Übersetzung.

Ein deutsches Gerundium gibt es nur in Resten. „Das Rauchen ist verboten.“ ist ein substantivierter Infinitiv, und der übernimmt einen Teil der Aufgaben, die im Englischen das Gerundium hat. Wer sich diese Entsprechung merkt — englisches Gerundium ist oft das deutsche „das Lesen“, „das Warten“, „das Rauchen“ —, hat ein brauchbares Gefühl dafür, wann -ing richtig ist.

Der zweite Grund für die Schwierigkeit: Im Deutschen gibt es keine Verben, deren Bedeutung sich ändert, je nachdem welche Form folgt. Im Englischen gibt es sie, remember, stop, try und forget gehören dazu. Dieses Kapitel behandelt Gerundium oder Infinitiv auf B2-Niveau, und es lohnt sich nicht, es vorzuziehen, bevor die Grundmuster sitzen.

Was du dir jetzt merken solltest

Drei Blöcke reichen für den Anfang. Erstens: Nach jeder Präposition steht -ing, ohne Ausnahme. Zweitens: Nach Modalverben und nach let, make und help steht die Grundform ohne to. Drittens: Bei allen übrigen Verben entscheidet das Verb selbst, und das musst du mit der Vokabel lernen.

Für den dritten Block gibt es eine grobe Faustregel, die etwa vier von fünf Fällen trifft. Verben, die nach vorne zeigen — Wunsch, Plan, Absicht, Versprechen —, nehmen den Infinitiv: want, decide, hope, plan, promise. Verben, die auf etwas bereits Laufendes oder Erlebtes zeigen — Gefühl, Erfahrung, Fortsetzung, Vermeidung —, nehmen das Gerundium: enjoy, avoid, mind, finish, keep.

Diese Faustregel ist eine Krücke, keine Regel. Sie erklärt, warum „I enjoy swimming“ und „I want to swim“ sich unterschiedlich anfühlen, aber sie versagt bei Verben wie suggest und refuse. Die vollständigen Listen mit ihrer jeweiligen Logik stehen in den beiden Folgelektionen.

Ein Sonderfall, der früh nützlich ist: Viele Phrasal Verbs enden auf einer Präposition und verlangen deshalb automatisch -ing. Nach give up steht die -ing-Form — „She gave up smoking last year.“ —, und nach get round to ebenfalls. Wer die Präpositionsregel kennt, hat diese Fälle schon gelöst, ohne sie einzeln zu lernen.

Wer über diesen Stapel hinaus will, findet die komplexeren Muster mit Objekt und Passiv unter Verbmuster. Für A2 gilt: Präpositionsregel sicher, Modalverben sicher, und die zwei Verblisten Stück für Stück.

Britisch und amerikanisch

Unterschiede gibt es, sie sind aber klein. Nach help lassen beide Varianten das to weg oder setzen es, im amerikanischen Englisch fällt es etwas häufiger weg: „Help me carry this.“ ist in beiden Varianten üblich.

Deutlicher ist der Unterschied bei like. Im britischen Englisch steht bei Vorlieben eher das Gerundium — „I like cooking.“ —, während der Infinitiv eine Gewohnheit oder eine vernünftige Entscheidung ausdrückt: „I like to check my tyres before a long drive.“ Im amerikanischen Englisch stehen beide Formen freier nebeneinander.

Bei einem Punkt lohnt Vorsicht: Nach need steht im britischen Englisch auch das Gerundium mit passiver Bedeutung — „The car needs washing.“ Amerikanisch hört man eher „The car needs to be washed.“ Beide sind korrekt, die erste Variante ist britisch geprägt und wirkt knapper.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Gerundium und Present Progressive?
Die Form ist identisch, die Aufgabe nicht. Im Present Progressive gehört die -ing-Form zur Zeitform und steht nach be: „She is reading.“ Das Gerundium ersetzt ein Nomen und steht als Subjekt oder Objekt: „Reading relaxes me.“ Man erkennt es daran, dass man an derselben Stelle ein Nomen einsetzen könnte.
Warum heißt es „looking forward to seeing you“ und nicht „to see you“?
Weil das to in look forward to eine Präposition ist und kein Infinitivzeichen. Nach jeder Präposition steht die -ing-Form. Der Test: Man kann „I'm looking forward to the weekend.“ sagen, also steht dort ein Nomen — und wo ein Nomen stehen kann, steht auch ein Gerundium.
Gibt es eine Regel, welche Verben -ing und welche to verlangen?
Keine, die alles abdeckt. Als Faustregel nehmen Verben mit Blick nach vorne — wollen, planen, hoffen, versprechen — den Infinitiv, und Verben, die auf Erlebtes oder Laufendes zeigen — genießen, vermeiden, weitermachen —, das Gerundium. Die Ausnahmen sind zahlreich genug, dass die Listen trotzdem gelernt werden müssen.
Warum ist „I enjoy to read“ falsch?
Weil enjoy zu den Verben gehört, die das Gerundium verlangen: „I enjoy reading.“ Der Fehler entsteht aus dem Deutschen, wo „Ich genieße es, zu lesen.“ ein zu enthält. Das deutsche zu ist keine verlässliche Übersetzungshilfe für das englische to.
Wann steht der Infinitiv ohne to?
Nach allen Modalverben — can, must, will, should, may, might — und nach let und make: „Let me see.“ „They made her wait.“ Bei help sind beide Formen möglich. Ein to nach einem Modalverb ist immer ein Fehler.
Kann ein Gerundium am Satzanfang stehen?
Ja, und das ist sogar sehr üblich: „Learning a language takes time.“ Das Gerundium ist dann das Subjekt und wird wie ein Singular behandelt, also mit takes und nicht mit take. Im Deutschen entspricht dem ein substantivierter Infinitiv wie „das Lernen“.

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