Das kannst du danach
- Du erkennst die Fehler, die aus der deutschen Muttersprache stammen und deshalb überleben.
- Du stellst jeden davon in einem Satz richtig, ohne die Regel neu lernen zu müssen.
- Du unterscheidest Flüchtigkeitsfehler von eingeschliffenen Mustern.
- Du weißt, welche Fehler auffallen und welche nur stören.
- Du findest zu jedem Fehler die Lektion, in der er ausführlich behandelt wird.
Warum diese Fehler bleiben
Es gibt Fehler, die verschwinden von selbst, sobald man genug liest und hört. Und es gibt Fehler, die auch nach zehn Jahren und einem C1-Zertifikat noch da sind. Der Unterschied liegt nicht an der Schwierigkeit der Regel, sondern daran, ob die Muttersprache eine Alternative anbietet, die sich richtig anfühlt. Wo das Deutsche etwas anders macht und trotzdem plausibel klingt, entsteht kein Zweifel — und ohne Zweifel gibt es keine Korrektur.
Deshalb sind die hartnäckigsten Fehler fast nie die spektakulären. Es sind kleine Verschiebungen: eine Zeitform zu weit, ein Reflexivpronomen zu viel, ein Komma an einer Stelle, an der es im Englischen nichts zu suchen hat. Sie machen einen Text nicht unverständlich, sie machen ihn erkennbar deutsch. Genau das ist der Punkt, an dem in Prüfungen die Note zwischen gut und sehr gut entschieden wird.
Diese Seite ist eine Sammlung. Jeder Fehler wird in einem Satz benannt und im nächsten richtiggestellt, und jeder verweist auf die Lektion, in der er vollständig behandelt ist. Wer sie einmal in Ruhe durchgeht und dabei ehrlich markiert, was auf ihn zutrifft, hat eine bessere Lernliste als jeder Einstufungstest sie liefert.
Zeitformen: Perfekt, since, will
Der teuerste Fehler zuerst. Deutschsprachige benutzen das Present Perfect für abgeschlossene Vergangenheit, weil das deutsche Perfekt genau das tut: Ich habe ihn gestern gesehen. Auf Englisch ist I have seen him yesterday falsch, richtig ist I saw him yesterday. Sobald ein abgeschlossener Zeitpunkt im Spiel ist — yesterday, last week, in 2019, when I was ten —, steht das Simple Past, ohne Ausnahme. Das Present Perfect gehört zu allem, was bis in die Gegenwart reicht oder dessen Zeitpunkt gleichgültig ist. Der ganze Unterschied steht in Present Perfect gegen Simple Past, und es gibt keine Struktur, die bei Deutschsprachigen mehr Punkte kostet.
Direkt daneben liegt der Fehler bei since. Ich wohne seit drei Jahren hier wird zu I live here since three years — falsch in gleich zwei Punkten. Richtig ist I have lived here for three years. since braucht einen Zeitpunkt (since 2019), for eine Dauer (for three years), und beide verlangen das Present Perfect, weil die Sache noch andauert. Die deutsche Gegenwart täuscht hier doppelt, weil sie sowohl die Zeitform als auch die Präposition anders setzt. Nachzulesen bei for und since.
Der dritte Zeitformfehler betrifft will. Nach if und nach when steht im Englischen kein will, auch wenn die Sache klar in der Zukunft liegt: nicht If it will rain, we'll stay in, sondern If it rains, we'll stay in. Dasselbe gilt für when, as soon as, until, before und after: I'll call you when I arrive. Das Deutsche setzt hier ungerührt das Futur oder das Präsens, ohne Unterschied, und deshalb fühlt sich das englische will im Nebensatz völlig richtig an. Es ist der Fehler, den man am häufigsten hört. Die Regel steht bei den If-Sätzen Typ 1 und für Zeitangaben bei den Temporalsätzen.
| Falsch | Richtig | Ursache im Deutschen |
|---|---|---|
| I have seen him yesterday. | I saw him yesterday. | deutsches Perfekt als Erzählform |
| I live here since 2019. | I have lived here since 2019. | deutsches Präsens bei Andauerndem |
| since three years | for three years | seit deckt Punkt und Dauer ab |
| If it will rain … | If it rains … | deutsches Futur im Nebensatz erlaubt |
| When I will arrive … | When I arrive … | dasselbe Muster mit wenn |
Modalverben: mustn't ist nicht muss nicht
You mustn't come tomorrow heißt nicht, dass du morgen nicht kommen musst, sondern dass du morgen nicht kommen darfst. Wer sagen will, dass etwas nicht nötig ist, braucht don't have to oder needn't: You don't have to come tomorrow. Die Verneinung von must ist im Englischen ein Verbot, im Deutschen eine Aufhebung der Pflicht — und weil man den Satz Wort für Wort übersetzen kann und dabei etwas Sinnvolles herauskommt, fällt der Fehler nie von selbst auf. Er verkehrt die Aussage ins Gegenteil, was ihn gefährlicher macht als jeden Formfehler. Der ganze Bereich steht bei must und have to.
Verwandt ist die Vergangenheit von must. Es gibt keine. Wer die Pflicht in der Vergangenheit ausdrücken will, nimmt had to: I had to leave early. must have left bedeutet etwas völlig anderes, nämlich eine Vermutung über die Vergangenheit: Er muss gegangen sein. Diese beiden Bedeutungen liegen im Deutschen so nah beieinander, dass der Unterschied beim Sprechen oft untergeht.
Ähnlich verläuft es bei needn't have und didn't need to. You needn't have waited heißt, dass du gewartet hast, obwohl es unnötig war. You didn't need to wait heißt, dass es nicht nötig war, und lässt offen, ob du gewartet hast. Das Deutsche kennt diesen Unterschied nur über den Zusammenhang, das Englische kodiert ihn in der Form.
Satzbau: das Verb bleibt, wo es hingehört
Der Fehler, den Muttersprachler am schnellsten hören: die Verbzweitstellung. Im Deutschen rückt das finite Verb an die zweite Stelle, egal was vorne steht — Gestern ging ich ins Büro. Auf Englisch bleibt die Reihenfolge Subjekt vor Verb, auch wenn ein Adverb vorangeht: Yesterday I went to the office, nicht Yesterday went I. Das ist keine Feinheit, sondern das Grundgerüst; die englische Satzstellung ist starr, weil sie die Rollen im Satz trägt, die das Deutsche über Kasus verteilt.
In einfachen Sätzen passiert das kaum jemandem. In langen Sätzen mit vorangestelltem Nebensatz passiert es fast jedem: After the meeting had finished, went we for lunch. Sobald die Aufmerksamkeit beim Inhalt liegt, greift das deutsche Muster durch. Umgekehrt gibt es die Inversion im Englischen durchaus — aber nur nach negativen Ausdrücken wie never, rarely, not only, und dann mit Hilfsverb: Never have I seen anything like it.
Zweiter Satzbaufehler: das fehlende do. Frage und Verneinung im Simple Present und Simple Past brauchen ein Hilfsverb. Nicht Know you the answer, sondern Do you know the answer. Nicht I know not, sondern I don't know. Fortgeschrittene machen diesen Fehler nicht mehr in einfachen Fragen, aber regelmäßig in eingebetteten und in kurzen Rückfragen. Die Regel steht bei Fragen mit do.
Dritter: die Wortstellung von Adverbien. Never steht vor dem Vollverb, aber nach to be. Always steht nicht zwischen Verb und Objekt: nicht I drink always coffee, sondern I always drink coffee. Das Deutsche stellt Häufigkeitsangaben deutlich freier, und diese Freiheit überträgt sich.
| Falsch | Richtig | Was schiefgeht |
|---|---|---|
| Yesterday went I home. | Yesterday I went home. | deutsche Verbzweitstellung |
| Know you the answer? | Do you know the answer? | fehlendes Hilfsverb do |
| I drink always tea. | I always drink tea. | Adverb zwischen Verb und Objekt |
| I have me washed. | I washed. | überflüssiges Reflexivpronomen |
| Explain me the rule. | Explain the rule to me. | explain nimmt kein Dativobjekt |
Nomen, Pronomen und ein falscher Freund
many informations gibt es nicht. information ist unzählbar, ebenso advice, furniture, knowledge, research, evidence und progress. Richtig sind a lot of information, a piece of advice, two pieces of furniture. Das Deutsche zählt hier munter — Informationen, Ratschläge, Möbelstücke —, und die Pluralform wandert direkt mit. Welche Nomen betroffen sind, steht bei den zählbaren und unzählbaren Nomen; es sind wenige genug, um sie einmal auswendig zu lernen.
Beim Reflexivpronomen ist es umgekehrt: Das Deutsche hat zu viele, das Englische zu wenige. Ich erinnere mich, ich entspanne mich, ich fühle mich gut, ich ziehe mich an — auf Englisch steht in all diesen Fällen kein Pronomen: I remember, I relax, I feel good, I get dressed. Richtig ist myself nur, wenn die Handlung wirklich auf einen selbst zurückwirkt: I hurt myself. Wer das deutsche Muster überträgt, produziert I feel myself good, und das heißt auf Englisch etwas anderes. Die Übersicht steht bei den Reflexivpronomen.
Der bekannteste falsche Freund ist become. Es heißt werden, nicht bekommen. I become a present ist kein Satz über ein Geschenk, sondern eine Verwandlung. Richtig ist I get a present oder I receive a present. Der Fehler ist berühmt, aber er verschwindet nicht, weil die Lautähnlichkeit stärker ist als das Wissen darüber. Ähnlich gelagert sind eventually (schließlich, nicht eventuell), actually (tatsächlich, nicht aktuell) und sensible (vernünftig, nicht sensibel) — sie gehören zur idiomatischen Grammatik in dem Sinn, dass sie sich nicht aus Regeln herleiten lassen, sondern nur aus Gebrauch.
Dazu kommt ein Muster bei Verben mit zwei Objekten. explain, describe, suggest und recommend nehmen im Englischen kein Dativobjekt direkt hinter sich: nicht Can you explain me this, sondern Can you explain this to me. Das Deutsche erlaubt beides, das Englische nur eines.
Zeichensetzung und Bindewörter
Vor that steht im Englischen kein Komma. I think that he is right — kein Komma, nie. Das deutsche Komma vor dass ist Pflicht, das englische vor that ist ein Fehler, und weil es beim Schreiben keinen Widerstand gibt, überlebt es lange. Dasselbe gilt für Nebensätze mit if, when, because und who in notwendiger Funktion. Die Regeln stehen bei der Kommasetzung, und sie sind kürzer, als man erwartet: Das englische Komma folgt der Struktur des Satzes, nicht dem Nebensatz als solchem.
Der zweite Klassiker: despite und although sind nicht austauschbar. Despite he was tired ist falsch. despite und in spite of stehen vor einem Nomen oder einer -ing-Form: despite his tiredness, despite being tired. Vor einem vollständigen Satz steht although oder though: although he was tired. Das deutsche trotz und obwohl unterscheiden sich genauso, aber weil despite und obwohl in Vokabellisten oft nebeneinanderstehen, verschwimmt die Grenze. Alles dazu bei although, though und despite.
Dritter: die Großschreibung. Deutschsprachige schreiben englische Nomen groß, besonders in Überschriften und in längeren Texten unter Zeitdruck. Umgekehrt vergessen sie die englischen Großschreibungen, die es tatsächlich gibt: Wochentage, Monate, Nationalitäten und Sprachen. Nicht I speak german, sondern I speak German, und nicht on monday, sondern on Monday.
Und schließlich der Punkt, der keine Regel ist, sondern eine Gewohnheit: die Kettensätze. Ein deutscher Satz mit drei Nebensätzen ist gutes Deutsch; derselbe Satz auf Englisch ist schwerfällig, auch wenn kein Wort falsch ist. Die verlässlichste Verbesserung an fortgeschrittenem Englisch von Deutschsprachigen besteht darin, jeden zweiten langen Satz in zwei zu teilen. Wenn du danach wissen willst, welche der Punkte auf dieser Seite bei dir tatsächlich noch offen sind, hilft die Selbsteinschätzung weiter.
Häufige Fragen
- Was ist der häufigste Fehler von Deutschsprachigen im Englischen?
- Das Present Perfect für abgeschlossene Vergangenheit, weil das deutsche Perfekt genau diese Rolle hat. I have seen him yesterday ist falsch, richtig ist I saw him yesterday. Sobald ein abgeschlossener Zeitpunkt genannt oder mitgedacht ist, steht das Simple Past.
- Warum ist mustn't nicht dasselbe wie muss nicht?
- Weil die Verneinung von must im Englischen ein Verbot ausdrückt. You mustn't go heißt du darfst nicht gehen. Wenn du sagen willst, dass etwas nicht nötig ist, brauchst du don't have to oder needn't. Der Fehler dreht die Aussage um, ohne dass der Satz falsch klingt.
- Heißt es since three years oder for three years?
- for three years, denn es geht um eine Dauer. since steht nur vor einem Zeitpunkt: since 2019, since Monday, since I moved here. Beide verlangen in der Regel das Present Perfect, weil die Sache bis in die Gegenwart reicht — I have lived here for three years.
- Warum darf nach if kein will stehen?
- Weil der englische Bedingungssatz die Zukunft im Nebensatz mit dem Präsens ausdrückt: If it rains, we'll stay in. Dieselbe Regel gilt nach when, as soon as, until, before und after. Das Deutsche erlaubt hier Futur oder Präsens ohne Unterschied, deshalb fühlt sich das falsche will völlig richtig an.
- Was ist an I feel myself good falsch?
- Das Reflexivpronomen. Englische Verben wie feel, relax, remember, concentrate und get dressed stehen ohne Pronomen: I feel good. myself steht nur, wenn die Handlung tatsächlich auf einen selbst zurückwirkt, etwa in I hurt myself. Das deutsche sich hat im Englischen selten eine Entsprechung.
- Warum ist Despite he was tired falsch?
- despite und in spite of stehen vor einem Nomen oder einer -ing-Form, nicht vor einem vollständigen Satz. Richtig sind despite his tiredness und despite being tired. Vor einem Satz mit Subjekt und Verb steht although oder though: although he was tired.
Passt dazu
- Prüfungsgrammatik — was CAE und CPE wirklich abfragenWelche Strukturen in CAE und CPE tatsächlich geprüft werden, wie die Aufgabentypen funktionieren und woran Deutschsprachige regelmäßig scheitern.
- Selbsteinschätzung — woran du merkst, wo dein Englisch stehtKein Quiz, sondern eine ehrliche Einordnung: welche Merkmale jede Stufe hat, woran man hängenbleibt und was als Nächstes dran ist.