Das kannst du danach
- Du bildest Aussage, Verneinung und Frage mit can ohne Hilfsverb do.
- Du setzt nach can immer den reinen Infinitiv ohne to.
- Du unterscheidest die Bedeutungen Fähigkeit, Erlaubnis, Möglichkeit und Bitte.
- Du weichst für fehlende Formen auf be able to und be allowed to aus.
- Du erkennst, dass das deutsche können nicht in jedem Satz can verlangt.
Was can leistet
Can ist das erste Modalverb, das man lernt, und es deckt mehr ab, als der deutsche Erstkontakt vermuten lässt. Es trägt Fähigkeit, Erlaubnis, Möglichkeit und Bitte. I can swim. You can go now. It can get very cold here. Can you help me? Vier Bedeutungen, ein Wort. Welche gemeint ist, entscheidet der Zusammenhang, und die Einordnung in das größere System liefert die Lektion zum Überblick über die Modalverben.
Weil can ein Modalverb ist, verhält es sich anders als ein normales Vollverb. Es hat keine dritte Person auf s, es braucht kein Hilfsverb für Frage und Verneinung, und es steht nie allein, sondern immer mit einem zweiten Verb. Wer das einmal begriffen hat, hat gleichzeitig die halbe Grammatik von must, may und should mitgenommen, denn sie folgen demselben Muster.
Die Form: kein s, kein to, kein do
Drei Verbote machen die Form aus. Erstens kein s in der dritten Person: She can drive, nicht she cans. Zweitens kein to hinter can: I can swim, nicht I can to swim. Drittens kein do in Frage und Verneinung: Can you come? und I can't come, nicht do you can come. Wer diese drei Punkte einhält, kann can vollständig richtig benutzen, denn weitere Formen gibt es nicht.
Die Verneinung heißt cannot und wird zusammengeschrieben, was im Englischen sonst kein Verb tut. Die Kurzform ist can't. Die getrennte Schreibung can not kommt nur vor, wenn not zu etwas anderem gehört, etwa in You can not only read it but also print it. Im Alltag schreibst du cannot oder can't.
Die Aussprache trennt britisches und amerikanisches Englisch deutlich. Britisch klingt can't mit langem, offenem a, etwa wie in father, in Lautschrift /kɑːnt/. Amerikanisch klingt es /kænt/, also näher am kurzen a von cat. Das positive can ist in beiden Varianten unbetont und wird zu einem schwachen /kən/ verschliffen. Genau deshalb hört man den Unterschied zwischen can und can't beim schnellen Sprechen vor allem am t und an der Betonung.
| Satzart | Form | Beispiel | Falsch |
|---|---|---|---|
| Aussage | Subjekt + can + Infinitiv | She can cook. | She cans cook. |
| Aussage 3. Person | can bleibt gleich | He can drive. | He can to drive. |
| Verneinung | cannot · can't | I can't hear you. | I don't can hear you. |
| Frage | Can + Subjekt + Infinitiv | Can you swim? | Do you can swim? |
| Kurzantwort | Yes, I can. · No, I can't. | Can she come? Yes, she can. | Yes, she cans. |
| Vergangenheit | could · was able to | I could read at five. | I canned read. |
Fähigkeit
Die Grundbedeutung ist erlernte oder körperliche Fähigkeit. I can swim. She can play the piano. He can speak four languages. Im Deutschen entspricht das genau dem können, deshalb fällt dieser Teil leicht. Der Unterschied zum Simple Present liegt darin, dass can nichts über die Ausführung sagt: I can cook heißt, dass du es könntest, nicht dass du es tust.
Bei Sprachen und Instrumenten schwankt der englische Gebrauch. I speak Spanish sagt dasselbe wie I can speak Spanish, wobei die Version mit can eher die Fähigkeit betont und die ohne can eher die Gewohnheit. Im Deutschen sagt man ich kann Spanisch ohne zweites Verb, im Englischen ist I can Spanish jedoch ausgeschlossen, weil can immer ein Vollverb braucht.
Fähigkeit lässt sich abstufen. Can well, can hardly, can barely, can just about. She can hardly walk after the operation. Auch Verneinungen sind hier üblich: I can't drive, so I take the bus. Wenn du dich weiterentwickelst und etwas auffrischen willst, sagst du brush up on, und was du herausfindest, beschreibst du mit work out: I can't work out how this thing opens.
Erlaubnis, Verbot und Bitte
Can drückt aus, dass etwas erlaubt ist: You can park here after six. Students can borrow up to ten books. Verboten wird mit can't: You can't smoke in here. Diese Verwendung entspricht dem deutschen dürfen, nicht dem können, was Deutschsprachige regelmäßig irritiert. Formeller und in Schildern und Regeln steht may, dessen Feinheiten die Lektion zu may und might behandelt.
Bitten laufen fast immer über can oder could. Can you pass me the salt? Could you help me for a minute? Could ist dabei keine Vergangenheit, sondern die höflichere Variante. Noch höflicher wird es mit would you mind. Wer sich selbst etwas erlauben lassen will, fragt Can I use your phone? oder förmlicher May I use your phone?
Absagen formuliert man abgeschwächt, weil ein blankes no im Englischen hart klingt. I'm afraid you can't. Sorry, that's not possible. Wenn eine Veranstaltung ausfällt, sagst du call it off, und wenn du etwas verschieben musst, put it off: I'm afraid we can't meet today, so let's put it off until Friday.
Möglichkeit und die Wahrnehmungsverben
Can bezeichnet außerdem allgemeine Möglichkeit: Winters here can be very long. Mistakes can happen. Gemeint ist nicht ein konkreter Fall, sondern dass die Sache grundsätzlich vorkommt. Für eine konkrete Vermutung nimmt man dagegen might oder may, weshalb It can be true als Vermutung falsch ist. Richtig wäre It might be true oder It could be true.
Ein Sonderfall, der im Deutschen keine Entsprechung hat, sind die Wahrnehmungsverben see, hear, smell, taste und feel. Im Englischen stehen sie regelmäßig mit can, wo das Deutsche einfach die Gegenwart benutzt. Ich sehe das Meer von hier heißt I can see the sea from here. Ich höre dich nicht heißt I can't hear you. Wer I see the sea sagt, klingt, als spräche er über eine Erkenntnis und nicht über seine Augen.
Der Grund dafür ist, dass diese Verben keine Verlaufsform mögen. I am seeing the sea funktioniert nicht, deshalb springt can ein und drückt die momentane Wahrnehmung aus. Welche Verben sonst noch keine Verlaufsform bilden, zeigt die Lektion zum Present Progressive. Dasselbe gilt für Verstehen: I can't understand a word she says.
Vergangenheit, Zukunft und be able to
Can hat nur zwei Formen, can und could, und keinen Infinitiv, kein Partizip, keine Zukunftsform. Alles Übrige übernimmt der Ersatz be able to. Für die Zukunft: I'll be able to help you tomorrow, nicht I will can. Für das Perfekt: I haven't been able to reach him. Nach anderen Modalverben ebenso: You might be able to catch the early train.
In der Vergangenheit steht could für eine allgemeine Fähigkeit über einen längeren Zeitraum: I could read before I started school. Ging es dagegen um einen einzelnen erfolgreichen Fall, nimmt man was able to oder managed to: The fire brigade was able to rescue everyone. Wer hier could benutzt, klingt so, als hätte es die Möglichkeit gegeben, ohne dass etwas geschah. Verneint gilt diese Unterscheidung nicht: I couldn't open the door ist in beiden Fällen richtig.
Für Erlaubnis in der Vergangenheit greift man zu was allowed to, weil could dort mehrdeutig wäre. We were allowed to leave early sagt eindeutig, dass die Erlaubnis vorlag. Wie sich diese Umschreibungen in das größere Bild einfügen, zeigt die Lektion zu Modalverben in der Vergangenheit. Zusammen mit dem Simple Past hast du damit alles, was du zum Erzählen brauchst.
Wo das deutsche können täuscht
Nicht jedes können wird zu can. Ich kann Englisch heißt I speak English oder I can speak English, aber nie I can English. Kann sein heißt maybe oder that may be so, nicht it can be. Das kann doch nicht wahr sein heißt That can't be true, hier passt can't tatsächlich, weil ausgeschlossene Möglichkeit gemeint ist. Und ich kann nicht mehr heißt I can't go on, nicht I can't more.
Umgekehrt steht can an Stellen, an denen das Deutsche gar kein Modalverb hätte, vor allem bei den Wahrnehmungsverben und in Bitten. Diese Asymmetrie ist typisch: Die beiden Sprachen decken sich in der Mitte und laufen an den Rändern auseinander. Eine Sammlung solcher Stolperstellen führt die Lektion zu den typischen Fehlern deutschsprachiger Lernender.
Achte zuletzt darauf, dass can in der Verneinung ein Verbot ausdrücken kann, das im Deutschen mit dürfen läuft. You can't go in there heißt du darfst da nicht rein und nicht du bist unfähig hineinzugehen. Für die stärkere Pflicht steht must, und dessen Verneinung mustn't bedeutet ebenfalls Verbot, während don't have to nur bedeutet, dass etwas nicht nötig ist.
Typische Fehler
Der erste Fehler ist das to: I can to help you. Nach can steht nie to, das gilt für alle Modalverben außer ought to. Der zweite ist das s: She cans sing. Der dritte ist das eingeschobene Hilfsverb: Do you can swim? Der vierte ist die falsche Verneinungsstelle: I not can come statt I can't come. Alle vier entstehen daraus, dass man can wie ein normales Vollverb behandelt.
Der fünfte Fehler ist die verpasste Ersatzform. I will can, I have canned und to can gibt es nicht, dort gehört be able to hin. Der sechste ist das fehlende can bei Wahrnehmung: I hear you sagt weniger, als du meinst. Der siebte betrifft die Aussprache: Wenn du can im Aussagesatz betonst, klingt der Satz wie ein Widerspruch, denn Muttersprachler betonen can nur dann, wenn sie einer Verneinung widersprechen.
Übe die Form am besten in kurzen Wechselsätzen, in denen Aussage, Verneinung und Frage direkt aufeinanderfolgen. I can drive. I can't ride a bike. Can you? Damit trainierst du gleichzeitig die Kurzantworten, die im Gespräch ständig gebraucht werden, und die Anhängefragen, die auf demselben Prinzip beruhen und in der Lektion zu den Question Tags behandelt werden.
Häufige Fragen
- Warum heißt es I can swim und nicht I can to swim?
- Weil can ein Modalverb ist und ein Modalverb immer den reinen Infinitiv nach sich zieht, also die Grundform ohne to. Das gilt genauso für must, may, will und should. Die einzige Ausnahme unter den Modalverben ist ought to, das sein to fest im Gepäck hat.
- Wie sage ich ich werde können?
- Mit I will be able to. Zwei Modalverben können nicht hintereinander stehen, deshalb ist I will can ausgeschlossen. Dieselbe Umschreibung brauchst du im Perfekt, also I have been able to, und nach anderen Modalverben, etwa in you might be able to.
- Was ist der Unterschied zwischen could und was able to?
- Could beschreibt eine dauerhafte Fähigkeit in der Vergangenheit: I could swim at four. Was able to beschreibt einen einzelnen Fall, in dem etwas tatsächlich gelang: I was able to fix it in ten minutes. In der Verneinung fällt der Unterschied weg, dort ist couldn't in beiden Fällen richtig.
- Warum sagt man I can see und nicht I see?
- Weil die Wahrnehmungsverben see, hear, smell, taste und feel keine Verlaufsform bilden. Um trotzdem einen Vorgang im Moment auszudrücken, tritt can dazu. I can see the sea heißt schlicht ich sehe das Meer. Ohne can klingt I see eher nach ich verstehe oder ich erkenne etwas.
- Heißt can nun können oder dürfen?
- Beides, je nach Zusammenhang. I can swim ist Fähigkeit, You can leave now ist Erlaubnis. Wenn du eindeutig über Erlaubnis sprichst und es förmlich klingen soll, nimm may. In der Vergangenheit wird die Erlaubnis mit was oder were allowed to ausgedrückt, weil could dort missverständlich wäre.
Passt dazu
- be used to und get used to — gewohnt sein oder sich gewöhnenWarum nach diesem to die -ing-Form steht, wie sich be used to von get used to unterscheidet und wo used to etwas ganz anderes meint.
- Gerundium oder Infinitiv — wenn die Form den Sinn ändertstop smoking gegen stop to smoke: Bei einer kleinen Gruppe von Verben entscheidet die Form über die Bedeutung, nicht über den Stil.
- Gerundium und Infinitiv — wann -ing steht und wann toWarum ein Verb nach einem anderen Verb eine Form braucht, welche zwei zur Wahl stehen und warum nach Präpositionen immer -ing folgt.
- have got — Besitz ausdrücken, britisch gegen amerikanischWann have got statt have steht, wie du damit verneinst und fragst und warum Amerikaner es seltener benutzen als Briten.
- have something done — etwas machen lassen auf EnglischWarum Ich lasse mein Auto reparieren nicht I let my car repair heißt und wie have und get den Unterschied zwischen Auftrag und Erlebnis tragen.
- may und might — Möglichkeit, Erlaubnis und der Ton dabeiWann etwas may und wann es might ist, warum may um Erlaubnis bittet und wie sich beides von can unterscheidet.