Das kannst du danach
- Du bildest das Present Progressive korrekt mit einer Form von to be und der -ing-Form.
- Du wendest die Schreibregeln für die -ing-Form an, auch bei Verben auf e und bei Doppelkonsonanten.
- Du unterscheidest die Verlaufsform vom Simple Present anhand der Situation, nicht anhand der Übersetzung.
- Du nennst die Verben, die keine Verlaufsform bilden, und erklärst warum.
- Du verwendest das Present Progressive für feste Zukunftspläne.
Warum diese Zeitform Deutschsprachigen schwerfällt
Das Englische unterscheidet in jeder Zeitstufe zwischen einer einfachen Form und einer Verlaufsform. I work und I am working sind nicht zwei Stilvarianten desselben Inhalts, sondern zwei verschiedene Aussagen. Die erste beschreibt, was allgemein gilt, die zweite, was gerade abläuft. Das Deutsche kennt diesen Unterschied grammatisch nicht. „Ich arbeite“ deckt beides ab, und der Kontext klärt den Rest.
Genau deshalb ist das Present Progressive die schwierigste Zeitform des A1-Bereichs. Nicht wegen der Bildung — die ist in fünf Minuten erklärt — sondern weil du eine Unterscheidung treffen musst, für die deine Muttersprache dir kein Werkzeug mitgegeben hat. Deutschsprachige bilden die Form meist korrekt und setzen sie trotzdem an der falschen Stelle ein.
Ganz ohne Vorbild ist das Deutsche allerdings nicht. Es gibt zwei Annäherungen. Erstens die Umschreibung mit „gerade“ oder „im Moment“: „Ich arbeite gerade“ ist ziemlich genau I'm working. Zweitens die regional verbreitete Verlaufsform mit am, wie im Rheinland und im Ruhrgebiet: „Ich bin am Arbeiten“. Diese Form gilt in der Standardsprache als umgangssprachlich, ist aber grammatisch fast genau das, was das Englische tut. Wer sie kennt, hat einen brauchbaren inneren Prüfstein: Wenn „Ich bin am …“ passt, passt auch das Present Progressive.
Die Bildung: to be plus -ing
Das Present Progressive besteht aus zwei Teilen: einer Form von to be im Präsens und dem Vollverb mit der Endung -ing. I am working. You are working. She is working. Beides ist Pflicht — ohne to be entsteht kein Satz, sondern ein Fragment. I working ist falsch, und dieser Fehler hält sich hartnäckig, weil das Deutsche kein Hilfsverb an dieser Stelle hat.
In gesprochenem Englisch wird to be fast immer zusammengezogen: I'm working, you're working, she's working, we're waiting, they're coming. Die Langform klingt betont oder förmlich. Verneint wird am Hilfsverb, wie es die Verneinung allgemein vorsieht: I'm not working, she isn't working, they aren't coming. In der Frage wandert to be nach vorn, und deshalb steht hier ausdrücklich kein do: Are you working? Is she coming? Warum das so ist, klärt die Lektion zu den Fragen mit do.
Die -ing-Form heißt auch Partizip Präsens und sieht genauso aus wie das Gerundium, das später bei Gerundium und Infinitiv eine ganz andere Rolle spielt. Gleiche Form, verschiedene Aufgabe — das ist im Englischen häufig und kein Grund zur Verwirrung, solange du die Funktion im Satz beachtest.
| Person | Vollform | Kurzform | Verneint |
|---|---|---|---|
| I | I am working | I'm working | I'm not working |
| you / we / they | you are working | you're working | you aren't working |
| he / she / it | she is working | she's working | she isn't working |
| Frage | Are you working? | — | Aren't you working? |
Die Schreibregeln der -ing-Form
Meistens hängst du -ing einfach an: work wird zu working, play zu playing, eat zu eating. Drei Regeln weichen davon ab. Erstens: Ein stummes e am Wortende fällt weg. Make wird zu making, write zu writing, come zu coming. Nicht betroffen sind Verben auf ee wie see, das zu seeing wird.
Zweitens: Endet ein kurzes, betontes Verb auf einen einzelnen Konsonanten nach einem einzelnen Vokal, wird dieser Konsonant verdoppelt. Sit wird zu sitting, run zu running, get zu getting, stop zu stopping. Bei zweisilbigen Verben hängt die Verdopplung von der Betonung ab: begin wird zu beginning, weil die zweite Silbe betont ist, aber listen wird zu listening.
Drittens gibt es eine Abweichung zwischen den Sprachvarianten. Verben auf l verdoppeln im britischen Englisch auch ohne Betonung: travel wird zu travelling, cancel zu cancelling. Im amerikanischen Englisch bleibt es bei traveling und canceling. Britisch ist hier Hausstandard, die amerikanische Form ist aber nicht falsch. Eine letzte Kleinigkeit: Verben auf ie werden zu y, also lie zu lying und die zu dying.
| Regel | Grundform | -ing-Form | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Standard | work | working | I'm working late. |
| stummes e fällt weg | make | making | She's making dinner. |
| Konsonant verdoppelt | sit | sitting | He's sitting outside. |
| Betonung auf zweiter Silbe | begin | beginning | It's beginning to rain. |
| ie wird zu y | lie | lying | The dog is lying there. |
| l im BE verdoppelt | travel | travelling (AE traveling) | We're travelling by train. |
Wann das Present Progressive steht
Der Hauptfall ist die Handlung, die im Moment des Sprechens abläuft. What are you doing? — I'm cooking. Be quiet, the baby is sleeping. It's raining again. Die Signalwörter dazu sind now, right now, at the moment und at present. Wenn eines davon im Satz steht, ist die Verlaufsform fast immer richtig.
Der zweite Fall ist weiter gefasst: eine Handlung, die vorübergehend ist, auch wenn sie gerade nicht im Gang ist. I'm reading a good book at the moment sagst du, während du am Küchentisch sitzt und gar nicht liest. She's living in Manchester this year heißt, dass das ein Zustand auf Zeit ist — im Gegensatz zu She lives in Manchester, was ihren Wohnort schlechthin nennt. Das Englische drückt hier mit der Zeitform aus, was das Deutsche mit „gerade“, „zurzeit“ oder „vorübergehend“ sagen müsste.
Der dritte Fall ist die Veränderung. Bei Verben des Wachsens, Steigens und Fallens steht die Verlaufsform, weil ein Prozess beschrieben wird: Prices are rising. The days are getting shorter. My English is improving. Auch hier klingt die einfache Form nicht falsch, sondern nach einer allgemeinen Wahrheit statt nach einer laufenden Entwicklung.
Der vierte Fall überrascht viele: die Verlaufsform mit always drückt Ärger aus. He's always losing his keys. She's always complaining about the weather. Das ist keine Häufigkeitsangabe, sondern ein Kommentar. Mit dem Simple Present und den Häufigkeitsadverbien gebildet, wäre He always loses his keys eine neutrale Feststellung.
Present Progressive für die Zukunft
Eine der nützlichsten Verwendungen hat mit der Gegenwart wenig zu tun. Für feste, verabredete Pläne benutzt das Englische das Present Progressive: I'm meeting Sarah tomorrow. We're flying to Dublin on Friday. She's starting her new job next month. Der Termin steht, oft mit anderen abgesprochen, meist im Kalender.
Damit steht diese Form neben zwei anderen Zukunftsformen, und die Abgrenzung ist die eigentliche Kunst. Going to drückt eine Absicht aus, für die es noch keinen festen Termin geben muss: I'm going to look for a new job. Will steht für spontane Entschlüsse und Vorhersagen: I'll help you. It'll rain tomorrow. Der Unterschied zwischen den beiden ist so wichtig, dass er eine eigene Lektion füllt, nämlich will gegen going to.
Praktisch gilt: Je fester der Termin, desto eher das Present Progressive. Bei Fahrplänen und offiziellen Terminen wechselt das Englische allerdings zurück ins Simple Present, weil dort nichts persönlich verabredet ist: The train leaves at seven. The film starts at eight. Diese Dreiteilung wirkt anfangs kleinlich und wird nach ein paar Wochen zur Gewohnheit.
| Form | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Present Progressive | fester Termin, verabredet | I'm seeing the doctor at four. |
| going to | Absicht, Vorhaben | I'm going to see a doctor soon. |
| will | spontan, Vorhersage | I'll see who's at the door. |
| Simple Present | Fahrplan, offizieller Termin | The train leaves at seven. |
Die Verben ohne Verlaufsform
Eine Gruppe von Verben bildet normalerweise keine Verlaufsform, weil sie keinen Vorgang beschreibt, sondern einen Zustand. Man nennt sie state verbs. Dazu gehören know, understand, believe, remember, forget, mean und think im Sinne von meinen. Ebenso die Gefühlsverben like, love, hate, prefer und want, dazu need. Weiter die Besitzverben have im Sinne von besitzen, own und belong, und schließlich be selbst.
Der Grund ist einfach: Ein Zustand läuft nicht ab, er besteht. Deshalb heißt es I know the answer, nicht I am knowing the answer. I want a coffee, nicht I am wanting a coffee. She likes jazz, nicht She is liking jazz. Dass diese Sätze für deutsche Ohren völlig in Ordnung klingen, macht sie besonders tückisch — im Deutschen gibt es die Unterscheidung ja gar nicht, also fehlt jedes Warnsignal.
Einige dieser Verben haben eine zweite Bedeutung, die sehr wohl einen Vorgang beschreibt, und dann ist die Verlaufsform richtig. I'm thinking about it heißt „Ich überlege“, nicht „Ich meine“. I'm having lunch heißt „Ich esse zu Mittag“, nicht „Ich besitze“. She's seeing someone heißt, dass sie mit jemandem zusammen ist, nicht dass sie jemanden erblickt. Das ist kein Regelbruch, sondern ein Bedeutungswechsel des Verbs. Wie stark das Englische mit dieser Unterscheidung arbeitet, zeigt sich auf höherem Niveau bei den Nuancen des Aspekts.
Bei den Wahrnehmungsverben see, hear, smell und taste steht statt der Verlaufsform meist can: I can hear something, nicht I am hearing something. Das ist eine der wenigen Stellen, an denen can keine Fähigkeit ausdrückt, sondern eine gerade laufende Wahrnehmung.
| Verb | Zustand, keine Verlaufsform | Vorgang, Verlaufsform möglich |
|---|---|---|
| think | I think you're right. | I'm thinking about it. |
| have | She has two cars. | She's having a shower. |
| see | I see what you mean. | I'm seeing the dentist at three. |
| be | He is rude. | He's being rude today. |
| know | I know the answer. | — (keine Verlaufsform) |
| want | I want a coffee. | — (keine Verlaufsform) |
Simple Present oder Present Progressive
Die Entscheidung fällt nicht über die deutsche Übersetzung, sondern über die Frage, was du beschreiben willst. Geht es um eine Gewohnheit, eine Regel, einen Dauerzustand oder eine allgemeine Wahrheit, steht das Simple Present: I work in a bank. Water boils at 100 degrees. She takes the bus every day. Geht es um etwas, das gerade oder vorübergehend abläuft, steht die Verlaufsform: I'm working from home this week.
Ein Satzpaar macht den Unterschied greifbar. What do you do? fragt nach dem Beruf. What are you doing? fragt, was gerade passiert. Wer die Formen vertauscht, wird verstanden, sagt aber etwas anderes, als er meint. Ähnlich bei He's rude, was einen Charakterzug beschreibt, und He's being rude, was sein heutiges Verhalten meint.
Als Vergangenheitsentsprechung dient das Past Progressive mit derselben Logik, und die dritte Stufe ist das Present Perfect Progressive für Handlungen, die schon eine Weile laufen. Wer das System einmal in der Gegenwart verstanden hat, überträgt es ohne neuen Aufwand auf alle anderen Zeitstufen — das ist der eigentliche Grund, warum sich der Aufwand an dieser Stelle lohnt.
Zum Üben hilft ein einfacher Test: Setz das deutsche „gerade“ oder das rheinische „am“ probeweise in den Satz. Klingt „Ich bin gerade am Wohnen in Berlin“ falsch, ist auch I'm living in Berlin nur dann richtig, wenn es sich um einen befristeten Aufenthalt handelt. Klingt „Ich bin gerade am Kochen“ richtig, ist I'm cooking richtig. Der Test ist nicht wasserdicht, aber er trifft in den meisten Fällen.
| Simple Present | Present Progressive | Unterschied |
|---|---|---|
| I work in Leeds. | I'm working in Leeds. | dauerhaft gegen vorübergehend |
| What do you do? | What are you doing? | Beruf gegen Moment |
| He's rude. | He's being rude. | Charakter gegen Verhalten |
| She always loses her keys. | She's always losing her keys. | neutral gegen genervt |
| The train leaves at six. | I'm leaving at six. | Fahrplan gegen eigener Plan |
Typische Fehler
Der häufigste Fehler ist das fehlende to be: I working, she working. Ohne Hilfsverb gibt es kein Present Progressive. Der zweite ist die Verlaufsform bei Zustandsverben: I am knowing, I am wanting, I am liking. Der dritte ist der umgekehrte Fall, die einfache Form für einen laufenden Vorgang: Look, it rains statt Look, it's raining.
Ein vierter Fehler betrifft die Schreibung: writeing statt writing, siting statt sitting, dieing statt dying. Die drei Schreibregeln lohnen sich, weil sie in jeder Zeitform mit -ing wieder auftauchen. Ein fünfter betrifft das do, das in der Frage nichts zu suchen hat: Do you working ist falsch, Are you working richtig, weil to be selbst nach vorn wandert.
Und schließlich der Fehler, der am schwersten zu bemerken ist: die richtige Form am falschen Ort. Wer in einem Bewerbungsgespräch I'm working as a project manager sagt, sagt damit, dass es sich um eine vorübergehende Beschäftigung handelt. Gemeint war meistens I work as a project manager. Kein Grammatikfehler, aber eine andere Aussage — und genau das macht diese Zeitform zur schwersten des Anfangsbereichs.
Häufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen I work und I am working?
- I work beschreibt eine Gewohnheit oder einen Dauerzustand, etwa den Beruf. I am working beschreibt etwas, das gerade oder vorübergehend abläuft. Deshalb heißt es I work in a bank für die Anstellung, aber I'm working from home today für den einzelnen Tag. Das Deutsche macht diesen Unterschied nicht grammatisch, sondern mit Wörtern wie gerade oder zurzeit.
- Warum kann ich nicht I am knowing sagen?
- Weil know einen Zustand beschreibt und keinen Vorgang. Zustände laufen nicht ab, sie bestehen, und deshalb bilden Verben wie know, like, want, believe und belong keine Verlaufsform. Richtig ist I know the answer. Für deutsche Ohren klingt die falsche Form völlig unauffällig, weil es im Deutschen keine entsprechende Unterscheidung gibt.
- Kann das Present Progressive Zukunft ausdrücken?
- Ja, und zwar für feste, verabredete Pläne: I'm meeting Sarah tomorrow. Der Termin steht bereits, meist mit anderen abgesprochen. Für eine bloße Absicht steht going to, für spontane Entschlüsse und Vorhersagen will. Fahrpläne und offizielle Termine bekommen dagegen das Simple Present: The train leaves at seven.
- Gibt es im Deutschen etwas Vergleichbares zur Verlaufsform?
- Grammatisch nicht in der Standardsprache. Es gibt zwei Annäherungen: die Umschreibung mit gerade oder im Moment und die regionale Form mit am, wie in „Ich bin am Arbeiten“. Die zweite ist strukturell fast dasselbe wie das Englische, gilt aber als umgangssprachlich. Als Prüfstein taugt sie trotzdem gut.
- Wann wird der Konsonant vor -ing verdoppelt?
- Wenn das Verb auf einen einzelnen Konsonanten nach einem einzelnen Vokal endet und die letzte Silbe betont ist: sit wird zu sitting, begin zu beginning. Bei unbetonter Endsilbe passiert nichts, also listen zu listening. Verben auf l verdoppeln im britischen Englisch auch unbetont, daher travelling gegenüber amerikanisch traveling.
- Warum heißt es Are you working und nicht Do you working?
- Weil bereits ein Hilfsverb im Satz steht, nämlich die Form von to be. Das Hilfsverb do wird nur eingesetzt, wenn sonst keines vorhanden ist, also im Simple Present und im Simple Past. Bei jeder zusammengesetzten Zeitform wandert stattdessen das vorhandene Hilfsverb nach vorn.
Passt dazu
- already, yet, just — Bedeutung und Stellung im englischen SatzWas already, yet und just bedeuten, an welche Stelle im Satz sie gehören und warum das deutsche „schon“ hier drei Übersetzungen hat.
- Aspekt — warum die Verlaufsform Bedeutung trägt, nicht nur ZeitI live in Berlin gegen I'm living in Berlin: Wie die englische Verlaufsform Dauer, Verhalten und Höflichkeit ausdrückt, wofür das Deutsche keine Form hat.
- for und since — Zeitraum gegen Zeitpunktfor steht vor einer Dauer, since vor einem Anfangspunkt. Im Deutschen heißt beides seit, und genau daher kommt der Fehler.
- future in the past — was going to und would als Zukunft von gesternWie man aus der Vergangenheit heraus über die Zukunft spricht: was going to, would, was to und was about to im Vergleich.
- Future Perfect — will have done und was bis dahin fertig istDer Rückblick aus der Zukunft: Bildung mit will have, die Rolle von by und warum das deutsche Futur II im Alltag fast nie vorkommt.
- Future Progressive — will be doing und wann es wirklich stehtDer Verlauf zu einem Zeitpunkt in der Zukunft, die höfliche Frage nach Plänen und warum das Deutsche für beides keine eigene Form hat.