Das kannst du danach
- Du entscheidest zwischen will und going to nach dem Beleg, nicht nach dem Gefühl.
- Du erkennst, wann eine Vorhersage sichtbare Gegenwartsgründe hat.
- Du benutzt going to für vorher gefasste Absichten und will für Spontanes.
- Du weißt, in welchen Sätzen beide Formen möglich sind und was sich dabei ändert.
Warum die übliche Erklärung nicht reicht
In fast jedem Lehrbuch steht derselbe Satz: will für spontane Entscheidungen, going to für Geplantes. Das ist nicht falsch, aber es erklärt nur die Hälfte der Fälle. Sobald es nicht um eine Entscheidung geht, sondern um eine Vorhersage, hilft die Regel nicht weiter. It's going to rain ist keine Entscheidung und keine Absicht. Trotzdem ist going to hier richtig und will falsch — und die Faustregel schweigt dazu.
Der Unterschied, der wirklich trägt, lautet anders: going to stützt sich auf etwas, das in der Gegenwart vorhanden ist — ein sichtbares Zeichen, ein bereits gefasster Entschluss, eine schon getroffene Vorbereitung. will stützt sich auf nichts als die Einschätzung des Sprechers, auf Erfahrung, Hoffnung oder Vermutung. going to zeigt nach draußen, will zeigt nach innen.
Diese Lektion setzt beide Formen als bekannt voraus. Falls die Bildung noch unsicher ist, stehen die Formen im Einzelnen unter will und unter going to. Hier geht es ausschließlich um die Wahl zwischen beiden.
Der Beleg in der Gegenwart
Das Schulbeispiel, an dem der ganze Unterschied hängt: Look at those clouds — it's going to rain. Der Sprecher trifft keine Entscheidung und hat keinen Plan. Er sieht Wolken. Der Beleg für die Aussage steht sichtbar am Himmel, und genau deshalb steht going to. Daneben: I think it will rain tomorrow. Hier sieht niemand etwas. Der Sprecher hat eine Meinung, mehr nicht, und deshalb steht will.
Diese Probe funktioniert bei fast jedem Satz. Frag dich: Gibt es in diesem Moment etwas, das die Aussage stützt. Wenn ja, nimm going to. Wenn du dagegen nur schätzt, glaubst oder hoffst, nimm will. She's going to have a baby — man sieht es. He's going to fall — er wankt gerade auf der Leiter. This bag is going to break — es reißt schon an der Naht. Alle drei Sätze mit will wären nicht ungrammatisch, aber sie würden bedeuten, dass der Sprecher rät statt sieht.
Umgekehrt klingt going to seltsam, wo es keinen Anhalt gibt. In fifty years, people will live longer — niemand hat dafür einen Beleg vor Augen, es ist eine Prognose über die ferne Zukunft. Deshalb steht will. Genau darum arbeiten Zeitungsartikel und Berichte über langfristige Entwicklungen überwiegend mit will, während gesprochene Alltagssprache voller going to ist: Im Alltag zeigt man auf Dinge.
Die Entscheidung: vorher gefasst oder eben erst
Bei Absichten gilt derselbe Gedanke, nur dass der Beleg kein Wetterphänomen ist, sondern ein Entschluss, der schon existiert. We're going to move to Hamburg heißt: Der Entschluss ist gefallen, vermutlich sind Wohnungen angesehen und Termine gemacht. Der Beleg liegt in der Gegenwart, auch wenn ihn außer dem Sprecher niemand sieht.
will dagegen markiert den Moment, in dem der Entschluss fällt. Das Klassikerpaar aus dem Restaurant zeigt es: Der Kellner fragt, der Gast liest die Karte und sagt I'll have the salmon. Hätte er sich schon vor dem Betreten des Lokals entschieden, wäre I'm going to have the salmon richtig — was man selten sagt, weil man selten so plant. Deshalb hört man im Restaurant fast immer will.
Dasselbe im Büro: Das Telefon klingelt, jemand sagt I'll get it. Wer stattdessen I'm going to get it sagt, behauptet, er habe das schon vorher vorgehabt — was bei einem klingelnden Telefon unfreiwillig komisch wirkt. Und wer ein Angebot macht, jemandem etwas abzunehmen, benutzt ebenfalls will, weil das Angebot in diesem Augenblick entsteht.
Die beiden Formen nebeneinander
Die Tabelle stellt Paare gegenüber, die sich nur in der Form unterscheiden. Lies sie zeilenweise und achte darauf, was sich an der Aussage ändert — nicht darauf, was im Deutschen daraus wird, denn im Deutschen wird beides oft dasselbe.
| going to | Warum | will | Warum |
|---|---|---|---|
| Watch out — you're going to fall. | Er wankt sichtbar. | You'll fall if you climb that. | Reine Vermutung. |
| I'm going to study medicine. | Entschluss steht fest. | I think I'll study medicine. | Überlegung, noch offen. |
| She's going to call you back. | Sie hat es angekündigt. | She'll call you back, I'm sure. | Einschätzung des Sprechers. |
| We're going to be late. | Der Stau steht vor uns. | We'll be late, knowing him. | Erfahrungswert. |
| The battery's going to die. | Die Anzeige ist rot. | The battery will last a year. | Herstellerangabe, Prognose. |
Wo beides möglich ist
Es gibt eine große Grauzone, und sie ehrlich zu benennen ist wichtiger, als eine saubere Regel vorzutäuschen. Bei neutralen Aussagen über die Zukunft, für die es weder einen sichtbaren Beleg noch eine sichtbare Absicht gibt, sind beide Formen möglich, und Muttersprachler wechseln je nach Region und Situation. The shop will close at eight und The shop is going to close at eight sagen beide dasselbe.
Ein zweiter Bereich mit Spielraum sind Ankündigungen. In offiziellem Ton, etwa in Durchsagen und Presseerklärungen, überwiegt will: The minister will visit the region next week. Im Gespräch über dieselbe Sache überwiegt going to. Das ist eine Frage des Registers, nicht der Grammatik; die grundsätzliche Unterscheidung zwischen formellem und lockerem Ausdruck behandelt Register.
Ein dritter Punkt betrifft feste Termine. Wo ein Termin verabredet ist, benutzt das Englische oft weder will noch going to, sondern das Present Progressive: I'm meeting Sarah on Friday. Für Fahrpläne und feste Abläufe steht sogar das Simple Present: The train leaves at 7.40. Die Wahl zwischen will und going to ist also nur ein Ausschnitt aus vier Möglichkeiten, die Zukunft auszudrücken.
Der Vergleich zum Deutschen
Das Deutsche kennt diese Unterscheidung nicht. „Es wird regnen“ deckt beide englischen Sätze ab, gleichgültig ob der Sprecher gerade Wolken sieht oder das Wetter für nächste Woche schätzt. Deshalb gibt es für deutschsprachige Lernende hier keine Intuition, an die man anknüpfen könnte — die Wahl muss bewusst getroffen werden, jedes Mal, bis sie sich abschleift.
Erschwerend kommt hinzu, dass das Deutsche für die Zukunft am liebsten das Präsens benutzt: „Ich fahre morgen nach Köln.“ Wer diesen Satz Wort für Wort überträgt, landet bei I drive to Cologne tomorrow und liegt damit doppelt daneben — die Zeitform stimmt nicht, und die Entscheidung zwischen will und going to wurde umgangen. Richtig wäre je nach Lage I'm going to drive, I'm driving oder I'll drive.
Eine kleine Brücke gibt es doch: Das umgangssprachliche „Ich hab vor zu …“ oder „Das gibt gleich Regen“ liegt going to nahe, während „Ich glaube, es regnet morgen“ auf will hinausläuft. Wo das Deutsche eine Absicht oder eine sichtbare Vorstufe nennt, ist going to meist richtig. Wo es eine Meinung äußert, ist es will. Perfekt ist die Brücke nicht, aber sie trägt in den meisten Alltagssätzen.
Typische Fehler und wie du sie prüfst
Der häufigste Fehler ist will nach einem sichtbaren Anlass: Look, the milk will boil over. Richtig ist is going to boil over, weil der Topf gerade überkocht. Der zweithäufigste ist going to bei einer spontanen Zusage: Der Kollege bittet um Hilfe, und die Antwort I'm going to help you klingt, als habe man das schon lange geplant und sei jetzt endlich soweit. Richtig ist I'll help you.
Der dritte Fehler betrifft die Nebensätze und trifft beide Formen gleichermaßen: Nach if, when, as soon as, before und until steht keine Zukunftsform, sondern das Präsens. If it rains, we'll stay in. Nicht If it will rain und auch nicht If it's going to rain — außer man meint tatsächlich einen Beleg für Regen. Die Einzelheiten stehen unter If-Sätze Typ 1 und unter Temporalsätze.
Als Kontrolle beim Schreiben hilft eine einzige Frage: Kann ich vor den Satz ein Look oder ein I can see setzen, ohne dass es unsinnig wird. Wenn ja, ist going to fällig. Passt stattdessen I think oder I'm sure davor, steht will. Diese Probe ersetzt keine Regel, aber sie entscheidet in Sekunden — und sie funktioniert auch bei Verneinungen, für die die üblichen Regeln zur Verneinung mit not unverändert gelten.
Häufige Fragen
- Ist will für Spontanes und going to für Geplantes wirklich falsch?
- Nicht falsch, aber unvollständig. Die Regel gilt nur für Entscheidungen. Bei Vorhersagen versagt sie, denn It's going to rain ist weder geplant noch eine Entscheidung. Die tragfähige Fassung lautet: going to braucht einen Anhaltspunkt in der Gegenwart, will kommt mit einer bloßen Einschätzung aus.
- Warum heißt es Look at those clouds — it's going to rain und nicht it will rain?
- Weil der Beleg sichtbar vor dem Sprecher steht. going to greift auf etwas zurück, das in der Gegenwart schon da ist — hier die Wolken. Mit will würde der Satz behaupten, der Sprecher rate ins Blaue, was der Hinweis auf die Wolken gerade widerlegt. Deshalb wirkt die Kombination aus Look und will unstimmig.
- Kann ich gonna schreiben?
- In gesprochener Sprache ist gonna die normale Aussprache von going to und in Liedtexten, Chats und Untertiteln auch so verschriftlicht. In jedem geschriebenen Text mit Anspruch — E-Mail an einen Kunden, Bewerbung, Prüfung — schreibst du going to aus. Dasselbe gilt für wanna und gotta.
- Was benutze ich für feste Termine?
- Weder will noch going to, sondern das Present Progressive: I'm seeing the doctor at three. Für Fahrpläne, Öffnungszeiten und Programme steht das Simple Present: The film starts at eight. Das Englische hat also vier Wege in die Zukunft, und will und going to sind nur zwei davon.
- Gibt es einen Unterschied zwischen britischem und amerikanischem Englisch?
- In der Bedeutung nicht. Der Unterschied ist eine Frage der Häufigkeit: Amerikanisches Englisch greift im Alltag noch etwas öfter zu going to und der Kurzform gonna, britisches Englisch behält will in formellen Zusammenhängen stärker bei. Beide Formen sind in beiden Varianten völlig üblich.
Passt dazu
- already, yet, just — Bedeutung und Stellung im englischen SatzWas already, yet und just bedeuten, an welche Stelle im Satz sie gehören und warum das deutsche „schon“ hier drei Übersetzungen hat.
- Aspekt — warum die Verlaufsform Bedeutung trägt, nicht nur ZeitI live in Berlin gegen I'm living in Berlin: Wie die englische Verlaufsform Dauer, Verhalten und Höflichkeit ausdrückt, wofür das Deutsche keine Form hat.
- for und since — Zeitraum gegen Zeitpunktfor steht vor einer Dauer, since vor einem Anfangspunkt. Im Deutschen heißt beides seit, und genau daher kommt der Fehler.
- future in the past — was going to und would als Zukunft von gesternWie man aus der Vergangenheit heraus über die Zukunft spricht: was going to, would, was to und was about to im Vergleich.
- Future Perfect — will have done und was bis dahin fertig istDer Rückblick aus der Zukunft: Bildung mit will have, die Rolle von by und warum das deutsche Futur II im Alltag fast nie vorkommt.
- Future Progressive — will be doing und wann es wirklich stehtDer Verlauf zu einem Zeitpunkt in der Zukunft, die höfliche Frage nach Plänen und warum das Deutsche für beides keine eigene Form hat.