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Future Progressive — will be doing und wann es wirklich steht

Der Verlauf zu einem Zeitpunkt in der Zukunft, die höfliche Frage nach Plänen und warum das Deutsche für beides keine eigene Form hat.

Das kannst du danach

  • Du bildest das Future Progressive mit will be und der -ing-Form.
  • Du erkennst, wann ein Verlauf in der Zukunft gemeint ist und wann nicht.
  • Du unterscheidest die höfliche Frage nach Plänen von der Bitte mit will.
  • Du grenzt die Form gegen will, going to und das Future Perfect ab.
  • Du weißt, warum nach Zeitkonjunktionen kein will steht.

Was das Future Progressive überhaupt zeigt

Das Future Progressive setzt einen Zeitpunkt in der Zukunft und sagt, dass eine Handlung dann gerade läuft. This time tomorrow I'll be sitting on a train to Edinburgh. Der Satz behauptet nicht, dass die Fahrt morgen beginnt oder endet, sondern dass sie um diese Uhrzeit mitten im Gang ist. Das ist derselbe Gedanke wie beim Past Progressive, nur nach vorn verschoben.

Damit hat die Form zwei feste Zutaten: einen Zeitpunkt und einen Verlauf. Fehlt der Zeitpunkt, wirkt der Satz unfertig. At eight, tomorrow morning, when you arrive, in an hour — irgendetwas muss den Punkt setzen, an dem man die Handlung antrifft. Fehlt der Verlauf, weil die Handlung punktuell ist, passt die Form ohnehin nicht.

Die zweite, im Alltag mindestens ebenso wichtige Leistung ist eine ganz andere: Das Future Progressive spricht über Zukünftiges, ohne eine Absicht zu behaupten. I'll be seeing Tom on Friday anyway heißt „ich treffe Tom sowieso am Freitag“ — nicht weil ich es beschlossen habe, sondern weil es ohnehin so kommt. Genau diese Neutralität macht die Form so höflich, und genau sie fehlt dem Deutschen.

Die Form: will be plus -ing

Gebaut wird es aus drei Teilen: will, be und die -ing-Form des Vollverbs. will und be bleiben unverändert, egal wer handelt. I will be working, she will be working, they will be working. Gesprochen steht fast immer die Kurzform: I'll be working.

Die Verneinung schiebt not zwischen will und be, meist als won't: She won't be coming to the meeting. Die Frage stellt will voran: Will you be using the car tonight. Ein Hilfsverb do gibt es hier nicht, weil will selbst schon eines ist.

Statt will kann auch shall stehen, aber nur mit I und we und nur im britischen Englisch: Shall I be waiting outside. Das klingt heute förmlich bis altmodisch und kommt fast nur noch in Fragen vor. Die Grundlagen dazu stehen in der Lektion zu will.

Für die -ing-Form gelten die üblichen Schreibregeln: stummes e fällt weg (write wird zu writing), ein einzelner betonter Endkonsonant verdoppelt sich (sit wird zu sitting), ie wird zu y (lie wird zu lying). Wer das vom Present Progressive kennt, muss hier nichts Neues lernen.

SatzartFormBeispiel
Aussagewill be + -ingI'll be waiting at the gate.
Verneinungwon't be + -ingHe won't be joining us.
FrageWill + Person + be + -ingWill you be staying long?
KurzantwortYes, I will. / No, I won't.Will she be driving? Yes, she will.

Gebrauch 1: der Verlauf zu einem Zeitpunkt

Das ist die Lehrbuchbedeutung und die leichteste. Man setzt einen Punkt in der Zukunft und schaut, was dann läuft. Don't call at seven, we'll be having dinner. At this time next week they'll be flying over the Atlantic. Der Satz braucht dafür fast immer eine Zeitangabe, weil sonst offenbleibt, wann man die Handlung antreffen soll.

Der Zeitpunkt muss keine Uhrzeit sein. Auch ein anderer Vorgang kann ihn setzen, und dann steht ein Nebensatz: When you get there, we'll be packing up. Wichtig ist dabei: Im Nebensatz mit when, while, as soon as oder by the time steht kein will. Diese Regel gilt für alle Temporalsätze und ist derselbe Mechanismus wie in den If-Sätzen Typ 1.

Wie überall im Englischen gilt auch hier: Zustandsverben stehen nicht in der Verlaufsform. Nicht I'll be knowing the answer, sondern I'll know the answer. Betroffen sind know, believe, own, want, need, seem, understand und die übrigen Verben, die keinen Vorgang beschreiben.

Eine hübsche Nebenwirkung der Form ist die Betonung der Dauer. We'll be driving for six hours klingt nach einer langen Fahrt, we'll drive for six hours nach einer Planangabe. Wer den Aufwand hörbar machen will, nimmt die Verlaufsform.

Gebrauch 2: das Selbstverständliche, ohne Absicht

Dieser Gebrauch ist im gesprochenen Englisch häufiger als der erste und wird im Unterricht oft übergangen. Das Future Progressive sagt, dass etwas im normalen Lauf der Dinge geschehen wird. Es enthält keine Entscheidung, kein Versprechen und keinen Plan, sondern beschreibt schlicht, wie es kommen wird.

Der Unterschied zeigt sich im Vergleich. I'll speak to her about it klingt nach einem Entschluss, den ich gerade fasse — womöglich, weil du mich darum gebeten hast. I'll be speaking to her tomorrow anyway heißt: Wir haben ohnehin einen Termin, das ergibt sich von selbst. Der zweite Satz nimmt jeden Anschein von Gefälligkeit oder Verpflichtung heraus.

Deshalb ist die Form in Ansagen und im Beruf so verbreitet. Our team will be reviewing your application next week. The train will be arriving at platform four. Beide Sätze wirken sachlich und unpersönlich, weil sie keine Absicht behaupten, sondern einen Ablauf. Mit going to klängen sie plötzlich nach persönlichem Entschluss.

Für Deutschsprachige ist das schwer zu greifen, weil unser Präsens diese Nuance nicht trägt. „Ich spreche morgen sowieso mit ihr“ transportiert es über das Wörtchen „sowieso“, nicht über die Verbform. Englisch schafft es mit der Grammatik allein.

Gebrauch 3: die höfliche Frage nach Plänen

Aus dem zweiten Gebrauch folgt eine der praktischsten Anwendungen überhaupt. Will you be using the car tonight erkundigt sich nach deinen Plänen. Will you use the car tonight klingt dagegen wie eine Aufforderung oder eine Bitte, das Auto zu benutzen. Der Unterschied entscheidet darüber, ob eine Frage neutral oder fordernd wirkt.

Der Grund ist derselbe wie oben: Die Verlaufsform unterstellt keine Absicht und verlangt deshalb keine Zusage. Sie erkundigt sich nur nach dem, was ohnehin passiert. Deshalb hört man im Hotel Will you be having breakfast with us und nicht Will you have breakfast with us, das nach einer Einladung klänge.

Diese Frage ist auch das Werkzeug, um heikle Themen anzuschneiden. Will you be leaving early ist eine Erkundigung. Are you going to leave early klingt nach Kontrolle, weil going to die Absicht des Gegenübers ins Zentrum stellt. Wer im Beruf auf Englisch nach Plänen fragt, fährt mit will you be doing fast immer am besten.

Eine Ausnahme sollte man kennen: In der ersten Person klingt die Frage seltsam. Will I be needing my passport ist möglich, aber ungewöhnlich; normal wäre Do I need my passport.

FrageWirkung
Will you be using the car?Erkundigung nach dem Plan
Will you use the car?Bitte oder Aufforderung
Are you going to use the car?Frage nach der Absicht
Are you using the car?Frage nach einer festen Verabredung

Abgrenzung zu den anderen Zukunftsformen

Englisch hat für die Zukunft keine einzelne Zeitform, sondern eine Handvoll Ausdrücke, die sich in der Perspektive unterscheiden. will ist die neutrale Vorhersage und der spontane Entschluss. going to ist die Absicht oder der sichtbare Hinweis. Das Present Progressive ist die feste Verabredung: I'm meeting Tom at six. Und das Future Progressive ist der Verlauf oder der selbstverständliche Ablauf.

Der häufigste Fehler ist nicht, die falsche Form zu wählen, sondern das Future Progressive gar nicht zu benutzen. Deutschsprachige greifen zu will, weil das die Form ist, die man zuerst lernt, und produzieren dann Sätze wie Tomorrow at ten I will sit in the meeting. Grammatisch ist der Satz nicht kaputt, aber ein Muttersprachler sagt I'll be sitting in the meeting.

Umgekehrt darf die Verlaufsform nicht dort stehen, wo ein einmaliger Entschluss gemeint ist. Auf die Bitte Can you help me antwortet man Yes, I'll help you und nicht I'll be helping you. Der Unterschied zwischen will und der Verlaufsform ist an dieser Stelle genau der zwischen Zusage und Ablaufbeschreibung. Die Grundabgrenzung von will und going to steht in einer eigenen Lektion.

Und schließlich das Future Perfect: Es setzt ebenfalls einen Punkt in der Zukunft, blickt von dort aber zurück auf etwas Abgeschlossenes. By six I'll have finished. At six I'll be finishing. Der erste Satz sagt, dass die Arbeit erledigt ist; der zweite, dass sie gerade im Endspurt läuft.

FormPerspektiveBeispiel
willVorhersage, spontaner EntschlussI'll call you later.
going toAbsicht, sichtbarer HinweisI'm going to call her tonight.
Present Progressivefeste VerabredungI'm meeting her at six.
Future ProgressiveVerlauf, selbstverständlicher AblaufI'll be meeting her anyway.
Future Perfectabgeschlossen bis zu einem PunktI'll have met her by Friday.

Der Vergleich zum Deutschen

Deutsch hat keine Verlaufsform. Wir behelfen uns mit Wörtern: „gerade“, „dabei sein zu“, „mitten in“. „Morgen um zehn sitze ich gerade im Zug.“ Die Zeitform ist das Präsens, die Verlaufsbedeutung steckt allein im Adverb. Englisch verschiebt diese Information in das Verb selbst, und das ist der Grund, warum Deutschsprachige die Form so selten von sich aus bilden.

Hinzu kommt, dass Deutsch für die Zukunft überwiegend das Präsens nimmt. „Morgen fahre ich nach Köln“ ist der normale Satz; „Ich werde morgen nach Köln fahren“ klingt schwerfällig oder betont. Englisch dagegen braucht eine Zukunftsform, sobald der Zusammenhang sie nicht liefert. Wer aus dem deutschen Präsens heraus übersetzt, landet leicht beim englischen Simple Present, das für die Zukunft nur bei Fahrplänen taugt: The train leaves at six.

Der dritte Punkt ist die Höflichkeit. Deutsch macht die Frage nach Plänen mit einer Partikel weich: „Brauchst du das Auto denn heute Abend?“ Englisch macht es mit der Verbform. Wer die Partikel eins zu eins ersetzen will, findet nichts — und wirkt dann unabsichtlich fordernd. Die Verlaufsform ist hier das genaue Gegenstück zum deutschen „denn“ oder „eigentlich“.

Viertens die Vermutung. Deutsch nutzt „wird wohl“ für eine Annahme über die Gegenwart: „Er wird jetzt wohl gerade essen.“ Englisch kann das ebenfalls mit dem Future Progressive: He'll be having dinner right now. Der Satz spricht nicht über die Zukunft, sondern über einen wahrscheinlichen Zustand in diesem Moment. Diese Verwendung ist verwandt mit den Konstruktionen der modalen Vergangenheit, nur eben nach vorn statt zurück gerichtet.

Typische Fehler

Erstens will in Zeit- und Bedingungssätzen. Nach when, while, as soon as, before, after, until und if steht im Englischen kein will, auch wenn es um die Zukunft geht. When you will arrive ist falsch, richtig ist when you arrive. Deutsch setzt hier ein „wirst“, und genau das wird übertragen.

Zweitens die Verlaufsform bei Zustandsverben. I'll be knowing, I'll be having a car, I'll be wanting sind falsch. Diese Verben stehen auch in der Zukunft in der einfachen Form.

Drittens das fehlende be. Aus will be working wird bei Eile leicht will working. Die Form hat drei Teile, und be ist der Teil, der beim Sprechen am ehesten untergeht.

Viertens die Verwechslung mit dem Present Perfect Progressive bei Zeitangaben mit for. By Friday I'll be working here for ten years ist falsch; richtig heißt es I'll have been working here for ten years, weil der Blick zurückreicht. Wer eine Dauer bis zu einem Zukunftspunkt meint, braucht die Perfektform und nicht die einfache Verlaufsform.

Häufige Fragen

Wann nehme ich will be doing statt will do?
Immer dann, wenn die Handlung zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft gerade läuft, oder wenn du sagen willst, dass etwas im normalen Ablauf ohnehin passiert. At nine I'll be driving to work beschreibt den Verlauf. I'll be seeing her tomorrow anyway beschreibt den ohnehin bestehenden Ablauf. Für spontane Entschlüsse und Zusagen bleibt will do richtig.
Warum klingt Will you be coming höflicher als Will you come?
Weil die Verlaufsform keine Absicht unterstellt. Will you come fragt danach, ob du dich entscheiden willst zu kommen, und wirkt dadurch wie eine Bitte oder Aufforderung. Will you be coming erkundigt sich nur danach, was ohnehin geplant ist. Im Beruf ist das der Standardweg, um nach Plänen zu fragen, ohne Druck zu erzeugen.
Was ist der Unterschied zwischen will be doing und will have done?
Beide setzen einen Punkt in der Zukunft, aber sie schauen in verschiedene Richtungen. will be doing zeigt, was zu diesem Zeitpunkt läuft: At six I'll be cooking. will have done zeigt, was bis dahin fertig ist: By six I'll have cooked dinner. Die erste Form beschreibt den Verlauf, die zweite das Ergebnis.
Heißt es when you will arrive oder when you arrive?
when you arrive. Nach Zeitkonjunktionen wie when, while, as soon as, before, after, until und by the time steht im Englischen kein will, obwohl es um die Zukunft geht. Die Zukunft steht nur im Hauptsatz: I'll be waiting when you arrive. Dieselbe Regel gilt für if in Bedingungssätzen.
Gibt es das Future Progressive im Deutschen?
Nicht als Form. Deutsch drückt den Verlauf mit Wörtern wie gerade, mitten in oder dabei sein zu aus und benutzt für die Zukunft meistens das Präsens. Morgen um zehn sitze ich gerade im Zug entspricht dem englischen This time tomorrow I'll be sitting on the train. Weil es keine Entsprechung gibt, muss man die Form bewusst üben, statt auf das Sprachgefühl zu warten.

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