Das kannst du danach
- Du bildest Aussage, Verneinung und Frage mit will korrekt.
- Du erkennst die drei Hauptfälle: spontane Entscheidung, Vorhersage, Versprechen.
- Du vermeidest will nach if und when und setzt dort das Präsens.
- Du unterscheidest will von der going-to-Form und vom Present Progressive.
Wie will gebildet wird
will ist ein Modalverb und verhält sich auch so. Es bleibt in allen Personen gleich, es bekommt kein s in der dritten Person Singular, und danach folgt der Infinitiv ohne to: I will go, she will go, they will go. Wer hier ein Formengeflecht wie im Deutschen erwartet, wird angenehm enttäuscht. Wie sich will in die übrige Gruppe einordnet, zeigt der Überblick über die Modalverben.
Im Gespräch wird will fast immer zusammengezogen: I'll call you later. She'll be here at six. Die Kurzform ist keine Nachlässigkeit, sondern der Normalfall. Ausgeschrieben wirkt will in einem lockeren Satz sogar betont: I will pay heißt dann so viel wie „doch, ich zahle das“. Die Verneinung lautet will not, zusammengezogen won't — nicht willn't, diese Form gibt es nicht. Die Frage wird durch Voranstellen gebildet: Will you help me. Ein do braucht es dabei nicht, weil will selbst schon Hilfsverb ist; die Regeln zu Fragen mit do gelten hier also gerade nicht.
Kurzantworten funktionieren wie bei allen Hilfsverben: Will they come. Yes, they will. No, they won't. Und auch die Question Tags greifen auf will zurück: You'll be there, won't you.
| Form | Beispiel | Kurzform |
|---|---|---|
| Aussage | I will help you. | I'll help you. |
| Verneinung | He will not come. | He won't come. |
| Frage | Will she call back. | — |
| Kurzantwort | Yes, we will. / No, we won't. | — |
| mit there | There will be a delay. | There'll be a delay. |
Die spontane Entscheidung
Der erste und schulbuchtypische Fall: will steht für eine Entscheidung, die im Moment des Sprechens fällt. Das Telefon klingelt — I'll get it. Der Kellner kommt an den Tisch — I'll have the soup, please. Eine Kollegin klagt über einen schweren Karton — I'll help you with that. In allen drei Fällen gab es Sekunden zuvor noch keinen Plan.
Genau darin liegt der Unterschied zur going-to-Form, die eine schon gefasste Absicht ausdrückt. Wer sagt I'm going to have the soup, hat sich die Speisekarte vorher angesehen und war längst entschieden. Der Unterschied ist im Deutschen unsichtbar, weil beide Sätze zu „Ich nehme die Suppe“ werden. Die vollständige Abgrenzung steht unter will gegen going to; dort geht es um mehr als nur um spontan gegen geplant.
Weil die spontane Entscheidung so oft ein Angebot oder ein Versprechen ist, taucht will in genau diesen Zusammenhängen auf: I'll call you tomorrow. I won't tell anyone. Shall I open the window — shall ist dabei die britische Variante für Angebote und Vorschläge in der ersten Person und klingt höflicher als will.
Die Vorhersage und die Meinung
Der zweite Fall trägt die meiste Last im Alltag: will drückt aus, was der Sprecher für wahrscheinlich hält. It will rain tomorrow. She won't like this. The meeting will take about an hour. Grundlage ist nicht ein sichtbarer Beweis, sondern Erfahrung, Einschätzung oder Vermutung.
Daran erkennt man diesen Gebrauch auch an seiner Begleitung. will steht auffällig oft nach Ausdrücken wie I think, I'm sure, I hope, probably, perhaps oder I expect: I think they'll agree. She'll probably be late. Wo eine Meinung geäußert wird, ist will die passende Form. Wo dagegen etwas in der Gegenwart sichtbar auf die Zukunft hindeutet, verlangt das Englische going to — dieser Punkt ist der Kern der going-to-Form.
Für längere Zeiträume und formelle Texte gilt dasselbe: Prognosen, Wetterberichte, Geschäftsberichte und Zeitungsartikel arbeiten überwiegend mit will, weil sie Einschätzungen formulieren. Braucht ein Satz zusätzlich den Verlauf oder den Abschluss in der Zukunft, greifen Future Progressive und Future Perfect — beide bauen auf will auf und sind ohne diese Lektion nicht zu verstehen.
will in Bitten, Angeboten und Zusagen
Will you steht in Bitten: Will you close the door, please. Das ist direkt und im Ton neutral bis knapp; höflicher wird es mit would oder could. Won't you dagegen ist eine Einladung mit altmodischem Klang: Won't you sit down. In der ersten Person wird aus der Bitte ein Angebot: I'll carry that for you.
In Zusagen ist will die Standardform, und zwar in beiden Richtungen: I'll be there at eight. I won't forget. Deshalb steht will auch in Verträgen, Bestätigungsmails und Terminabsprachen. Wer eine Zusage abschwächen will, benutzt nicht eine andere Zeitform, sondern ein Modalverb der Wahrscheinlichkeit wie might: I might be a bit late.
Wo will nicht stehen darf
Die wichtigste Einschränkung überhaupt: Nach if und nach Zeitkonjunktionen wie when, as soon as, before, after und until steht kein will, obwohl der Satz die Zukunft meint. If it rains, we'll stay at home. Nicht If it will rain. I'll call you when I get home. Nicht when I will get home. Im Nebensatz steht das Simple Present, das will bleibt dem Hauptsatz vorbehalten.
Das ist kein Sonderfall, sondern eine feste Regel des englischen Satzbaus, und sie ist für Deutschsprachige besonders tückisch, weil das Deutsche hier genau umgekehrt arbeitet: „Wenn es regnen wird“ klingt im Deutschen zwar auch ungelenk, ist aber möglich. Die Einzelheiten stehen unter If-Sätze Typ 1 und für die zeitlichen Nebensätze unter Temporalsätze.
Eine Ausnahme gibt es doch, und sie verwirrt zu Recht: Wenn if nicht „falls“ heißt, sondern „ob“, ist will erlaubt. I don't know if she will come. Hier leitet if keinen Bedingungssatz ein, sondern eine indirekte Frage. Ausführlich behandelt das die Lektion zu den indirekten Fragen.
Der Vergleich zum Deutschen
Das deutsche „werden“ sieht aus wie eine saubere Entsprechung zu will und ist doch ein schlechter Ratgeber. Erstens hat „werden“ im Deutschen mehrere Jobs: Es bildet das Futur, es bildet das Passiv, und es ist ein Vollverb der Veränderung. Nur der erste dieser drei Jobs entspricht will. „Das Haus wird gebaut“ ist Passiv und heißt The house is being built, nicht will. Wer hier überträgt, produziert Sätze, die niemand versteht; die Formen dazu stehen unter Passiv.
Zweitens benutzt das Deutsche für die Zukunft meistens gar kein Futur, sondern das Präsens: „Ich rufe dich morgen an.“ Das Englische kann das nur eingeschränkt. Bei festen Fahr- und Terminplänen geht es — The train leaves at six —, sonst braucht die Zukunft eine eigene Form. Wer deutsch denkt und I call you tomorrow sagt, klingt nicht falsch, sondern unfertig.
Drittens, und das ist der Kern: Das Englische zwingt zu einer Entscheidung, die das Deutsche nicht kennt. Zwischen will, going to und dem Present Progressive für Verabredungen muss gewählt werden, und die Wahl trägt Bedeutung. I'll meet Tom, I'm going to meet Tom und I'm meeting Tom sind drei verschiedene Aussagen — Spontanentscheidung, Absicht und feste Verabredung — und werden im Deutschen alle drei zu „Ich treffe Tom“.
Typische Fehler
Neben dem will nach if sind es vor allem vier Punkte. Erstens das doppelte to: I will to go ist falsch, nach will steht der reine Infinitiv. Zweitens das dritte s: He wills come gibt es nicht, Modalverben bleiben unverändert. Drittens die falsche Verneinung: won't, nicht willnot und nicht doesn't will. Und viertens die Kurzform in Kurzantworten: Yes, I'll ist falsch, es heißt Yes, I will.
Ein fünfter Fehler ist inhaltlich statt formal. will für etwas zu benutzen, das man längst geplant hat, klingt im Englischen sprunghaft. Wer seit Wochen den Umzug vorbereitet, sagt nicht I'll move to Berlin, sondern I'm going to move to Berlin. Umgekehrt wirkt going to bei einer Entscheidung, die gerade erst gefallen ist, seltsam schwerfällig — etwa wenn man in einem Laden spontan zugreift und etwas mitnimmt.
Häufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen will und shall?
- shall ist im britischen Englisch auf zwei Verwendungen zusammengeschrumpft: Angebote und Vorschläge in der ersten Person, also Shall I help you und Shall we go. Als Futurform ist shall veraltet und im amerikanischen Englisch praktisch verschwunden. In Gesetzestexten und Verträgen lebt es als Ausdruck der Verpflichtung weiter.
- Heißt es I will oder I'll?
- Beides ist korrekt, die Kurzform ist der Normalfall in gesprochener Sprache und in normalen E-Mails. Die Langform steht in formellen Texten und dann, wenn will betont wird: I will finish this today, komme was wolle. In Kurzantworten steht immer die Langform: Yes, I will.
- Warum steht nach if kein will?
- Weil das Englische im Bedingungs- und Zeitnebensatz das Präsens benutzt, auch wenn die Zukunft gemeint ist: If it rains, we'll cancel. Dieselbe Regel gilt nach when, as soon as, before, after und until. Nur wenn if „ob“ bedeutet und eine indirekte Frage einleitet, ist will erlaubt: I wonder if she will agree.
- Kann will auch Gegenwart ausdrücken?
- Ja, in einem Nebengebrauch, der selten unterrichtet wird. will kann eine Vermutung über die Gegenwart ausdrücken: That will be the postman heißt „Das wird der Postbote sein“, gemeint ist jetzt in diesem Moment. Außerdem beschreibt will typisches Verhalten: He will sit there for hours. Beides ist echtes Englisch, aber kein Futur.
- Wie sage ich mit will etwas über die Vergangenheit?
- Gar nicht — dafür gibt es would, die Vergangenheitsform von will. In der indirekten Rede wird aus He will come der Satz She said he would come. Für Vermutungen über die Vergangenheit tritt will have plus Partizip ein: They will have arrived by now.
Passt dazu
- already, yet, just — Bedeutung und Stellung im englischen SatzWas already, yet und just bedeuten, an welche Stelle im Satz sie gehören und warum das deutsche „schon“ hier drei Übersetzungen hat.
- Aspekt — warum die Verlaufsform Bedeutung trägt, nicht nur ZeitI live in Berlin gegen I'm living in Berlin: Wie die englische Verlaufsform Dauer, Verhalten und Höflichkeit ausdrückt, wofür das Deutsche keine Form hat.
- for und since — Zeitraum gegen Zeitpunktfor steht vor einer Dauer, since vor einem Anfangspunkt. Im Deutschen heißt beides seit, und genau daher kommt der Fehler.
- future in the past — was going to und would als Zukunft von gesternWie man aus der Vergangenheit heraus über die Zukunft spricht: was going to, would, was to und was about to im Vergleich.
- Future Perfect — will have done und was bis dahin fertig istDer Rückblick aus der Zukunft: Bildung mit will have, die Rolle von by und warum das deutsche Futur II im Alltag fast nie vorkommt.
- Future Progressive — will be doing und wann es wirklich stehtDer Verlauf zu einem Zeitpunkt in der Zukunft, die höfliche Frage nach Plänen und warum das Deutsche für beides keine eigene Form hat.