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A2Zeitformen14 Min. Lesezeit

Past Progressive — die Verlaufsform der Vergangenheit

Wann eine Handlung in der Vergangenheit gerade lief, wie das Past Progressive gebildet wird und wie es mit dem Simple Past zusammenspielt.

Das kannst du danach

  • Du bildest das Past Progressive sicher mit was oder were und der -ing-Form.
  • Du erkennst, wann eine Handlung als laufend und wann als abgeschlossen dargestellt werden muss.
  • Du verbindest Past Progressive und Simple Past korrekt mit when und while.
  • Du weißt, welche Verben keine Verlaufsform bilden und was stattdessen steht.

Was das Past Progressive leistet

Das Past Progressive beschreibt eine Handlung, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit gerade lief. Nicht abgeschlossen, nicht erledigt, sondern mitten im Gange. At eight o'clock I was cooking dinner. Der Satz sagt nichts darüber, ob das Essen fertig wurde. Er hält nur fest, was um acht Uhr gerade passierte.

Damit unterscheidet es sich grundsätzlich vom Simple Past, das eine Handlung als vollständigen, abgeschlossenen Punkt darstellt. I cooked dinner heißt: Es wurde gekocht, fertig, Haken dran. I was cooking dinner heißt: Ich war dabei. Das Englische zwingt zu dieser Entscheidung bei jedem Satz in der Vergangenheit, und darin liegt die eigentliche Schwierigkeit für Deutschsprachige.

Denn im Deutschen gibt es diese Unterscheidung grammatisch nicht. Ich kochte und ich war am Kochen sind kein Formenpaar, sondern ein Standardsatz und eine umgangssprachliche Umschreibung. Wir zeigen den Verlauf, wenn überhaupt, mit Wörtern wie gerade, dabei oder eben: Ich habe gerade gekocht. Englisch macht daraus eine eigene Zeitform, und die muss man aktiv wählen — das Weglassen ist eine Entscheidung, kein neutraler Zustand.

Wer das Prinzip aus der Gegenwart kennt, hat es hier leichter. Das Past Progressive verhält sich zum Simple Past genauso wie das Present Progressive zum Simple Present. Es ist dieselbe Unterscheidung, nur einen Schritt nach hinten verschoben.

Wie es gebildet wird

Die Bildung ist unkompliziert: eine Vergangenheitsform von be plus die -ing-Form des Verbs. was steht bei I, he, she und it, were bei you, we und they. Das ist die einzige Stelle, an der im Past Progressive überhaupt zwischen Personen unterschieden wird, und es sind genau die Formen aus der Lektion zu was und were.

Frage und Verneinung laufen über dieses be, nicht über did. Were you sleeping? und I wasn't listening. Ein Satz wie Did you were working ist deshalb doppelt falsch: Er benutzt zwei Hilfsverben für eine Zeitstufe. Auch die Kurzformen sind alltäglich und gehören ins aktive Repertoire: wasn't, weren't.

Bei der -ing-Form gelten dieselben Schreibregeln wie in der Gegenwart. Ein stummes e fällt weg, aus write wird writing. Ein einzelner betonter Endkonsonant nach kurzem Vokal verdoppelt sich, aus sit wird sitting, aus run running. Britisch verdoppelt sich außerdem das l auch bei unbetonter Silbe: travelling, cancelling. Amerikanisch bleibt es einfach: traveling, canceling.

Weil ein unregelmäßiges Verb hier nur in seiner Grundform plus -ing erscheint, spielen die unregelmäßigen Formen im Past Progressive keine Rolle. go wird zu was going, nicht zu was went. Das macht diese Zeitform zur formal einfachsten der ganzen Vergangenheit.

PersonBejahtVerneintFrage
I / he / she / itwas workingwasn't workingWas he working?
you / we / theywere workingweren't workingWere they working?

Das Zusammenspiel mit dem Simple Past

Der häufigste Einsatz des Past Progressive ist der Rahmen für ein kurzes Ereignis. Eine längere Handlung läuft, und mitten hinein passiert etwas Kurzes. Die lange Handlung steht im Past Progressive, das kurze Ereignis im Simple Past: I was walking home when it started to rain. Man kann sich das als Bühne und Auftritt vorstellen — der Verlauf ist die Kulisse, das Simple Past ist das, was tatsächlich geschieht.

Die beiden Bindewörter dazu sind when und while, und sie sind nicht austauschbar. Nach while steht in aller Regel die laufende Handlung, also das Past Progressive: While I was cooking, the phone rang. Nach when steht meist das kurze Ereignis im Simple Past: I was cooking when the phone rang. Beide Sätze bedeuten dasselbe, sie verteilen die Rollen nur anders. Mehr zu diesen Verbindungen steht in der Lektion zu den Temporalsätzen.

Stehen zwei Handlungen gleichzeitig und beide über längere Zeit, kommt zweimal das Past Progressive: While she was reading, I was cooking. Stehen dagegen zwei kurze Handlungen nacheinander, steht zweimal das Simple Past: When she came in, I stood up. Die Zeitform beschreibt hier keine Reihenfolge, sondern eine Sichtweise auf die Dauer.

Wichtig ist die Grenze nach oben: Wenn eine Handlung schon vor der anderen abgeschlossen war, reicht das Past Progressive nicht mehr aus. Dafür gibt es das Past Perfect. When I arrived, she was cooking heißt, sie stand am Herd. When I arrived, she had cooked heißt, das Essen war fertig, bevor ich kam.

KonstellationZeitformenBeispiel
lange Handlung, kurzes EreignisPast Progressive + Simple PastI was reading when he called.
zwei parallele Verläufezweimal Past ProgressiveShe was cooking while I was working.
zwei kurze Ereignisse nacheinanderzweimal Simple PastHe opened the door and looked out.
VorzeitigkeitPast Perfect + Simple PastShe had left when I arrived.

Weitere Verwendungen

Das Past Progressive setzt in Erzählungen die Szene. Wer eine Geschichte beginnt, beschreibt zuerst, was gerade lief, und schaltet dann ins Simple Past um, sobald etwas passiert. It was raining, the streets were empty and nobody was talking. Then the door opened. Dieses Muster ist in jedem englischen Roman zu finden und ein guter Grund, die Zeitform aktiv zu beherrschen. Wie Zeitformen in längeren Texten zusammenwirken, vertieft die Lektion zu den Zeitformen im Erzähltext.

Zweitens drückt es Wiederholungen aus, die als störend oder auffällig empfunden werden. Zusammen mit always, constantly oder forever bekommt der Satz einen deutlich wertenden Ton: He was always losing his keys. Das ist keine neutrale Feststellung, sondern eine leise Beschwerde. Neutral wäre He often lost his keys.

Drittens macht es Aussagen höflicher und vorsichtiger. I was wondering if you could help me klingt zurückhaltender als I wonder if you could help me. Diese Weichzeichnung durch Verlaufsform ist im gesprochenen Englisch sehr verbreitet, vor allem bei Bitten am Arbeitsplatz.

Und viertens beschreibt es geplante Handlungen der Vergangenheit, die dann anders kamen. I was leaving when the boss called me back. Auch hier zeigt der Verlauf, dass etwas begonnen, aber nicht zu Ende geführt wurde. Bei Verbindungen aus Verb und Partikel gilt das genauso: I was just about to take off my coat.

Verben ohne Verlaufsform

Eine Gruppe von Verben bildet normalerweise gar keine Verlaufsform, weder in der Gegenwart noch in der Vergangenheit. Sie beschreiben Zustände statt Handlungen: know, believe, understand, want, need, like, love, hate, prefer, belong, own, seem, mean. Man sagt I knew the answer, nicht I was knowing the answer. Da diese Verben ohnehin schon einen Zustand ausdrücken, wäre die Verlaufsform doppelt gemoppelt.

Sinnesverben verhalten sich gemischt. see, hear und smell stehen als reine Wahrnehmung im Simple Past: I heard a noise. Als bewusste Tätigkeit können sie aber sehr wohl in die Verlaufsform: I was seeing a doctor bedeutet, dass ein Arztbesuch lief, nicht dass man jemanden erblickte. Ähnlich bei think: I thought you were right ist eine Meinung, I was thinking about you eine laufende Gedankentätigkeit.

Auch have wechselt die Seite je nach Bedeutung. Als Besitz steht es ohne Verlaufsform: I had a car. In festen Verbindungen mit Tätigkeitscharakter geht die Verlaufsform sehr wohl: I was having lunch, we were having a great time. Die Unterscheidung zwischen Besitz und Tätigkeit wird auch in der Lektion zu have got behandelt.

Für Deutschsprachige ist diese Liste weniger heikel als für andere Lernende, weil wir zur Verlaufsform ohnehin nicht neigen. Der Fehler geht hier eher in die andere Richtung: Die Verlaufsform wird zu selten benutzt, nicht zu oft.

VerbZustand (keine Verlaufsform)Tätigkeit (Verlaufsform möglich)
haveI had two brothers.I was having dinner.
thinkI thought it was fine.I was thinking about the offer.
seeI saw her in the shop.I was seeing a specialist.
tasteThe soup tasted odd.She was tasting the soup.

Signalwörter und typische Fehler

Signalwörter sind hier weniger verlässlich als bei anderen Zeitformen, weil das Past Progressive vor allem von der Perspektive abhängt und nicht von einem festen Wort. Trotzdem gibt es Hinweise: while, as, at that moment, at eight o'clock, all day, all morning und die Kombination aus when plus kurzem Ereignis. Wer eines dieser Signale sieht, sollte zumindest prüfen, ob ein Verlauf gemeint ist.

Der häufigste Fehler ist die Verwechslung mit dem Simple Past bei abgeschlossenen Handlungen. Wer erzählt, was er gestern getan hat, braucht das Simple Past: Yesterday I visited my parents. Ein Yesterday I was visiting my parents beschreibt einen Ausschnitt und lässt den Zuhörer auf die Fortsetzung warten. Die Frage, wann eine Vergangenheitsform überhaupt mit Bezug zur Gegenwart steht, ist ein anderes Thema und wird im Vergleich von Present Perfect und Simple Past geklärt.

Der zweite Fehler ist das überflüssige did in Frage und Verneinung, der dritte die falsche Wahl zwischen was und were nach there: There was a lot of noise, aber There were many people. Und der vierte betrifft das Deutsche direkt: Wer ich war gerade dabei zu gehen mit I was just about to go übersetzt, liegt richtig, wer daraus I went just macht, verliert den ganzen Verlaufsgedanken.

Wenn ein Verlauf bis zu einem späteren Zeitpunkt andauert und dessen Dauer betont werden soll, ist übrigens nicht das Past Progressive zuständig, sondern das Past Perfect Progressive: She had been waiting for an hour when the train finally arrived.

Häufige Fragen

Wann benutze ich Past Progressive statt Simple Past?
Immer dann, wenn die Handlung zu einem bestimmten Zeitpunkt gerade lief und nicht als abgeschlossen dargestellt wird. Der Test ist einfach: Passt im Deutschen ein gerade oder ein war dabei zu, ist das Past Progressive richtig. Geht es dagegen um eine abgeschlossene Handlung oder eine Abfolge von Ereignissen, steht das Simple Past.
Was ist der Unterschied zwischen when und while?
while leitet die laufende Handlung ein und steht deshalb meist mit Past Progressive: While I was cooking, he arrived. when leitet meist das kurze Ereignis ein und steht mit Simple Past: I was cooking when he arrived. Beide Sätze beschreiben dieselbe Situation, verteilen die Rollen aber unterschiedlich.
Heißt es Did you were working?
Nein, das ist doppelt gemoppelt. Das Past Progressive bildet die Frage mit was oder were an erster Stelle: Were you working? Ein did kommt nur ins Spiel, wenn kein anderes Hilfsverb vorhanden ist, also beim einfachen Simple Past: Did you work?
Warum kann man I was knowing nicht sagen?
know beschreibt einen Zustand, keine Tätigkeit, und Zustände laufen nicht ab. Dasselbe gilt für believe, understand, want, need, like und belong. Korrekt heißt es I knew the answer. Nur wenn ein solches Verb ausnahmsweise eine echte Tätigkeit meint, ist die Verlaufsform möglich, etwa I was having lunch.
Gibt es das Past Progressive auch im Deutschen?
Als Zeitform nicht. Deutsch kennt nur Umschreibungen wie ich war am Kochen oder Wörter wie gerade und dabei, und die sind nicht Teil des Formensystems. Genau deshalb wird die Verlaufsform von Deutschsprachigen eher zu selten als zu oft benutzt: Unsere Muttersprache verlangt diese Entscheidung nie.

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