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B1Verbformen und Modalverben16 Min. Lesezeit

modale Vergangenheit — must have been und should have done

Wie Modalverben über die Vergangenheit sprechen: sichere Vermutung, Vorwurf, verpasste Möglichkeit und der feine Unterschied bei needn't have.

Das kannst du danach

  • Du bildest die Verbindung aus Modalverb, have und Past Participle sicher.
  • Du drückst Vermutungen über die Vergangenheit mit must, can't, may und might aus.
  • Du formulierst Vorwürfe und Bedauern mit should have und could have.
  • Du unterscheidest needn't have done von didn't need to do.
  • Du erkennst, warum das Deutsche die Vergangenheit an einer anderen Stelle markiert.

Modalverben haben keine Vergangenheit — und brauchen trotzdem eine

Modalverben sind formal arme Verben. Sie haben kein -s in der dritten Person, keinen Infinitiv, kein Partizip und, was hier zählt, keine eigene Vergangenheitsform. Es gibt kein musted und kein shoulded. Wer über die Modalverben hinaus in die Vergangenheit will, braucht deshalb einen Umweg, und dieser Umweg heißt: Modalverb plus have plus Past Participle.

Die Konstruktion ist immer gleich gebaut und wird deshalb im Englischunterricht gern als Block gelernt: must have been, should have known, could have told, might have gone, needn't have worried. Das Modalverb bleibt unverändert, have bleibt unverändert, und nur das Vollverb steht in der dritten Form. Wer die dritte Form der unregelmäßigen Verben sicher beherrscht, hat hier keine Formprobleme mehr.

Inhaltlich leistet die Konstruktion zwei ganz verschiedene Dinge. Sie drückt entweder eine Vermutung über etwas Vergangenes aus — must have been heißt „muss gewesen sein“ — oder sie bewertet etwas Vergangenes im Nachhinein: should have done heißt „hätte tun sollen“. Welche der beiden Bedeutungen gilt, hängt allein vom Modalverb ab. must, can't, may, might und could zeigen Vermutungen an; should, ought to, could und needn't bewerten.

Die Form: drei Bausteine, nur einer verändert sich

Der Bau ist mechanisch. Vorne das Modalverb, in der Mitte have, hinten das Past Participle. have bleibt immer have und wird nie zu has, auch nicht in der dritten Person: She must have forgotten, nicht she must has forgotten. Der Grund ist einfach: Nach einem Modalverb steht immer die Grundform, und die Grundform von has lautet have.

Gesprochen verschwindet have fast vollständig. must have wird zu /ˈmʌstəv/, should have zu /ˈʃʊdəv/, could have zu /ˈkʊdəv/. Aus diesem Klang entsteht der berühmteste Schreibfehler des Englischen: should of, must of, would of. Muttersprachler schreiben das häufig, korrekt ist es nie. Wenn du unsicher bist, ob of oder have hingehört, gilt ohne Ausnahme have.

Verneint wird durch not hinter dem Modalverb, nicht hinter have: You shouldn't have said that, she can't have known. Gefragt wird durch Voranstellen des Modalverbs: Could he have missed the train. Ein do taucht in dieser Konstruktion nirgends auf.

SatzartAufbauBeispiel
AussageModal + have + 3. FormShe must have left already.
VerneinungModal + not + have + 3. FormHe can't have seen us.
FrageModal + Person + have + 3. FormMight they have forgotten?
Kurzform gesprochenModal + 'veI should've asked.
FalschModal + ofI should of asked.

must have: die Vermutung, die sich sicher ist

must have been ist der Schluss aus Indizien. Der Sprecher weiß es nicht, aber alles deutet darauf hin, und er hält die Sache für erwiesen. The lights are off — they must have gone to bed. Your coat is soaked, it must have been raining hard. Im Deutschen entspricht das genau dem „muss gewesen sein“, und ausnahmsweise ist die Entsprechung eins zu eins.

Wichtig ist, was must have nicht heißt. Es hat mit Zwang nichts zu tun. Die Bedeutung „musste etwas tun“ wird nicht mit must have ausgedrückt, sondern mit had to: I had to work late yesterday. Wer I must have worked late sagt, behauptet, er vermute, dass er gearbeitet habe — ein sinnloser Satz. Die Trennung zwischen Zwang und Vermutung ist einer der Kernpunkte der Lektion zu must und have to.

Das Gegenstück zu must have ist nicht mustn't have, sondern can't have oder couldn't have. Sie drücken aus, dass etwas ausgeschlossen ist: She can't have finished already, that's impossible. mustn't have kommt im britischen Englisch praktisch nicht vor; im amerikanischen hört man es gelegentlich, gilt aber als umgangssprachlich.

Zwischen sicher und ausgeschlossen liegt die Mitte, und dort stehen may have und might have: He may have missed his train. She might have forgotten. Beide heißen „könnte“ im Sinn von „vielleicht“, wobei might etwas unsicherer klingt. Die Feinheiten stehen bei may und might, die gesamte Skala bei den Modalverben der Vermutung.

FormSicherheitBeispielDeutsch
must have + 3. Formsehr sicher, jaShe must have known.Sie muss es gewusst haben.
may have + 3. FormmöglichShe may have known.Sie hat es vielleicht gewusst.
might have + 3. Formeher unsicherShe might have known.Sie könnte es gewusst haben.
can't have + 3. FormausgeschlossenShe can't have known.Sie kann es nicht gewusst haben.
couldn't have + 3. FormausgeschlossenShe couldn't have known.Sie kann es unmöglich gewusst haben.

should have: der Vorwurf und das Bedauern

should have done sagt, dass etwas richtig gewesen wäre und nicht getan wurde. Der Satz enthält damit immer zwei Informationen: die Empfehlung und ihre Nichterfüllung. You should have called me heißt zugleich „es wäre richtig gewesen anzurufen“ und „du hast nicht angerufen“. Diese doppelte Ladung macht die Form so nützlich und im Gespräch so scharf.

Richtet sich der Satz an einen anderen, ist er ein Vorwurf. Richtet er sich an den Sprecher selbst, ist er Bedauern: I should have booked earlier. Beide Male ist die Grammatik dieselbe, nur die Person wechselt. Wer den Vorwurf abmildern will, nimmt could have oder might have, die weicher klingen: You could have told me.

Die Verneinung dreht die Sache um: shouldn't have done heißt, dass etwas getan wurde, was besser unterblieben wäre. You shouldn't have said that. Als höfliche Floskel beim Überreichen eines Geschenks ist Oh, you shouldn't have übrigens fest eingebürgert und bedeutet nichts weiter als „das wäre doch nicht nötig gewesen“.

ought to have funktioniert genauso und klingt eine Spur förmlicher und moralischer: They ought to have warned us. Im Alltag hört man es deutlich seltener als should have; die Abgrenzung steht in der Lektion zu should. Wer statt eines Vorwurfs einen unerfüllten Wunsch ausdrücken will, nimmt wish und if only: I wish I had booked earlier.

could have: die Möglichkeit, die verstrichen ist

could have done beschreibt eine Möglichkeit, die bestand und nicht genutzt wurde. We could have taken the earlier train heißt: Der Zug war da, wir haben ihn nicht genommen. Das ist keine Vermutung über die Vergangenheit, sondern eine Aussage über eine verpasste Alternative. Deshalb steht die Form so oft im Gespräch nach einer Panne.

Aus dieser Grundbedeutung wächst ein sanfter Vorwurf: You could have helped. Der Satz sagt, dass Hilfe möglich gewesen wäre, und überlässt die Bewertung dem Zuhörer. Er wirkt weniger hart als You should have helped, trifft aber oft genauso.

Eine dritte Verwendung ist die Erleichterung im Rückblick: You could have been killed. Hier ist die Möglichkeit nicht verpasst, sondern glücklicherweise nicht eingetreten. Der Zusammenhang zur Bedingung ist eng, denn im Grunde steckt in jedem dieser Sätze ein unausgesprochener If-Satz Typ 3: If you had crossed there, you could have been killed.

Achtung bei der Verneinung. couldn't have hat zwei Bedeutungen, die vom Zusammenhang abhängen: „hätte nicht gekonnt“ und „kann unmöglich gewesen sein“. I couldn't have finished it in time ist die erste, She couldn't have known die zweite. Die Grundbedeutung von can hilft, die Fälle auseinanderzuhalten.

needn't have done gegen didn't need to do

Dieser Unterschied ist fein, aber er trägt eine echte Information, und im Deutschen gibt es ihn nicht. Beide Formen heißen auf den ersten Blick „hätte nicht gemusst“. Tatsächlich sagen sie Verschiedenes über das, was passiert ist.

needn't have done heißt: Es wurde getan, und es war unnötig. You needn't have waited — die Person hat gewartet, und das Warten war überflüssig. Der Satz enthält damit immer die Information, dass die Handlung stattgefunden hat. Genau deshalb klingt er oft nach freundlichem Bedauern oder nach Dank.

didn't need to do heißt: Es war nicht nötig. Ob es getan wurde, sagt der Satz nicht. I didn't need to wait lässt offen, ob ich gewartet habe. In der Praxis versteht man meist, dass ich es nicht getan habe, weil sonst die andere Form nähergelegen hätte — aber ausgeschlossen ist es nicht.

Deutsch hat für beide Fälle denselben Satz: „Du hättest nicht warten müssen.“ Wer daraus ins Englische übersetzt, trifft die Unterscheidung nur, wenn er sie kennt. Die Faustregel: Ist die Handlung nachweislich passiert, nimm needn't have. Geht es nur um die fehlende Notwendigkeit, nimm didn't need to.

Eine Warnung zum Schluss: mustn't ist hier kein Ersatz. mustn't heißt Verbot, nicht fehlende Notwendigkeit. You mustn't wait bedeutet, dass Warten untersagt ist. Diese Verwechslung ist der klassische Fehler Deutschsprachiger, weil „du musst nicht“ im Deutschen genau das Gegenteil von „du darfst nicht“ meint.

FormWar es nötig?Ist es passiert?Beispiel
needn't have doneneinjaYou needn't have brought wine.
didn't need to doneinoffen, meist neinI didn't need to bring wine.
had to dojajaI had to bring my passport.
mustn't doVerbotsoll nicht passierenYou mustn't tell anyone.

Warum das Deutsche die Vergangenheit woanders markiert

Der wichtigste Unterschied zum Deutschen ist strukturell und erklärt fast alle Fehler in diesem Bereich. Deutsch schiebt die Vergangenheit in das Modalverb selbst: aus „ich soll“ wird „ich hätte sollen“, aus „er muss“ wird „er muss gewesen sein“ oder „er musste“. Das Modalverb verändert sich, das Vollverb bleibt im Infinitiv.

Englisch macht es genau umgekehrt. Das Modalverb bleibt unverändert stehen, und die Vergangenheit wandert hinter es, in have plus Partizip. Deshalb heißt es nicht I should had known, sondern I should have known. Wer die deutsche Satzstellung mitdenkt, setzt die Zeitmarkierung an der falschen Stelle.

Besonders sichtbar wird das beim Doppelinfinitiv, den das Deutsche kennt und das Englische nicht: „Ich hätte kommen können.“ Zwei Infinitive hintereinander, und die Zeit steckt in „hätte“. Englisch sagt I could have come — ein Modalverb, ein have, ein Partizip. Die Reihenfolge der Bedeutungsträger ist gespiegelt.

Hinzu kommt, dass Deutsch dieselbe Konstruktion für Vermutung und Bewertung nutzt und die Bedeutung allein der Betonung überlässt. Englisch trennt sauber über die Wahl des Modalverbs. Wer sich beim Schreiben zuerst fragt, ob er rät oder bewertet, hat die Hälfte der Entscheidung schon getroffen. Für die weiteren Nuancen lohnt der Blick auf die Modalverben in der Vergangenheit auf höherem Niveau.

DeutschEnglischBedeutung
Er muss es gewusst haben.He must have known.sichere Vermutung
Ich hätte anrufen sollen.I should have called.Bedauern
Wir hätten früher gehen können.We could have left earlier.verpasste Möglichkeit
Sie kann es nicht gesehen haben.She can't have seen it.ausgeschlossen
Du hättest nicht warten müssen.You needn't have waited.unnötig, aber getan

Typische Fehler und wie man sie abstellt

Erstens das of. should of, must of und would of stehen in englischen Foren an jeder Ecke und sind trotzdem falsch. Sie entstehen aus der Aussprache und nicht aus einer Regel. In geschriebenem Englisch kostet dieser Fehler sofort Glaubwürdigkeit.

Zweitens has statt have. Nach einem Modalverb steht immer die Grundform, deshalb heißt es she must have gone. Diese Regel gilt lückenlos und ist derselbe Grund, aus dem es he can go und nicht he can goes heißt.

Drittens die Verwechslung von Zwang und Vermutung. must have spricht nie über eine Pflicht in der Vergangenheit. Dafür steht had to. Und viertens die falsche dritte Form: I should have went ist ein häufiger Fehler auch bei Muttersprachlern, richtig ist I should have gone. Wer beim Present Perfect sauber zwischen zweiter und dritter Form trennt, macht ihn hier nicht.

Fünftens die Zeitform des Nebensatzes. Nach einem Satz mit modaler Vergangenheit steht der zugehörige Nebensatz oft im Past Perfect, wenn er noch weiter zurückliegt: She must have realised that she had left the keys inside. Wer alles ins Simple Past setzt, verliert die zeitliche Staffelung.

Häufige Fragen

Heißt should have oder should of?
Immer should have. should of ist ein reiner Hörfehler, der entsteht, weil have in der Kurzform zu einem unbetonten 've zusammenschrumpft und dann wie of klingt. Der Fehler ist auch bei Muttersprachlern verbreitet, gilt aber in jedem geschriebenen Text als grober Schnitzer. Dasselbe gilt für must of, could of und would of.
Was ist der Unterschied zwischen must have been und had to be?
must have been ist eine Vermutung: Der Sprecher schließt aus Hinweisen, dass etwas so war. It must have been cold up there. had to be beschreibt einen Zwang: Etwas war notwendig. I had to be there at eight. Deutsch benutzt für beides eine Form von müssen, Englisch trennt sauber. Für Zwang in der Vergangenheit steht nie must, sondern immer had to.
Wann nehme ich should have und wann could have?
should have bewertet: Etwas wäre richtig gewesen und ist nicht geschehen. could have stellt fest: Etwas wäre möglich gewesen und ist nicht geschehen. You should have asked ist ein Vorwurf, You could have asked ist ein Hinweis auf eine ungenutzte Möglichkeit und klingt milder. Im Gespräch wählt man could have, wenn man niemanden vor den Kopf stoßen will.
Was ist der Unterschied zwischen needn't have done und didn't need to do?
needn't have done sagt, dass die Handlung stattgefunden hat und unnötig war: You needn't have waited, du hast gewartet, obwohl es nicht nötig war. didn't need to do sagt nur, dass keine Notwendigkeit bestand, und lässt offen, ob gehandelt wurde. Im Deutschen fallen beide Sätze zusammen, deshalb muss man den Unterschied bewusst lernen.
Kann ich mustn't have für eine verneinte Vermutung nehmen?
Im britischen Englisch nicht. Das Gegenstück zu must have ist can't have oder couldn't have: He can't have finished already. mustn't drückt ein Verbot aus und passt deshalb nicht zur Vermutung. Im amerikanischen Englisch hört man mustn't have gelegentlich in gesprochener Sprache, es bleibt aber umgangssprachlich.
Steht nach dem Modalverb have oder has?
Immer have, auch in der dritten Person Singular. She must have forgotten ist richtig, she must has forgotten falsch. Nach einem Modalverb steht die Grundform, und die Grundform lautet have. Aus demselben Grund heißt es he can go und nicht he can goes.

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