Das kannst du danach
- Du gibst mit should Ratschläge und Empfehlungen in Aussage, Frage und Verneinung.
- Du ordnest should richtig zwischen dem Vorschlag und der Pflicht ein.
- Du kennst ought to und had better und weißt, wann sie passen.
- Du erkennst die deutschen Bedeutungen von sollen, die gerade nicht should ergeben.
- Du bildest die Formen shouldn't und should I korrekt ohne do.
Was should tut
Should gibt einen Rat. Es sagt, was in den Augen des Sprechers eine gute Idee wäre, ohne jemanden zu verpflichten. You should see a doctor. We should leave before the traffic gets bad. You should try the fish, it's excellent. In allen drei Sätzen kann der Angesprochene den Rat ausschlagen, und außer einem Achselzucken passiert nichts.
Damit steht should genau in der Mitte einer Skala. Unterhalb liegt der unverbindliche Vorschlag mit could oder why don't you. Oberhalb liegt die Pflicht mit have to und das Verbot mit mustn't. Wer die Stufen kennt, kann steuern, wie stark er auftritt — und das ist im Englischen wichtiger als im Deutschen, weil die Sprache Direktheit weniger gut verträgt.
Grammatisch ist should ein reguläres Modalverb und folgt allen Regeln aus dem Modalverben-Überblick. Kein to danach, kein -s in der dritten Person, kein do für Frage und Verneinung. He should apologise. Should I call her? You shouldn't worry about it. Diese drei Sätze zeigen die komplette Formenlehre.
Das deutsche Gegenstück ist meistens „sollte“, seltener „solltest besser“. Die Übersetzung ist an dieser Stelle ungewöhnlich verlässlich, was should zu einem der leichtesten Modalverben macht. Die Schwierigkeit liegt nicht in der Form und nicht in der Hauptbedeutung, sondern in den Nebenbedeutungen des deutschen „sollen“, die eben nicht should ergeben.
Die Falle: sollen ist nicht gleich should
Das deutsche „sollen“ hat mindestens vier Bedeutungen, und nur eine davon wird zu should. „Du solltest mehr schlafen“ ist der Rat und heißt you should sleep more. So weit stimmt alles. Aber „ich soll dir ausrichten, dass …“ ist ein Auftrag von Dritten und heißt I'm supposed to tell you that … oder schlicht she asked me to tell you.
Die zweite Abweichung betrifft die Frage nach einem Wunsch. „Soll ich das Fenster aufmachen?“ ist keine Bitte um einen Rat, sondern ein Angebot. Auf Englisch: Shall I open the window? oder Do you want me to open the window? Shall in dieser Verwendung ist britisch und im amerikanischen Englisch fast verschwunden, dort hörst du Should I open the window? oder Want me to open the window?
Die dritte Abweichung ist das berichtete Gerücht. „Er soll sehr reich sein“ heißt nicht he should be rich, sondern he's said to be very rich oder apparently he's very rich. Wer hier should nimmt, sagt etwas anderes: he should be rich hieße, dass es angemessen wäre, wenn er reich wäre.
Die vierte betrifft Aufforderungen von außen: „Du sollst das lassen“ ist eine Anweisung, kein Rat, und wird auf Englisch zum Imperativ oder zu einer Konstruktion mit have to. Stop that. You have to stop doing that. Diese vier Fälle sind der Grund, warum man should nicht als Wörterbucheintrag von „sollen“ behandeln darf, sondern als eigenständiges Wort mit eigener Bedeutung.
| Deutsch | Bedeutung | Englisch |
|---|---|---|
| Du solltest mehr schlafen. | Rat | You should sleep more. |
| Ich soll dir ausrichten, dass … | Auftrag | I'm supposed to tell you that … |
| Soll ich das Fenster aufmachen? | Angebot | Shall I open the window? |
| Er soll sehr reich sein. | Gerücht | He's said to be very rich. |
| Du sollst das lassen. | Anweisung | You have to stop that. |
shouldn't und Should I — die Formen
Die Verneinung ist should not, gesprochen fast immer shouldn't. You shouldn't drink so much coffee. He shouldn't have said that. Das not steht direkt am Modalverb, ein do kommt nirgends vor. Wer die allgemeinen Regeln der Verneinung auf Modalverben überträgt, macht hier keinen Fehler.
Wichtig ist die Bedeutung von shouldn't: Es ist ein Rat, etwas zu lassen, kein Verbot. You shouldn't park there heißt, dass es keine gute Idee ist — vielleicht wird abgeschleppt, vielleicht ärgert sich der Nachbar. You mustn't park there wäre das Verbot. Der Unterschied zu must und have to ist hier viel harmloser als bei mustn't gegen don't have to, aber er existiert.
Die Frage bildet sich durch Umstellung: Should I bring anything? What should we do now? Should he apologise first? Die Frage mit should ist im Englischen die normale Art, um einen Rat zu bitten, und du wirst sie viel benutzen. Sie ist deutlich verbreiteter als die entsprechende Frage mit must.
Auch der Question Tag folgt dem Modalverb: We should call first, shouldn't we? Und die Kurzantwort ebenso: Should I wait? Yes, you should. Kein do, nirgends. Das ist die durchgehende Logik der Modalverben und der Grund, warum es sich lohnt, sie einmal als Gruppe zu verstehen.
ought to — dasselbe, nur seltener
Ought to bedeutet praktisch dasselbe wie should. You ought to apologise entspricht you should apologise. Der einzige regelmäßige Unterschied ist, dass ought to etwas stärker auf eine moralische Verpflichtung deutet und dass es förmlicher klingt. Im gesprochenen Englisch ist es auf dem Rückzug, im geschriebenen begegnet es dir weiter.
Formal ist ought to ein Sonderfall unter den Modalverben, weil es als einziges ein to bei sich trägt. You ought to know better. Ansonsten verhält es sich normal: kein -s, kein do. Die Verneinung oughtn't to ist im heutigen Englisch selten und wirkt altmodisch, die meisten Sprecher weichen auf shouldn't aus. Auch die Frage Ought I to …? hört man kaum noch.
Der praktische Rat lautet deshalb: Erkenne ought to, wenn du es liest, aber benutze should, wenn du selbst sprichst. Du verlierst dadurch nichts. Kein Muttersprachler wird sich wundern, wenn du in dreißig Sätzen dreißigmal should sagst und ought to nie.
had better — der Rat mit Nachdruck
Neben should gibt es had better, meistens zusammengezogen zu 'd better. You'd better take an umbrella. We'd better hurry. Das ist ebenfalls ein Rat, aber ein dringender: Es schwingt mit, dass es unangenehm wird, wenn man ihn nicht befolgt. Im Deutschen entspricht das etwa „du nimmst besser“ oder „wir sollten lieber“.
Zwei Dinge sind an der Form ungewöhnlich. Erstens steht had da, obwohl es um die Gegenwart oder die Zukunft geht — das ist eine erstarrte Form ohne Vergangenheitsbedeutung. Zweitens folgt der nackte Infinitiv ohne to: you'd better go, nicht you'd better to go. Die Verneinung lautet had better not: You'd better not tell him.
Weil had better eine Drohung mitschwingen lässt, passt es nicht in jede Situation. Unter Fremden oder gegenüber Vorgesetzten klingt es unpassend. Unter Freunden und in Familien ist es völlig normal. Wenn du unsicher bist, nimm should — das ist in jedem Register unverdächtig.
Eine ähnliche Verstärkung leistet die Formulierung mit If-Sätzen Typ 1: If you don't leave now, you'll miss the train. Statt einen Rat auszusprechen, benennst du die Folge. Das ist im Englischen oft die elegantere Lösung, weil es nicht bevormundet und trotzdem eindeutig ist.
| Form | Stärke | Beispiel |
|---|---|---|
| could | unverbindlicher Vorschlag | You could ask her. |
| should | Rat | You should ask her. |
| ought to | Rat, förmlicher | You ought to ask her. |
| had better | dringender Rat | You'd better ask her. |
| have to | Pflicht | You have to ask her. |
| must | Zwang, nachdrücklich | You must ask her. |
should in anderen Bedeutungen
Should gibt nicht nur Rat, es drückt auch eine Erwartung aus. The train should be here by now. She should be home already, she left an hour ago. This shouldn't take long. In diesen Sätzen rät niemand irgendwem etwas — der Sprecher sagt, was er normalerweise erwarten würde. Im Deutschen entspricht das dem „müsste“: „Der Zug müsste längst da sein.“
Diese Bedeutung liegt zwischen der Möglichkeit mit may und might und der Gewissheit mit must. It might be ready ist eine offene Möglichkeit, it should be ready ist eine begründete Erwartung, it must be ready ist eine feste Überzeugung. Diese Abstufungen sind im Englischen sehr präsent, und wer sie beherrscht, klingt genauer.
Eine dritte Verwendung findest du in Anleitungen und Anweisungen, wo should eine höfliche Vorschrift markiert: Applications should be submitted by 30 June. Das ist keine Empfehlung, sondern eine Regel in weicher Verpackung — üblich in Formularen, Ausschreibungen und Hausordnungen. Der Zusammenhang mit can und den Erlaubnisformen ist hier nur ein loser, aber das Register ist dasselbe: Je unpersönlicher der Text, desto lieber weicht das Englische auf Modalverben aus.
Schließlich taucht should in hypothetischen Sätzen auf, etwa in Should you need any help, please call. Das ist eine gehobene Alternative zu if you need any help und begegnet dir in Geschäftsbriefen. Die dahinterliegende Systematik gehört zu den If-Sätzen Typ 2 und darüber hinaus — auf A2 reicht es, die Wendung wiederzuerkennen.
Rat geben, ohne zu bevormunden
Englisch verpackt Ratschläge stärker als Deutsch. Ein deutsches „Du solltest das anders machen“ ist im Gespräch unauffällig; das englische you should do that differently kann direkt wirken, wenn der Ton nicht stimmt. Muttersprachler bauen deshalb gerne einen Dämpfer davor: I think you should …, maybe you should …, you might want to …, have you thought about …
Besonders nützlich ist die Formel why don't you: Why don't you ask him yourself? Das ist keine echte Frage, sondern ein Vorschlag, und es klingt freundlicher als der direkte Rat. Ebenso how about und what about, beide mit der -ing-Form: How about taking the train? What about asking Sarah?
Wenn du dagegen um einen Rat bittest, ist should das Mittel der Wahl, und du brauchst keine Dämpfer: What should I do? Should I say something? Do you think I should apply? Diese Fragen sind im Englischen völlig normal und wirken nicht unsicher.
Zusammengefasst: Should ist grammatisch einfach und pragmatisch fein. Die Form lernst du in fünf Minuten, das Gefühl dafür, wie stark ein Rat ankommt, dauert länger. Es hilft, in englischen Serien und Podcasts gezielt darauf zu hören, wie oft ein should mit I think, maybe oder perhaps abgefedert wird. Das ist kein Zufall und keine Unsicherheit, sondern Höflichkeitsroutine.
Häufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen should und must?
- Should ist ein Rat, must ein Zwang. You should wear a helmet ist eine Empfehlung, die du ausschlagen kannst. You must wear a helmet ist eine Vorschrift mit Folgen. Dazwischen liegt have to, das ebenfalls Pflicht bedeutet, aber neutraler klingt als must. Im Alltag ist should die mit Abstand häufigste der drei Formen.
- Heißt sollen immer should?
- Nein, und das ist die Hauptfalle. Nur der Rat wird zu should. Ein Auftrag von Dritten heißt be supposed to, ein Angebot wird zu Shall I …?, ein Gerücht zu be said to, eine Anweisung zu have to oder zum Imperativ. Prüfe deshalb bei jedem „sollen“, welche der Bedeutungen gemeint ist, bevor du übersetzt.
- Ist ought to dasselbe wie should?
- Praktisch ja. Ought to klingt etwas förmlicher und deutet stärker auf eine moralische Verpflichtung, bedeutet aber dasselbe. Es ist das einzige Modalverb mit einem festen to dahinter. Verneinung und Frage sind selten und wirken altmodisch, deshalb weichen Sprecher dort auf shouldn't und should I aus.
- Wann sagt man had better statt should?
- Wenn der Rat dringend ist und etwas Unangenehmes droht. You'd better hurry heißt sinngemäß, dass es sonst Ärger gibt. Danach steht der Infinitiv ohne to, die Verneinung lautet had better not. Gegenüber Fremden oder Vorgesetzten klingt die Wendung leicht drohend — dort ist should die sichere Wahl.
- Kann should auch eine Vermutung ausdrücken?
- Ja, im Sinn einer begründeten Erwartung. The parcel should arrive tomorrow heißt, dass es nach normalem Verlauf morgen da sein müsste. Das deutsche Gegenstück ist „müsste“, nicht „sollte“. Diese Bedeutung liegt zwischen der offenen Möglichkeit mit might und der festen Überzeugung mit must.
Passt dazu
- be used to und get used to — gewohnt sein oder sich gewöhnenWarum nach diesem to die -ing-Form steht, wie sich be used to von get used to unterscheidet und wo used to etwas ganz anderes meint.
- can — Fähigkeit, Erlaubnis und warum kein to folgtWie can gebildet wird, welche Bedeutungen es trägt und warum nach can weder ein to noch ein s stehen darf.
- Gerundium oder Infinitiv — wenn die Form den Sinn ändertstop smoking gegen stop to smoke: Bei einer kleinen Gruppe von Verben entscheidet die Form über die Bedeutung, nicht über den Stil.
- Gerundium und Infinitiv — wann -ing steht und wann toWarum ein Verb nach einem anderen Verb eine Form braucht, welche zwei zur Wahl stehen und warum nach Präpositionen immer -ing folgt.
- have got — Besitz ausdrücken, britisch gegen amerikanischWann have got statt have steht, wie du damit verneinst und fragst und warum Amerikaner es seltener benutzen als Briten.
- have something done — etwas machen lassen auf EnglischWarum Ich lasse mein Auto reparieren nicht I let my car repair heißt und wie have und get den Unterschied zwischen Auftrag und Erlebnis tragen.