Das kannst du danach
- Du bildest If-Sätze Typ 1 mit Simple Present im if-Teil und will im Hauptsatz.
- Du erklärst, warum nach if kein will stehen darf, obwohl im Deutschen dort ein Futur steht.
- Du ersetzt will durch can, may, must oder einen Imperativ, wenn die Aussage es verlangt.
- Du formst einen if-Satz mit unless um und erkennst, wann das nicht geht.
- Du setzt das Komma nur dann, wenn der if-Teil vorne steht.
Wofür der Typ 1 da ist
If-Sätze Typ 1 beschreiben eine Bedingung, die realistisch eintreten kann, und die Folge, die dann eintritt. Es geht nicht um Träume und nicht um Vergangenes, sondern um offene Möglichkeiten in Gegenwart und Zukunft. „If it rains, we'll stay at home.“ Der Regen ist nicht sicher, aber er ist möglich, und für diesen Fall steht die Folge fest. Genau darin unterscheidet sich Typ 1 von Typ 2, wo die Bedingung als unwahrscheinlich oder schlicht als nicht zutreffend markiert wird, und von Typ 3, der eine Vergangenheit betrifft, die sich nicht mehr ändern lässt.
Ein If-Satz besteht immer aus zwei Teilen: der Bedingung, eingeleitet durch if, und der Folge. Welcher Teil vorne steht, ist Geschmackssache und ändert die Bedeutung nicht. „If you call me, I'll pick you up.“ und „I'll pick you up if you call me.“ sagen dasselbe. Der Unterschied liegt nur in der Betonung: Was vorne steht, wirkt gesetzt, was hinten steht, wirkt nachgereicht.
Typ 1 ist die Form, die im Alltag am häufigsten vorkommt. Absprachen, Warnungen, Angebote, Drohungen, Bedienungsanleitungen — alles, was mit „wenn X, dann Y“ arbeitet und wo X noch offen ist, läuft über Typ 1. Wer diesen Satzbau sicher hat, kommt in Gesprächen weit, ohne je einen Konjunktiv zu brauchen.
Der Bau: if plus Simple Present, dann will
Die Formel ist kurz. Im if-Teil steht das Simple Present, im Hauptsatz steht will plus Grundform. Mehr ist es nicht. Das dritte s in der dritten Person Singular bleibt im if-Teil natürlich erhalten: „If he calls, I'll answer.“ Und will wird fast immer zu 'll verkürzt, weil der Satz sonst steif klingt.
In der gesprochenen Sprache hört man den if-Teil oft ohne jede Pause. „If you're late we'll start without you.“ Das Komma fällt beim Sprechen weg, im Schriftbild bleibt es, solange der if-Teil vorne steht. Mehr dazu weiter unten und ausführlich unter Kommasetzung.
Der if-Teil verneint sich ganz normal mit don't oder doesn't: „If you don't hurry, we'll miss the train.“ Auch das ist Simple Present, nur eben verneint — dieselben Regeln wie bei der Verneinung in jedem anderen Präsenssatz.
| Teil | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| Bedingung | if + Simple Present | If it rains, |
| Folge | will + Grundform | we'll take the car. |
| Bedingung verneint | if + don't / doesn't | If she doesn't answer, |
| Folge verneint | won't + Grundform | I won't wait. |
| Folge zuerst | kein Komma | I'll call you if I hear anything. |
Der deutsche Fehler: kein will nach if
Hier liegt der Kern der Lektion. Im Deutschen kann im wenn-Teil ein Futur stehen, und es klingt völlig normal: „Wenn es regnen wird, bleiben wir zu Hause.“ Auch „Wenn du mich anrufen wirst, hole ich dich ab.“ ist grammatisch möglich, wenn auch etwas gehoben. Deutschsprachige übertragen genau das ins Englische — und schreiben „If it will rain“. Das ist im Englischen falsch, und zwar nicht halb falsch, sondern hörbar falsch.
Der Grund ist eine Eigenheit des Englischen: In Nebensätzen, die eine Bedingung oder eine Zeit angeben, steht die Zukunft im Präsens. Das gilt nicht nur nach if, sondern genauso nach when, as soon as, before, after und until, also überall dort, wo Temporalsätze gebildet werden. „When I get home, I'll call you.“ Niemals „When I will get home“. Das Englische markiert die Zukunft nur einmal, im Hauptsatz, und verlässt sich darauf, dass der Nebensatz das mitträgt.
Es hilft, sich das als Arbeitsteilung zu merken: Der Hauptsatz sagt, dass es um Zukunft geht. Der if-Teil sagt nur noch, unter welcher Bedingung. Er braucht die Zukunft nicht ein zweites Mal. Wer diesen einen Satz verinnerlicht, macht den Fehler nicht mehr.
Eine Randnotiz für Fortgeschrittene: Es gibt Sätze mit „if you will“, aber die meinen etwas anderes — dort ist will kein Futur, sondern eine höfliche Bitte oder ein Ausdruck von Bereitschaft, wie in „If you will follow me, please.“ Das ist förmliches Britisch und begegnet einem in Hotels und Behörden, nicht im Alltag. Als Anfängerregel gilt ohne Einschränkung: nach if kein will.
Nicht nur will: can, may, must und der Imperativ
Der Hauptsatz muss kein will enthalten. Er muss nur die Folge nennen, und dafür stehen mehrere Mittel bereit. Mit can wird aus der Folge eine Möglichkeit: „If you finish early, you can go home.“ Mit may oder might wird sie unsicher: „If the traffic is bad, we might be late.“ Mit must oder have to wird sie zur Pflicht: „If you want the job, you have to apply by Friday.“ Ein Überblick über diese Formen steht unter Modalverben.
Besonders häufig ist der Imperativ als Folge. Bedienungsanleitungen, Warnschilder und mündliche Anweisungen arbeiten fast nur so: „If the light turns red, press the button.“ „If you see him, tell him to call me.“ Kein will, kein Subjekt, direkt die Aufforderung. Deutschsprachige unterschätzen diese Variante, weil sie im Lehrbuch selten steht.
Auch should passt in den Hauptsatz, wenn es um einen Rat geht: „If you feel dizzy, you should sit down.“ Und mit going to wird die Folge zu einem Plan, der schon feststeht: „If they offer me the job, I'm going to take it.“ Der Unterschied zu will ist derselbe wie sonst auch und steht unter will vs going to.
| Folge mit | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| will | sichere Folge | If I see her, I'll tell her. |
| can | Möglichkeit, Erlaubnis | If you're tired, you can leave. |
| may / might | unsichere Folge | If it snows, the flight may be cancelled. |
| must / have to | Pflicht | If you drive, you must wear a seatbelt. |
| should | Rat | If it hurts, you should see a doctor. |
| Imperativ | Anweisung | If the alarm rings, leave the building. |
unless — die Bedingung von hinten
unless heißt so viel wie „außer wenn“ oder „wenn nicht“ und ersetzt einen verneinten if-Teil. „If you don't hurry, we'll be late.“ wird zu „Unless you hurry, we'll be late.“ Wichtig: Nach unless steht kein don't mehr, die Verneinung steckt schon im Wort. Wer „Unless you don't hurry“ schreibt, verneint doppelt und dreht die Aussage um.
Im Deutschen gibt es kein einzelnes Wort, das genau das leistet. Man sagt „es sei denn“ oder „außer wenn“, und beides sind zwei bis drei Wörter. Deshalb greifen Deutschsprachige selten von selbst zu unless, obwohl es im Englischen sehr geläufig ist, besonders in Verträgen, Regeln und Absagen: „Unless we hear from you by Monday, we'll cancel the booking.“
unless ersetzt if not aber nicht überall. Es passt, wenn die Bedingung die einzige Rettung vor der Folge ist. Es passt nicht gut bei Gefühlen und Reaktionen: „She'll be upset if you don't call.“ bleibt so stehen; „Unless you call, she'll be upset.“ klingt schief. Weitere Einleitewörter wie provided that, as long as und in case behandelt unless, provided, as long as im Detail.
Komma, Reihenfolge und Kurzformen
Die Kommaregel ist einfacher als im Deutschen und wird trotzdem ständig falsch angewendet. Steht der if-Teil vorne, folgt ein Komma: „If you ask him, he'll help you.“ Steht er hinten, steht kein Komma: „He'll help you if you ask him.“ Im Deutschen trennt das Komma den Nebensatz in beide Richtungen ab, deshalb setzen Deutschsprachige eines, wo im Englischen keines hingehört.
Die Kurzformen gehören dazu. 'll für will, won't für will not — ausgeschrieben wirkt der Satz im Alltag zu feierlich. Nur wenn man betonen will, bleibt will voll stehen: „If you say that again, I will leave.“ Diese Betonung ist hörbar und gewollt.
Der if-Teil kann auch ein Progressive enthalten, wenn es um einen laufenden Vorgang geht: „If you're still working at six, I'll bring you something to eat.“ Das ist ganz normales Present Progressive und kein Sonderfall des Bedingungssatzes.
Typ 1 gegen Typ 0 und Typ 2
Drei Formen stehen sich nahe, und die Wahl hängt allein daran, wie du die Bedingung einschätzt. If-Sätze Typ 0 beschreiben, was immer gilt: „If you heat water to 100 degrees, it boils.“ Da steht in beiden Teilen Präsens, weil es um keine einzelne Gelegenheit geht, sondern um eine Regelmäßigkeit. Typ 1 dagegen meint einen konkreten Fall in der Zukunft.
Typ 2 verschiebt die Bedingung ins Unwahrscheinliche: „If I won the lottery, I'd buy a house.“ Die Vergangenheitsform ist dort kein Zeitsignal, sondern ein Abstandssignal. Deutschsprachige sind hier im Vorteil, weil der Konjunktiv II genau dasselbe tut — „wenn ich gewinnen würde“. Der Fehler passiert eher in die andere Richtung: Wer zu höflich sein will, greift zu Typ 2, wo Typ 1 richtig wäre.
Ein Merksatz für die Praxis: Wenn du die Bedingung für möglich hältst, nimm Typ 1. Wenn du sie für ausgeschlossen oder sehr unwahrscheinlich hältst, nimm Typ 2. Wenn es gar keine einzelne Gelegenheit gibt, sondern ein Naturgesetz oder eine Gewohnheit, nimm Typ 0.
Die Fehler, die immer wieder vorkommen
Der erste ist das will nach if und damit der wichtigste. Der zweite ist das fehlende s: „If he come tomorrow“ statt „If he comes tomorrow“. Der if-Teil ist ein ganz gewöhnlicher Präsenssatz und behält alle seine Endungen. Der dritte ist das doppelte Komma nach deutschem Muster. Der vierte ist die doppelte Verneinung nach unless.
Ein fünfter Fehler ist seltener, aber hartnäckig: die Übersetzung von „wenn“ als if, obwohl when gemeint ist. Deutsch hat für beides dasselbe Wort. Englisch trennt: if heißt, die Sache ist offen; when heißt, sie kommt bestimmt, nur der Zeitpunkt steht noch nicht fest. „I'll call you when I arrive.“ sagt, dass ich ankomme. „I'll call you if I arrive.“ klingt, als sei die Ankunft fraglich — im Zweifel eine unfreiwillige Drohung.
Häufige Fragen
- Warum steht nach if kein will, obwohl es um die Zukunft geht?
- Weil das Englische die Zukunft in Bedingungs- und Zeitnebensätzen nicht markiert. Der Hauptsatz trägt die Zukunft mit will, der if-Teil bleibt im Präsens. Dieselbe Regel gilt nach when, as soon as, before, after und until. Im Deutschen ist ein Futur im wenn-Teil möglich, und genau daher kommt der Fehler.
- Gibt es Sätze mit if will, die richtig sind?
- Ja, aber dort ist will kein Futur. In „If you will take a seat, the doctor will see you shortly.“ drückt will Bereitschaft oder eine höfliche Bitte aus. Das ist gehobenes britisches Englisch und im Alltag selten. Für den Typ 1 gilt die Regel ohne Ausnahme: kein will nach if.
- Wann setze ich das Komma im If-Satz?
- Nur wenn der if-Teil vorne steht. „If it rains, we'll stay in.“ hat ein Komma, „We'll stay in if it rains.“ hat keines. Das ist der Unterschied zum Deutschen, wo der Nebensatz in beiden Stellungen abgetrennt wird.
- Was ist der Unterschied zwischen if und unless?
- unless ersetzt ein verneintes if. „If you don't pay, they'll cancel it.“ und „Unless you pay, they'll cancel it.“ bedeuten dasselbe. Nach unless darf keine zweite Verneinung folgen, sonst kippt die Aussage. Bei Gefühlen und Reaktionen klingt if not natürlicher als unless.
- Muss im Hauptsatz immer will stehen?
- Nein. Der Hauptsatz kann can, may, might, must, have to oder should enthalten, und sehr oft steht dort schlicht ein Imperativ: „If the door is locked, ring the bell.“ Auch going to ist möglich, wenn die Folge ein fester Plan ist.
- Heißt wenn im Englischen if oder when?
- Das hängt davon ab, ob die Sache offen ist. if bedeutet, dass sie vielleicht eintritt; when bedeutet, dass sie sicher eintritt und nur der Zeitpunkt offen ist. „I'll write when I get there.“ setzt die Ankunft voraus, „I'll write if I get there.“ stellt sie infrage. Deutsch macht diesen Unterschied mit einem einzigen Wort nicht sichtbar.
Passt dazu
- Bedingung ohne if — Had I known und Were it not forWie Had I known, Were it not for und Should you need gebildet werden, wo sie hingehören und warum sie in Prüfungen erwartet werden.
- gemischte If-Sätze — Bedingung und Folge in zwei ZeitenWenn eine vergangene Bedingung eine heutige Folge hätte oder umgekehrt: die zwei Mischformen aus Typ 2 und Typ 3.
- If-Sätze Typ 0 — Bedingungen, die immer geltenDer Bedingungssatz für Naturgesetze, Gewohnheiten und Regeln — zweimal Präsens, kein will, und meist ist when genauso richtig.
- If-Sätze Typ 2 — die unwahrscheinliche Bedingung mit wouldSimple Past im if-Teil, would im Hauptteil: wie der zweite Bedingungssatz gebaut wird und warum würde nie in beide Satzteile gehört.
- If-Sätze Typ 3 — was hätte sein können und nie geschahPast Perfect im if-Teil, would have plus dritte Form im Hauptsatz: die irreale Vergangenheit und die Fallen, die das Deutsche stellt.
- unless, provided, as long as — Bedingungen ohne ifBedingungen lassen sich auch ohne if ausdrücken. Was unless genau bedeutet, warum es nicht verneint werden darf und wo in case anders liegt als if.