Das kannst du danach
- Du bildest bejahte und verneinte Aufforderungen mit der Grundform des Verbs.
- Du erkennst, dass eine einzige englische Form dem deutschen geh, geht und gehen Sie entspricht.
- Du schwächst eine Aufforderung mit Modalverben und Höflichkeitsformeln so ab, dass sie im Englischen normal klingt.
- Du verwendest let's für Vorschläge, die dich selbst einschließen.
- Du erkennst die Situationen, in denen der nackte Imperativ genau richtig ist.
Die Form: das nackte Verb
Der englische Imperativ ist die einfachste Form der ganzen Sprache. Du nimmst das Verb genau so, wie es im Wörterbuch steht, und stellst es an den Satzanfang. Keine Endung, kein Personalpronomen, keine Umstellung. Sit down. Open the window. Wait here. Call me when you get home. Das ist alles, und es gilt für jedes Verb ohne Ausnahme, auch für die unregelmäßigen: Go. Come. Be. Have. Take. Selbst das sonst so eigensinnige Verb to be verhält sich hier folgsam und erscheint schlicht als be: Be quiet. Be careful. Be here at eight.
Wichtig ist, was fehlt: das Subjekt. Im Aussagesatz ist die Wortstellung Subjekt vor Verb im Englischen unantastbar, wie du in den Grundlagen der Satzstellung siehst. Der Imperativ ist die eine große Ausnahme davon. Der Angesprochene ist ohnehin klar, also fällt you weg. Wer you trotzdem setzt, sagt etwas anderes: You be quiet klingt nicht höflicher, sondern schärfer, ungefähr wie das deutsche „Und du hältst jetzt den Mund“. Als Anfänger lässt du you deshalb konsequent weg.
Der zweite Punkt ist der, an dem Deutschsprachige aufatmen dürfen. Das Deutsche hat für die Aufforderung drei verschiedene Formen, je nachdem, wen man vor sich hat: geh, geht, gehen Sie. Dazu kommen Stammveränderungen wie nimm statt nehme oder lies statt lese. Das Englische kennt nichts davon. Eine Person, zehn Personen, der Chef oder die beste Freundin — es heißt immer nur go. Die Höflichkeit steckt im Englischen nicht in der Verbform, sondern in dem, was du um das Verb herum baust. Genau daran scheitern deutschsprachige Lernende, weil sie im Deutschen mit der Sie-Form schon alles erledigt haben und im Englischen deshalb nichts mehr hinzufügen.
| Deutsche Form | Anrede | Englisch |
|---|---|---|
| Komm her. | eine Person, vertraut | Come here. |
| Kommt her. | mehrere Personen, vertraut | Come here. |
| Kommen Sie her. | förmlich | Come here. |
| Sei ehrlich. | eine Person | Be honest. |
| Nimm den Bus. | eine Person | Take the bus. |
Die Verneinung: don't vor allem, was du nicht willst
Willst du etwas verbieten, stellst du don't vor die Grundform. Don't touch that. Don't worry. Don't tell him yet. Das gilt auch für to be, das sich sonst gern quer stellt: Don't be late. Don't be silly. Es gibt keinen Fall, in dem eine Aufforderung mit not allein verneint wird. Not open the door ist kein englischer Satz, sondern eine wörtliche Übersetzung von „Nicht die Tür öffnen“. Wie not sich an ein Hilfsverb heftet, statt frei im Satz zu stehen, zeigt die Lektion zur Verneinung im Detail.
Dass hier ausgerechnet do auftaucht, überrascht viele. Im bejahten Aussagesatz ist das Hilfsverb do unsichtbar, und im Deutschen gibt es ohnehin kein Gegenstück dafür. Trotzdem ist es dieselbe Mechanik, die auch bei den Fragen mit do arbeitet: Sobald ein Satz verneint oder gefragt wird, braucht das Englische einen Träger für not oder für die Umstellung. Beim Imperativ ist dieser Träger do, unabhängig von der Person, und deshalb heißt es immer don't und nie doesn't.
Für ein schärferes Verbot steht never statt don't: Never say that again. Never lend him money. Das ist keine höflichere, sondern eine grundsätzlichere Variante, ungefähr wie das deutsche „Niemals“. In offiziellen Verboten auf Schildern wird der Imperativ dagegen oft ganz umgangen, dort steht die Verlaufsform als Gerundium: No smoking, No parking, No running. Das ist streng genommen kein Imperativ mehr, wirkt aber genauso.
| Bejaht | Verneint | Deutsch |
|---|---|---|
| Wait here. | Don't wait here. | Warte hier. / Warte nicht hier. |
| Be late. | Don't be late. | Komm nicht zu spät. |
| Tell her. | Don't tell her. | Sag es ihr nicht. |
| Forget it. | Don't forget it. | Vergiss es nicht. |
| — | Never do that again. | Mach das nie wieder. |
let's: die Aufforderung, bei der du mitmachst
Wenn du dich selbst einschließt, verwendest du let's, die Kurzform von let us. Let's go. Let's take a break. Let's not argue about this. Das entspricht dem deutschen „Lass uns …“ oder dem schlichten „Gehen wir“. Die Vollform let us klingt in gesprochenem Englisch feierlich bis gestelzt und begegnet dir vor allem in Gebeten und Reden. Im Alltag sagst du let's.
Die Verneinung ist der Punkt, an dem viele stolpern: Sie heißt let's not, nicht don't let's. Let's not talk about work tonight. Die Variante don't let's existiert im britischen Englisch, ist aber altmodisch und im Alltag selten. Amerikanisches Englisch kennt sie praktisch nicht. Wer sicher gehen will, nimmt let's not.
Zur Rückfrage hängt man shall we an: Let's meet at seven, shall we? Das ist kein normaler Frageanhang, wie ihn die Question Tags beschreiben, sondern eine feste Verbindung, die nur nach let's steht. Sie macht aus dem Vorschlag eine echte Frage und ist damit deutlich weicher als der bloße Imperativ.
| Englisch | Deutsch | Anmerkung |
|---|---|---|
| Let's start. | Fangen wir an. | Standardform im Alltag |
| Let's not start yet. | Fangen wir noch nicht an. | Verneinung mit not nach let's |
| Let us pray. | Lasset uns beten. | feierlich, nur in festen Kontexten |
| Let's go, shall we? | Gehen wir, ja? | Rückfrage nur mit shall we |
Warum der deutsche Imperativ im Englischen zu hart klingt
Hier liegt der eigentliche Kern dieser Lektion. Im Deutschen ist der Imperativ ein völlig normales Mittel für eine ganz normale Bitte. „Schick mir bitte das Angebot bis Freitag“ ist eine freundliche E-Mail an einen Kollegen, niemand nimmt daran Anstoß. Übersetzt du das eins zu eins in Send me the offer by Friday, please, klingt es für britische Ohren nach einer Anweisung von oben. Nicht beleidigend, aber deutlich schroffer, als du es gemeint hast. Der Fehler ist nicht grammatisch, sondern sozial, und genau deshalb korrigiert ihn niemand.
Das Englische verlegt Höflichkeit von der Verbform in ein Gerüst aus Modalverben und Fragen. Aus der Aufforderung wird eine Frage nach der Möglichkeit: Could you send me the offer by Friday? Wie can dabei zwischen Fähigkeit und Bitte wechselt, ist die Grundlage; die zurückhaltendere Stufe erreichst du mit could und would, die vorsichtige mit might und der Formulierung I was wondering if. Je länger die Formulierung, desto höflicher — das ist im Englischen fast eine Rechenregel.
Ein einzelnes please rettet den nackten Imperativ nur bedingt. Es macht ihn freundlicher, aber nicht weniger direkt. Please sit down zu einem Gast ist in Ordnung, weil das Angebot in seinem Interesse ist. Please write the report until tomorrow ist dagegen eine Anweisung mit Höflichkeitslack. Die Stellung von please ist frei: am Anfang, am Ende, seltener in der Mitte. Am Ende, nach einer kurzen Sprechpause, klingt es am natürlichsten: Could you close the window, please?
Eine zweite Abschwächung liefert der Konditionalsatz. If you have a minute, could you look at this? Damit gibst du dem Gegenüber einen Ausweg, und dieser Ausweg ist im Englischen ein zentraler Höflichkeitsmechanismus. Die Bauform dieser Sätze findest du bei den If-Sätzen Typ 1.
| Formulierung | Direktheit | Passt zu |
|---|---|---|
| Send me the file. | sehr direkt | Anweisung, Notfall, Anleitung |
| Please send me the file. | direkt | klare Ansage unter Kollegen |
| Can you send me the file? | neutral | Alltag, vertraute Kollegen |
| Could you send me the file? | höflich | Standard im Berufsalltag |
| Would you mind sending me the file? | sehr höflich | Fremde, heikle Bitten |
Wo der Imperativ genau richtig ist
Der Imperativ ist keine Notlösung, die man immer abschwächen müsste. Es gibt Textsorten, in denen alles andere falsch klingt. Auf Schildern und Knöpfen steht er nackt: Push. Pull. Mind the gap. Keep left. In Rezepten und Bedienungsanleitungen trägt er den ganzen Text: Preheat the oven to 180 degrees. Add the eggs. Stir for two minutes. Kein Koch der Welt schreibt dort Could you preheat the oven.
Auch Wegbeschreibungen laufen über den Imperativ, oft zusammen mit einem Partikelverb: Go straight on. Turn left at the lights. Turn off the motorway at junction twelve. Ebenso Formulare und Software: Fill in your name. Sign up for free. Der Ton ist hier nicht unhöflich, weil niemand als Person angesprochen wird, sondern eine Handlung beschrieben wird.
Die dritte Gruppe sind Warnungen und dringliche Situationen. Look out. Get down. Call an ambulance. Wer im Notfall Would you mind calling an ambulance sagt, hat ein anderes Problem als seine Grammatik. Und schließlich der freundliche Zuspruch, bei dem der Imperativ warm statt schroff wirkt: Sit down, make yourself at home. Cheer up. Take care. Have a good weekend. Das sind feste Wendungen, die niemand als Befehl hört.
Der Imperativ im größeren Satz
Ein Imperativ kann mit and oder or an einen zweiten Satzteil gehängt werden, und dann bekommt er eine Bedeutung, die im Deutschen ein Nebensatz übernimmt. Hurry up or we'll miss the train heißt „Wenn wir uns nicht beeilen, verpassen wir den Zug“. Come closer and I'll show you heißt „Wenn du näher kommst, zeige ich es dir“. Die Zukunftsform dahinter ist die Standardform mit will, und die Bedingungslogik ist dieselbe wie in den If-Sätzen.
Mit einem angehängten will you oder would you wird aus der Aufforderung eine Rückfrage: Sit down, will you? Pass me the salt, would you? Das klingt vertraut bis leicht genervt, je nach Betonung, und ist unter Fremden keine gute Wahl. Zwischen will you und can't you liegt ein deutlicher Unterschied im Ton, den man am besten durch Zuhören lernt.
Wird eine Aufforderung wiedergegeben, verschwindet der Imperativ vollständig. Aus Wait here wird He told me to wait there. Das Englische benutzt dafür den Infinitiv mit to, nicht einen Nebensatz mit dass, wie ihn das Deutsche bilden würde. Die Regeln dazu stehen bei der indirekten Rede bei Aufforderungen, und die Grundlage der Konstruktion bei den Verben mit Infinitiv.
Typische Fehler Deutschsprachiger
Die häufigsten Fehler entstehen alle aus derselben Quelle: Das deutsche Muster wird Wort für Wort übertragen. Dazu gehört der Imperativ mit Subjekt (Go you home statt Go home), die Verneinung ohne don't (Not forget it statt Don't forget it) und der Versuch, die Sie-Form durch ein förmlicheres Verb auszudrücken. Es gibt kein förmlicheres Verb. Die Förmlichkeit sitzt woanders.
Ein zweiter Fehler betrifft das Verb nach der Aufforderung. Nach let's, don't und dem reinen Imperativ steht immer die Grundform ohne to und ohne Endung. Let's to go und Don't to worry sind beide falsch, ebenso Sit downs oder Be careful bitte. Wenn dir die Endungen im Kopf herumspuken, liegt das meist am Simple Present, wo he, she und it ein s verlangen. Im Imperativ gibt es keine dritte Person, also auch kein s.
Der dritte Fehler ist kein Grammatikfehler, sondern eine Frage der Wirkung, und er fällt im Berufsalltag am meisten auf. Wenn du merkst, dass du in einer englischen E-Mail drei Sätze hintereinander mit einem Verb beginnst, hast du wahrscheinlich drei Anweisungen geschrieben. Bau eine davon in eine Frage um, und der Ton stimmt wieder.
| Falsch | Richtig | Ursache |
|---|---|---|
| Go you home. | Go home. | Subjekt aus dem Deutschen mitgenommen |
| Not open the door. | Don't open the door. | not ohne Hilfsverb |
| Doesn't forget it. | Don't forget it. | Imperativ kennt keine dritte Person |
| Let's to go. | Let's go. | to nach let's |
| Don't let's start. | Let's not start. | veraltete Verneinungsstellung |
Häufige Fragen
- Wie sage ich Sie im englischen Imperativ?
- Gar nicht, jedenfalls nicht über die Verbform. Das Englische hat nur eine Imperativform, und you deckt du, ihr und Sie gleichermaßen ab. Höflichkeit entsteht stattdessen durch den Umbau in eine Frage: Statt Send me the report sagst du Could you send me the report? Wer die Sie-Form durch ein besonders gewähltes Verb ersetzen will, macht den Satz nur schwerfällig, nicht höflicher.
- Warum heißt es don't und nicht doesn't im Imperativ?
- Weil der Imperativ keine grammatische Person hat. Das s in doesn't gehört zur dritten Person Singular, und die kommt in einer Aufforderung nicht vor: Du sprichst immer jemanden direkt an. Deshalb gibt es nur eine einzige verneinte Imperativform, und die heißt don't, egal ob du eine Person oder eine ganze Gruppe ansprichst.
- Ist please sagen genug, um höflich zu sein?
- Nur teilweise. Please macht eine Aufforderung freundlicher, ändert aber nichts daran, dass sie eine Aufforderung bleibt. Bei Angeboten im Interesse des Gegenübers reicht es aus: Please have a seat ist tadellos. Bei allem, was für dich Arbeit macht, solltest du zusätzlich in eine Frage umbauen: Could you have a look at this, please?
- Wann benutze ich let's und wann shall we?
- Let's ist der Vorschlag, shall we die Frage danach. Let's take the train ist eine Ansage, Shall we take the train? überlässt die Entscheidung dem anderen. Beides lässt sich kombinieren: Let's take the train, shall we? Im amerikanischen Englisch ist shall in Fragen selten, dort hört man häufiger Should we take the train?
- Kann ein Imperativ im Englischen auch eine Bedingung ausdrücken?
- Ja, und das ist häufiger, als Lehrbücher zeigen. In Come closer and you'll see it besser oder Leave now or you'll be late steckt jeweils eine Wenn-Bedingung, obwohl kein if im Satz steht. And bedeutet dabei „wenn du das tust“, or bedeutet „wenn du das nicht tust“. Die Zeitform im zweiten Teil ist fast immer will.
Passt dazu
- absolute Konstruktion — The weather being fine und ihre TückenWie The weather being fine gebaut wird, welche Bedeutung Leser hineinlesen und warum die Konstruktion im Gespräch gestelzt klingt.
- although, though, despite — drei Wege, obwohl zu sagenNach although folgt ein Satz, nach despite ein Nomen. Warum der teuerste Fehler hier nicht in der Bedeutung liegt, sondern im Bau.
- betonendes do — Nachdruck ohne das deutsche dochI do like it: Wie das Englische Nachdruck baut, weil es kein Wörtchen wie doch hat — und warum Do sit down höflicher klingt als Sit down.
- Cleft-Sätze — Betonung durch Umbau statt durch TonfallWarum Englisch einen Satz zerlegt, wo Deutsch nur lauter spricht, und wie It was John who und What I need is gebaut werden.
- Ellipse — was das Englische weglässt, ohne dass etwas fehltKurzantworten, and-Verbindungen und das nackte to: Wo das Englische Wörter streicht — und warum deutsche Sätze im Englischen oft zu vollständig klingen.
- Finalsätze — to, in order to und so that für den ZweckWozu etwas geschieht: to und in order to bei gleichem Subjekt, so that bei verschiedenem — und warum for to do es nicht gibt.