Das kannst du danach
- Du erkennst, warum das Englische Betonung über den Satzbau löst und nicht über die Wortstellung.
- Du bildest it-cleft-Sätze mit dem passenden Relativwort und der richtigen Zeitform.
- Du baust wh-cleft-Sätze mit what, all und the reason und weißt, wann sie natürlicher klingen.
- Du entscheidest sicher, welches Satzglied in den Brennpunkt darf und welches nicht.
- Du vermeidest die typischen Übertragungen aus dem Deutschen mit es und gerade.
Warum Englisch umbauen muss, wo Deutsch nur betont
Im Deutschen kann fast jedes Satzglied nach vorn rutschen, ohne dass der Satz kaputtgeht. Gestern hat Johannes das Fenster repariert. Das Fenster hat Johannes gestern repariert. Johannes hat gestern das Fenster repariert. Drei Sätze, dieselben Wörter, drei verschiedene Schwerpunkte. Möglich ist das, weil die Fälle die Rollen markieren: Am Artikel und an der Endung sieht man, wer handelt und was behandelt wird. Die Position im Satz ist deshalb frei für andere Aufgaben, nämlich für die Betonung.
Englisch hat diese Freiheit nicht. Dort trägt die Stellung selbst die Information darüber, wer was tut. Subjekt, Verb, Objekt stehen in dieser Reihenfolge, und wer daran rüttelt, ändert nicht die Betonung, sondern den Sinn. Wie eng dieses Korsett sitzt, steht im Detail in der Lektion zur englischen Satzstellung. Für dieses Thema reicht die Folgerung: Wenn die Wortstellung nicht zum Hervorheben taugt, braucht die Sprache ein anderes Werkzeug.
Genau das sind Cleft-Sätze. Das englische Wort cleft heißt gespalten, und das beschreibt den Vorgang treffend. Ein einfacher Satz wird in zwei Teile zerlegt: einen kurzen Rahmen, der genau ein Element in den Brennpunkt stellt, und einen zweiten Teil, der den Rest als bereits bekannt behandelt. Aus John repaired the window yesterday wird It was John who repaired the window yesterday. Der Inhalt bleibt gleich, die Gewichtung nicht.
Deutschsprachige unterschätzen dieses Mittel regelmäßig, weil sie im Kopf weiterhin mit Betonung arbeiten. Gesprochen kommt man damit oft durch, geschrieben nicht: Ein geschriebener englischer Satz hat keinen Tonfall. Wer im Text hervorheben will, muss bauen. Das ist der Grund, warum Cleft-Sätze in Prüfungstexten, Kommentaren und Sachartikeln viel häufiger vorkommen, als der Lehrbuchumfang vermuten lässt.
Der it-cleft: It was John who repaired the window
Die bekannteste Bauform beginnt mit it und einer Form von be. Danach folgt das hervorgehobene Element, danach ein Relativwort und der Rest des Satzes. Das Muster lautet: it + be + Brennpunkt + who/that + Rest. It was my sister who paid for everything. It is the noise that bothers me, not the smell.
Das it am Anfang ist ein leeres Platzhalter-it. Es zeigt auf nichts, es hält nur die Subjektstelle besetzt, weil im Englischen kein Satz ohne Subjekt auskommt. Dasselbe leere it kennt man aus It is raining oder It is difficult to say. Die Verwechslung mit dem hinweisenden it, das sich auf ein Ding bezieht, ist die häufigste Fehlerquelle beim Übersetzen.
Das Relativwort richtet sich nach dem Element im Brennpunkt: who bei Personen, that bei allem anderen, where bei Orten, when bei Zeitangaben. that ist dabei fast immer möglich, auch bei Personen, und im gesprochenen Englisch sogar die häufigere Wahl. Weil das Relativwort den Brennpunkt einschränkt und nicht bloß ergänzt, gelten hier die Regeln für notwendige Relativsätze und nicht die für die eingeschobene Variante — kein Komma, keine Pause.
Zwei Punkte werden gern falsch gemacht. Erstens richtet sich die Zeitform von be nach dem Zeitpunkt des Geschehens, nicht nach dem Sprechzeitpunkt: It was John who did it, wenn es gestern war. Zweitens richtet sich das Verb im zweiten Teil nach dem Element im Brennpunkt: It is I who am responsible ist grammatisch streng, klingt aber steif; üblich ist It's me who's responsible oder besser I'm the one who's responsible. Hier trennt sich Schulgrammatik von gesprochener Sprache.
| Brennpunkt | Relativwort | Beispiel |
|---|---|---|
| Person | who / that | It was Anna who called. |
| Sache | that | It was the rain that ruined it. |
| Ort | where / that | It was in Leeds that we met. |
| Zeit | when / that | It was in 2019 that she left. |
| Grund | why / that | It was for that reason that he resigned. |
Der wh-cleft: What I need is a break
Die zweite große Bauform beginnt mit what. Der Satz wird dabei umgekehrt aufgezogen: Zuerst kommt der bekannte Teil in einem what-Satz, dann be, dann der Brennpunkt am Ende. What I need is a decent night's sleep. What annoys me is the constant noise. Man nennt das auch pseudo-cleft, weil what hier kein Fragewort ist, sondern so viel bedeutet wie das, was.
Der Unterschied zum it-cleft ist die Richtung. Der it-cleft stellt das Wichtige nach vorn, der wh-cleft schiebt es ans Ende. Englisch legt neue Information gern ans Satzende, und genau deshalb wirkt der wh-cleft besonders natürlich, wenn etwas angekündigt und dann aufgelöst wird. In gesprochener Sprache hört man ihn ständig: What happened was that the train got cancelled.
Deutsch hat dafür eine erstaunlich genaue Entsprechung, und die hilft beim Verstehen: Was ich brauche, ist eine Pause. Was mich stört, ist der Lärm. Wer diese deutsche Struktur im Ohr hat, baut den wh-cleft fast automatisch richtig. Nur die Kommaregel unterscheidet sich, denn im Englischen steht vor is kein Komma. Zu den Kommaunterschieden insgesamt gibt es eine eigene Lektion zur englischen Kommasetzung.
Ein Detail zur Zahl: Nach dem what-Satz steht in der Regel is oder was im Singular, auch wenn danach ein Plural folgt. What I need is new tyres ist üblich, What I need are new tyres ebenfalls möglich und in geschriebener Sprache sogar sauberer. Beides begegnet einem, beides wird akzeptiert.
Weitere Bauformen: all, the reason, the place
Neben what gibt es eine Reihe verwandter Rahmen, die dasselbe leisten und im Alltag sehr häufig sind. All I want is a quiet weekend. Das all schränkt zusätzlich ein und bedeutet so viel wie mehr nicht: All he did was apologise. Bemerkenswert ist die Form danach — nach all ... was folgt in aller Regel der Infinitiv ohne to, also apologise und nicht to apologise.
The reason why I called is that we need to move the meeting. The place where it went wrong was the handover. The thing that bothers me is the timing. Diese Rahmen heißen Nominalphrasen-Clefts, weil ein Nomen wie reason, place oder thing die Stelle von what einnimmt. Wer im Aufsatz eine Begründung einleiten will, hat mit the reason why einen sehr verlässlichen Baustein — im gehobenen Register geht auch the reason that oder schlicht the reason.
Eine dritte Variante schiebt es-artig mit there: There was one thing that surprised everyone. Auch das ist ein Werkzeug der Hervorhebung und verwandt mit dem einfachen Muster there is und there are, nur eben mit angehängtem Relativsatz.
Wichtig ist, sich nicht zu verzetteln. Alle diese Formen erfüllen dieselbe Aufgabe. Wer im Text zwei Cleft-Sätze hintereinander baut, klingt manieriert. Ein Cleft-Satz pro Absatz ist eine gute Obergrenze, und er sollte an der Stelle stehen, an der wirklich ein Gegensatz oder eine Korrektur transportiert wird.
| Rahmen | Beispiel | Deutsche Entsprechung |
|---|---|---|
| it + be + ... + who/that | It was Tom who forgot. | Tom war es, der vergessen hat. |
| what ... is/was | What I need is time. | Was ich brauche, ist Zeit. |
| all ... is/was | All she did was smile. | Sie hat nur gelächelt. |
| the reason why ... is | The reason why I left is simple. | Der Grund, warum ich ging, ist einfach. |
| the thing that ... is | The thing that helps is practice. | Was hilft, ist Übung. |
| there + be + ... that | There was one detail that mattered. | Ein Detail war entscheidend. |
Was in den Brennpunkt darf und was nicht
Nicht jedes Satzglied lässt sich gleich gut hervorheben. Am besten funktionieren Subjekt, Objekt, Ortsangabe, Zeitangabe und Grundangabe. It was the manager who signed it. It was the contract that he signed. It was on Friday that he signed it. Alle drei sind tadellos.
Schwierig wird es beim Verb selbst. It was signed that he did ist Unsinn. Wer die Handlung betonen will, greift stattdessen zum betonenden do: He did sign it. Das ist die englische Antwort auf das deutsche Er hat es sehr wohl unterschrieben. Beide Mittel gehören zusammen und lösen zwei verschiedene Probleme: Cleft hebt ein Satzglied hervor, do hebt die Aussage als solche hervor.
Auch Adjektive gehen nicht in den it-cleft. Statt It was tired that I was sagt man What I was was tired — was seinerseits ungelenk klingt und deshalb im Alltag meist umgangen wird. Hier greift man besser zu Adverbien der Verstärkung oder zu einer der Konstruktionen aus der Lektion zu so und such.
Ein Sonderfall ist das Passiv. Wer den Handelnden hervorheben will, aber den Satz im Passiv hat, kann beide Werkzeuge kombinieren: It was the neighbours who reported it, nicht It was reported by the neighbours that ... — Letzteres verschiebt den Ton wieder ins Unpersönliche. Wann das Passiv überhaupt sinnvoll ist, klärt die Lektion zum Passiv.
Cleft, Inversion und Fronting im Vergleich
Cleft-Sätze sind nicht das einzige Mittel, mit dem Englisch Gewicht verteilt. Zwei Nachbarn sind wichtig genug, um sie sauber abzugrenzen. Der erste ist die Inversion, bei der ein negatives oder einschränkendes Element an den Satzanfang rutscht und dahinter Hilfsverb und Subjekt die Plätze tauschen: Never had I seen anything like it. Das ist deutlich förmlicher als jeder Cleft-Satz und in gesprochener Sprache selten.
Der zweite Nachbar ist das Fronting, also das schlichte Vorziehen eines Satzglieds ohne weitere Umbauten: That I can't accept. Diese Möglichkeit gibt es im Englischen durchaus, sie ist nur enger begrenzt als im Deutschen und wirkt schnell literarisch. Wer sie genauer betrachten will, findet sie in der Lektion zum Fronting und in der Fortsetzung zu it-clefts und what-clefts auf höherem Niveau.
Die Faustregel für den Alltag: Cleft-Sätze sind das neutrale, überall passende Werkzeug. Inversion ist förmlich und schriftlich, Fronting ist stilistisch und heikel. Wer im Zweifel ist, nimmt den Cleft-Satz.
Nicht zu verwechseln ist all das mit der Stellung von Adverbien, die im Englischen eigenen Regeln folgt und nichts mit Hervorhebung zu tun hat. Wo only, even oder just im Satz stehen, entscheidet über den Sinn und steht in der Lektion zur Stellung der Adverbien.
Typische Fehler von Deutschsprachigen
Der häufigste Fehler ist die wörtliche Übertragung von es. Deutsch sagt Es war Anna, die angerufen hat, und das führt zu It was Anna, who called mit Komma. Das Komma macht aus dem notwendigen einen eingeschobenen Relativsatz und zerstört die Hervorhebung. In einem Cleft-Satz steht nie ein Komma vor who oder that. Der Unterschied zwischen beiden Relativsatzarten ist in der Lektion zu den nicht notwendigen Relativsätzen ausführlich beschrieben.
Der zweite Fehler ist das deutsche gerade. Gerade Anna hat angerufen wird gern zu Just Anna called, was etwas anderes heißt, nämlich nur Anna. Die richtige Entsprechung ist der Cleft-Satz: It was Anna who called.
Der dritte Fehler betrifft die Zeitform. Wer heute über gestern spricht, sagt It was John who did it, nicht It is John who did it. Deutsch erlaubt hier mehr Spielraum, Englisch verlangt die Übereinstimmung der beiden Satzteile.
Der vierte Fehler ist die falsche Wortstellung im what-Satz. What I need is time ist richtig, What do I need is time ist es nicht. Im what-Satz steht kein Fragebau, weil es keine Frage ist. Dasselbe Problem trifft die indirekten Fragen, und wer es dort verstanden hat, macht es hier nicht mehr.
Der fünfte Fehler ist Übermaß. Ein Text, in dem jeder dritte Satz mit It was oder What I beginnt, liest sich atemlos. Hervorhebung wirkt nur, wenn sie selten ist.
Häufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen it-cleft und wh-cleft?
- Der it-cleft stellt das hervorgehobene Element nach vorn: It was the traffic that delayed us. Der wh-cleft schiebt es ans Ende: What delayed us was the traffic. Inhaltlich sind beide gleich, im Ton nicht. Der it-cleft wirkt wie eine Korrektur oder ein Widerspruch, der wh-cleft wie eine Ankündigung mit anschließender Auflösung und klingt in gesprochener Sprache oft natürlicher.
- Muss nach It was ein who oder geht auch that?
- Beides geht. Bei Personen ist who etwas förmlicher und that in der gesprochenen Sprache mindestens genauso häufig: It was my brother that told me. Bei Sachen steht praktisch immer that. Weglassen lässt sich das Relativwort nur dann, wenn es im zweiten Teil Objekt ist: It was this book I meant funktioniert, It was Anna called dagegen nicht.
- Warum steht im Cleft-Satz kein Komma?
- Weil der zweite Teil den Brennpunkt einschränkt und deshalb ein notwendiger Relativsatz ist. Ein Komma würde ihn zu einer beiläufigen Ergänzung machen, und dann wäre die ganze Hervorhebung dahin. Deutsch setzt hier zwingend ein Komma, Englisch zwingend keines. Das ist einer der Punkte, an denen die deutsche Zeichensetzung zuverlässig in die Irre führt.
- Sagt man It is I who am oder It's me who's?
- Grammatisch streng ist It is I who am responsible, weil sich das Verb nach dem Brennpunkt richtet. Gesprochen sagt das niemand. Üblich sind It's me who's responsible oder, deutlich eleganter, I'm the one who's responsible. In Prüfungen ist die dritte Variante die sicherste, weil sie weder steif noch umgangssprachlich wirkt.
- Sind Cleft-Sätze im Aufsatz erwünscht?
- Ja, in Maßen. Prüfende werten sie als Zeichen dafür, dass jemand Informationen bewusst gewichtet und nicht nur Sätze aneinanderreiht. Zwei bis drei Cleft-Sätze in einem Aufsatz von 250 Wörtern sind ein gutes Maß. Wer mehr einsetzt, erzeugt den Eindruck einer eingeübten Formel statt eines Arguments.
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