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Ellipse — was das Englische weglässt, ohne dass etwas fehlt

Kurzantworten, and-Verbindungen und das nackte to: Wo das Englische Wörter streicht — und warum deutsche Sätze im Englischen oft zu vollständig klingen.

Das kannst du danach

  • Du streichst bei Verbindungen mit and, but und or alles, was sich wiederholen würde.
  • Du antwortest mit Kurzformen wie Yes, I do statt mit dem ganzen Satz.
  • Du benutzt das nackte to als Ersatz für einen ganzen Infinitiv.
  • Du weißt, wann that vor einem Nebensatz entfallen darf und wann nicht.
  • Du erkennst, warum vollständig gebaute Sätze im Englischen umständlich wirken.

Weglassen ist kein Fehler

Ellipse heißt Auslassung. Gemeint ist, dass ein Wort oder eine ganze Wortgruppe im Satz fehlt, weil sie sich aus dem Zusammenhang von selbst ergibt. Would you like to come? — I'd love to. Der Satz endet nach to, und niemand vermisst etwas, weil jeder weiß, wie er weitergehen würde. Solche Sätze sind nicht unvollständig im Sinne von fehlerhaft, sondern vollständig im Sinne von: Alles Notwendige steht da.

Das Englische lässt deutlich mehr weg als das Deutsche, und das ist der eigentliche Punkt dieser Lektion. Deutschsprachige bauen englische Sätze meist korrekt, aber zu vollständig. Yes, I like it, too statt So do I. I would love to come statt I'd love to. Der Unterschied ist kein Grammatikfehler, sondern ein Stilsignal: Es klingt lehrbuchhaft, ein wenig steif, und in Gesprächen leicht abweisend, weil ausgeschriebene Sätze wie Belehrung wirken können.

Der Grund liegt in der Struktur. Deutsch kann Wörter weglassen, muss dafür aber oft die Wortstellung ändern, und es hat kein System von Hilfsverben, das den Rest des Satzes vertreten könnte. Englisch hat dieses System: do, be, have und die Modalverben stehen für den ganzen Rest ein. Wer sie kennt, kann fast jeden zweiten Satz halbieren.

Die Regel im Hintergrund ist immer dieselbe. Weggelassen werden darf, was der Zuhörer aus dem unmittelbar Vorangehenden eindeutig rekonstruieren kann. Ist die Wiederherstellung mehrdeutig, muss der Teil stehen bleiben. Das ist der einzige Prüfstein, und er gilt für alle Formen der Ellipse gleichermaßen.

Ellipse bei and, but und or

Werden zwei Sätze mit and, but oder or verbunden und teilen sich Subjekt oder Verb, fällt der zweite Auftritt weg. She opened the door and walked in — kein zweites she. He can sing but can't dance — kein zweites he und kein zweites can, wenn man noch weiter kürzt: He can sing but not dance. Je mehr die beiden Teile gemeinsam haben, desto mehr lässt sich streichen.

Gekürzt wird immer von links, also im zweiten Teil. Der erste Teil bleibt vollständig, weil er die Information trägt, auf die sich der zweite stützt. Deshalb ist She walked in and opened the door and she walked in unsinnig gebaut, während She opened the door and walked in sauber ist. Wer beim Schreiben unsicher ist, schreibt beide Teile voll aus und streicht dann alles, was doppelt dasteht.

Auch Präpositionen und Artikel lassen sich zusammenfassen: the black and white cats, in London and Paris, my brother and sister. Vorsicht bei Präpositionen, die sich unterscheiden: interested in and worried about the plan geht, interested and worried about the plan nicht, weil interested about falsch wäre. Welche Präposition zu welchem Adjektiv gehört, steht in den Präpositionen nach Adjektiven; die Ellipse verzeiht hier nichts.

Dasselbe gilt für Verben mit unterschiedlicher Ergänzung. I like and I'm good at cooking geht, I like and good at cooking nicht. Und bei Verben, die verschiedene Formen verlangen — die einen ein Gerundium, die anderen einen Infinitiv —, muss ebenfalls beides stehen. Die Verteilung dazu steht in Gerundium und Infinitiv.

VollGekürztWas fehlt
She came in and she sat down.She came in and sat down.Subjekt
I can drive but I can't park.I can drive but not park.Subjekt und Hilfsverb
He works in London, she works in Leeds.He works in London, she in Leeds.Verb
the black cats and the white catsthe black and white catsNomen und Artikel
I've been to Rome and I've been to Bath.I've been to Rome and to Bath.Subjekt und Hilfsverb

Kurzantworten

Auf eine Entscheidungsfrage antwortet man im Englischen nicht mit dem vollen Satz und auch nicht mit einem nackten yes oder no. Man antwortet mit Subjekt und Hilfsverb: Do you smoke? — No, I don't. Have you seen it? — Yes, I have. Is she coming? — No, she isn't. Das Hilfsverb der Frage kehrt in der Antwort wieder, und alles Übrige entfällt.

Ein bloßes Yes oder No ist grammatisch möglich, klingt aber knapp bis unhöflich, ähnlich wie ein deutsches Ja ohne weiteren Zusatz auf eine ernst gemeinte Frage. Die Kurzform mit Hilfsverb ist die höfliche Normalform. Steht in der Frage kein Hilfsverb, tritt do ein — dieselbe Mechanik wie in den Fragen mit do und beim Nachdruck.

Aus derselben Quelle stammen die Zustimmungsformeln. So do I, Neither do I, So have we, Nor am I. Hier wird nicht nur gekürzt, sondern zusätzlich umgestellt: Nach so und neither folgt das Hilfsverb vor dem Subjekt, wie bei der Inversion überhaupt. Ohne diese Umstellung entsteht etwas anderes: So I do bedeutet tatsächlich ja, stimmt und ist eine Bestätigung, keine Zustimmung.

Verwandt sind die Question Tags, die dasselbe Hilfsverb aufgreifen und ans Satzende hängen: You've seen it, haven't you? Auch das ist Ellipse — der ganze Fragesatz schrumpft auf zwei Wörter. Wer die Hilfsverben sicher zuordnet, hat damit drei Konstruktionen auf einmal erledigt: Kurzantwort, Zustimmung und Anhängsel.

FrageKurzantwortZustimmung
Do you like it?Yes, I do. / No, I don't.So do I.
Have you finished?Yes, I have.So have I.
Are you coming?No, I'm not.Neither am I.
Can she swim?Yes, she can.So can he.
Did they call?No, they didn't.Neither did we.

Das nackte to

Die auffälligste englische Ellipse ist das alleinstehende to. Es vertritt einen ganzen Infinitiv samt allem, was dazugehört: Are you going to apply? — I'd like to. Der Rest des Satzes wäre to apply for the job, aber er wird nicht wiederholt. Diese Form ist im Alltag allgegenwärtig und für deutsche Ohren zunächst unfertig, weil das Deutsche nichts Vergleichbares kennt.

Der deutsche Satz muss anders lösen. Ich würde gern hat kein Anhängsel, das dem englischen to entspräche — man sagt einfach Ich würde gern, und der Rest ist mitgemeint. Übertragen führt das zu zwei Fehlern: entweder wird das to weggelassen, was falsch ist, weil I'd like allein unvollständig ist, oder der ganze Infinitiv wird wiederholt, was umständlich klingt.

Möglich ist das nach allen Verben, die einen Infinitiv mit to verlangen — die Liste steht in den Verben mit Infinitiv. Typisch sind want, would like, hope, plan, try, need, forget, mean, be able. I'd love to. I don't want to. You can if you need to. Nach Verben mit Gerundium funktioniert es nicht: Auf Do you enjoy running? antwortet man nicht mit I enjoy to, sondern mit Yes, I do.

Bei have to und ought to bleibt das to ebenfalls stehen: You don't have to if you don't want to. Und nach going to lässt es sich weglassen oder behalten: Are you going to tell her? — I'm going to. Eine Sonderrolle spielt be able to, wo die Kurzform I hope to be able to noch das zweite to trägt. Die Faustregel lautet schlicht: Was ein to verlangt, behält es auch in der Kurzform.

Frage oder AnlassKurzformVoll gemeint
Will you come?I'd love to.I'd love to come.
Are you going to tell her?I don't want to.I don't want to tell her.
Do I have to sign?You don't have to.You don't have to sign.
Can you help?I'll try to.I'll try to help.
Did you call him?I meant to.I meant to call him.

Weggelassenes that und weggelassene Relativpronomen

Vor einem Objektsatz darf das that entfallen: I think (that) she's right. He said (that) he'd call. Das ist die Normalform im Gespräch und in den meisten geschriebenen Texten. Stehen bleibt das that, wenn der Nebensatz lang ist, wenn zwischen Hauptverb und Nebensatz etwas eingeschoben wurde oder wenn der Text sehr formell ist. Die Verteilung gehört zu der indirekten Rede, wo dasselbe Weglassen ständig vorkommt.

Ebenso darf das Relativpronomen entfallen, wenn es Objekt des Relativsatzes ist: The book (that) I read. The man (who) she married. Ist es dagegen Subjekt, muss es stehen: The man who called war nicht kürzbar. Diese Unterscheidung ist der Kern von den notwendigen Relativsätzen; bei den nicht notwendigen, also den mit Kommas abgetrennten, darf nie gekürzt werden.

Eine Stufe weiter geht die Kürzung des ganzen Relativsatzes zum Partizip: The people who are waiting outside wird zu The people waiting outside. Das ist streng genommen keine Ellipse mehr, sondern eine eigene Konstruktion, folgt aber demselben Prinzip der Einsparung und ist in den verkürzten Relativsätzen beschrieben. Zusammen mit der Ellipse macht sie den größten Unterschied zwischen einem deutsch gebauten und einem englisch gebauten Text aus.

Nicht kürzbar ist das that nach bestimmten Ausdrücken, etwa nach it is likely, the fact und nach Nomen: the fact that he lied, nicht the fact he lied in geschriebenem Standard. Auch nach reply, argue, protest und ähnlichen Berichtsverben bleibt das that meist stehen. Im Zweifel steht das that lieber da; es ist nie falsch, nur manchmal überflüssig.

Wo das Englische noch mehr streicht

Im ganz informellen Gespräch fällt auch das Subjekt weg, oft samt Hilfsverb: Seen it? statt Have you seen it? Sounds good statt That sounds good. Told you so. Can't complain. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern ein eigenes Register mit klaren Grenzen; ausführlich behandelt wird es in der gesprochenen Grammatik. In geschriebenen Texten außerhalb von Chatnachrichten hat es nichts verloren.

Ein verwandtes Verfahren ist die Substitution: Statt etwas wegzulassen, ersetzt man es durch ein kurzes Wort. one und ones vertreten ein Nomen (I'll take the red one), so vertritt einen ganzen Satz (I think so, I hope so), do it und do so vertreten eine Handlung. Die Nomenersetzung steht in one und ones; sie ist die zweite Hälfte desselben Sparprogramms.

Auch das betonende Hilfsverb aus dem betonenden do ist eine Art Ellipse mit umgekehrtem Vorzeichen: Es bleibt stehen, wo das Vollverb wegfällt. He said he'd finish it, and he did. Das did vertritt finish it und trägt gleichzeitig den Nachdruck. Kürzer und stärker geht es nicht.

Bleibt die Frage nach dem Maß. Ellipse ist gut, solange die Rekonstruktion eindeutig ist. Sobald der Leser zurückspringen muss, um zu verstehen, was fehlt, hat man zu viel gestrichen. Besonders in langen Aufzählungen und in Sätzen mit mehreren möglichen Bezugspunkten ist Vollständigkeit die bessere Wahl. Für deutsche Schreibende ist das Risiko allerdings gering: Der übliche Fehler ist zu wenig Ellipse, nicht zu viel.

Häufige Fragen

Was bedeutet I'd love to am Satzende?
Das to vertritt den ganzen Infinitiv, der sich aus der Frage ergibt. Auf Would you like to come? antwortet I'd love to also I'd love to come. Weglassen darf man das to nicht, denn I'd love allein ist unvollständig. Diese Kurzform funktioniert nach allen Verben, die einen Infinitiv mit to verlangen, etwa want, hope, plan, try und need.
Reicht ein einfaches Yes als Antwort?
Grammatisch ja, im Ton meist nicht. Üblich ist die Kurzform mit Subjekt und Hilfsverb: Yes, I do. No, she isn't. Yes, we have. Ein bloßes Yes wirkt knapp und in manchen Situationen abweisend. Der volle Satz ist das andere Extrem und klingt lehrbuchhaft.
Wann darf ich that weglassen?
Vor einem Objektsatz fast immer: I think she's right. Als Relativpronomen dann, wenn es Objekt des Relativsatzes ist: The book I read. Ist es Subjekt, muss es stehen: The man who called. Nach Nomen wie the fact und in sehr formellen Texten bleibt das that ebenfalls stehen.
Warum heißt es So do I und nicht So I do?
Nach so und neither wird umgestellt: Hilfsverb vor Subjekt. So do I bedeutet ich auch. So I do bedeutet dagegen ja, stimmt und ist eine Bestätigung dessen, was jemand gerade gesagt hat. Die beiden Wortstellungen tragen also zwei verschiedene Bedeutungen, und die Umstellung ist nicht optional.
Kann ich Sätze wie Seen it? auch schreiben?
In Chatnachrichten und sehr informellen Notizen ja, sonst nicht. Das Weglassen von Subjekt und Hilfsverb gehört zur gesprochenen Sprache und wirkt in E-Mails, Berichten oder Prüfungstexten unpassend. Die anderen Formen der Ellipse — Kurzantwort, nacktes to, Kürzung bei and — sind dagegen in jedem Register korrekt.

Passt dazu