Das kannst du danach
- Du bildest beide Passivbauweisen aus einem Satz mit They say that.
- Du entscheidest über to be oder to have been anhand des Zeitverhältnisses.
- Du kennst die Verben, die in dieser Konstruktion stehen können, und die, die es nicht können.
- Du erkennst den Zusammenhang mit dem deutschen man sagt und dem Konjunktiv der Wiedergabe.
- Du setzt die Konstruktion in Nachrichten- und Prüfungstexten sicher ein.
Wozu diese Konstruktion gebraucht wird
Manchmal soll eine Behauptung im Raum stehen, ohne dass jemand für sie geradesteht. Zeitungen brauchen das täglich: Eine Zahl kursiert, eine Quelle ist unsicher, eine Vermutung hält sich hartnäckig. Das Englische löst das mit einem Passiv, in dem der Urheber der Aussage schlicht verschwindet. The company is said to be in trouble sagt nichts darüber, wer das behauptet — und genau darum geht es.
Das Grundprinzip ist dasselbe wie beim gewöhnlichen Passiv: Wer handelt, tritt zurück. Neu ist, dass der Nebensatz mitwandert. Aus They say that he lives in Paris wird entweder It is said that he lives in Paris oder He is said to live in Paris. Beide Sätze bedeuten dasselbe, sie sind nur verschieden gebaut.
Deutsch hat für diesen Zweck zwei ganz andere Mittel. Das erste ist das Wörtchen man: Man sagt, dass er in Paris lebt. Das zweite ist das Modalverb sollen in seiner Berichtsbedeutung: Er soll in Paris leben. Beides existiert im Englischen so nicht. Ein englisches Wort für man gibt es nicht, und should heißt niemals soll im Sinne einer weitergegebenen Behauptung. Wer Er soll reich sein mit He should be rich übersetzt, sagt etwas völlig anderes, nämlich eine Erwartung oder eine Empfehlung.
Genau deshalb ist diese Lektion für Deutschsprachige wichtiger, als ihr Umfang vermuten lässt. Es geht nicht um eine elegante Zusatzform, sondern um die einzige verfügbare Übersetzung für zwei sehr häufige deutsche Satzmuster. Wer sie nicht hat, weicht auf Some people say aus und klingt in jedem Sachtext unbeholfen.
Bauweise 1: It is said that ...
Die erste Bauweise ist die einfachere. Man setzt ein leeres it an den Anfang, macht daraus ein Passiv und hängt den ursprünglichen Nebensatz unverändert an: It is said that the bridge is unsafe. It was reported that three people had been injured. It is believed that the fire started in the kitchen.
Das it ist wieder ein reiner Platzhalter ohne Bedeutung, wie in It is raining. Es besetzt nur die Subjektstelle, weil ein englischer Satz ohne Subjekt nicht auskommt. Man darf es nicht mit einem hinweisenden it verwechseln, und man darf es nicht weglassen. Is said that ... ist kein englischer Satz.
Im that-Satz bleibt der Satzbau eines ganz normalen Aussagesatzes, und die Zeitform folgt den Regeln der indirekten Rede. Steht der Rahmen in der Vergangenheit, verschiebt sich der Nebensatz mit: It was said that he was ill. Steht der Rahmen in der Gegenwart, bleibt alles, wo es ist: It is said that he is ill. Die Einzelheiten dieser Verschiebung stehen in der Lektion zu den Backshift-Regeln.
Diese Bauweise funktioniert mit praktisch jedem Verb des Sagens und Denkens und ist deshalb die sichere Wahl, wenn man unsicher ist. Sie klingt allerdings etwas schwerfällig, weil sie den Satz von hinten aufzäumt. In Zeitungsschlagzeilen und in gutem Sachtext greift man deshalb oft zur zweiten Variante.
Bauweise 2: He is said to ...
Die zweite Bauweise holt das Subjekt des Nebensatzes nach vorn und macht es zum Subjekt des Hauptsatzes. Aus It is said that he lives in Paris wird He is said to live in Paris. Der Rest des Nebensatzes wird zu einem Infinitiv mit to, und die Konjunktion that fällt weg.
Der Umbau folgt drei Schritten, die sich einprägen lassen. Erstens: Subjekt des that-Satzes nach vorn. Zweitens: Verb des Sagens ins Passiv, angepasst an dieses neue Subjekt. Drittens: das restliche Verb in den Infinitiv. The police believe that the man escaped through the window wird zu The man is believed to have escaped through the window.
Die Kongruenz richtet sich nach dem neuen Subjekt, nicht nach dem alten Satz: They are said to be wealthy, nicht It are said. Bei Plural steht are, bei Singular is. Diese Kleinigkeit wird in Prüfungen zuverlässig geprüft, weil sie zeigt, ob der Umbau verstanden wurde oder nur abgeschrieben.
Die Konstruktion ist nur mit dem Infinitiv möglich, nie mit einem that-Satz und nie mit der -ing-Form. He is said living in Paris ist falsch. Wer bei Infinitivmustern generell unsicher ist, findet den Überblick in der Lektion zu den Verben mit Infinitiv.
| Aktivsatz | Bauweise 1 | Bauweise 2 |
|---|---|---|
| They say he is rich. | It is said that he is rich. | He is said to be rich. |
| People think she left. | It is thought that she left. | She is thought to have left. |
| They reported he was ill. | It was reported that he was ill. | He was reported to be ill. |
| Everyone expects prices to rise. | It is expected that prices will rise. | Prices are expected to rise. |
| They know he works here. | It is known that he works here. | He is known to work here. |
to be oder to have been — das Zeitverhältnis
Der schwierigste Punkt der zweiten Bauweise ist die Wahl der Infinitivform. Sie hängt davon ab, ob das Geschehen gleichzeitig mit der Behauptung ist oder davor liegt. Das ist dieselbe Unterscheidung wie bei den Partizipialformen, nur mit anderem Material.
Ist das Geschehen gleichzeitig, steht der einfache Infinitiv: He is said to live in Paris, denn er lebt jetzt dort und man sagt es jetzt. Ist das Geschehen vorzeitig, steht to have + Past Participle: He is said to have lived in Paris, denn er hat früher dort gelebt und man sagt es jetzt.
Für laufende Vorgänge gibt es die Verlaufsform: He is said to be working on a new book. Und für laufende, aber abgeschlossene Vorgänge die Kombination: He is said to have been working there for years. Diese vier Formen decken alles ab, was in Prüfungen verlangt wird.
Der Zeitpunkt der Behauptung steckt dagegen im Hauptverb. He was said to be rich bedeutet, dass die Behauptung damals aufgestellt wurde. He is said to have been rich bedeutet, dass die Behauptung heute aufgestellt wird und sich auf früher bezieht. Beide Sätze stehen einander nahe und sind doch verschieden. Wer damit sicher umgehen will, sollte die Lektion zum Passiv in der Vergangenheit parat haben.
| Zeitverhältnis | Infinitivform | Beispiel |
|---|---|---|
| gleichzeitig | to + Grundform | She is thought to be abroad. |
| gleichzeitig, laufend | to be + -ing | He is said to be writing a novel. |
| vorzeitig | to have + Partizip | He is said to have left the country. |
| vorzeitig, laufend | to have been + -ing | They are said to have been planning it for years. |
Welche Verben passen und welche nicht
Beide Bauweisen funktionieren mit Verben des Sagens, Denkens und Berichtens: say, report, believe, think, know, understand, expect, consider, allege, claim, rumour, estimate, suppose. Die Auswahl ist größer, als der Schulstoff vermuten lässt, und die Verben unterscheiden sich im Ton erheblich. allege ist juristisch gefärbt und deutet an, dass die Behauptung unbewiesen ist. rumour ist umgangssprachlicher und steht fast nur im Passiv: He is rumoured to be leaving.
Nicht alle Verben lassen beide Bauweisen zu. say ist der wichtigste Sonderfall: Die zweite Bauweise geht problemlos, He is said to be reliable, aber die aktive Variante mit Infinitiv gibt es nicht. They say him to be reliable ist falsch. Umgekehrt ist bei consider auch der Aktivsatz mit Infinitiv möglich: They consider him to be the best candidate.
Ein zweiter Sonderfall ist suppose. Die Passivform is supposed to hat sich verselbständigt und bedeutet in der Alltagssprache meistens etwas anderes, nämlich eigentlich sollen: You're supposed to wear a helmet. Nur im Sachtext behält sie die Bedeutung man nimmt an. Diese Doppeldeutigkeit ist die häufigste Falle des ganzen Themas.
Verwandt, aber nicht identisch sind die Vermutungsformen mit Modalverben. He must be rich und He might have left drücken die Einschätzung des Sprechenden aus, nicht die Wiedergabe fremder Behauptungen. Der Unterschied ist in der Lektion zu den Modalverben der Vermutung beschrieben. Wer beide Werkzeuge kennt, kann in Texten sauber zwischen eigener Einschätzung und fremder Quelle trennen — eine Fähigkeit, die in der Lektion zu den Verben des Berichtens weitergeführt wird.
Der Vergleich zum Deutschen
Deutsch verfügt über drei Mittel, die das Englische alle mit derselben Konstruktion abdeckt. Das erste ist man sagt, dass. Das zweite ist sollen im Berichtssinn: Er soll krank sein. Das dritte ist der Konjunktiv der indirekten Rede: Er sei krank. Alle drei werden im Englischen zu He is said to be ill.
Das hat eine unangenehme Folge in die andere Richtung: Ein deutscher Text unterscheidet drei Nuancen, die im Englischen zusammenfallen. Wer aus dem Deutschen übersetzt, muss deshalb nicht die passende Form suchen, sondern nur erkennen, dass alle drei denselben Zielbau haben. Das macht die Sache leichter, sobald man den Zusammenhang einmal gesehen hat.
Die gefährlichste Fehlübersetzung ist should. Deutsch soll und englisch should sind falsche Freunde in genau diesem Punkt. He should be ill heißt nicht Er soll krank sein, sondern klingt nach einer Erwartung, etwa Er müsste eigentlich krank sein. Wer den Unterschied nachlesen will, findet ihn in der Lektion zu should.
Ebenfalls untauglich ist die wörtliche Übertragung von man. Ein englisches one existiert zwar, ist aber sehr förmlich und meint eher jedermann als eine unbestimmte Quelle: One does not simply walk in. Für die Wiedergabe fremder Behauptungen taugt es nicht. Die üblichen Ausweichformen sind people say, they say oder eben das Passiv, und das Passiv ist im Schriftenglisch die neutralste Wahl.
Typische Fehler und Prüfungshinweise
Der erste Fehler ist das fehlende it. Is said that the road is closed ist kein Satz. Das Platzhalter-it ist Pflicht, weil englische Sätze immer ein Subjekt brauchen.
Der zweite Fehler ist die falsche Kongruenz nach dem Umbau. Aus It is said that the twins are talented wird The twins are said to be talented, nicht The twins is said. Nach dem Umbau richtet sich alles nach dem neuen Subjekt.
Der dritte Fehler ist der falsche Infinitiv beim Zeitbezug. Wer schreibt He is said to leave yesterday, mischt Gegenwart und Vergangenheit. Richtig ist He is said to have left yesterday. Eine Zeitangabe in der Vergangenheit verlangt die Form mit have.
Der vierte Fehler ist das übrig gebliebene that. He is said that he is rich ist falsch, weil beide Bauweisen vermischt wurden. Entweder that mit vollständigem Nebensatz oder Infinitiv ohne that, nie beides.
Für Prüfungen lohnt sich eine letzte Beobachtung. In der Aufgabenform key word transformation wird fast immer von Bauweise 1 zu Bauweise 2 umgeformt oder von einem Aktivsatz aus. Wer die drei Umbauschritte automatisiert hat, löst diese Aufgaben in Sekunden. Dieselbe Konstruktion taucht in gehobener Form noch einmal in der Lektion zum fortgeschrittenen Passiv auf, wo auch Fälle mit zwei Objekten behandelt werden.
Häufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen It is said that he is rich und He is said to be rich?
- Inhaltlich keiner. Der erste Satz ist unpersönlich gebaut und beginnt mit einem Platzhalter-it, der zweite macht die betroffene Person zum Subjekt. Der zweite klingt kompakter und ist in Zeitungstexten häufiger. In Prüfungsaufgaben wird meist die Umformung vom ersten zum zweiten verlangt, weil sie zeigt, ob der Infinitivbau beherrscht wird.
- Wie übersetze ich Er soll reich sein ins Englische?
- Mit He is said to be rich oder It is said that he is rich. Nicht mit He should be rich, denn should drückt eine Erwartung oder Empfehlung aus und niemals die Wiedergabe einer fremden Behauptung. Dieses deutsche sollen ist einer der zuverlässigsten Stolpersteine überhaupt, weil die Wortähnlichkeit zu should so verführerisch ist.
- Wann steht to have been statt to be?
- Immer dann, wenn das berichtete Geschehen vor dem Zeitpunkt der Behauptung liegt. He is said to have been in prison bedeutet, dass er früher im Gefängnis war und heute darüber gesprochen wird. He is said to be in prison bedeutet, dass er jetzt dort ist. Als Probe hilft die Frage, ob im ursprünglichen that-Satz eine Vergangenheitsform stünde.
- Heißt is supposed to immer man nimmt an?
- Nein, und das ist die häufigste Falle. Im Sachtext bedeutet It is supposed that tatsächlich man nimmt an. In der Alltagssprache hat sich you're supposed to aber zu einer Regelangabe entwickelt und heißt eigentlich sollst du: You're supposed to check in an hour before. Welche Bedeutung gilt, entscheidet der Zusammenhang und das Register.
- Kann ich diese Konstruktion in einem Aufsatz verwenden?
- Ja, und sie ist dort besonders nützlich, wenn eine verbreitete Ansicht referiert werden soll, ohne sie sich zu eigen zu machen. It is widely believed that ... oder The policy is generally regarded as ... markieren fremde Positionen sauber. Wichtig ist nur, dass die eigene Meinung danach klar davon abgesetzt wird, sonst wirkt der Text unentschieden.
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