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verkürzte Relativsätze — the man standing there

Wie aus the man who is standing there ein the man standing there wird und warum das Deutsche dasselbe vor das Nomen packt.

Das kannst du danach

  • Du kürzt aktive Relativsätze zur -ing-Form.
  • Du kürzt passive Relativsätze zum Partizip Perfekt.
  • Du erkennst, dass nur Subjektrelativsätze kürzbar sind.
  • Du benutzt den to-Infinitiv nach Superlativen und Ordnungszahlen.
  • Du weißt, warum das Englische die Erweiterung hinter das Nomen stellt und das Deutsche davor.

Was verschwindet und was bleibt

The man who is standing there is my uncle. Denselben Inhalt trägt der kürzere Satz: The man standing there is my uncle. Weggefallen sind das Relativpronomen who und die Form von be. Übrig bleibt das Partizip standing, das direkt hinter dem Nomen hängt und alles mitnimmt, was zu ihm gehört. Diese Verkürzung ist im Englischen keine Stilspielerei, sondern die übliche Form. In gesprochenen wie geschriebenen Texten steht sie häufiger als der volle Relativsatz.

Die Bedingungen sind eng und leicht zu prüfen. Erstens muss das Relativpronomen Subjekt des Nebensatzes sein. Zweitens muss die Verbform entweder eine Verlaufsform oder ein Passiv sein — oder sich in eine solche umdeuten lassen. Ist beides erfüllt, dürfen Pronomen und Hilfsverb weg. The letter which was sent yesterday wird zu The letter sent yesterday. The people who are waiting outside wird zu The people waiting outside.

Die zweite Bedingung sieht strenger aus, als sie ist, denn auch einfache Gegenwartsformen lassen sich kürzen, sofern sie eine dauerhafte Eigenschaft oder eine wiederholte Handlung bezeichnen. Students who live on campus wird zu Students living on campus. Anyone who wants a ticket wird zu Anyone wanting a ticket, was allerdings schon förmlich klingt. Bei Zustandsverben wie know, believe oder own funktioniert die Kürzung dagegen kaum: People who know the answer bleibt besser stehen.

Wer die Grundformen des Relativsatzes noch nicht sicher hat, sollte bei den Grundlagen der Relativsätze anfangen, denn die Verkürzung setzt voraus, dass man Subjekt- und Objektrelativsätze unterscheiden kann. Auch die Partizipien selbst haben eine eigene Lektion, nämlich die zu den Partizipialsätzen, die dieselben Formen außerhalb der Nomengruppe zeigt.

VollformVerkürztArt
the man who is standing therethe man standing thereaktiv, -ing
the people who were waitingthe people waitingaktiv, -ing
students who live on campusstudents living on campusaktiv, allgemein
the letter which was sentthe letter sentpassiv, Partizip
the man who was arrestedthe man arrestedpassiv, Partizip

Aktiv mit -ing, Passiv mit Partizip Perfekt

Die beiden Formen teilen die Arbeit nach der Richtung auf. Handelt das Nomen selbst, steht die -ing-Form: the woman driving the bus, the dog barking next door, a train leaving at six. Wird mit dem Nomen etwas gemacht, steht das Partizip Perfekt: the questions asked in the interview, a house built in 1890, the goods delivered yesterday. Die Grundlage dafür ist der normale Bau des Passivs, den die Lektion zum Passiv im Überblick beschreibt.

Die Zeitstufe verschwindet bei der Verkürzung, und das ist kein Verlust, weil der Hauptsatz sie ohnehin trägt. The man standing there kann sowohl who is standing als auch who was standing meinen — der Rest des Satzes klärt es. The man standing there was my uncle liest niemand als Gegenwart. Diese Beweglichkeit macht die Form so praktisch, verlangt aber auch, dass der Hauptsatz eindeutig ist.

Verwechselbar sind die beiden Partizipien vor allem bei Verben, deren Formen ähnlich klingen. Der Unterschied zwischen the man frightening the children und the man frightened by the children ist der zwischen Täter und Betroffenem. Dieselbe Falle kennt man von Adjektiven wie boring und bored, interesting und interested — sie sind nichts anderes als die beiden Partizipien in fester Verwendung.

Nicht jedes Partizip Perfekt hinter einem Nomen ist übrigens eine Verkürzung. In a broken window steht das Partizip als reines Adjektiv vor dem Nomen. Sobald es aber eine Ergänzung mitbringt, muss es dahinter: a window broken by the storm. Genau diese Verschiebung ist der Kern der ganzen Lektion und der Punkt, an dem sich Englisch und Deutsch trennen.

RichtungFormBeispielDeutsch
Nomen handelt-ingthe girl playing outsidedas draußen spielende Mädchen
Nomen erleidetPartizip Perfektthe car damaged in the crashdas beim Unfall beschädigte Auto
Nomen handelt, allgemein-ingpeople working nightsLeute, die nachts arbeiten
kurz und ohne Ergänzungvor dem Nomena sleeping childein schlafendes Kind
mit Ergänzunghinter dem Nomena child sleeping in the pramein im Kinderwagen schlafendes Kind

Vorn oder hinten — der eigentliche Unterschied zum Deutschen

Das Deutsche kann eine ganze Konstruktion vor das Nomen schieben: der dort stehende Mann, das gestern abgeschickte Schreiben, die von der Kommission im Frühjahr vorgelegten Vorschläge. Je länger der Block, desto amtlicher klingt es, aber grammatisch geht es fast beliebig weit. Möglich ist das nur, weil das deutsche Partizip Endungen trägt und dadurch mit dem Nomen verklammert bleibt, das erst am Ende kommt.

Das Englische kann das nicht. Vor dem Nomen steht höchstens ein einzelnes Partizip ohne Anhang: a standing ovation, a broken promise, running water. Sobald eine Ergänzung dazukommt — ein Ort, ein Zeitpunkt, ein Objekt —, wandert die ganze Gruppe hinter das Nomen. The man standing there. The letter sent yesterday. The proposals put forward by the committee. Diese Umstellung ist die einzige Sache, die man beim Übersetzen aus dem Deutschen wirklich beherrschen muss.

Praktisch heißt das: Wer einen deutschen Satz mit vorangestelltem Partizipblock ins Englische bringt, dreht die Reihenfolge um und hängt alles hinten an. Aus die im letzten Jahr eingeführten Regeln wird the rules introduced last year. Wer stattdessen the last year introduced rules baut, produziert etwas, das im Englischen nicht existiert, aber in Übersetzungen aus dem Deutschen erschreckend oft auftaucht.

Der umgekehrte Weg lohnt sich als Übung. Nimm einen englischen Satz mit verkürztem Relativsatz und schiebe die Gruppe im Deutschen nach vorn. The people affected by the decision wird zu die von der Entscheidung Betroffenen. Wer das ein paar Mal in beide Richtungen macht, hat das Muster verinnerlicht, ohne eine Regel auswendig zu lernen. Weiter geführt wird das in der Lektion zu den fortgeschrittenen Partizipialsätzen.

Wo die Verkürzung nicht funktioniert

Die wichtigste Grenze: Nur Subjektrelativsätze lassen sich so kürzen. In the man who I saw ist who Objekt, und daraus wird kein Partizip. The man seeing hieße etwas völlig anderes, nämlich dass er sieht. Objektrelativsätze werden anders gekürzt, nämlich durch das ersatzlose Weglassen des Pronomens: the man I saw. Diese zweite Verkürzung ist im Englischen ebenfalls Standard und im Deutschen unmöglich, weil dort der Relativsatz immer ein Pronomen braucht. Welche Sätze dazu berechtigen, klärt die Lektion zu den notwendigen Relativsätzen.

Zweite Grenze: Modalverben und Zukunftsformen überleben die Kürzung nicht. The man who will speak next lässt sich nicht zu the man speaking next kürzen, ohne die Bedeutung zu verschieben, denn speaking klingt eher nach gerade sprechend. Auch the people who can help geht nicht, weil can keine Entsprechung im Partizip hat. Hier bleibt der volle Relativsatz stehen.

Dritte Grenze: Bei nicht notwendigen Relativsätzen ist die Verkürzung möglich, aber selten und wirkt gehoben. My brother, living in Berlin, couldn't come findet man in geschriebenen Texten, klingt gesprochen aber ungewohnt. Meistens bleibt hier der volle Satz mit Kommas stehen, wie ihn die Lektion zu den nicht notwendigen Relativsätzen beschreibt. Der Grund ist praktisch: Ohne Pronomen wird der Zusatz schwerer als Einschub erkennbar.

Vierte Grenze: Zustandsverben. People knowing the answer, a man owning three houses, students believing this — alle drei sind grammatisch möglich und klingen trotzdem schief, weil die -ing-Form einen Verlauf nahelegt, den solche Verben nicht haben. Die Unterscheidung ist dieselbe wie beim Present Progressive, wo dieselben Verben ebenfalls aus dem Verlauf herausfallen.

Die dritte Form: Verkürzung mit to-Infinitiv

Neben den beiden Partizipien gibt es eine dritte Kurzform, die weniger bekannt ist. Nach Superlativen, Ordnungszahlen und den Wörtern only, next und last tritt ein to-Infinitiv an die Stelle des Relativsatzes: the first person to arrive, the only one to notice, the last train to leave, the best book to read on the subject. Ausgeschrieben wäre das the first person who arrived, aber niemand sagt es so.

Diese Form trägt oft einen Beiklang von Möglichkeit oder Bestimmung: the man to see about a visa ist der Mann, den man aufsuchen sollte. Genau darin unterscheidet sie sich vom Partizip, das nur beschreibt. Im Deutschen entspricht dem am ehesten die Konstruktion mit zu und Partizip — der zu erledigende Auftrag —, also wieder eine vorangestellte Form, wo das Englische nachstellt. Wie Superlative gebildet werden, ist dabei vorausgesetzt.

Verwandt ist die Kürzung, bei der nicht nur be, sondern der ganze Relativsatz auf ein Adjektiv oder eine Präpositionalgruppe zusammenschmilzt: anyone interested, the people responsible, the man in the corner, the books on the shelf. Auch das sind Reste von who is und which are. Auffällig ist, dass die Adjektive hier hinter dem Nomen stehen, was im Englischen sonst kaum vorkommt — anyone interested, nie interested anyone.

In Fachtexten stapeln sich solche Nachstellungen gern: the section dealing with the issues raised by the parties involved. Grammatisch ist das einwandfrei, lesbar ist es kaum noch. Wer solche Ketten baut, sollte nach dem zweiten Partizip einen vollen Relativsatz einsetzen. Die Frage, wie viel eine Nomengruppe verträgt, behandelt die Lektion zu den komplexen Nominalphrasen.

AuslöserFormBeispiel
Ordnungszahlto-Infinitivthe first person to arrive
Superlativto-Infinitivthe best place to eat
only, next, lastto-Infinitivthe last train to leave
Adjektivnachgestelltanyone interested
Präpositionalgruppenachgestelltthe man in the corner

Fehler und ein Blick auf die Wirkung

Der häufigste Fehler ist die Verwechslung der Richtung: the questions asking in the interview statt the questions asked. Wer unsicher ist, baut den vollen Relativsatz und schaut nach, ob dort is asking oder are asked steht. Der zweite Fehler ist die Kürzung eines Objektsatzes — the film watching yesterday statt the film I watched yesterday. Auch hier hilft der Umweg über die Vollform.

Der dritte Fehler ist die deutsche Voranstellung, die schon behandelt wurde und in Übersetzungen am zuverlässigsten auftritt. Der vierte ist die Anhäufung: Zwei verkürzte Relativsätze hintereinander lassen den Leser raten, worauf sich der zweite bezieht. The report submitted by the committee dealing with the complaint — bezieht sich dealing auf report oder auf committee. Die Antwort steckt nur im Weltwissen, nicht in der Grammatik.

Umgekehrt ist die Verkürzung ein wirksames Mittel gegen Sätze, die vor lauter who und which nicht vorankommen. Ein Text, der jeden Bezug voll ausschreibt, liest sich schwerfällig und wirkt in englischen Ohren ungeübt. Ein sparsamer Wechsel zwischen voller und verkürzter Form ist das Ziel, und diese Balance ist Teil dessen, was die Lektion zur Textkohäsion als Fluss beschreibt.

Zum Schluss der Nachbar, mit dem die Konstruktion oft verwechselt wird. Ein Partizip am Satzanfang bezieht sich immer auf das Subjekt des Hauptsatzes: Standing there, he looked lost. Steht dort ein anderes Subjekt, entsteht ein sogenanntes hängendes Partizip, und der Satz kippt ins Unfreiwillige. Diese Bauform gehört nicht mehr zur Nomengruppe, sondern zur absoluten Partizipialkonstruktion, die eigene Regeln hat.

Häufige Fragen

Wann kann man who is oder which are weglassen?
Wenn das Relativpronomen Subjekt des Nebensatzes ist und danach eine Verlaufsform oder ein Passiv folgt. The man who is standing there wird zu the man standing there, the letter which was sent zu the letter sent. Ist das Pronomen Objekt, geht diese Kürzung nicht, dann fällt nur das Pronomen weg: the man I saw.
Heißt es the man standing there oder the standing man?
Beides ist möglich, bedeutet aber Verschiedenes. Vor dem Nomen steht das Partizip nur allein und wirkt wie ein Adjektiv, meist in festen Verbindungen wie a standing ovation. Sobald eine Ergänzung wie there, in the corner oder by the door dazukommt, muss die ganze Gruppe hinter das Nomen: the man standing there.
Warum steht die Erweiterung im Deutschen vor dem Nomen?
Weil das deutsche Partizip Endungen trägt und dadurch mit dem Nomen verklammert bleibt: das gestern abgeschickte Schreiben. Das englische Partizip hat keine Endung, deshalb kann es einen Block vor dem Nomen nicht zusammenhalten und wandert dahinter: the letter sent yesterday. Wer die deutsche Reihenfolge behält, baut Formen, die es im Englischen nicht gibt.
Kann man auch nicht notwendige Relativsätze verkürzen?
Ja, aber es ist selten und klingt gehoben: My brother, living in Berlin, couldn't come. In gesprochener Sprache bleibt hier fast immer der volle Satz stehen, weil der Einschub ohne Pronomen schwerer zu erkennen ist. Bei notwendigen Relativsätzen ist die Verkürzung dagegen die normale Form.
Was bedeutet the first person to arrive?
Es ist eine dritte Kurzform des Relativsatzes, gebildet mit dem to-Infinitiv. Sie steht nach Ordnungszahlen, Superlativen und nach only, next und last: the last train to leave, the best place to eat. Ausgeschrieben wäre es the first person who arrived, aber diese Vollform wird kaum benutzt.

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