Das kannst du danach
- Du erkennst, ob ein Relativsatz notwendig ist, und begründest es am Sinn des Hauptsatzes.
- Du schreibst notwendige Relativsätze ohne Komma.
- Du setzt who, which und that regelgerecht ein.
- Du lässt das Relativpronomen weg, wo es Objekt ist.
- Du vermeidest das deutsche Komma an einer Stelle, an der es die Bedeutung verändert.
Was ein notwendiger Relativsatz leistet
Ein notwendiger Relativsatz sagt dir, wovon überhaupt die Rede ist. Er grenzt die gemeinte Person oder Sache aus einer größeren Menge heraus. Deshalb heißt er im Englischen defining relative clause: Er definiert. Nimmst du ihn weg, bleibt ein Satz übrig, der grammatisch funktioniert, aber nichts Bestimmtes mehr aussagt.
Ein Beispiel: The man who lives next door is a doctor. Streiche den Relativsatz, und es bleibt The man is a doctor. Welcher Mann? Die Information, die den Mann identifizierbar macht, steckt genau in dem Teil, den du gestrichen hast. Der Relativsatz ist also nicht Zusatz, sondern Bestandteil der Beschreibung.
Genau daraus folgt die Kommaregel, und sie ist keine Konvention, sondern eine Konsequenz. Was zur Beschreibung gehört, wird nicht abgetrennt. Vor einem notwendigen Relativsatz steht im Englischen kein Komma. Nicht selten, nicht meistens — nie. Die allgemeine Einführung findest du bei den Relativsätzen im Überblick; hier geht es ausschließlich um den notwendigen Typ.
Sein Gegenstück, der nicht notwendige Relativsatz, liefert eine Zusatzinformation und steht zwischen Kommas. Beide Typen sehen fast gleich aus. Der einzige sichtbare Unterschied ist das Komma — und dieser winzige Unterschied trägt die gesamte Bedeutung.
Der Test: Fällt der Satz ohne den Relativsatz zusammen?
Es gibt einen zuverlässigen Test, der ohne Grammatikwissen auskommt. Decke den Relativsatz zu und lies den Rest. Weißt du dann noch, wer oder was gemeint ist? Wenn nein, ist der Relativsatz notwendig und bekommt kein Komma.
The book that you lent me was excellent. Ohne Relativsatz: The book was excellent. Welches Buch? Unklar. Also notwendig, also kein Komma. Vergleiche: War and Peace, which you lent me, was excellent. Ohne Relativsatz: War and Peace was excellent. Vollkommen klar. Also nicht notwendig, also Kommas.
Daraus folgt eine Faustregel, die fast immer trägt: Eigennamen und alles, was es nur einmal gibt, können nicht weiter eingegrenzt werden. My father, London, the Eiffel Tower, your mobile phone — nach solchen Ausdrücken folgt fast immer ein nicht notwendiger Relativsatz. Nach unbestimmten Ausdrücken wie a man, people, the woman folgt fast immer ein notwendiger.
Ein zweiter Hinweis liegt im Artikel. Der bestimmte Artikel the kündigt oft an, dass gleich eine Eingrenzung kommt: the man who..., the day when.... Dass a, an und the auf Deutsch nicht eins zu eins abbildbar sind, macht diese Beobachtung nicht wertlos — sie funktioniert im Englischen ziemlich verlässlich.
Welches Relativpronomen steht wo
Im notwendigen Relativsatz stehen drei Pronomen zur Wahl: who für Personen, which für Sachen, that für beides. that ist hier ausdrücklich erlaubt — und das ist der zweite große Unterschied zum nicht notwendigen Relativsatz, wo that verboten ist.
In der gesprochenen Sprache ist that sogar die häufigste Wahl, gerade bei Sachen. The car that broke down klingt normaler als The car which broke down. which wirkt bei Sachen leicht schriftsprachlich; falsch ist es nicht. Bei Personen bevorzugen die meisten who, aber the man that I met ist ebenfalls gängig, besonders im gesprochenen britischen Englisch.
whom ist die Objektform von who und im Alltag praktisch ausgestorben. The woman whom I met ist formell korrekt, klingt aber gestelzt; üblich sind The woman who I met oder, noch üblicher, The woman I met. In Prüfungstexten und in formellen Texten hat whom weiterhin seinen Platz, besonders nach einer Präposition.
whose ist das Relativpronomen des Besitzes und funktioniert für Personen und Sachen gleichermaßen: the man whose car was stolen, the company whose profits fell. Es entspricht dem deutschen dessen und deren. Wer den Genitiv-s beherrscht, erkennt die Verwandtschaft sofort — whose ist die Relativform desselben Prinzips.
Für Zeit, Ort und Grund gibt es die Relativadverbien where, when und why: the place where we met, the day when it happened, the reason why she left. Auch sie stehen im notwendigen Relativsatz ohne Komma.
| Pronomen | Bezug | Rolle | Beispiel |
|---|---|---|---|
| who | Person | Subjekt oder Objekt | the man who called me |
| that | Person oder Sache | Subjekt oder Objekt | the film that won the prize |
| which | Sache | Subjekt oder Objekt | the house which stands there |
| whom | Person | nur Objekt, formell | the client whom we advised |
| whose | Person oder Sache | Besitz | the girl whose bike was stolen |
| where / when / why | Ort, Zeit, Grund | Adverb | the day when we met |
Das Pronomen, das verschwindet
Im notwendigen Relativsatz kann das Relativpronomen ganz wegfallen, wenn es Objekt des Relativsatzes ist. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern die häufigste Form überhaupt. The book you lent me, the man I met, everything she said — in normaler Sprache steht dort kein Pronomen.
Die Regel dahinter ist einfach: Folgt auf das Relativpronomen direkt ein neues Subjekt, darf es weg. The book that you lent me — nach that kommt you, also kann that entfallen. The book that fell off the shelf — nach that kommt ein Verb, das Pronomen ist Subjekt, es muss bleiben.
Diese Auslassung gibt es im nicht notwendigen Relativsatz nicht. Dort muss das Pronomen immer stehen. Das ist ein dritter praktischer Unterschied zwischen beiden Typen und ein guter Selbsttest: Wenn du das Pronomen streichen kannst, ohne dass der Satz zerbricht, hast du es mit einem notwendigen Relativsatz zu tun.
Deutschsprachige lassen diese Lücke fast nie zu, weil Deutsch sie nicht kennt. „Das Buch, das du mir geliehen hast“ verlangt zwingend ein Relativpronomen. Wer im Englischen konsequent that setzt, macht keinen Fehler, klingt aber gleichmäßig etwas schwerfälliger als ein Muttersprachler. Die Auslassung bewusst zu üben, ist eine der billigsten Verbesserungen des eigenen Stils.
Präpositionen im Relativsatz
Wenn der Relativsatz eine Präposition enthält, hat Englisch zwei Möglichkeiten, und sie unterscheiden sich stark im Register. Umgangssprachlich rutscht die Präposition ans Ende: the person I was talking to, the flat we moved into. Formell steht sie vorn, dann aber zwingend mit which oder whom: the person to whom I was talking, the flat into which we moved.
Die zweite Variante klingt in gesprochener Sprache steif bis merkwürdig. In geschäftlichen oder juristischen Texten ist sie dagegen üblich. Mit that geht sie nicht: to that I was talking existiert nicht. Und wenn das Pronomen ausgelassen wird, muss die Präposition ohnehin ans Ende.
Für Deutschsprachige ist die nachgestellte Präposition ungewohnt, weil deutsche Relativsätze so etwas nicht kennen. „Der Mann, mit dem ich gesprochen habe“ stellt die Präposition immer vor das Pronomen. Die englische Endstellung fühlt sich deshalb wie ein Satzfehler an, ist aber die normalere Variante. Welche Präposition ein Verb überhaupt verlangt, ist eine eigene Baustelle — siehe Präpositionen nach Verben.
Ein verwandter Kurzweg lohnt später den Blick: Notwendige Relativsätze lassen sich häufig zu Partizipialkonstruktionen zusammenziehen. The people waiting outside statt The people who are waiting outside. Das behandeln die Lektionen zu den verkürzten Relativsätzen und den Partizipialsätzen.
Der Vergleich zum Deutschen: das Komma, das man nicht setzen darf
Deutsch setzt vor jeden Relativsatz ein Komma. Ohne Ausnahme, ohne Ermessensspielraum. „Der Mann, der nebenan wohnt, ist Arzt.“ Das Komma trägt hier keine Bedeutung, es ist reine Rechtschreibung. Genau deshalb greifen Deutschsprachige im Englischen automatisch zum Komma — und verändern damit den Sinn.
Der Klassiker ist das Beispielpaar mit den Geschwistern. My brother who lives in Berlin is a teacher heißt: Ich habe mehrere Brüder, und der aus Berlin ist Lehrer. Der Relativsatz grenzt einen von mehreren ein, also steht kein Komma. Setzt du Kommas — My brother, who lives in Berlin, is a teacher —, sagst du: Ich habe genau einen Bruder, und nebenbei wohnt er in Berlin.
Dasselbe Paar mit Sachen: The students who had studied passed the exam bedeutet, dass nur die vorbereiteten bestanden haben und die anderen nicht. The students, who had studied, passed the exam bedeutet, dass alle vorbereitet waren und alle bestanden haben. Zwei Kommas, zwei völlig verschiedene Prüfungen.
Für einen englischsprachigen Leser ist das kein Feinsinn, sondern die erste Bedeutung, die er dem Satz entnimmt. Er hört kein Satzzeichen, er hört den Sinn. Ein falsches Komma in einer geschäftlichen E-Mail kann deshalb eine Aussage umdrehen, ohne dass irgendjemand einen Fehler bemerkt.
Die praktische Konsequenz: Schreibe einen englischen Relativsatz nie, ohne dir kurz die Frage zu stellen, ob du eingrenzt oder ergänzt. Grenzt du ein, lässt du das Komma weg, auch wenn deine Hand etwas anderes will. Wie Englisch mit Kommas insgesamt umgeht — sparsamer und funktionaler als Deutsch —, behandelt die Lektion zur Kommasetzung.
| Merkmal | notwendig (defining) | nicht notwendig (non-defining) |
|---|---|---|
| Komma | nie | immer, vorn und hinten |
| that möglich | ja | nein |
| Pronomen weglassbar | ja, wenn Objekt | nein |
| Funktion | grenzt ein, identifiziert | ergänzt, kommentiert |
| Streichprobe | Satz wird unklar | Satz bleibt vollständig |
Typische Fehler
Der erste Fehler ist das übernommene deutsche Komma, und er ist mit Abstand der teuerste. Ihn abzustellen kostet nichts außer Aufmerksamkeit beim Schreiben.
Der zweite Fehler ist ein doppeltes Objekt. Nicht The book that I read it was good, sondern The book that I read was good. Das Relativpronomen ist bereits das Objekt des Relativsatzes; ein zusätzliches it ist eine Wiederholung. Der Fehler entsteht, weil das deutsche Vorbild den Bezug ebenfalls doppelt sichern würde, wenn der Satz lang wird. Zum Ersetzen von Nomen durch Platzhalter siehe one und ones.
Der dritte Fehler ist what statt that. What ist kein Relativpronomen nach einem Nomen. Nicht The film what I saw, sondern The film that I saw. what heißt hier „das, was“ und steht ohne Bezugswort: I don't understand what you mean.
Der vierte Fehler betrifft die Wortstellung. Der Relativsatz steht direkt hinter dem Wort, auf das er sich bezieht. Rutscht er weg, bezieht er sich auf das Falsche: I saw a woman in the park who was reading klingt zwar hinnehmbar, I saw a dog in the car that was barking wird dagegen mehrdeutig. Die Grundregeln zur englischen Satzstellung gelten im Relativsatz unverändert weiter.
Häufige Fragen
- Wann steht vor einem englischen Relativsatz kein Komma?
- Immer dann, wenn der Relativsatz die Person oder Sache erst identifiziert. Streiche ihn testweise: Bleibt unklar, wer oder was gemeint ist, ist er notwendig und bekommt kein Komma. The man who lives next door is a doctor steht ohne Komma, weil man ohne den Relativsatz nicht weiß, welcher Mann gemeint ist.
- Darf ich immer that statt who oder which sagen?
- Im notwendigen Relativsatz ja, in beiden Richtungen. that ersetzt who bei Personen und which bei Sachen und ist in gesprochener Sprache sogar die häufigere Wahl. Nicht möglich ist that im nicht notwendigen Relativsatz und nach einer vorangestellten Präposition.
- Kann ich das Relativpronomen weglassen?
- Ja, wenn es Objekt des Relativsatzes ist. The book you lent me, the man I met, the film we watched. Ist es dagegen Subjekt, muss es stehen: The man who called me. Als Test hilft, ob direkt nach der Lücke ein neues Subjekt folgt.
- Was ist der Unterschied zwischen My brother who lives in Berlin und My brother, who lives in Berlin?
- Die Zahl der Brüder. Ohne Komma grenzt der Relativsatz einen von mehreren Brüdern ein: Du hast mehrere, und du meinst den in Berlin. Mit Kommas hast du genau einen Bruder, und die Information über Berlin ist beiläufig. Deutsch kann diesen Unterschied nicht über das Komma ausdrücken, weil dort ohnehin immer eines steht.
- Heißt es the reason why oder the reason that?
- Beides ist möglich, ebenso the reason ohne alles. The reason why she left, the reason that she left und the reason she left sind alle korrekt. In formellen Texten wird gelegentlich the reason for which verlangt, im Alltag hört man das nicht.
Passt dazu
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