Das kannst du danach
- Du baust Nominalphrasen mit mehreren vorangestellten Attributen in der richtigen Reihenfolge.
- Du entscheidest, was vor und was hinter das Nomen gehört.
- Du erkennst, warum lange deutsche Attribute im Englischen nicht funktionieren.
- Du kürzt Relativsätze zu Attributen, ohne die Aussage zu verändern.
- Du löst überladene Nominalphrasen wieder auf, wenn sie mehrdeutig werden.
Was eine Nominalphrase alles aufnehmen kann
Eine Nominalphrase ist alles, was um ein Nomen herum steht und mit ihm zusammen eine Einheit bildet. Im einfachsten Fall ist das ein Wort: costs. Im ausgebauten Fall wird daraus the unexpectedly high running costs of the second production line reported last quarter. Zwischen beiden liegt kein Unterschied in der Funktion — beide sind Subjekt oder Objekt eines Satzes —, sondern nur im Umfang.
Der Bau folgt einer festen Ordnung mit drei Zonen. Vor dem Nomen stehen Determinatoren, dann Attribute, dann das Nomen selbst. Hinter dem Nomen stehen Präpositionalfügungen, Relativsätze und Partizipien. Diese Aufteilung ist starr: Was in die vordere Zone gehört, kann nicht nach hinten, und umgekehrt.
Die vordere Zone beginnt immer mit dem Determinator — Artikel, Possessiv, Demonstrativ oder Mengenangabe. Danach folgen Zahlwörter, dann bewertende Adjektive, dann beschreibende, dann Materialangaben und schließlich Nomen, die wie Adjektive gebraucht werden. Wer diese Reihenfolge verletzt, produziert einen Satz, den Muttersprachler zwar verstehen, aber als falsch empfinden.
Genau darin liegt die Schwierigkeit: Die Reihenfolge ist nirgends bewusst gelernt worden, sondern intuitiv. Deshalb kann kein Muttersprachler erklären, warum a lovely little old French wooden table richtig und a wooden French old little lovely table falsch ist. Für Lernende bleibt nur, die Kette zu kennen. Die Grundlagen dazu stehen bei den Adjektiven, hier geht es um die Fälle mit mehreren Attributen gleichzeitig.
| Position | Typ | Beispielwort |
|---|---|---|
| 1 | Determinator | the, our, three |
| 2 | Bewertung | excellent, disappointing |
| 3 | Größe / Alter | large, new |
| 4 | Form / Farbe | round, blue |
| 5 | Herkunft | German, Asian |
| 6 | Material | steel, plastic |
| 7 | Zweck / Nomen-Attribut | production, safety |
| 8 | Nomen | line, standards |
Nomen als Attribut — das englische Sonderwerkzeug
Das produktivste Mittel im Englischen ist das Nomen, das vor einem anderen Nomen steht: safety standards, production line, customer service department, risk assessment procedure. Das erste Nomen wirkt wie ein Adjektiv, bleibt aber ein Nomen und steht deshalb im Singular, auch wenn mehrere gemeint sind: a three-day conference, a five-year plan, two shoe shops.
Für deutschsprachige Lernende ist das gut zu greifen, weil es dem Kompositum entspricht: Sicherheitsstandards, Produktionslinie. Der Unterschied ist nur die Schreibweise — das Deutsche schreibt zusammen, das Englische auseinander. Die Bedeutungsrichtung ist in beiden Sprachen gleich: Das letzte Wort ist der Kern, alles davor bestimmt es näher.
Diese Ketten dürfen im Englischen mehrgliedrig werden: government risk assessment guidelines. Ab drei Vorschaltnomen wird es allerdings schnell mehrdeutig, weil nicht mehr erkennbar ist, welches Wort welches bestimmt. Ist customer service quality report ein Bericht über die Qualität des Kundendiensts oder ein Qualitätsbericht des Kundendienstes? In Fachtexten löst man das mit Bindestrichen oder mit einer of-Fügung auf.
Der Bindestrich ist dabei kein Schmuck, sondern eine Klammer. A small business owner ist ein Inhaber eines kleinen Unternehmens oder ein kleiner Inhaber; a small-business owner ist eindeutig ersteres. Ebenso a man eating fish gegen a man-eating fish. Wo Missverständnisse möglich sind, setzt man ihn.
In Überschriften wird dieses Verfahren auf die Spitze getrieben, weil Artikel und Verben wegfallen; das gehört zur Grammatik der Schlagzeilen. Im Fließtext dagegen sind zwei Vorschaltnomen die Grenze des gut Lesbaren.
Was hinter das Nomen gehört
Alles, was länger als ein Wort ist und selbst eine Struktur hat, steht hinter dem Nomen. Das sind vor allem Präpositionalfügungen — the increase in costs, the reason for the delay, a decision on the matter —, Relativsätze und Partizipialkonstruktionen. Welche Präposition dabei steht, ist nicht frei wählbar, sondern lexikalisch festgelegt; das sammelt die Lektion zu Präpositionen nach Nomen.
Hier liegt der größte Unterschied zum Deutschen. Das Deutsche kann lange Attribute vor das Nomen ziehen: die im vergangenen Quartal gemeldeten unerwartet hohen laufenden Kosten. Das Englische kann das nicht. Jeder Versuch, diese Struktur nachzubauen, ergibt Unsinn. Stattdessen muss aufgeteilt werden: the unexpectedly high running costs reported last quarter.
Die Regel dahinter ist erstaunlich einfach: Vor dem Nomen stehen im Englischen nur einzelne Wörter, hinter dem Nomen stehen Gruppen. Ein Partizip allein darf vorn stehen — the reported costs —, ein Partizip mit Ergänzung muss nach hinten — the costs reported last quarter. Wer diesen einen Satz behält, vermeidet die häufigste deutsche Fehlerquelle im englischen Fachtext.
Die Kürzung von Relativsätzen zu Partizipien ist dabei das wichtigste Werkzeug. Aus the costs which were reported last quarter wird the costs reported last quarter, aus the man who is standing at the door wird the man standing at the door. Wie das systematisch geht, steht bei verkürzten Relativsätzen und, mit Blick auf die Satzebene, bei den Partizipialsätzen.
Nicht jeder Relativsatz lässt sich kürzen. Es geht nur, wenn das Relativpronomen Subjekt des Nebensatzes ist. The book which I read yesterday kann nicht zu the book read yesterday werden, weil dabei die Bedeutung kippt: Dann hätte jemand anderes es gelesen. Die Unterscheidung zwischen den beiden Typen steht bei den Relativsätzen.
| Deutsch (vorangestellt) | Englisch (nachgestellt) | Regel |
|---|---|---|
| die letzte Woche gelieferten Teile | the parts delivered last week | Partizip mit Ergänzung nach hinten |
| ein an der Tür wartender Mann | a man waiting at the door | dito |
| die gemeldeten Kosten | the reported costs | Partizip allein darf vorn stehen |
| die Kosten des zweiten Werks | the costs of the second plant | of-Fügung nach hinten |
| eine schwer zu lösende Aufgabe | a task that is hard to solve | Relativsatz statt Attribut |
Determinatoren und der Kopf der Phrase
Die Stelle ganz vorn ist im Englischen strenger besetzt als im Deutschen. Es steht dort genau ein Determinator: entweder ein Artikel oder ein Possessiv oder ein Demonstrativ, nie zwei davon. My the book ist ebenso unmöglich wie the my book. Wo das Deutsche kombinieren könnte, muss das Englische ausweichen — auf die of-mine-Konstruktion: a friend of mine, that car of his.
Mengenangaben verhalten sich anders als Artikel und können vor den Determinator treten: all the students, both my brothers, half the time. Die Reihenfolge ist dabei festgelegt und lässt sich nicht umstellen. Wer hier tiefer einsteigen will, findet das bei den fortgeschrittenen Determinatoren.
Ob überhaupt ein Artikel steht, entscheidet sich am Kopf der Phrase, also am letzten Nomen. Ist es zählbar und im Singular, ist ein Determinator Pflicht. Ist es unzählbar oder im Plural, kann er fehlen. Genau deshalb heißt es research shows ohne Artikel, aber a study shows mit. Die Feinheiten dazu stehen im fortgeschrittenen Artikelgebrauch.
Zum Kopf gehört auch die Kongruenz mit dem Verb. In the number of applications was very high richtet sich das Verb nach number, nicht nach applications. Bei langen Phrasen verliert man diesen Bezug leicht aus den Augen, und der Fehler fällt Muttersprachlern sofort auf. Faustregel: Streiche gedanklich alles hinter dem ersten Nomen und schau, was übrig bleibt.
Und wenn das Nomen im zweiten Anlauf nicht wiederholt werden soll, ersetzt man es durch one oder ones: the blue one, the ones we ordered. Diese Stellvertreterform gehört fest zur Nominalphrase und ist im Deutschen unbekannt, weil dort das Adjektiv allein stehen kann; nachzulesen bei one und ones.
Verdichten und wieder auflösen
Komplexe Nominalphrasen sind das Gegenstück zur Nominalisierung: Diese verwandelt Verben in Nomen, jene baut um die Nomen herum aus. Zusammen ergeben sie den typischen englischen Fachsatz, in dem ein einziges Verb zwei schwere Nomengruppen verbindet: The unexpected rise in raw material prices forced a review of the pricing strategy.
Der Gewinn ist Dichte. Derselbe Inhalt bräuchte verbal formuliert drei Sätze. Der Preis ist Verarbeitungsaufwand: Der Leser muss die ganze Gruppe im Kopf behalten, bis das Verb kommt. Deshalb gilt für die vordere Zone eine praktische Obergrenze von etwa acht Wörtern. Wird das Subjekt länger, verliert der Satz seine Spannweite.
Wenn eine Phrase zu schwer wird, gibt es drei Auswege. Erstens: Teile sie auf zwei Sätze auf. Zweitens: Verschiebe die schwere Gruppe hinter das Verb, etwa mit einem Passivsatz. Drittens: Löse ein Attribut in einen Relativsatz auf, der leichter zu verarbeiten ist als eine Nomenkette.
Ein guter Prüfschritt beim Überarbeiten ist das laute Lesen. Wenn du beim Sprechen eine Atempause brauchst, bevor das Verb kommt, ist die Phrase zu lang. Muttersprachler regeln das intuitiv; wer schriftlich arbeitet, kann es mechanisch prüfen.
Zum Schluss der häufigste Anfängerfehler auf C1: die Häufung von of. The evaluation of the effectiveness of the implementation of the programme ist grammatisch korrekt und trotzdem unlesbar. Zwei of-Ebenen sind das Maximum; alles darüber wird zu einem Nomen-Attribut oder zu einem Verb zurückgebaut: the evaluation of how effectively the programme was implemented.
| Zu schwer | Überarbeitet | Verfahren |
|---|---|---|
| The last quarter reported cost increases | the cost increases reported last quarter | nach hinten verschoben |
| a difficult to understand explanation | an explanation that is hard to understand | Relativsatz |
| the review of the results of the audit | the audit results review | Nomen-Attribut |
| government safety risk policy guidelines | government guidelines on safety risks | of- bzw. on-Fügung |
Britisch, amerikanisch und typische Fehler
Die Reihenfolge der Attribute ist in beiden Varianten gleich. Unterschiede gibt es bei Kleinigkeiten: Amerikanisches Englisch setzt Bindestriche in mehrteiligen Attributen etwas großzügiger, britisches lässt sie in eingespielten Fügungen weg. Bei Institutionen weicht die Kongruenz ab — the government are considering ist britisch möglich, amerikanisch steht immer der Singular.
Der erste typische Fehler ist der Plural im Vorschaltnomen: a three-days trip statt a three-day trip. Der zweite ist die deutsche Wortstellung mit langem Vorattribut. Der dritte ist die Doppelbesetzung des Determinators, meist als my the oder als the his. Der vierte ist der falsche Verbbezug bei langem Subjekt.
Ein fünfter, weniger bekannter Fehler betrifft Adjektive, die nur nachgestellt stehen: the people present, the only room available, the person responsible. Vorangestellt ändern sie die Bedeutung — the present people sind die anwesenden im Sinne von gegenwärtigen —, und in einigen Fällen ist die Voranstellung schlicht falsch.
Zum Üben eignet sich der umgekehrte Weg: Nimm einen deutschen Satz mit langem Vorattribut und baue ihn englisch um, ohne den Inhalt zu verändern. Die Übung zwingt genau die Entscheidung, um die es in dieser Lektion geht — was darf vorn stehen und was muss nach hinten.
Häufige Fragen
- In welcher Reihenfolge stehen mehrere Adjektive im Englischen?
- Bewertung, Größe, Alter, Form, Farbe, Herkunft, Material, Zweck — dann das Nomen. Also a lovely large old round brown Italian wooden dining table. In der Praxis stehen selten mehr als drei Adjektive zusammen. Die Reihenfolge ist nicht logisch begründet, aber verbindlich.
- Warum heißt es a three-day conference und nicht a three-days conference?
- Weil das Vorschaltnomen wie ein Adjektiv gebraucht wird und Adjektive im Englischen keinen Plural haben. Deshalb steht day im Singular, obwohl drei Tage gemeint sind. Der Bindestrich zeigt zusätzlich, dass die beiden Wörter zusammen eine Einheit bilden.
- Warum kann ich das deutsche lange Vorattribut nicht übersetzen?
- Weil im Englischen vor dem Nomen nur einzelne Wörter stehen, keine Gruppen. Die im vergangenen Quartal gemeldeten Kosten wird deshalb zu the costs reported last quarter — das Partizip mit seiner Ergänzung rutscht hinter das Nomen. Ein Partizip ohne Ergänzung darf dagegen vorn stehen: the reported costs.
- Wie viele Nomen darf ich hintereinander stellen?
- Zwei sind unproblematisch, drei gehen im Fachtext, ab vier wird es mehrdeutig. Wenn nicht mehr klar ist, welches Wort welches bestimmt, hilft ein Bindestrich oder eine Auflösung mit of oder on. Im Fließtext sind zwei Vorschaltnomen die Grenze des angenehm Lesbaren.
- Wann kann ich einen Relativsatz zu einem Attribut kürzen?
- Nur wenn das Relativpronomen Subjekt des Nebensatzes ist. The costs which were reported wird zu the costs reported. Bei the book which I read geht es nicht, weil dort I das Subjekt ist — the book read yesterday würde bedeuten, dass jemand anderes gelesen hat.
Passt dazu
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