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C1Stil und Register16 Min. Lesezeit

Kohäsion im Englischen — wie ein Text den roten Faden hält

Pronomen, Wiederaufnahme, Substitution, Ellipse und Bindewörter — die fünf Mittel, mit denen englische Texte zusammenhalten.

Das kannst du danach

  • Du erkennst die fünf Mittel der Kohäsion und benennst sie an einem fremden Text.
  • Du ersetzt wiederholte Nomen durch Pronomen, Oberbegriffe oder one statt sie stur zu wiederholen.
  • Du setzt Ellipse und Substitution so ein, dass der Bezug eindeutig bleibt.
  • Du wählst Bindewörter nach der Beziehung zwischen zwei Aussagen, nicht nach Gefühl.
  • Du vermeidest die typisch deutsche Wiederholungsschleife und den unklaren this-Bezug.

Was einen Text zusammenhält

Ein Text ist keine Menge richtiger Sätze. Man kann zehn grammatisch einwandfreie Sätze hintereinanderstellen und trotzdem etwas produzieren, das kein Mensch gern liest. Was fehlt, ist der Draht zwischen den Sätzen: das, was Satz zwei an Satz eins bindet und dem Lesenden zeigt, dass hier immer noch von derselben Sache die Rede ist. Dieser Draht heißt Kohäsion. Er ist sichtbar, sprachlich greifbar und lernbar, und er besteht im Englischen aus einer überschaubaren Zahl von Mitteln.

Kohäsion ist nicht dasselbe wie Kohärenz. Kohärenz ist die inhaltliche Logik: Ergibt das, was hier steht, überhaupt Sinn. Kohäsion ist die sprachliche Oberfläche, die diese Logik anzeigt — ein it, ein the latter, ein however, ein weggelassenes Verb. Man kann kohärent und trotzdem unkohäsiv schreiben; der Text wirkt dann abgehackt, jeder Satz beginnt bei null. Und man kann umgekehrt lauter Bindewörter streuen, ohne dass ein Gedanke daraus wird. Beides ist auf C1 gut hörbar, und beides fällt in Prüfungen auf.

Die klassische Aufstellung kennt fünf Mittel: Verweis mit Pronomen und Artikeln, Wiederaufnahme über Wortwahl, Substitution, Ellipse und Verknüpfung mit Bindewörtern. Die ersten vier arbeiten rückwärts — sie greifen etwas auf, das schon dasteht. Das fünfte arbeitet vorwärts und sagt, in welchem Verhältnis das Kommende zum Vorigen steht. Wer die fünf einmal auseinandergenommen hat, sieht sie danach in jedem Zeitungstext.

Für Deutschsprachige ist das kein neutrales Thema. Das Deutsche verträgt Wiederholung erstaunlich gut; ein zweimal genanntes Nomen fällt kaum auf, weil der Artikel und die Endung ohnehin Arbeit leisten. Das Englische verträgt sie schlecht. Wer deutsche Wiederholungsgewohnheiten unverändert überträgt, schreibt Englisch, das schwerfällig klingt, ohne dass ein einziger Fehler drinsteht. Genau deshalb lohnt dieses Kapitel.

Verweis: Pronomen, the, this und that

Das häufigste Kohäsionsmittel ist der schlichte Rückverweis. Ein Personalpronomen greift auf, was eben genannt wurde: The report came out on Monday. It caused a lot of trouble. Das it ersetzt nicht bloß Wörter, es signalisiert Kontinuität — wir sind noch beim selben Gegenstand. Sobald ein neues Nomen auftaucht, ist die Kette unterbrochen, und genau deshalb muss man wissen, worauf ein Pronomen zeigt, bevor man es setzt.

Der bestimmte Artikel leistet dasselbe in kleiner Münze. Beim ersten Auftreten steht a, danach the: We hired a consultant. The consultant lasted three weeks. Diese Bewegung von unbestimmt zu bestimmt ist im Englischen ein Kohäsionssignal ersten Ranges, und sie ist der Grund, warum ein falsch gesetzter Artikel einen Text nicht nur grammatisch, sondern auch im Lesefluss stört. Der Lesende fragt sich unbewusst: Welcher Berater denn, war davon schon die Rede.

Dann die Demonstrativa. this und that verweisen im Text anders als im Raum. this greift meist Nahes und gerade Gesagtes auf und trägt den Gedanken weiter; that schiebt eher weg oder markiert Distanz. Vor allem aber kann this im Englischen auf einen ganzen vorangegangenen Satz zeigen: They cancelled the second round. This came as a surprise to nobody. Das ist erlaubt, aber gefährlich, sobald mehrere Dinge im Vorsatz stehen. Guter Stil hängt dann ein Nomen an: This decision came as a surprise to nobody. Man nennt das ein Etikett-Nomen, und es ist eines der wirksamsten Mittel des akademischen Englisch.

Ein Sonderfall sind the former und the latter für zwei zuvor genannte Größen. Sie sind präzise, aber unhöflich gegenüber dem Lesenden, weil er zurückblättern muss. Ein Wort mehr ist fast immer besser. Ebenso zu bremsen sind Verweise über weite Strecken: Ein it, das drei Sätze zurückgreift, funktioniert im geschriebenen Englisch selten.

MittelBeispielWas es leistet
PersonalpronomenThe plan failed. It was too vague.einfachster Rückverweis
PossessivOur client called. Her lawyer had objected.verknüpft über Zugehörigkeit
the statt aa delay … the delayzweite Erwähnung markieren
this + NomenThis delay cost us the contract.ganzen Sachverhalt bündeln
suchsuch problemsKategorie aufgreifen
the former / the latterthe latter optionzwei Größen trennen

Wiederaufnahme: das Englische wiederholt ungern

Hier liegt der eigentliche Unterschied zum Deutschen. Nimm einen deutschen Sachtext: Die Verordnung trat 2019 in Kraft. Die Verordnung betrifft alle Betriebe über 50 Mitarbeiter. Die Verordnung wurde 2022 verschärft. Das liest sich unauffällig, in juristischen Texten sogar erwünscht, weil Eindeutigkeit vor Eleganz geht. Übersetzt man das Wort für Wort, entsteht englischer Text, den Muttersprachler als hölzern empfinden: The regulation … The regulation … The regulation.

Das Englische variiert stattdessen. Es greift denselben Gegenstand mit unterschiedlichen Ausdrücken auf: the regulation, the new rules, the legislation, the measure, it. Diese Kette aus wechselnden Bezeichnungen ist ein eigenes Stilmittel, und sie leistet nebenbei Arbeit am Inhalt, weil jede neue Bezeichnung eine Wertung mitbringt. Wer aus the protest später the riot macht, hat eine Position bezogen, ohne ein Argument zu nennen.

Die üblichen Wege der Wiederaufnahme sind vier. Erstens das Synonym oder Beinah-Synonym: the firm für the company. Zweitens der Oberbegriff: the animal für the badger, the issue für einen zuvor beschriebenen Streit. Drittens die Nominalisierung eines ganzen Vorgangs — man verdichtet einen Satz zu einer Nomengruppe, wie es die Nominalisierung systematisch tut: They kept postponing the vote. This repeated postponement annoyed everyone. Viertens die Wortfamilie: analyse im ersten Satz, the analysis im zweiten.

Die Grenze ist die Verständlichkeit. In technischen und juristischen Texten gilt auch im Englischen: Ein Fachbegriff bleibt derselbe Fachbegriff. Wer valve, unit und device abwechselnd für dasselbe Bauteil verwendet, produziert Schäden, keine Eleganz. Die Variation gehört in erzählende, argumentierende und journalistische Texte, nicht in Spezifikationen. Diese Faustregel trennt guten Stil von Stilkosmetik.

Substitution und Ellipse

Substitution heißt: Ein kurzes Platzhalterwort tritt an die Stelle eines längeren Ausdrucks. Für Nomengruppen ist das im Englischen one und ones: I need a bigger screen. This one is too small. Das Deutsche hat dafür kein eigenes Wort und behilft sich mit dem nackten Adjektiv — der Kleine, ein größerer. Genau deshalb fällt one Deutschsprachigen so lange schwer: Es fehlt nicht die Regel, es fehlt der Reflex, überhaupt etwas einsetzen zu müssen.

Für Verben und ganze Verbalphrasen steht do so, do it oder das bloße do: She promised to look into it, and she did. Für ganze Aussagen stehen so und not: I think so. I hope not. Auch das ist deutschen Ohren fremd, weil das Deutsche hier mit es oder mit gar nichts auskommt: Ich hoffe nicht. Wer so und not nicht setzt, produziert im Englischen Satzruinen wie I hope not so oder I think it.

Die Ellipse geht einen Schritt weiter: Statt zu ersetzen, lässt man weg. And nobody knew why. She could have warned us, but didn't. Ausgelassen wird, was aus dem Vorsatz rekonstruierbar ist. Das Englische elidiert vor allem nach hinten und nach Hilfsverben; das Deutsche elidiert bereitwilliger im Mittelfeld. Die Konstruktion ist ausgesprochen kohäsiv, weil sie den Lesenden zwingt, den Vorsatz mitzuhalten.

Substitution und Ellipse sind das, was einen Text erwachsen klingen lässt. Sie sind zugleich die Mittel, die man beim Übersetzen zuerst verliert, weil in der deutschen Vorlage nichts steht, was man übersetzen könnte. Wer aus dem Kopf ins Englische schreibt statt aus einem deutschen Satz, setzt sie automatisch häufiger.

Was ersetzt wirdMittelBeispiel
Nomengruppeone / onesthe red one, the cheap ones
Verbalphrasedo / do soHe said he'd fix it, and he did.
ganze Aussageso / notI'm afraid so. I hope not.
Nomen weggelassenEllipseShe took two, I took three.
Verb weggelassenEllipse nach HilfsverbI haven't finished, but she has.
Vergleich verkürztEllipseHe works harder than I do.

Bindewörter: die Beziehung benennen

Das fünfte Mittel ist das offensichtlichste. Bindewörter sagen, in welchem Verhältnis zwei Aussagen stehen. Vier Grundbeziehungen decken fast alles ab: Ergänzung, Gegensatz, Grund und Folge, Zeit. Für die Ergänzung stehen moreover, in addition und furthermore, für den Gegensatz however, whereas und although, für den Grund because, since und therefore. Die Wahl ist keine Geschmacksfrage. Wer however setzt, wo eine Ergänzung steht, verwirrt.

Zwei technische Fallen kommen hinzu. Erstens die Wortart: however ist ein Adverb und verbindet keine zwei Hauptsätze; although ist eine Konjunktion und leitet einen Nebensatz ein; despite ist eine Präposition und braucht ein Nomen. Deutschsprachige verwechseln das regelmäßig, weil das deutsche obwohl und trotz die Grenze anders ziehen. Zweitens die Zeichensetzung: Vor however steht im Englischen ein Punkt oder ein Semikolon, kein Komma — eine Regel, die die englische Kommasetzung insgesamt betrifft.

Und dann die Dosis. Deutschsprachige überziehen an dieser Stelle zuverlässig, weil deutsche Schulaufsätze Bindewörter belohnen. Englischer Sachtext ist sparsamer: Vieles, was das Deutsche ausdrücklich verknüpft, ergibt sich im Englischen aus der Reihenfolge und aus dem Wortmaterial. Drei Bindewörter in drei aufeinanderfolgenden Sätzen wirken nicht souverän, sondern unsicher. Ein Text, der nur mit Bindewörtern zusammenhält, hat kein Rückgrat, sondern eine Schiene.

In gesprochener und halbformeller Sprache übernehmen stattdessen Diskursmarker wie well, actually, I mean oder mind you die Verknüpfung. Sie sind kein schlechteres Werkzeug, sondern ein anderes Register. Und für Nebeninformationen, die den Faden nicht abreißen lassen sollen, taugt der nicht notwendige Relativsatz oft besser als ein eigener Satz mit Bindewort.

Der rote Faden über Absätze hinweg

Kohäsion wirkt nicht nur zwischen Sätzen, sondern auch in der Reihenfolge innerhalb des Satzes. Englischer Sachtext folgt weitgehend dem Prinzip alt vor neu: Was schon bekannt ist, steht vorn, das Neue hinten. Der Satzanfang greift also zurück, das Satzende schiebt vor. Wer diese Bewegung einhält, braucht deutlich weniger Bindewörter, weil die Verknüpfung schon in der Wortstellung sitzt.

Daraus folgt eine praktische Regel für Absätze: Das letzte Wort eines Satzes wird gern zum Ausgangspunkt des nächsten. Diese Verkettung ist im Englischen ein Standardverfahren und macht Absätze lesbar, ohne dass ein einziges however nötig wäre. Wer zusätzlich Betonung braucht, verschiebt bewusst — dafür gibt es Fronting und die Cleft-Sätze, die beide nichts anderes tun, als die Verteilung von Alt und Neu zu steuern.

Der erste Satz eines Absatzes trägt im Englischen mehr Gewicht als im Deutschen. Er nennt das Thema, und der Rest des Absatzes bleibt daran. Deutsche Absätze bauen häufiger hin und liefern die Kernaussage am Ende. Beides ist legitim, aber wer die deutsche Bauform ins Englische überträgt, wirkt umständlich. Für Prüfungen und für berufliche Texte ist die englische Reihenfolge die sicherere Wahl.

Ein letzter Prüfblick, der erstaunlich viel findet: Lies deinen englischen Text nur an den Satzanfängen. Wenn dort dreimal hintereinander dasselbe Nomen steht, fehlt Wiederaufnahme. Wenn dort dreimal ein Bindewort steht, ist der Text überverknüpft. Wenn dort dreimal it steht und du selbst überlegen musst, worauf es zeigt, dann muss ein Nomen zurück in den Text.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Kohäsion und Kohärenz?
Kohärenz ist die inhaltliche Logik eines Textes, Kohäsion die sprachliche Oberfläche, die diese Logik sichtbar macht. Pronomen, Wiederaufnahme, Substitution, Ellipse und Bindewörter sind Kohäsionsmittel. Ein Text kann kohärent gedacht und trotzdem unkohäsiv geschrieben sein — dann wirkt er abgehackt, obwohl kein Satz falsch ist.
Darf man im Englischen dasselbe Nomen zweimal wiederholen?
Ja, aber deutlich seltener als im Deutschen. Bei Fachbegriffen, in technischen und juristischen Texten bleibt der Begriff gleich, weil Eindeutigkeit vorgeht. In argumentierenden und erzählenden Texten erwartet das Englische Variation über Pronomen, Oberbegriffe oder andere Bezeichnungen. Dreimal dasselbe Nomen in drei Sätzen wirkt dort schwerfällig.
Worauf darf sich this beziehen?
Auf ein einzelnes Nomen und, anders als im Deutschen üblich, auch auf einen ganzen vorangegangenen Sachverhalt. Genau das ist die Gefahr: Stehen im Vorsatz mehrere mögliche Bezugsgrößen, wird der Verweis unklar. Sicherer ist this plus ein zusammenfassendes Nomen, also this decision, this delay, this assumption.
Wie viele Bindewörter gehören in einen englischen Absatz?
Weniger, als deutsche Schreibgewohnheiten nahelegen. Oft reicht eines pro Absatz, wenn die Reihenfolge stimmt und der Satzanfang zurückgreift. Bindewörter markieren Beziehungen, die sich nicht von selbst ergeben — vor allem Gegensatz und Folge. Ergänzungen brauchen selten ein moreover.
Warum wirkt mein englischer Text abgehackt, obwohl alles richtig ist?
Meist fehlt der Rückgriff am Satzanfang. Wenn jeder Satz mit einem neuen Nomen beginnt, startet der Text ständig neu. Prüfe, ob das Ende eines Satzes zum Ausgangspunkt des nächsten wird, und setze Pronomen, one, Ellipse oder ein Etikett-Nomen ein, statt alles auszuschreiben.

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