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nicht notwendige Relativsätze — non-defining, immer mit Komma

Der Relativsatz, der nur ergänzt: warum er Kommas braucht, warum that dort verboten ist und was er über den Rest des Satzes verrät.

Das kannst du danach

  • Du erkennst einen nicht notwendigen Relativsatz an seiner Funktion, nicht am Gefühl.
  • Du setzt beide Kommas, das öffnende und das schließende.
  • Du vermeidest that in diesem Satztyp und wählst who oder which.
  • Du benutzt which als Bezug auf einen ganzen Satz.
  • Du erklärst, warum das deutsche Komma hier zufällig richtig, aber aus dem falschen Grund gesetzt wird.

Der Relativsatz, den man streichen könnte

Ein nicht notwendiger Relativsatz fügt etwas hinzu, das man auch weglassen könnte, ohne dass der Satz seinen Kern verliert. Im Englischen heißt er non-defining relative clause: Er definiert eben nicht, er kommentiert. Deshalb wird er wie ein Einschub behandelt und mit Kommas abgetrennt.

My sister, who lives in Manchester, is a nurse. Streiche den Relativsatz: My sister is a nurse. Der Satz steht vollständig da, du weißt, wer gemeint ist, und die Information über Manchester war eine Beigabe. Genau das ist die Definition.

Sein Gegenstück, der notwendige Relativsatz, grenzt dagegen ein und steht ohne Komma. Beide Typen benutzen dieselben Pronomen und stehen an derselben Stelle im Satz. Der einzige Unterschied im Schriftbild ist das Kommapaar — und dieser Unterschied entscheidet, was der Satz aussagt. Die gemeinsame Grundlage beider Typen steht bei den Relativsätzen im Überblick.

Im gesprochenen Englisch hört man den Unterschied. Der nicht notwendige Relativsatz wird durch eine kurze Pause abgesetzt und auf einer eigenen Tonhöhe gesprochen, so wie ein Nachtrag. Der notwendige Relativsatz hängt ohne Pause am Bezugswort. Wer englische Sprecher aufmerksam hört, erkennt den Typ, bevor er über Grammatik nachdenkt.

Wann dieser Typ fast zwingend ist

Es gibt Bezugswörter, nach denen praktisch nur ein nicht notwendiger Relativsatz stehen kann, weil es nichts mehr einzugrenzen gibt. Sie sind bereits eindeutig.

Erstens Eigennamen: Anna, who works with me, is moving to Bristol. Zweitens einmalige Dinge: The sun, which is a star, gives us light. Drittens Ausdrücke mit Possessivbegleiter, wenn es die Sache nur einmal gibt: My laptop, which I bought last year, has stopped working. Wer nur einen Laptop hat, kann keinen davon abgrenzen. Wie Possessivbegleiter den Bezug festlegen, wirkt hier direkt in die Kommasetzung hinein.

Viertens ganze Sätze oder Sachverhalte, auf die which sich rückbeziehen kann. Und fünftens Bezugswörter mit einem eindeutigen bestimmten Artikel: The Thames, which flows through London, is tidal.

Umgekehrt gilt: Nach unbestimmten Ausdrücken wie a man, some people, the woman ohne weiteren Kontext ist ein nicht notwendiger Relativsatz meist unpassend, weil der Leser noch gar nicht weiß, wer gemeint ist. A man, who was standing at the bus stop, asked me the time wirkt seltsam — der Leser wartet auf die Identifikation und bekommt eine Nebenbemerkung.

Welche Pronomen erlaubt sind und welches nicht

Im nicht notwendigen Relativsatz stehen who für Personen, which für Sachen, whose für den Besitz und whom als formelle Objektform. Was hier nicht steht, ist that. Dieses Verbot ist absolut und einer der klarsten Merksätze der englischen Grammatik: Nach einem Komma nie that.

Falsch ist also My sister, that lives in Manchester, is a nurse. Richtig ist ausschließlich who. Der Grund liegt in der Herkunft: that war ursprünglich ein Demonstrativpronomen und hängt sich eng an das Bezugswort an. Ein abgetrennter Einschub verträgt diese enge Bindung nicht.

Ebenso wenig darf das Pronomen weggelassen werden. Im notwendigen Relativsatz ist The book you lent me völlig normal. Hier ist es ausgeschlossen: My car, I bought last year, is red ist kein englischer Satz. Es muss which heißen.

whom hält sich in diesem Satztyp länger als im notwendigen, besonders nach Präpositionen: Mr Fischer, to whom I spoke yesterday, will confirm the order. Das ist Geschäftsenglisch und dort völlig gebräuchlich. In der gesprochenen Sprache würde man eher sagen: Mr Fischer, who I spoke to yesterday.

Merkmalnicht notwendigBeispiel
Kommaimmer, vorn und hintenAnna, who is 30, works here.
thatverbotennicht: Anna, that is 30
Pronomen weglassennicht möglichnicht: my car, I bought
whoPersonenTom, who called me, is late.
whichSachen und ganze Sätzethe plan, which failed
whoseBesitzBen, whose sister you met
Bezugswortmeist eindeutigEigenname, Unikat, mein X

which als Bezug auf den ganzen Satz

Eine Sonderleistung, die nur der nicht notwendige Relativsatz erbringt: which kann sich auf den gesamten vorangehenden Satz beziehen, nicht bloß auf ein einzelnes Nomen. He missed the train, which made him late. Nicht der Zug machte ihn zu spät, sondern der Umstand, dass er ihn verpasst hat.

Diese Konstruktion ist im Englischen alltäglich und ausgesprochen praktisch, weil sie eine Bewertung anhängt, ohne einen neuen Satz zu beginnen. She refused to sign, which surprised everyone. They arrived on time, which was a first.

Deutschsprachige greifen an dieser Stelle meist zu „was“ und landen im Englischen bei what — was falsch ist. Nicht He missed the train, what made him late. Der englische Anschluss ist which. Merke: Das deutsche satzbezogene „was“ heißt im Englischen which, nicht what.

Ausbauen lässt sich das mit einem Nomen dahinter: He lost his passport, which fact he only noticed at the airport wirkt altmodisch; üblicher sind Formulierungen wie a fact he only noticed later. Für den Alltag reicht das schlichte which. Wer solche Kommentarsätze häufiger braucht, findet weitere Anschlüsse bei den Bindewörtern der Ergänzung.

Beide Kommas, nicht nur eines

Der häufigste handwerkliche Fehler ist ein halb gesetzter Einschub. Wenn der Relativsatz mitten im Satz steht, braucht er zwei Kommas: eines davor, eines dahinter. My sister, who lives in Manchester, is a nurse. Ohne das zweite Komma bricht der Hauptsatz auseinander.

Steht der Relativsatz am Satzende, ersetzt der Punkt das zweite Komma: I spoke to my sister, who lives in Manchester. Das ist der einfachere Fall und macht selten Ärger.

Die Probe ist dieselbe wie im Deutschen bei einem Einschub in Gedankenstrichen: Nimm den eingeschlossenen Teil heraus. Bleibt ein vollständiger Satz übrig, sitzen die Kommas richtig. My sister is a nurse — richtig. Bleibt ein Bruchstück wie My sister who lives in Manchester is übrig, hast du ein Komma vergessen.

In langen Sätzen mit mehreren Einschüben empfiehlt sich, den Satz laut zu lesen. Englische Kommasetzung folgt stärker der Sprechpause als die deutsche, die primär grammatisch geregelt ist. Die Systematik dahinter behandelt die Lektion zur Kommasetzung.

Der Vergleich zum Deutschen: dasselbe Zeichen, andere Aufgabe

Deutsch setzt vor jeden Relativsatz ein Komma, egal ob er eingrenzt oder ergänzt. „Mein Bruder, der in Berlin wohnt, ist Lehrer“ — dieses Komma sagt nichts über die Zahl der Brüder aus. Es ist Rechtschreibung, kein Bedeutungsträger.

Englisch benutzt dasselbe Zeichen für eine völlig andere Aufgabe: Es unterscheidet zwei Bedeutungen. My brother, who lives in Berlin, is a teacher heißt, dass du genau einen Bruder hast; die Information über Berlin ist nebensächlich. Ohne die Kommas — My brother who lives in Berlin is a teacher — hast du mehrere Brüder und meinst den aus Berlin.

Deutschsprachige setzen das Komma also oft aus Gewohnheit richtig, aber aus dem falschen Grund. Solange der Relativsatz zufällig nicht notwendig ist, geht das gut. Sobald er eingrenzt, verändert die Gewohnheit den Sinn — und niemand merkt es, weil der Satz grammatisch tadellos bleibt.

Dasselbe Beispielpaar mit Sachen zeigt den Preis deutlich: The students, who had studied, passed the exam sagt, dass alle gelernt haben und alle bestanden haben. The students who had studied passed the exam sagt, dass nur ein Teil gelernt hat und nur dieser Teil bestanden hat. In einem Bericht über eine Prüfung ist das der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Nachricht.

Die praktische Konsequenz ist deshalb dieselbe wie in der Schwesterlektion, nur von der anderen Seite: Setz ein Komma nicht, weil du es aus dem Deutschen gewohnt bist, sondern weil du eine Zusatzinformation kennzeichnen willst. Frag dich vor jedem Relativsatz einmal, ob dein Leser ohne diesen Satzteil noch weiß, wovon du sprichst.

SatzBedeutung
My brother who lives in Berlin is a teacher.mehrere Brüder, gemeint ist der aus Berlin
My brother, who lives in Berlin, is a teacher.genau ein Bruder, Berlin ist Zusatzinfo
The students who had studied passed.nur die Vorbereiteten bestanden
The students, who had studied, passed.alle waren vorbereitet, alle bestanden
The cars which were damaged were replaced.nur die beschädigten Wagen
The cars, which were damaged, were replaced.alle Wagen, alle beschädigt

Register, Stil und typische Fehler

Nicht notwendige Relativsätze sind ein Merkmal geschriebener und gehobener Sprache. In lockerer gesprochener Sprache würde man den Inhalt oft auf zwei Sätze verteilen: My sister lives in Manchester. She's a nurse. Wer schreibt, verdichtet; wer spricht, reiht. Beides ist richtig, nur nicht gleichzeitig.

Erster typischer Fehler: that nach dem Komma. Er ist so häufig, dass er sich lohnt, gezielt abzugewöhnen. Nach einem Komma steht who oder which, nie that.

Zweiter Fehler: das fehlende zweite Komma. Es fällt beim Schreiben kaum auf und beim Lesen sofort.

Dritter Fehler: what statt which beim Bezug auf einen ganzen Satz. He was late, what annoyed me ist falsch; richtig ist which annoyed me.

Vierter Fehler: die Verkürzung. Nicht notwendige Relativsätze lassen sich zwar ebenfalls zu Partizipialkonstruktionen zusammenziehen — My sister, living in Manchester, is a nurse —, das klingt aber schnell literarisch. Wann eine solche Verkürzung trägt, behandeln die Lektionen zu den Partizipialsätzen und den verkürzten Relativsätzen. Wer die Feinheiten mit Mengenangaben wie some of which oder most of whom sucht, findet sie bei den fortgeschrittenen Relativsätzen; für lange Nomengruppen davor lohnt der Blick auf komplexe Nominalphrasen.

Häufige Fragen

Warum darf man in einem nicht notwendigen Relativsatz kein that benutzen?
Weil that eine sehr enge Bindung an das Bezugswort herstellt und ein durch Kommas abgetrennter Einschub genau diese enge Bindung nicht hat. Praktisch reicht die Merkregel: Nach einem Komma steht nie that, sondern who bei Personen und which bei Sachen. Der Fehler ist häufig und fällt jedem englischen Muttersprachler sofort auf.
Wie erkenne ich, ob ein Relativsatz notwendig oder nicht notwendig ist?
Streiche ihn probeweise. Bleibt ein vollständiger, verständlicher Satz übrig, in dem klar ist, wer oder was gemeint ist, war der Relativsatz nicht notwendig und braucht Kommas. Wird der Satz unklar, war er notwendig und darf kein Komma bekommen. Nach Eigennamen und einmaligen Dingen ist er fast immer nicht notwendig.
Kann sich which auf einen ganzen Satz beziehen?
Ja, und das ist eine Spezialität dieses Satztyps. He missed the train, which made him late — which bezieht sich auf den ganzen Umstand, nicht auf den Zug. Deutschsprachige setzen hier oft what ein, weil das deutsche Vorbild „was“ lautet. Richtig ist ausschließlich which.
Muss ich hinter dem Relativsatz wirklich noch ein zweites Komma setzen?
Ja, wenn der Satz danach weitergeht. Der Relativsatz ist ein Einschub und braucht Klammern auf beiden Seiten: My sister, who lives in Manchester, is a nurse. Nur wenn er am Satzende steht, übernimmt der Punkt die Rolle des zweiten Kommas.
Ist der Unterschied wirklich so wichtig, wenn der Satz sonst richtig ist?
Ja, weil er die Aussage verändert und nicht als Fehler auffällt. The students, who had studied, passed heißt, dass alle gelernt haben und alle bestanden. Ohne Kommas heißt derselbe Satz, dass nur ein Teil gelernt hat und nur dieser Teil bestanden hat. In Berichten, Zeugnissen und Verträgen ist das ein sachlicher Unterschied, kein stilistischer.

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