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C1Verbformen und Modalverben17 Min. Lesezeit

Verbmuster — verb + object + infinitive oder ing richtig wählen

Welches Verb welches Muster verlangt, warum want that im Englischen nicht existiert und wie sich die ing-Form vom Infinitiv unterscheidet.

Das kannst du danach

  • Du ordnest ein Verb dem Muster zu, das es verlangt, statt zu raten.
  • Du ersetzt den deutschen dass-Satz durch verb + object + infinitive.
  • Du unterscheidest verb + object + infinitive von verb + object + ing in der Bedeutung.
  • Du erkennst die Verben ohne to und die Verben mit that-Satz.
  • Du baust die passivische Entsprechung eines Musters, wenn sie existiert.

Warum Verbmuster überhaupt ein Thema sind

Ein englisches Verb bringt eine Bauanleitung mit. Es legt fest, was hinter ihm stehen darf: ein Objekt, ein Infinitiv mit to, ein Infinitiv ohne to, eine ing-Form, ein that-Satz, ein Objekt plus Infinitiv, ein Objekt plus ing-Form. Diese Bauanleitung heißt Verbmuster, und sie ist nicht aus der Bedeutung ableitbar. want und wish bedeuten fast dasselbe, aber I want you to come ist richtig und I wish you to come ist steif, während I wish that you would come normal ist.

Auf A2 lernt man die Grundunterscheidung zwischen Verben mit Gerundium und Verben mit Infinitiv. Auf C1 kommt die Schicht dazu, die für Deutschsprachige tatsächlich das Problem ist: die Muster mit einem Objekt dazwischen. I told him to wait, I saw her leave, I heard them arguing, I had the car repaired. Vier Verben, vier verschiedene Anschlüsse, und im Deutschen steht überall bequem ein dass-Satz oder ein Infinitiv mit zu.

Der Grund für die deutsche Fehlerquelle liegt in einem einzigen strukturellen Unterschied. Das Deutsche baut Ergänzungssätze fast ausschließlich mit dass: Ich will, dass du kommst. Ich habe ihn gebeten, dass er wartet. Das Englische hat den dass-Satz zwar, benutzt ihn aber nach vielen Verben nicht — und nach manchen gar nicht. Wer I want that you come schreibt, hat kein Vokabelproblem, sondern das deutsche Muster übertragen. Genau das passiert auch bei den Verben des Berichtens.

Die sechs Grundmuster

Sechs Muster decken den größten Teil des Sprachgebrauchs ab. Erstens verb + to-infinitive: She decided to stay. Zweitens verb + ing: She avoided answering. Drittens verb + object + to-infinitive: She asked him to stay. Viertens verb + object + bare infinitive, also Infinitiv ohne to: She let him stay. Fünftens verb + object + ing: She kept him waiting. Sechstens verb + that-clause: She insisted that he stay.

Diese Muster sind nicht austauschbar, und die meisten Verben lassen nur eines oder zwei zu. Manche Verben wechseln das Muster mit der Bedeutung, das ist das Thema von Gerundium oder Infinitiv und bleibt hier außen vor. Wichtig ist zuerst die Zuordnung: Welches Verb kann überhaupt ein Objekt vor dem Infinitiv tragen. want kann es, hope nicht. I want him to go ist richtig, I hope him to go ist falsch, dort muss der that-Satz stehen: I hope he goes.

Die Tabelle unten ist der Kern der Lektion. Sie wird nicht auswendig gelernt, sondern beim Schreiben nachgeschlagen, bis das Muster sitzt. Wer nur die Verben lernt, die er selbst benutzt, kommt schneller ans Ziel als wer die Liste von oben nach unten durchgeht.

MusterVerbenBeispielDeutsch
verb + to-infinitivedecide, hope, refuse, promise, manage, offerHe refused to sign.Er weigerte sich zu unterschreiben.
verb + ingavoid, deny, enjoy, suggest, risk, considerShe avoided answering.Sie wich der Antwort aus.
verb + object + to-infinitivewant, ask, tell, allow, expect, force, remind, persuadeThey asked me to wait.Sie baten mich zu warten.
verb + object + bare infinitivelet, make, see, hear, watch, feel, helpThey made him wait.Sie ließen ihn warten.
verb + object + ingsee, hear, watch, find, catch, keep, leaveI heard them arguing.Ich hörte sie streiten.
verb + that-clausesuggest, insist, hope, admit, claim, doubtHe claimed that he was ill.Er behauptete, er sei krank.

verb + object + to-infinitive: das Muster für den deutschen dass-Satz

Dieses Muster ist die wichtigste Baustelle für Deutschsprachige, weil es fast immer dort steht, wo das Deutsche einen dass-Satz baut. Ich will, dass du bleibst wird zu I want you to stay. Ich habe ihn gebeten, pünktlich zu sein wird zu I asked him to be on time. Ich erwarte, dass sie anrufen wird zu I expect them to call. In allen drei Fällen ist die englische Fassung kürzer, und in allen drei Fällen ist der that-Satz nach diesen Verben nicht möglich.

Die Verbliste ist lang, aber sie hat einen roten Faden: Es sind Verben, mit denen jemand auf das Handeln eines anderen einwirkt oder es erwartet. want, ask, tell, order, advise, allow, permit, enable, force, persuade, encourage, remind, warn, expect, require, invite, teach, get. Bei get lohnt der Blick auf das benachbarte Muster mit have, das die have something done-Lektion behandelt: I got him to fix it heißt, ich habe ihn dazu gebracht, während I had it fixed heißt, ich habe es machen lassen.

Zwei Feinheiten. Erstens die Verneinung: Sie steht vor dem to, nicht danach. I told him not to wait, nicht I told him to not wait — Letzteres hört man, gilt aber als nachlässig. Zweitens das Passiv: Fast alle diese Verben lassen sich passivisch wenden, und dann bleibt der Infinitiv stehen. He was asked to wait. They were told not to leave. Das ist die einfachere Schwester des Passivs mit Verben des Sagens.

Wo das Muster nicht gilt, ist der Fehler besonders hartnäckig. suggest, recommend und propose gehören nicht dazu. I suggested him to go ist falsch. Richtig sind I suggested that he go, I suggested going oder I suggested he should go. Diese drei Verben verlangen ing oder that, nie das Objekt plus Infinitiv — und sie tun das ausgerechnet in Zusammenhängen, in denen das Deutsche „Ich habe ihm vorgeschlagen, zu gehen“ sagt.

Der bloße Infinitiv nach let, make und den Sinnesverben

Eine kleine Gruppe verlangt den Infinitiv ohne to. let und make sind die beiden Kernfälle: Let him go. They made her apologise. Dazu kommen die Sinnesverben see, hear, watch, feel, notice und das Sonderverb help, bei dem beides geht: He helped me carry it und He helped me to carry it sind beide richtig, die Form ohne to ist häufiger.

make hat eine Passivfalle, die zuverlässig zuschlägt. Aktiv steht kein to, passiv steht es: They made him apologise, aber He was made to apologise. Dasselbe bei den Sinnesverben: I saw him leave, aber He was seen to leave. Wer das nicht weiß, schreibt He was made apologise und produziert einen Satz, den kein Muttersprachler stehen ließe. let hat gar kein brauchbares Passiv, dort weicht man auf be allowed to aus: He was allowed to go.

Auch die Modalverben gehören formal in diese Gruppe, denn nach can, must, should und ihren Verwandten steht der bloße Infinitiv. Der Überblick über die Modalverben behandelt das eigens, und die feinen Bedeutungsunterschiede zwischen ihnen sind das Thema der Nuancen der Modalität. Für das Verbmuster reicht die Feststellung: Modalverben und die let-make-Gruppe teilen dieselbe Anschlussform, und das ist kein Zufall, sondern ein Rest alter englischer Grammatik.

Objekt plus ing: der Unterschied, den das Deutsche nicht macht

Bei den Sinnesverben stehen beide Muster nebeneinander, und sie bedeuten nicht dasselbe. I saw him cross the road heißt, ich habe den ganzen Vorgang gesehen: Er ist von einer Seite zur anderen gegangen, ich war bis zum Ende dabei. I saw him crossing the road heißt, ich habe ihn mitten in der Handlung gesehen, ein Ausschnitt, ohne Aussage über das Ende. Der Unterschied ist derselbe wie zwischen abgeschlossen und laufend, und er entspricht der Logik des Present Progressive.

Im Deutschen gibt es diesen Unterschied nicht. Ich sah ihn über die Straße gehen deckt beide Fälle ab, und wer ihn ausdrücken will, braucht einen Zusatz: gerade, dabei, ganz. Genau deshalb wählen Deutschsprachige beim Englischsprechen zufällig, und der Satz sagt dann etwas anderes als gemeint. Wer sich unsicher ist, fragt: Habe ich den Anfang und das Ende gesehen. Wenn ja, bloßer Infinitiv. Wenn nein, ing-Form.

Andere Verben verlangen fest die ing-Form. keep somebody waiting, find somebody sleeping, catch somebody stealing, leave somebody standing, start somebody thinking. Diese Fügungen sind fast idiomatisch und werden am besten als Ganzes gelernt. Sorry to keep you waiting ist im Alltag so häufig wie ein hold on am Telefon, und niemand baut den Satz beim Sprechen aus dem Muster zusammen.

Ein Sonderfall ist das Subjekt der ing-Form. In geschriebenem Standardenglisch steht davor der Genitiv: I don't mind his coming late. Gesprochen und heute auch geschrieben steht meist die Objektform: I don't mind him coming late. Beides ist verbreitet, die Genitivform ist formeller. Denselben Registerunterschied beschreibt die Register-Lektion an anderen Beispielen.

SatzBedeutungDeutsch
I saw him leave.ganzer Vorgang, abgeschlossenIch sah ihn gehen.
I saw him leaving.Ausschnitt, im VerlaufIch sah ihn gerade gehen.
I heard her play the piece.das ganze StückIch hörte sie das Stück spielen.
I heard her playing the piece.einen Teil davonIch hörte sie das Stück spielen.
They kept me waiting.nur ing möglichSie ließen mich warten.
He was caught cheating.nur ing möglichEr wurde beim Schummeln erwischt.

Wann der that-Satz doch steht

Es gibt Verben, bei denen der that-Satz die einzige Möglichkeit ist, und für Deutschsprachige ist das die angenehme Nachricht, weil die deutsche Struktur hier ausnahmsweise passt. hope, think, believe, know, doubt, admit, claim, deny in seiner that-Variante, insist, suggest. I hope that he comes. I doubt that she will agree. Nach diesen Verben ist ein Objekt plus Infinitiv nicht möglich.

that selbst darf in fast allen Fällen wegfallen, und im gesprochenen Englisch fällt es meistens weg: I hope he comes. I think she's right. Ausnahmen sind Sätze, in denen der Wegfall die Lesbarkeit stört, etwa nach einem längeren Einschub oder in förmlichen Texten. Die Regeln dazu und zur Zeitenverschiebung nach diesen Verben stehen in den Backshift-Regeln und in der indirekten Rede.

Ein eigener Fall ist der Konjunktiv nach Verben des Verlangens. I insist that he be present. They demanded that she resign. Die Form ohne s wirkt für Deutschsprachige wie ein Tippfehler, ist aber der formelle Konjunktiv und im amerikanischen Englisch verbreiteter als im britischen. Britisch steht dort oft should: I insist that he should be present. Beide Fassungen sind korrekt, die Wahl ist eine Registerfrage.

Die zwölf Verben, bei denen Deutschsprachige am häufigsten danebenliegen

Manche Verben sind statistisch auffällig, weil das deutsche Gegenstück ein anderes Muster hat. want steht ganz oben: I want that you come ist der häufigste Fehler dieses ganzen Bereichs. Dann suggest, das kein Objekt plus Infinitiv nimmt. Dann explain, das kein Objekt direkt anschließt — nicht explain me something, sondern explain something to me. Dann discuss, das keine Präposition trägt: discuss the matter, nicht discuss about the matter.

Weiter geht es mit answer, das ebenfalls ohne Präposition steht, mit look forward to, nach dem die ing-Form kommt und nicht der Infinitiv, und mit avoid und deny, die zwingend die ing-Form verlangen. Bei look forward to ist das to eine Präposition und kein Infinitivzeichen, deshalb I look forward to hearing from you. Dieser Satz steht in jeder zweiten englischen Geschäftsmail, und er wird trotzdem regelmäßig falsch geschrieben.

Die Konsequenz für das eigene Schreiben ist unspektakulär, aber wirksam: Bei jedem Verb, das ein zweites Verb nach sich zieht, kurz prüfen, welches Muster gilt. Wer das ein halbes Jahr lang bewusst tut, hat die dreißig wichtigsten Verben danach automatisch parat. Der Rest kommt über das Lesen, denn Verbmuster lernt man nicht aus Tabellen, sondern durch Wiederbegegnung im Text.

FalschRichtigWarum
I want that you come.I want you to come.want nimmt keinen that-Satz
I suggested him to go.I suggested that he go. / I suggested going.suggest nimmt kein Objekt plus Infinitiv
He was made apologise.He was made to apologise.make: Passiv mit to
Explain me the rule.Explain the rule to me.explain braucht to
We discussed about it.We discussed it.discuss ohne Präposition
I look forward to hear from you.I look forward to hearing from you.to ist hier Präposition

Häufige Fragen

Warum kann man I want that you come nicht sagen?
Weil want im Englischen keinen that-Satz nimmt. Das Verb verlangt das Muster verb + object + to-infinitive: I want you to come. Der Fehler entsteht, weil das Deutsche hier mit einem dass-Satz arbeitet und dieses Muster beim Sprechen übertragen wird. Dasselbe gilt für expect, ask, tell und would like.
Was ist der Unterschied zwischen I saw him leave und I saw him leaving?
Der bloße Infinitiv bezeichnet den ganzen abgeschlossenen Vorgang: Du hast gesehen, wie er gegangen ist, von Anfang bis Ende. Die ing-Form bezeichnet einen Ausschnitt mitten in der Handlung. Das Deutsche macht diesen Unterschied nicht, deshalb muss man ihn im Englischen bewusst entscheiden.
Nach welchen Verben steht der Infinitiv ohne to?
Nach let und make, nach den Sinnesverben see, hear, watch, feel und notice sowie nach help, wo beide Formen möglich sind. Dazu kommen die Modalverben. Im Passiv kehrt das to bei make und den Sinnesverben zurück: He was made to apologise.
Heißt es I suggested him to come oder I suggested he come?
I suggested he come oder I suggested that he should come, ebenso möglich ist I suggested coming. Das Muster mit Objekt und Infinitiv gibt es nach suggest nicht, ebenso wenig nach recommend und propose. Das ist einer der hartnäckigsten Fehler auf B2 und C1.
Wann darf that nach dem Verb wegfallen?
Nach den meisten Verben des Denkens und Sagens fast immer, und im gesprochenen Englisch fällt es überwiegend weg: I think she's right. Stehen bleiben sollte es in förmlichen Texten und dann, wenn zwischen Verb und Nebensatz ein längerer Einschub steht, weil der Satz sonst schwer zu lesen ist.

Passt dazu