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B1Bedingungssätze15 Min. Lesezeit

If-Sätze Typ 2 — die unwahrscheinliche Bedingung mit would

Simple Past im if-Teil, would im Hauptteil: wie der zweite Bedingungssatz gebaut wird und warum würde nie in beide Satzteile gehört.

Das kannst du danach

  • Du baust If-Sätze Typ 2 mit Simple Past im if-Teil und would im Hauptsatz.
  • Du unterscheidest Typ 2 vom ersten Typ nach Wahrscheinlichkeit, nicht nach Zeit.
  • Du vermeidest den deutschen Fehler, would in beide Satzteile zu setzen.
  • Du verwendest If I were you und weißt, warum dort were und nicht was steht.
  • Du ersetzt would bei Bedarf durch could und might.

Wofür der zweite Typ steht

If-Sätze Typ 2 sprechen über etwas, das nicht der Fall ist oder sehr unwahrscheinlich bleibt. If I had more time, I would learn Japanese. Ich habe die Zeit nicht, und deshalb lerne ich kein Japanisch. Der Satz beschreibt kein Ereignis, sondern eine Gedankenwelt neben der Wirklichkeit.

Damit unterscheidet er sich klar von Typ 1. Dort geht es um Bedingungen, die tatsächlich eintreten können: If it rains, I'll take the bus. Bei Typ 2 rechnet niemand mehr mit dem Eintreten. Und er unterscheidet sich von Typ 0, der allgemeine Regeln nennt, die immer gelten.

Wichtig ist, dass sich die Typen nach Wahrscheinlichkeit unterscheiden und nicht nach Zeit. Das Simple Past im if-Teil hat mit Vergangenheit nichts zu tun. If I won the lottery meint nicht, dass ich früher einmal gewonnen habe, sondern dass ich es wohl nie tun werde. Vergangenheit steckt erst in Typ 3.

Manchmal geht es weniger um Unwahrscheinlichkeit als um Höflichkeit oder Abstand. Wer sagt It would be nice if you could help, meint eine ganz reale Bitte und macht sie durch die Form nur weicher. Diese Verwendung ist im Berufsalltag häufiger als die klassische Traumbedingung.

Die Bildung

Der Bau ist einfach und immer gleich: if plus Simple Past, dann would plus Grundform. If she asked me, I would say yes. Steht der if-Teil vorn, trennt ein Komma die beiden Hälften. Steht er hinten, entfällt das Komma: I would say yes if she asked me.

Im Hauptsatz steht nach would immer die nackte Grundform, ohne to und ohne Endung. In der gesprochenen Sprache verschmilzt would zu 'd: I'd go, she'd help, we'd never do that. Verneint heißt es wouldn't. Weil 'd auch für had steht, entscheidet erst das folgende Verb, was gemeint ist: I'd go ist would, I'd gone ist had.

Das Simple Past im if-Teil folgt den normalen Regeln, auch bei den unregelmäßigen Verben: if I knew, if he went, if they took. Verneint wird mit didn't: If he didn't work so much, he would see his kids more often. Ein did darf im if-Teil dagegen nicht als Verstärkung auftauchen.

would ist nicht der einzige Kandidat im Hauptsatz. Statt would kann could stehen, wenn es um Können geht, und might, wenn das Ergebnis selbst unsicher bleibt. If we left now, we could still catch the train. If we asked her, she might say yes. Beide gehören zum normalen Bestand der Modalverben.

SatzteilFormBeispiel
if-TeilSimple PastIf I had a car,
Hauptteilwould + GrundformI would drive to work.
Verneinung if-Teildidn't + GrundformIf I didn't have a car,
Verneinung Hauptteilwouldn't + GrundformI wouldn't drive to work.
Fragewould + Subjekt + GrundformWhat would you do if you lost your job?
Statt wouldcould / mightI could help. / She might come.

Der deutsche Fehler: würde in beiden Satzteilen

Hier liegt der Kern dieser Lektion. Deutsch hat einen eigenen Konjunktiv, und das ist gerade das Problem. Wir sagen Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich Japanisch lernen — und im Alltag ebenso oft Wenn ich mehr Zeit haben würde, würde ich Japanisch lernen. Beide Fassungen gelten als verständlich, die zweite sogar als bequemer.

Genau diese zweite Fassung wird ins Englische mitgeschleppt. If I would have time, I would learn Japanese ist der klassische Fehler deutschsprachiger Lernender, und er fällt Muttersprachlern sofort auf. Im Englischen darf would niemals im if-Teil stehen. Der if-Teil trägt das Simple Past, der Hauptsatz trägt would. Diese Arbeitsteilung ist streng.

Die Merkhilfe im englischen Unterricht lautet seit jeher: Never put would in the if-clause. Wer beim Sprechen unsicher wird, baut den Satz einmal von hinten: Erst den Hauptsatz mit would formulieren, dann den if-Teil im Simple Past anhängen. So kommen die beiden would gar nicht erst in Versuchung, sich zu verdoppeln.

Es gibt einen Sonderfall, der die Regel scheinbar bricht. If you would kindly wait a moment ist korrekt, hat aber nichts mit einer Bedingung zu tun: Hier ist would eine Höflichkeitsformel und bedeutet so viel wie wären Sie so freundlich. Diese Wendung gehört in förmliche Schreiben und nicht in die Grammatik der Bedingungssätze.

DeutschFalschRichtig
Wenn ich Zeit hätte, würde ich kommen.If I would have time, I would come.If I had time, I would come.
Wenn er mich fragen würde, würde ich helfen.If he would ask me, I would help.If he asked me, I would help.
Wenn wir reicher wären, würden wir umziehen.If we would be richer, we would move.If we were richer, we would move.
Wenn sie es wüsste, würde sie es sagen.If she would know it, she would say.If she knew, she would say so.

If I were you: die Form mit were

In If-Sätzen des zweiten Typs steht bei to be in allen Personen were, auch bei I, he, she und it. If I were you, I'd take the job. If he were here, he would explain it. Das ist der letzte Rest des englischen Konjunktivs, und er hat sich ausgerechnet in dieser Konstruktion gehalten.

Im gesprochenen Alltag hört man daneben oft was: If I was you, if he was here. Das ist verbreitet, gilt aber als umgangssprachlich. In Prüfungen, Bewerbungen und geschriebenen Texten nimm were. Bei der festen Wendung If I were you ist was ohnehin unüblich, weil die Formel als Ganzes gelernt wird.

If I were you ist die englische Standardform für Ratschläge und entspricht dem deutschen an deiner Stelle. Sie ist deutlich häufiger als jede Konstruktion mit should und klingt weniger belehrend. If I were you, I wouldn't say anything. Wer Rat geben will, ohne zu bevormunden, benutzt genau diesen Satzanfang.

Denselben Konjunktiv findest du außerhalb der If-Sätze wieder, etwa nach wish und if only — I wish I were taller — und in gehobenen Wendungen wie as it were. Eine ausführliche Darstellung dieser Restformen steht in der Lektion zum Konjunktiv mit were.

Wie sich Typ 1 und Typ 2 unterscheiden

Derselbe Sachverhalt kann in beiden Typen stehen, und die Wahl verrät, wie der Sprecher die Lage einschätzt. If I get the job, I'll move to Manchester klingt nach laufender Bewerbung. If I got the job, I'd move to Manchester klingt danach, dass die Stelle wohl an jemand anderen geht. Die Grammatik trägt hier eine Haltung.

Deutsch macht denselben Unterschied, aber leiser. Wenn ich den Job bekomme gegen Wenn ich den Job bekäme oder bekommen würde. Weil die zweite Fassung im Deutschen etwas gestelzt wirkt, weichen viele im Alltag auf die erste aus. Im Englischen ist Typ 2 dagegen völlig normal und in keiner Weise altmodisch.

Ein praktischer Test hilft bei der Wahl: Kannst du dir vorstellen, dass die Bedingung diese Woche eintritt, nimm Typ 1. Klingt sie nach Gedankenspiel, nimm Typ 2. Für unwahrscheinliche Ereignisse in der Zukunft steht ebenfalls Typ 2, obwohl der if-Teil im Simple Past steht: If they offered me the job tomorrow, I would say no.

Aufpassen musst du beim Hauptsatz. In Typ 1 steht will, in Typ 2 steht would. Wer die Typen mischt und If I had more money, I will buy a flat schreibt, produziert einen Satz, der weder das eine noch das andere ist. Die beiden Hälften müssen zusammenpassen, sonst kippt die Aussage. Wie sich das Ganze in der Vergangenheit verhält, zeigen die gemischten Formen.

Typif-TeilHauptteilBeispiel
Typ 0Simple PresentSimple PresentIf you heat ice, it melts.
Typ 1Simple Presentwill + GrundformIf it rains, we'll stay in.
Typ 2Simple Pastwould + GrundformIf it rained, we'd stay in.
Typ 3Past Perfectwould have + 3. FormIf it had rained, we'd have stayed in.

Varianten und Nachbarn

Statt if steht oft unless in der Bedeutung wenn nicht: I wouldn't do it unless they paid me. Auch as long as, provided that und supposing leiten Bedingungen ein und verlangen dieselben Formen. Wichtig ist nur, dass nach ihnen nie would folgt, genau wie nach if.

In gehobener Schriftsprache lässt sich das if durch Umstellung ersetzen: Were I in your position, I would resign. Diese Inversion in Bedingungssätzen ist förmlich und im Gespräch selten, begegnet einem aber in Verträgen und Zeitungstexten. Der Sinn bleibt unverändert.

Neben den if-Sätzen gibt es weitere Wege, eine Bedingung auszudrücken, etwa mit but for oder mit otherwise. Diese Formen sammelt die Lektion zu Bedingungen ohne if. Für den Anfang genügt es, das Grundmuster sicher zu beherrschen.

Ein letzter Hinweis zum Sprachgefühl: Typ-2-Sätze wirken im Englischen oft freundlicher als direkte Aussagen. Statt I want a bigger office sagt man I'd like a bigger office, und statt That's a bad idea hört man That wouldn't work. Wer diese abschwächende Wirkung kennt, klingt in Verhandlungen sofort natürlicher. Wer sie nicht kennt, wirkt schnell schroffer, als er meint. Dieselbe Höflichkeitsschicht steckt auch in may und might.

Häufige Fragen

Warum steht im if-Teil Simple Past, obwohl es um die Gegenwart geht?
Englisch benutzt die Vergangenheitsform hier nicht zeitlich, sondern als Abstandssignal. Die zurückgesetzte Form zeigt an, dass die Bedingung nicht der Wirklichkeit entspricht. Dasselbe Prinzip steckt hinter I wish I had more time und hinter höflichen Bitten wie I wondered if you could help.
Darf would nie im if-Teil stehen?
In Bedingungssätzen nicht. If I would have time ist falsch, richtig ist If I had time. Eine Ausnahme sind Höflichkeitsformeln wie If you would kindly sign here, wo would keine Bedingung ausdrückt, sondern eine förmliche Bitte. Im Zweifel gilt für Lernende die einfache Regel: kein would nach if.
Heißt es If I was you oder If I were you?
Standard ist If I were you. Die Form were gilt in allen Personen und ist der Rest des alten Konjunktivs. If I was you hört man häufig in gesprochener Sprache, es zählt aber als umgangssprachlich und sollte in Prüfungen und geschriebenen Texten vermieden werden.
Kann Typ 2 auch über die Zukunft sprechen?
Ja. Wenn ein zukünftiges Ereignis als unwahrscheinlich gilt, steht Typ 2: If they offered me the job next week, I would turn it down. Die Wahl zwischen Typ 1 und Typ 2 hängt nicht am Zeitpunkt, sondern daran, für wie wahrscheinlich der Sprecher die Bedingung hält.
Was ist der Unterschied zwischen would, could und might im Hauptsatz?
would nennt die Folge als sicher, sofern die Bedingung erfüllt wäre. could betont die Möglichkeit oder Fähigkeit: If I had a car, I could drive you. might lässt offen, ob die Folge überhaupt einträte: If I asked her, she might say no. Alle drei stehen mit der Grundform ohne to.

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