Das kannst du danach
- Du setzt kein Komma vor that, if, whether und die übrigen Konjunktionen im Objektsatz.
- Du unterscheidest notwendige und nicht notwendige Relativsätze am Komma.
- Du setzt ein Komma nach einem vorangestellten Nebensatz und lässt es beim nachgestellten weg.
- Du entscheidest bewusst über den Oxford comma und bleibst innerhalb eines Textes konsequent.
- Du erkennst den comma splice und ersetzt ihn durch Punkt, Semikolon oder Konjunktion.
Die deutsche Grundregel ist im Englischen falsch
Die deutsche Kommasetzung ist grammatisch begründet. Wo ein Nebensatz beginnt, steht ein Komma, und zwar unabhängig davon, ob man beim Sprechen eine Pause macht. Ich glaube, dass er recht hat. Wer die Regel kennt, setzt das Komma automatisch und liegt fast immer richtig. Genau diese Automatik ist im Englischen der größte Fehlerquell überhaupt: I think, that he is right ist falsch. Vor that steht kein Komma, nie, unter keinen Umständen.
Das englische Komma ist nicht grammatisch, sondern rhythmisch und strukturell begründet. Es trennt, was der Leser sonst falsch zusammenziehen würde, und es markiert, was aus der Grundstruktur des Satzes herausfällt. Deshalb kann derselbe Satzbau einmal mit und einmal ohne Komma stehen, je nachdem, was gemeint ist. Das ist für deutschsprachige Lernende ungewohnt, denn es verlangt eine Entscheidung, wo das Deutsche eine Regel liefert.
Die zweite Überraschung: Das Englische verlangt Kommas an Stellen, an denen das Deutsche keine setzt. Nach einem vorangestellten Nebensatz steht im Englischen fast immer eines, ebenso nach längeren einleitenden Wendungen. When the meeting finished, we went for coffee. In der deutschen Entsprechung steht ebenfalls eines, aber bei kurzen Einleitungen wie In 2019, the company moved to Bristol trennt das Englische, wo das Deutsche zusammenschreibt.
Diese Lektion sortiert die Regeln nach Nutzen. Zuerst die vier Fälle, die man auf B2 wirklich braucht: kein Komma vor that, Komma bei nicht notwendigen Relativsätzen, Komma nach vorangestelltem Nebensatz, kein Komma vor dem nachgestellten. Danach die Aufzählung mit dem umstrittenen Oxford comma und zuletzt der comma splice, der englische Texte deutscher Schreibender am zuverlässigsten verrät.
| Fall | Deutsch | Englisch |
|---|---|---|
| Objektsatz mit dass | Ich weiß, dass er kommt. | I know that he is coming. |
| Indirekte Frage | Ich weiß nicht, ob er kommt. | I don't know if he is coming. |
| Nebensatz voran | Als er ankam, war es dunkel. | When he arrived, it was dark. |
| Nebensatz hinten | Es war dunkel, als er ankam. | It was dark when he arrived. |
| Notwendiger Relativsatz | Das Buch, das ich meine, … | The book that I mean … |
| Aufzählung | Brot, Käse und Wein | bread, cheese and wine |
Kein Komma vor that — und vor keiner Objektsatz-Konjunktion
Der wichtigste Satz dieser Lektion lautet: Vor that steht kein Komma. I think that she is right. He said that the train was late. We hope that you can come. In allen drei Sätzen ist that die Einleitung eines Objektsatzes, und der Objektsatz gehört so eng zum Verb, dass das Englische ihn nicht abtrennt. Dasselbe gilt, wenn that weggelassen wird, was in der gesprochenen Sprache die Regel ist: I think she is right.
Die Regel gilt genauso für die übrigen Konjunktionen, die einen Objektsatz einleiten: if, whether, why, how, what, where, when in der Bedeutung einer indirekten Frage. I don't know if he is coming. She asked why we were late. Nobody could explain how it happened. Kein Komma. Wer hier eines setzt, überträgt die deutsche Regel eins zu eins, und genau das erkennen englische Muttersprachler sofort als Fremdsprachenfehler. Die Struktur solcher Sätze steht bei den indirekten Fragen.
Auch bei Verben des Sagens und Denkens in der indirekten Rede bleibt das Komma weg. He explained that the deadline had moved. Zwischen explained und that gibt es keine Pause und keine Trennung. Die einzige Ausnahme entsteht, wenn zwischen Hauptverb und that ein eingeschobenes Element steht, das selbst Kommas verlangt: He explained, after some hesitation, that the deadline had moved. Dann gehören die Kommas zum Einschub, nicht zu that.
Ein Sonderfall, der oft für Verwirrung sorgt: Nach der direkten Rede steht sehr wohl ein Komma. He said, „I'll be late.“ Hier trennt das Komma den Redeeinleiter von der wörtlichen Rede, und im Englischen steht der Schlusspunkt innerhalb der Anführungszeichen — im britischen Englisch allerdings nur, wenn er zur zitierten Äußerung gehört. Das ist keine Ausnahme von der that-Regel, sondern ein anderer Fall.
Relativsätze — hier entscheidet das Komma über die Bedeutung
Der zweite große Bereich sind die Relativsätze, und hier trägt das Komma echte Information. Ein Relativsatz ohne Kommas ist notwendig: Er grenzt ein und sagt, welches Exemplar gemeint ist. The students who passed the exam got a certificate bedeutet, dass nur ein Teil der Studierenden bestanden hat und nur dieser Teil das Zertifikat bekam. Grundlagen dazu stehen bei den notwendigen Relativsätzen.
Setzt man Kommas, kippt die Bedeutung. The students, who passed the exam, got a certificate bedeutet: Alle Studierenden haben bestanden, und nebenbei sei erwähnt, dass sie deshalb ein Zertifikat bekamen. Der Relativsatz ist eine Zusatzinformation, die man streichen könnte, ohne dass der Hauptsatz seine Referenz verliert. Das Deutsche kann diesen Unterschied nicht über Kommas ausdrücken, weil es ohnehin immer eines setzt. Es braucht dafür Wörter wie die ja alle oder diejenigen, die.
Genau darin liegt die Falle für Deutschsprachige: Die deutsche Gewohnheit setzt vor jedem Relativsatz ein Komma und macht damit aus jedem notwendigen Relativsatz einen nicht notwendigen. Der Satz wird nicht ungrammatisch, er bedeutet etwas anderes. In einem Vertrag oder einer Prüfungsantwort kann das teuer werden. Die Gegenprobe steht in der Lektion zu den nicht notwendigen Relativsätzen.
Zwei mechanische Testhilfen: Erstens, ein Relativsatz mit that ist immer notwendig und bekommt nie Kommas. The book that I mentioned. Zweitens, ein Relativsatz nach einem Eigennamen oder einem eindeutigen Begriff ist fast immer nicht notwendig und bekommt Kommas, weil es nichts mehr einzugrenzen gibt: My sister, who lives in Leeds, is a nurse. Hätte man mehrere Schwestern, wäre der Satz ohne Kommas wieder notwendig.
| Satz | Kommas | Bedeutung |
|---|---|---|
| The cars that were damaged were replaced. | keine | Nur die beschädigten wurden ersetzt. |
| The cars, which were damaged, were replaced. | ja | Alle waren beschädigt, alle wurden ersetzt. |
| My brother who lives in Kent called. | keine | Ich habe mehrere Brüder. |
| My brother, who lives in Kent, called. | ja | Ich habe einen Bruder. |
| The man that you met is my boss. | keine | that ist immer ohne Komma. |
Vorangestellte Nebensätze und einleitende Wendungen
Hier verlangt das Englische ein Komma, wo viele es nicht erwarten. Steht ein Nebensatz vor dem Hauptsatz, folgt ein Komma. If it rains, we'll stay in. When the meeting finished, we went for coffee. Although the price is high, the quality justifies it. Because he was ill, he missed the deadline. Die Regel ist verlässlich und gilt für alle Nebensatztypen, auch für die Bedingungssätze vom Typ 1 und die Temporalsätze.
Steht derselbe Nebensatz hinter dem Hauptsatz, entfällt das Komma. We'll stay in if it rains. We went for coffee when the meeting finished. He missed the deadline because he was ill. Diese Asymmetrie hat kein deutsches Gegenstück und ist deshalb Lernstoff: Das Deutsche setzt in beiden Stellungen ein Komma. Wer sie sich merkt, beseitigt zwei Fehlerquellen in einem Zug, denn viele setzen genau umgekehrt.
Die einzige nennenswerte Ausnahme betrifft although, though und whereas in Nachstellung: Sie behalten ihr Komma, weil sie einen Gegensatz einleiten, der als Zusatz gelesen wird. The quality is good, although the price is high. Zu diesem Muster gehört die Lektion zu den Konzessivsätzen.
Dieselbe Kommalogik gilt für einleitende Wendungen, die keine ganzen Sätze sind. After the war, the town was rebuilt. In my opinion, the plan is too expensive. Unfortunately, the train was cancelled. Bei sehr kurzen Wendungen ist das Komma im britischen Englisch fakultativ: In 2019 the company moved oder In 2019, the company moved. Beides geht, aber innerhalb eines Textes sollte man sich entscheiden. Auch vorangestellte Partizipialsätze werden abgetrennt: Having finished the report, she went home.
Aufzählungen und der Oxford comma
In Aufzählungen trennt das Englische die Glieder mit Kommas, genau wie das Deutsche. We bought bread, cheese and wine. Umstritten ist allein das letzte Komma vor and, der sogenannte Oxford comma oder serial comma: We bought bread, cheese, and wine. Der Streit darum ist im englischsprachigen Raum ein Dauerthema und wird mit einer Ernsthaftigkeit geführt, die von außen leicht komisch wirkt.
Die Lage ist einfacher, als der Streit vermuten lässt. Der Oxford comma ist im amerikanischen Englisch die Norm, im britischen Journalismus dagegen unüblich. Die Oxford University Press, die ihm den Namen gab, setzt ihn, die BBC und der Guardian nicht. Beides ist korrekt. Falsch ist nur, innerhalb eines Textes zwischen beiden Gewohnheiten hin und her zu springen.
Es gibt allerdings Sätze, in denen der Oxford comma die Mehrdeutigkeit beseitigt, und das ist sein bestes Argument. I'd like to thank my parents, Angela Merkel and the Queen liest sich ohne letztes Komma so, als seien die Eltern namentlich genannt. Mit Komma vor and ist die Sache eindeutig. Wer dazu neigt, lange Aufzählungen mit Apposition zu schreiben, fährt mit dem Oxford comma sicherer.
Eine zweite Aufzählungsregel betrifft mehrere Adjektive vor einem Nomen. Gleichrangige Adjektive werden mit Komma getrennt: a long, boring meeting. Nicht gleichrangige nicht: a large red brick house. Die Probe: Wenn man and dazwischen einsetzen oder die Reihenfolge tauschen kann, ist ein Komma richtig. Das hängt eng mit der festen Adjektivreihenfolge zusammen, die bei den Adjektiven behandelt wird.
Der comma splice — der verräterischste Fehler
Zwei Hauptsätze dürfen im Englischen nicht durch ein einfaches Komma verbunden werden. The meeting was long, nobody said much ist ein comma splice und gilt als klarer Fehler, nicht als Stilfrage. Das Deutsche erlaubt genau diese Verbindung, und deshalb produzieren deutschsprachige Schreibende sie in fast jedem längeren Text mehrfach.
Es gibt vier saubere Reparaturen. Punkt: The meeting was long. Nobody said much. Semikolon: The meeting was long; nobody said much. Konjunktion: The meeting was long, and nobody said much. Oder Umbau zum Nebensatz: Although the meeting was long, nobody said much. Welche Lösung passt, entscheidet der Rhythmus des Absatzes, nicht die Grammatik.
Besonders häufig entsteht der Fehler vor Satzadverbien wie however, therefore, moreover und nevertheless, weil sie im Deutschen wie Konjunktionen funktionieren. The price rose, however demand stayed high ist falsch. Richtig: The price rose; however, demand stayed high. Wer diese Wörter benutzt, sollte automatisch prüfen, ob davor ein Semikolon oder ein Punkt gehört — siehe auch die Bindewörter der Ergänzung.
Ein verwandter Punkt ist das Komma zwischen Subjekt und Prädikat. The man who called us yesterday, was from the bank ist falsch, so lang das Subjekt auch sein mag. Das Deutsche schließt hier den Relativsatz mit einem Komma ab, das Englische tut das nur, wenn der Relativsatz nicht notwendig ist und dann mit zwei Kommas. Ein einzelnes Komma zwischen Subjekt und Verb gibt es im Englischen nicht.
Zum Schluss ein Wort zum Zuviel. Englische Texte setzen insgesamt weniger Kommas als deutsche, und ein Übermaß wirkt langsam und altmodisch. Wer unsicher ist, prüft: Trennt das Komma etwas ab, das aus dem Satzgerüst herausfällt, oder markiert es eine Einleitung? Wenn keins von beidem zutrifft, steht es wahrscheinlich zu Unrecht. Für die zweite Hälfte der englischen Rechtschreibgewohnheiten lohnt sich die Lektion zur Großschreibung.
Häufige Fragen
- Steht im Englischen ein Komma vor that?
- Nein. Vor einem that, das einen Objektsatz einleitet, steht nie ein Komma. I think that he is right ist ohne Komma richtig, mit Komma falsch. Dasselbe gilt für if, whether und die Fragewörter in indirekten Fragen. Das ist der häufigste Interpunktionsfehler deutschsprachiger Schreibender, weil das Deutsche vor dass zwingend ein Komma verlangt.
- Wann steht ein Komma vor which und who?
- Wenn der Relativsatz nicht notwendig ist, also nur eine Zusatzinformation liefert, die man streichen könnte. My sister, who lives in Leeds, is a nurse. Grenzt der Relativsatz dagegen ein und sagt, welches Exemplar gemeint ist, steht kein Komma: The students who passed got a certificate. Ein Relativsatz mit that bekommt grundsätzlich kein Komma.
- Was ist der Oxford comma und muss ich ihn setzen?
- Der Oxford comma ist das Komma vor and am Ende einer Aufzählung: bread, cheese, and wine. Er ist im amerikanischen Englisch üblich, im britischen Journalismus eher nicht. Beide Varianten sind korrekt. Entscheidend ist nur, dass du dich innerhalb eines Textes für eine entscheidest. Bei langen Aufzählungen verhindert er gelegentlich Mehrdeutigkeiten.
- Warum ist The meeting was long, nobody said much falsch?
- Weil zwei Hauptsätze im Englischen nicht durch ein einfaches Komma verbunden werden dürfen. Dieser Fehler heißt comma splice. Repariere ihn mit einem Punkt, einem Semikolon, einer Konjunktion wie and oder but oder durch Umbau zu einem Nebensatz. Das Deutsche erlaubt die Kommaverbindung, deshalb entsteht der Fehler so oft.
- Kommt nach einem eingeleiteten Nebensatz am Satzanfang ein Komma?
- Ja. Steht der Nebensatz vor dem Hauptsatz, folgt ein Komma: When the meeting finished, we went for coffee. Steht derselbe Nebensatz hinter dem Hauptsatz, entfällt es: We went for coffee when the meeting finished. Diese Asymmetrie gibt es im Deutschen nicht, dort steht in beiden Fällen ein Komma.
- Setzt das Englische weniger Kommas als das Deutsche?
- Insgesamt ja. Das deutsche Komma ist grammatisch begründet und deshalb vorhersehbar, das englische ist strukturell und rhythmisch begründet und wird sparsamer eingesetzt. Wer aus dem Deutschen übersetzt, setzt fast immer zu viele Kommas. Die Ausnahme sind vorangestellte Nebensätze und Einleitungen, dort trennt das Englische zuverlässiger als erwartet.
Passt dazu
- Abschwächung — hedging und vorsichtiges Formulieren im EnglischenWarum It might be worth considering im Englischen normal ist und die direkte deutsche Übertragung unhöflich wirkt, ohne dass du es merkst.
- altertümliche Formen — thou, shall und whom im heutigen EnglischWo dir thou, thee, shall und whom heute noch begegnen, was sie bedeuten und welche dieser Formen du selbst benutzen solltest.
- Bindewörter der Ergänzung — moreover, furthermore, in additionWann moreover, furthermore und in addition stehen, wie sie interpunktiert werden und warum außerdem alle drei zugleich übersetzt.
- Bindewörter des Gegensatzes — however, whereas, neverthelessWelches Wort einen Nebensatz einleitet und welches ein eigener Satzverbinder ist, warum however he was tired falsch ist und wie die Kommas sitzen.
- Bindewörter des Grundes — because, since, as und due toWann because steht und wann since oder as, warum due to ein Nomen verlangt und wie sich das vom deutschen weil unterscheidet.
- britisch gegen amerikanisch — Grammatik, nicht nur WortschatzDie Unterschiede reichen tiefer als lift und elevator: Zeitformen, Sammelbegriffe, Verbformen, Präpositionen und der Konjunktiv.