Das kannst du danach
- Du baust indirekte Fragen mit Fragewort in der Aussagestellung.
- Du bildest indirekte Ja-Nein-Fragen mit if und whether und kennst den Unterschied.
- Du lässt das Hilfsverb do im Nebensatz konsequent weg.
- Du entscheidest richtig, ob am Satzende ein Fragezeichen steht.
- Du grenzt die indirekte Frage von der indirekten Rede mit Zeitverschiebung ab.
Was eine indirekte Frage ist
Eine indirekte Frage ist eine Frage, die in einen anderen Satz eingebettet ist. Statt Where is the station? fragt man Could you tell me where the station is? Der Inhalt bleibt derselbe, die Verpackung ändert sich. Vorn steht eine Einleitung, hinten steht die eigentliche Frage — aber nicht mehr als Frage, sondern als Nebensatz.
Der Zweck ist meistens Höflichkeit. Eine direkte Frage an eine fremde Person kann im Englischen schroff wirken, besonders wenn sie kurz ist. Where's the toilet klingt anders als Could you tell me where the toilet is. Dieselbe Höflichkeitsstufe erreicht man im Deutschen mit Können Sie mir sagen, wo die Toilette ist. Der Unterschied liegt nicht in der Bedeutung, sondern im Ton.
Ein zweiter Zweck ist das Berichten. I don't know where he lives, She asked me why I was late, We need to find out whether it works. Hier ist die Frage kein Anliegen an das Gegenüber, sondern ein Gegenstand, über den gesprochen wird. Beide Fälle folgen derselben Grammatik, weshalb sie in einer Lektion zusammengehören.
Die Grammatik selbst besteht aus drei Änderungen gegenüber der direkten Frage. Die Wortstellung geht zurück zur Aussage. Das Hilfsverb do fällt weg. Und das Fragezeichen steht nur, wenn der Hauptsatz eine Frage ist. Diese drei Punkte sind die ganze Lektion; alles Weitere sind Beispiele und Randfälle.
Änderung eins: zurück zur Aussagestellung
In der direkten Frage steht das Hilfsverb vor dem Subjekt: Where is she? What are they doing? When will he arrive? In der indirekten Frage kehrt sich das um, und es gilt wieder die normale Reihenfolge Subjekt vor Verb: I wonder where she is. Do you know what they are doing? Tell me when he will arrive.
Für Deutschsprachige ist das Prinzip vertraut, die Ausführung nicht. Auch im Deutschen ändert sich die Wortstellung: Wo ist sie wird zu Ich frage mich, wo sie ist. Das Verb wandert im deutschen Nebensatz allerdings ans Ende, im englischen bleibt es direkt hinter dem Subjekt. Wer die deutsche Endstellung mitnimmt, produziert Sätze wie I wonder where she now is, die zwar verständlich sind, aber schief klingen.
Die häufigste Fehlerform ist trotzdem eine andere: Die direkte Fragestellung bleibt einfach stehen. Could you tell me where is the station ist der Satz, den man im Ausland am öftesten von Deutschsprachigen hört. Er ist falsch, obwohl er beide Bestandteile richtig hat. Die Reihenfolge ist das Einzige, was fehlt, und genau sie trägt hier die Grammatik.
Eine kleine Ausnahme gibt es doch: Wenn das Fragewort selbst das Subjekt ist, ändert sich gar nichts, weil es dort keine Umstellung gab. Who called? bleibt I don't know who called. What happened? bleibt Tell me what happened. Das ist kein Sonderfall, sondern nur die Folge davon, dass Subjektfragen schon direkt in Aussagestellung stehen — dasselbe zeigt sich bei den Fragen mit do, wo bei Subjektfragen ebenfalls kein do erscheint.
| Direkte Frage | Indirekte Frage |
|---|---|
| Where is the station? | Could you tell me where the station is? |
| What time does it start? | Do you know what time it starts? |
| Why did she leave? | I don't understand why she left. |
| How much will it cost? | I'd like to know how much it will cost. |
| Who called? | I don't know who called. |
Änderung zwei: kein do im Nebensatz
Direkte Fragen im Simple Present und Simple Past brauchen do, does oder did, weil das englische Vollverb nicht selbst nach vorn springen kann. Where does he work? Why did you say that? In der indirekten Frage ist diese Umstellung aber gar nicht mehr nötig, also fällt auch der Helfer weg: I wonder where he works. I don't know why you said that.
Achte darauf, dass die Person und die Zeitform jetzt wieder am Vollverb hängen. Aus does he work wird he works mit dem s der dritten Person; aus did you say wird you said mit der Vergangenheitsform. Wer das s vergisst, baut einen Satz, der zwar die Wortstellung trifft, aber die Verbform verliert. I wonder where he work ist ebenso falsch wie I wonder where does he work.
Bei allen anderen Hilfsverben ist die Sache einfacher, weil sie einfach mitwandern. Where can I park wird zu Could you tell me where I can park. When will they arrive wird zu I don't know when they will arrive. Das Hilfsverb bleibt erhalten, es rutscht nur hinter das Subjekt. Wie sich die Modalverben dabei verhalten, ist also unauffällig — sie tun schlicht nichts Besonderes.
Das Gegenstück lohnt einen Blick: In der direkten Frage ist do unverzichtbar, in der indirekten verboten. Diese Umkehrung erklärt, warum Lernende beide Fehler machen — mal fehlt das do, wo es hingehört, mal steht es, wo es nicht hingehört. Ein Blick auf die Verneinung mit not zeigt dieselbe Logik: do erscheint nur dort, wo kein anderes Hilfsverb die Arbeit übernehmen kann.
Änderung drei: das Fragezeichen
Das Fragezeichen richtet sich nach dem Hauptsatz, nicht nach dem eingebetteten Teil. Ist der Hauptsatz eine Frage, steht ein Fragezeichen: Do you know where she lives? Could you tell me what time it starts? Ist der Hauptsatz eine Aussage, steht ein Punkt: I don't know where she lives. She asked me what time it started.
Der Fehler ist so verbreitet, dass er auch in professionell geschriebenen Texten auftaucht: I wonder what he wants? Das Satzzeichen widerspricht hier der Struktur, denn I wonder ist eine Aussage über den eigenen Kopf, keine Frage an jemanden. Wer unsicher ist, deckt den Nebensatz zu und liest nur die Einleitung. I wonder — Aussage. Do you know — Frage.
Verwandt damit ist der Fall der eingebetteten Aufforderung. Could you tell me where the station is ist formal eine Frage, inhaltlich eine Bitte. Trotzdem bekommt sie ein Fragezeichen, weil die Form zählt. Im Deutschen ist es genauso: Können Sie mir sagen, wo der Bahnhof ist? Diese Parallele hilft, weil das Gefühl aus der Muttersprache hier ausnahmsweise stimmt.
Noch eine typografische Kleinigkeit: Im Englischen steht vor dem eingebetteten Nebensatz kein Komma. I don't know where she lives, ohne Komma vor where. Deutsche Schreibende setzen dort reflexhaft eins. Die Regeln dazu stehen in der Lektion zur englischen Kommasetzung, und sie sind in diesem Punkt eindeutig.
Ja-Nein-Fragen: if und whether
Fragen ohne Fragewort haben im Nebensatz kein Bindewort — also muss eines her. Dafür stehen if und whether zur Verfügung. Are you coming wird zu I don't know if you are coming oder I don't know whether you are coming. Beide sind meistens austauschbar, und beide entsprechen dem deutschen ob.
Zwei Stellen bevorzugen whether. Erstens vor to: I'm not sure whether to go. If ist hier nicht möglich. Zweitens nach einer Präposition: It depends on whether she agrees. Auch hier scheidet if aus. Drittens klingt whether im formellen Schriftverkehr sauberer, besonders wenn zwei Möglichkeiten gegenübergestellt werden: whether we accept or refuse.
if ist dagegen die normale Wahl im Gespräch. I'll ask if they're open. Let me check if it works. Ein Nachteil hat if allerdings: Es kann mit der Bedingung verwechselt werden. Tell me if you need help ist doppeldeutig — sag mir, ob du Hilfe brauchst, oder sag es mir, falls du Hilfe brauchst. Wer die Verwechslung mit den If-Sätzen Typ 1 vermeiden will, nimmt in solchen Fällen whether.
Anhängen lässt sich an beide ein or not, aber an unterschiedlichen Stellen. Whether or not it rains ist möglich, if or not it rains nicht. Am Satzende geht beides: I don't know if it will rain or not. Das ist eine der wenigen Stellen, an denen die Wahl zwischen den beiden Wörtern nicht nur Stil ist, sondern Grammatik.
| Kontext | if | whether | Beispiel |
|---|---|---|---|
| normales Gespräch | üblich | möglich | I'll check if he's in. |
| vor to | nein | ja | I can't decide whether to stay. |
| nach Präposition | nein | ja | It depends on whether they agree. |
| direkt vor or not | nein | ja | Whether or not you come, we start at eight. |
| formeller Text | möglich | besser | Please indicate whether you accept. |
Typische Einleitungen und ihre Wirkung
Die Einleitung entscheidet über den Ton. Do you know ist neutral und schnell. Could you tell me ist deutlich höflicher und für Fremde die sichere Wahl. I was wondering ist noch vorsichtiger und wird im britischen Englisch sehr häufig verwendet, gern in der Vergangenheitsform, obwohl die Gegenwart gemeint ist. I'd like to know klingt sachlich und passt in E-Mails.
Eine kleine Warnung zur Häufung: Wer jede Frage in eine lange Einleitung packt, klingt umständlich statt höflich. Im Alltag reicht oft ein Do you know oder ein Sorry vor der direkten Frage. Die indirekte Form ist ein Werkzeug für heikle oder fremde Situationen, nicht der Normalfall des Sprechens.
Amerikanisches und britisches Englisch unterscheiden sich hier in der Frequenz, nicht in der Grammatik. Britische Sprechende greifen häufiger zu I was wondering if und Would you mind telling me; amerikanische kommen schneller zur Sache. Beides ist korrekt, und beides versteht man überall. Wer sein Register bewusst wählt, kann zwischen den Stufen wechseln, statt immer auf derselben zu bleiben.
Auch Verben des Fragens leiten indirekte Fragen ein: ask, want to know, be interested in, find out. She asked where I had been. I'd like to find out how much it costs. Diese Verbindungen führen direkt zum nächsten Thema, denn beim Berichten kommt eine weitere Veränderung dazu, die bei bloßer Höflichkeit fehlt.
Abgrenzung zur indirekten Rede
Wenn eine Frage nicht nur eingebettet, sondern auch berichtet wird, verschiebt sich zusätzlich die Zeitform. Where do you live wird im Bericht zu She asked me where I lived. Das Present wird zum Past, aus you wird I, und aus here kann there werden. Diese Verschiebung heißt Backshift und tritt immer dann auf, wenn das einleitende Verb in der Vergangenheit steht.
Beim Höflichkeitsgebrauch passiert das nicht, weil die Einleitung in der Gegenwart steht. Could you tell me where the station is behält is. Nur wenn jemand berichtet, was gefragt wurde, greift die Zeitverschiebung: He asked where the station was. Wer beides vermischt, produziert Sätze, in denen ohne Grund alles in die Vergangenheit rutscht.
Die Wortstellungsregel gilt in beiden Fällen gleichermaßen: kein Hilfsverb vor dem Subjekt, kein do. Die ausführliche Behandlung mit allen Zeitverschiebungen steht in der Lektion zur indirekten Rede bei Fragen; hier reicht es zu wissen, dass die Struktur dieselbe ist und nur die Zeitform dazukommt.
Verwandt ist schließlich der Fall der berichteten Aufforderung, wo statt eines Nebensatzes ein Infinitiv steht: She asked me to wait. Das ist grammatisch etwas anderes und in der Lektion zu berichteten Aufforderungen beschrieben. Wer die drei Fälle Aussage, Frage und Aufforderung sauber trennt, hat den größten Teil der indirekten Rede beisammen — die Grundlagen stehen in der Lektion zur indirekten Rede.
Häufige Fragen
- Heißt es Could you tell me where is the station oder where the station is?
- Nur where the station is ist richtig. Im eingebetteten Teil gilt die normale Aussagestellung mit Subjekt vor Verb. Die Frageform mit Verb vor Subjekt gehört ausschließlich in die direkte Frage. Dieser Fehler ist bei Deutschsprachigen so häufig, weil beide Satzteile für sich richtig aussehen.
- Warum fällt do in indirekten Fragen weg?
- Weil do in der direkten Frage nur die Umstellung ermöglicht. Im Nebensatz gibt es keine Umstellung, also braucht man den Helfer nicht mehr. Person und Zeitform wandern dafür zurück ans Vollverb: aus Where does he work wird I wonder where he works. Ein stehen gebliebenes does ist immer falsch.
- Wann steht ein Fragezeichen bei indirekten Fragen?
- Nur wenn der Hauptsatz selbst eine Frage ist. Do you know where she lives bekommt ein Fragezeichen, I don't know where she lives einen Punkt. Der eingebettete Teil zählt für die Satzzeichen nicht. Wer unsicher ist, liest den Hauptsatz allein und entscheidet danach.
- Was ist der Unterschied zwischen if und whether?
- Meistens keiner, beide entsprechen dem deutschen ob. Whether ist Pflicht vor to, nach einer Präposition und direkt vor or not. If klingt umgangssprachlicher und kann mit der Bedingung verwechselt werden. In formellen Texten ist whether die sicherere Wahl.
- Muss ich vor der eingebetteten Frage ein Komma setzen?
- Nein. Im Englischen steht vor where, what, if oder whether kein Komma: I don't know where she lives. Das deutsche Komma vor dem Nebensatz gibt es dort nicht. Diese Übertragung aus dem Deutschen ist einer der auffälligsten Interpunktionsfehler in englischen Texten von Deutschsprachigen.
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