Das kannst du danach
- Du gibst englische Aussagesätze ohne Anführungszeichen korrekt wieder.
- Du verschiebst Pronomen, Orts- und Zeitangaben passend zur neuen Sprechsituation.
- Du weißt, wann that stehen darf und wann es weggelassen wird.
- Du unterscheidest say und tell in der Wiedergabe von Aussagen.
- Du erkennst, warum der deutsche Konjunktiv I kein englisches Gegenstück hat.
Was indirekte Rede leistet
Direkte Rede gibt einen Satz wörtlich wieder und setzt ihn in Anführungszeichen: She said, „I'm tired.“ Indirekte Rede baut denselben Inhalt in den eigenen Satz ein: She said she was tired. Nichts wird zitiert, alles wird berichtet. Genau deshalb heißt das im Englischen reported speech, also berichtete Rede, und dieser Name trifft die Sache besser als der deutsche.
Der Umbau betrifft immer vier Dinge: das Verb, die Pronomen, die Orts- und Zeitangaben und die Satzzeichen. Alle vier ändern sich aus demselben Grund. Der ursprüngliche Satz wurde in einer bestimmten Situation gesagt, von einer bestimmten Person, an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit. Wer ihn später weitererzählt, steht woanders und muss den Satz an die neue Lage anpassen.
Diese Anpassung ist keine englische Marotte. Auch im Deutschen sagt man nicht „Er sagte, ich bin müde“, wenn man meint, dass er müde war. Der Unterschied liegt im Werkzeug: Deutsch hat dafür den Konjunktiv, Englisch verschiebt die Zeitform. Wer diesen einen Punkt verstanden hat, hat den Kern des Themas.
Die Zeitenverschiebung selbst heißt im Englischen backshift und hat eigene Regeln mit einigen Ausnahmen. Sie ist ausführlich in der Lektion zum Backshift beschrieben, und diese Seite setzt sie voraus, statt sie zu wiederholen. Hier geht es um alles andere, was beim Umbau eines Aussagesatzes passiert.
Der deutsche Konjunktiv führt in die Irre
Deutsch markiert die indirekte Rede am Modus: Er sagte, er sei müde. Sie behauptete, sie habe nichts gewusst. Der Konjunktiv I signalisiert, dass hier jemand anderes spricht und der Berichtende sich den Inhalt nicht zu eigen macht. Die Zeitform bleibt dabei weitgehend unangetastet.
Englisch hat diesen Konjunktiv nicht. Was in modernen Texten davon übrig ist, beschränkt sich auf Reste wie If I were you. Also erledigt Englisch die Aufgabe mit dem einzigen Werkzeug, das es hat: Es setzt die Zeitform einen Schritt zurück. Aus I'm tired wird she was tired, aus I've finished wird he had finished, aus I'll call you wird she would call me.
Für Deutschsprachige folgt daraus eine Warnung. Der englische Satz She said she was tired sagt nicht, dass sie zum Zeitpunkt des Berichts noch müde ist, und er sagt auch nicht, dass sie es nicht mehr ist. Das was ist keine Aussage über die Vergangenheit, sondern eine Folge der Wiedergabe. Wer es als echte Vergangenheit liest, versteht den Satz falsch.
Umgekehrt entsteht ein Fehler, wenn man den deutschen Bau nachahmt und die Zeit stehen lässt: He said he is tired. Das ist nicht in jedem Fall falsch — bei allgemeingültigen Aussagen und bei Dingen, die noch gelten, kommt es vor —, aber als Standardlösung erzeugt es einen deutlich deutschen Klang. Die sichere Grundform ist die verschobene.
say oder tell
Beide Verben heißen im Deutschen sagen, und trotzdem verhalten sie sich völlig unterschiedlich. Der Unterschied liegt nicht in der Bedeutung, sondern in der Frage, ob ein Personenobjekt direkt dahinter stehen darf.
tell braucht eine Person: She told me she was leaving. He told his boss the truth. Ohne Person klingt tell unvollständig, außer in festen Wendungen wie tell the truth oder tell a lie. say dagegen nimmt keine Person direkt: She said she was leaving ist richtig, She said me nicht. Wenn die Person genannt werden soll, braucht say ein to: She said to me that she was leaving.
Der Fehler She said me entsteht direkt aus dem Deutschen, wo sagen ein Dativobjekt ohne Präposition nimmt: Sie sagte mir. Diese Übertragung passiert selbst fortgeschrittenen Lernenden und lohnt deshalb eine kleine Merkhilfe: tell klebt an der Person, say klebt am Inhalt.
Neben say und tell gibt es viele weitere Verben, die eine Aussage einleiten und dabei gleich mitbewerten: explain, admit, claim, mention, promise, add, reply, warn. Sie machen einen Bericht deutlich präziser als ein dreifaches said. Welche davon welches Satzmuster verlangen, ordnet später die Lektion zu den Verben des Berichtens.
| Verb | Muster | Beispiel |
|---|---|---|
| say | say (that) + Satz | She said (that) she was busy. |
| say | say to somebody | She said to me that she was busy. |
| tell | tell somebody (that) + Satz | She told me (that) she was busy. |
| explain | explain (to somebody) that | He explained to us that it was late. |
| admit | admit (that) | He admitted that he'd forgotten. |
Pronomen, Ort und Zeit verschieben sich mit
Wenn Anna sagt I'll bring my laptop tomorrow, dann heißt derselbe Inhalt aus deinem Mund am nächsten Tag: She said she would bring her laptop that day. Drei Wörter haben sich geändert, ohne dass die Zeitenverschiebung daran schuld wäre. I wird zu she, my zu her, tomorrow zu that day.
Die Pronomen richten sich schlicht danach, wer jetzt spricht und über wen. Das ist keine Grammatikregel, sondern Logik, und das Deutsche macht es genauso. Trotzdem geht es beim schnellen Umformen oft verloren, besonders bei den Objektpronomen und den Possessivbegleitern, die man leicht übersieht.
Die Orts- und Zeitangaben ändern sich nur, wenn sich die Situation wirklich geändert hat. Berichtest du am selben Tag und am selben Ort, bleibt tomorrow einfach tomorrow. Erst wenn Zeit vergangen ist oder du woanders bist, wird eine Verschiebung nötig. Diese Bedingung wird in Übungsbüchern oft unterschlagen, sodass Lernende die Tabelle für ein starres Gesetz halten.
Beachte auch das Verb der Bewegung. come und go hängen davon ab, wo der Sprecher steht: I'll come to your office wird zu He said he would go to my office, wenn du das aus deiner Sicht berichtest. Dasselbe gilt für bring und take.
| direkte Rede | indirekte Rede | Deutsch |
|---|---|---|
| this | that | dieses wird zu jenem |
| here | there | hier wird zu dort |
| now | then | jetzt wird zu damals |
| today | that day | heute wird zu an dem Tag |
| tomorrow | the next day | morgen wird zu am Tag darauf |
| yesterday | the day before | gestern wird zu am Tag zuvor |
| last week | the week before | letzte Woche wird zu die Woche davor |
| ago | before | vor drei Tagen wird zu drei Tage zuvor |
that steht da oder auch nicht
Im Englischen darf that nach den meisten Berichtsverben wegfallen: She said she was fine und She said that she was fine sind beide korrekt. Gesprochen lässt man es meistens weg, geschrieben und besonders in förmlichen Texten steht es öfter.
Es gibt trotzdem Fälle, in denen that besser bleibt. Wenn der berichtete Satz lang ist oder mit einem Zeitausdruck beginnt, verhindert that ein kurzes Stolpern beim Lesen: He explained that in the weeks before the launch the team had worked every weekend. Auch nach förmlicheren Verben wie state, argue oder point out wirkt der Satz ohne that abgehackt.
Das Deutsche macht es anders herum. Dort ist dass entweder da oder es ändert sich die Wortstellung: Er sagte, dass er müde sei, oder Er sagte, er sei müde. Im zweiten Fall rückt das Verb nach vorn. Im Englischen passiert beim Weglassen von that nichts mit der Wortstellung, sie bleibt in beiden Varianten Subjekt vor Verb.
Wichtig ist außerdem: Anführungszeichen verschwinden vollständig. Auch das Komma vor der Rede fällt weg. She said, „I'm coming“ wird zu She said she was coming, ohne Komma und ohne Zeichen. Wer die Anführungszeichen stehen lässt, hat eine Mischform gebaut, die es nicht gibt.
Wenn nichts verschoben wird
Steht das Berichtsverb in der Gegenwart, passiert mit der Zeitform nichts. She says she's tired. He tells me he's on his way. The email says the office is closed. Das kommt häufiger vor, als man denkt, vor allem beim Weitergeben aktueller Nachrichten.
Ebenso bleibt die Zeitform oft stehen, wenn der Inhalt weiterhin gilt. She said the train leaves at six ist richtig, wenn der Zug immer noch um sechs fährt. Verschiebt man auf left, klingt das eher so, als sei diese Auskunft inzwischen überholt. Englisch nutzt diesen Spielraum tatsächlich zur Bedeutungsunterscheidung, während Deutsch dafür Wörter wie „nach wie vor“ braucht.
Auch bei allgemeingültigen Aussagen ist beides möglich: He said water boils at 100 degrees oder boiled. Die unverschobene Form ist heute häufiger. Bei den If-Sätzen des Typs 2 und beim Past Perfect gibt es gar keine Verschiebung mehr, weil die Formen schon zurückgesetzt sind.
Alle Einzelheiten dazu, welche Zeitform in welche übergeht und wo Ausnahmen gelten, stehen in den Regeln zum Backshift. Wenn du dort sicher bist, sind Aussagesätze in der indirekten Rede erledigt. Für Fragen gilt zusätzlich eine eigene Wortstellungsregel, nachzulesen bei der indirekten Rede bei Fragen, und Aufforderungen laufen ganz ohne Nebensatz, siehe indirekte Rede bei Aufforderungen.
Häufige Fragen
- Muss ich in der indirekten Rede immer die Zeit verschieben?
- Nein. Verschoben wird, wenn das Berichtsverb in der Vergangenheit steht und der Inhalt nicht mehr aktuell ist. Steht das Berichtsverb in der Gegenwart, bleibt alles: She says she's fine. Gilt der Inhalt weiterhin, darf die Zeitform ebenfalls stehen bleiben: He said the shop opens at nine. Als Grundhaltung gilt trotzdem die Verschiebung, weil sie in Prüfungen erwartet wird.
- Was ist der Unterschied zwischen say und tell?
- tell braucht direkt danach eine Person, say nicht. She told me she was late ist richtig, She said me she was late nicht. Wenn du mit say eine Person nennen willst, brauchst du to: She said to me that she was late. Der Fehler kommt aus dem Deutschen, wo sagen ohne Präposition ein Dativobjekt nimmt.
- Warum gibt es im Englischen keinen Konjunktiv für die indirekte Rede?
- Weil das Englische seinen Konjunktiv fast vollständig verloren hat. Übrig sind Reste wie were in If I were you oder Formen wie I insist that he be present. Für die Wiedergabe fremder Aussagen bleibt deshalb nur die Zeitenverschiebung. Sie übernimmt genau die Aufgabe, die im Deutschen der Konjunktiv I erfüllt: Sie zeigt, dass der Inhalt von jemand anderem stammt.
- Kann ich that weglassen?
- Ja, nach say, tell, think, know und den meisten alltäglichen Berichtsverben. Gesprochen lässt man es fast immer weg. In langen Sätzen und nach förmlicheren Verben wie state, argue oder point out ist es besser, es stehen zu lassen, weil der Satz sonst schwerer zu lesen ist. Die Wortstellung ändert sich in keinem der beiden Fälle.
- Wird tomorrow in der indirekten Rede immer zu the next day?
- Nur wenn wirklich Zeit vergangen ist. Berichtest du am selben Tag, bleibt tomorrow stehen: She said she'd call me tomorrow. Erst wenn du am nächsten Tag oder später erzählst, wird daraus the next day oder the following day. Die Tabellen in Übungsbüchern zeigen den Regelfall, nicht ein starres Gesetz.
Passt dazu
- Backshift — wann die Zeit in der indirekten Rede zurückgehtDie Regel der Zeitenverschiebung in der indirekten Rede — und die vier Fälle, in denen sie ausdrücklich nicht gilt.
- indirekte Rede bei Aufforderungen — tell somebody to doWie Befehle, Bitten und Ratschläge wiedergegeben werden, warum dabei kein Nebensatz entsteht und weshalb say hier grundsätzlich nicht funktioniert.
- indirekte Rede bei Fragen — if, whether und die WortstellungWarum die Frageform beim Berichten verschwindet, wann if und wann whether steht und weshalb do dabei ersatzlos wegfällt.
- Verben des Berichtens — admit, deny, claim und ihre MusterJedes Berichtsverb bringt sein eigenes Muster mit. Wer den deutschen dass-Satz überträgt, baut zuverlässig falsche Sätze.