Das kannst du danach
- Du setzt actually, mind you, after all und as it were funktionsgerecht ein.
- Du erkennst die falschen Freunde actually und eventually und übersetzt sie richtig.
- Du unterscheidest Diskursmarker nach ihrer Aufgabe im Gespräch.
- Du wählst zwischen mündlichen und schriftlichen Markern nach Register.
- Du hörst aus einem Marker heraus, was der Sprecher gerade vorbereitet.
Wozu Diskursmarker da sind
Diskursmarker sind kleine Wörter und Wendungen, die nichts zum Sachinhalt beitragen und trotzdem unverzichtbar sind. Well, actually, mind you, you know, I mean, after all, as it were. Sie sagen nicht, was der Fall ist, sondern wie das Folgende zum Vorherigen steht: als Korrektur, als Einschränkung, als Begründung, als Warnung vor einer Wendung.
Wer sie weglässt, spricht grammatisch korrektes, aber merkwürdig kahles Englisch. Der Effekt ist derselbe wie bei einem Text ohne Absätze: Alles ist da, nur die Gliederung fehlt. Und wer sie falsch einsetzt, sendet Signale, die er nicht meint — das ist der gefährlichere Fall, weil er unbemerkt bleibt.
Das Deutsche hat für diese Aufgabe Modalpartikel: doch, ja, halt, eben, mal, schon. Sie sind unbetont, stehen im Mittelfeld und lassen sich einzeln kaum übersetzen. Das Englische hat keine Modalpartikel, sondern erledigt dieselbe Arbeit mit Wörtern am Satzrand — vorn, hinten oder als Einschub. Diese Verschiebung der Position ist der eigentliche Unterschied.
Praktisch heißt das: Ein deutscher Satz wie „Das ist doch nicht so schwer“ hat kein einziges englisches Wort für doch. Man muss die Funktion neu bauen: It's not that difficult, is it? oder Actually, it's not that difficult. Wer wörtlich sucht, findet nichts und lässt den Marker dann weg — genau dadurch klingt der Satz härter als gemeint. Das verbindet dieses Thema eng mit der Abschwächung.
| Aufgabe | Marker | Beispiel |
|---|---|---|
| Korrektur | actually, in fact | Actually, it was Tuesday. |
| Einschränkung | mind you, then again | Mind you, he did warn us. |
| Begründung im Nachhinein | after all | She's tired — after all, she drove all night. |
| Sprachliche Distanz | as it were, so to speak | He was, as it were, the referee. |
| Umformulierung | I mean, that is to say | I mean, we could try again. |
| Themenwechsel | anyway, right | Anyway, where were we? |
actually — der teuerste falsche Freund
Actually heißt nicht aktuell. Es heißt eigentlich, in Wirklichkeit, tatsächlich. Wer sagen will „aktuell arbeiten wir an drei Projekten“, muss currently oder at the moment nehmen: We're currently working on three projects. Actually we're working on three projects heißt dagegen, dass jemand etwas anderes vermutet hat und korrigiert wird.
Diese Verwechslung ist unter deutschsprachigen Sprechern die häufigste überhaupt, und sie ist teuer, weil actually nie neutral ist. Es kündigt immer einen Widerspruch an — mal sanft, mal deutlich. Wer es als Füllwort für aktuell verwendet, widerspricht seinem Gegenüber im Minutentakt, ohne es zu merken.
Richtig eingesetzt hat actually drei Funktionen. Erstens die Korrektur: Actually, it's the other way round. Zweitens die überraschende Feststellung: The film was actually quite good — überraschend gut, gemessen an der Erwartung. Drittens die höfliche Einleitung einer unangenehmen Auskunft: Actually, I'm afraid we're fully booked.
Die Position verändert die Wirkung. Am Satzanfang ist actually am stärksten und markiert die Korrektur deutlich. In der Satzmitte, vor dem Vollverb, ist es schwächer und drückt eher Erstaunen aus. Am Satzende wirkt es beiläufig und nimmt der Korrektur die Spitze: It's quite good, actually. Für Englischlernende ist die Endstellung die sicherste.
Der zweite falsche Freund derselben Familie ist eventually. Es heißt nicht eventuell, sondern schließlich, am Ende, nach einiger Zeit: We eventually found the place. Wer eventuell meint, sagt possibly oder maybe. Der Fehler ist besonders unangenehm im Beruf: We will eventually send the offer verspricht die Zusendung, We might send the offer stellt sie infrage.
| Deutsch | Falsch | Richtig |
|---|---|---|
| aktuell | actually | currently, at the moment |
| eventuell | eventually | possibly, maybe |
| schließlich (zeitlich) | finally only | eventually |
| eigentlich | eventually | actually, in fact |
| also (Folge) | also | so, therefore |
| gegebenenfalls | eventually | if necessary, where applicable |
mind you, after all und die Wendung im Argument
Mind you leitet eine Einschränkung ein, die der Sprecher selbst gegen die eigene Aussage vorbringt. The hotel was awful. Mind you, it was cheap. Auf Deutsch entspricht das etwa „allerdings“ oder dem nachgeschobenen „andererseits“. Es steht meist am Anfang des zweiten Satzes und ist ausgesprochen britisch; amerikanische Sprecher verwenden eher then again oder to be fair.
Der Marker signalisiert Fairness. Wer mind you sagt, zeigt, dass er die Gegenseite kennt und trotzdem bei seiner Bewertung bleibt. Deshalb wirkt er im Gespräch entwaffnend: Ein Einwand, den der Sprecher selbst vorbringt, kann der andere nicht mehr als Widerlegung nutzen.
After all funktioniert anders und wird von deutschsprachigen Sprechern regelmäßig falsch verstanden. Es heißt nicht „nach allem“ und nicht „schließlich“ im zeitlichen Sinn, sondern liefert eine Begründung nach, die beide Seiten eigentlich kennen: She should know — after all, she wrote the report. Auf Deutsch am ehesten „immerhin“ oder „schließlich“ im begründenden Sinn.
Die zweite Bedeutung von after all ist die Umkehr einer Erwartung, und dort steht es am Satzende: So you did come after all. Hier heißt es „also doch“. Zwei völlig verschiedene Funktionen desselben Ausdrucks, unterschieden allein durch die Stellung — am Anfang begründend, am Ende die Erwartung korrigierend.
Beide Marker gehören zum Gegensatz-Repertoire, das systematisch bei den Bindewörtern des Gegensatzes steht. Der Unterschied: however und although verbinden Satzteile grammatisch, mind you und after all kommentieren die Äußerung. Deshalb kann man sie folgenlos streichen, ohne dass der Satz ungrammatisch wird.
as it were und die Distanz zum eigenen Wort
As it were markiert, dass ein Ausdruck nicht wörtlich gemeint ist. He became, as it were, the family's accountant. Der Sprecher sagt damit: Ich nehme dieses Wort, obwohl es nicht ganz passt, und ihr wisst, wie ich es meine. Auf Deutsch entspricht das „gewissermaßen“ oder „sozusagen“.
Der Ausdruck ist förmlich und leicht altmodisch. Im gesprochenen Alltag nutzt man stattdessen so to speak, sort of oder kind of. In einem Vortrag oder Essay ist as it were dagegen genau richtig, weil es Genauigkeit signalisiert: Der Sprecher weiß, dass seine Formulierung ungefähr ist, und sagt das dazu.
Wichtig ist die Stellung als Einschub mit Kommas: He was, as it were, the referee. Ohne Kommas wirkt es wie ein Nebensatz und stört. Dasselbe gilt für so to speak, das meist nachgestellt wird: He was the referee, so to speak.
Verwandt ist die ganze Familie der Ungenauigkeitsmarker: sort of, kind of, more or less, in a sense, if you like, to put it mildly. Sie alle nehmen dem Gesagten die Schärfe und geben zu, dass die Formulierung nur ungefähr trifft. In gesprochenem britischem Englisch sind sie extrem häufig; in Prüfungstexten sind sie fehl am Platz, weil dort Genauigkeit erwartet wird.
Eine Sonderrolle spielt to put it mildly. Es kündigt an, dass die folgende Formulierung eine bewusste Untertreibung ist: The results were disappointing, to put it mildly. Das gehört bereits zum Feld Understatement und Ironie, wo dieselbe Technik zur eigentlichen Aussage wird.
Die übrigen Arbeitspferde
Well ist der häufigste Marker überhaupt. Er kündigt an, dass die Antwort nicht die erwartete ist: Do you like it? — Well, it's interesting. Ein blankes Yes oder No wäre direkt; well schiebt eine Einschränkung dazwischen. Deutschsprachige beginnen Antworten oft ohne Marker, was direkter klingt als beabsichtigt.
I mean leitet eine Umformulierung ein und ist kein Füllwort, auch wenn es oft so wirkt. It's fine. I mean, it works, but it's not what we asked for. Der Sprecher korrigiert die eigene Formulierung, nicht die des anderen — das unterscheidet I mean von actually.
You know sichert gemeinsames Wissen ab und ist im britischen Gespräch ausgesprochen häufig. Übertrieben wirkt es nachlässig, sparsam eingesetzt schafft es Nähe. In schriftlichen Prüfungen hat es nichts verloren.
Anyway markiert den Themenwechsel oder die Rückkehr zum Hauptpunkt nach einem Abschweifen: Anyway, what did she say? Right und so leisten Ähnliches, wobei so eher die Schlussfolgerung einleitet. Für den geschriebenen Text stehen dafür andere Mittel bereit, die bei der Textkohäsion und dem Unterschied zwischen schriftlich und mündlich behandelt werden.
Am Satzende steht schließlich die englische Antwort auf die deutschen Partikeln: Question Tags und Nachschübe wie though. It's expensive, though. Diese Endstellung ist die typischste Position englischer Marker und im Deutschen unbekannt — dort sitzen die Partikeln in der Satzmitte. Wer nur einen Punkt aus dieser Lektion mitnimmt, dann diesen: englische Marker gehen an den Rand, deutsche in die Mitte. Die weiteren Feinheiten stehen bei den pragmatischen Partikeln und in der gesprochenen Grammatik.
| Marker | Stellung | Funktion | Deutsch etwa |
|---|---|---|---|
| well | Anfang | Antwort ist nicht die erwartete | also, na ja |
| I mean | Anfang | eigene Formulierung korrigieren | ich meine |
| you know | überall | gemeinsames Wissen absichern | weißt du |
| anyway | Anfang | Themenwechsel, Rückkehr | jedenfalls |
| though | Ende | nachgeschobener Gegensatz | allerdings |
| mind you | Anfang | eigener Einwand | allerdings |
| after all | Anfang / Ende | Begründung / Erwartungsumkehr | schließlich / also doch |
Register, Variante und Dosierung
Diskursmarker sind stark registergebunden. You know, I mean, sort of und like sind mündlich; in einem Aufsatz gelten sie als Stilfehler. Nevertheless, indeed, admittedly und that said sind schriftlich; im Gespräch klingen sie steif. Dazwischen liegen actually, after all und in fact, die in beiden Bereichen funktionieren. Die Zuordnung folgt derselben Logik wie in formell und informell.
Zwischen den Varianten gibt es klare Präferenzen. Mind you und though am Satzende sind britisch, amerikanische Sprecher nehmen then again und however. Like als Marker ist ursprünglich amerikanisch und inzwischen auch in britischer Jugendsprache verbreitet, gilt aber in beiden Varianten als nachlässig. Right als Gesprächseröffnung ist britisch, okay so ist amerikanisch.
Bei der Dosierung gilt eine einfache Regel: ein Marker pro Äußerung, nicht drei. Well, I mean, actually, you know, it's sort of complicated ist zwar authentisch gesprochen, wirkt aber unentschlossen. In einer Prüfung kostet es Punkte, im Beruf Glaubwürdigkeit.
Zum Üben eignet sich Hörmaterial besser als Lesestoff. Nimm ein englisches Interview und markiere jeden dieser kleinen Wörter. Frag dich bei jedem, was er ankündigt: Korrektur, Einwand, Begründung, Wechsel. Nach zwanzig Minuten hörst du die Funktion, ohne nachzudenken — und genau das ist das Ziel. Wenn dir dabei ein Sprecher etwas anmerken will, wird er es übrigens fast immer mit point out tun.
Häufige Fragen
- Heißt actually aktuell?
- Nein. Actually heißt eigentlich, in Wirklichkeit oder tatsächlich und kündigt fast immer eine Korrektur an. Für aktuell nimmt man currently oder at the moment. Wer actually als Zeitangabe verwendet, widerspricht seinem Gesprächspartner, ohne es zu wollen.
- Was ist der Unterschied zwischen eventually und eventuell?
- Eventually heißt schließlich, am Ende, nach einiger Zeit: We eventually found it. Das deutsche eventuell heißt possibly oder maybe. Der Fehler ist im Beruf besonders heikel, weil eventually eine Zusage macht, wo eventuell eine Einschränkung meint.
- Wann sagt man mind you?
- Wenn man einen Einwand gegen die eigene Aussage nachschiebt: The film was terrible. Mind you, the music was good. Es steht meist am Anfang des zweiten Satzes und ist typisch britisch. Amerikanische Sprecher nehmen eher then again oder to be fair.
- Was bedeutet as it were?
- Es zeigt an, dass ein Wort nicht wörtlich gemeint ist — auf Deutsch gewissermaßen oder sozusagen. Es steht als Einschub zwischen Kommas und ist eher förmlich. Im Alltag nimmt man so to speak, sort of oder kind of.
- Sind Diskursmarker im schriftlichen Englisch erlaubt?
- Das hängt vom Marker ab. You know, I mean und sort of sind rein mündlich und in Aufsätzen ein Stilfehler. Admittedly, indeed, that said und nevertheless sind schriftliche Entsprechungen mit derselben Funktion. Actually und in fact funktionieren in beiden Bereichen.
- Warum gibt es im Englischen keine Modalpartikel wie doch oder halt?
- Die Aufgabe wird anders verteilt. Deutsche Partikel sitzen unbetont in der Satzmitte, englische Marker stehen am Satzrand — vorn als well oder actually, hinten als though oder als Question Tag. Deshalb findet man für doch kein einzelnes Wort, sondern muss die Funktion neu bauen.
Passt dazu
- Abschwächung — hedging und vorsichtiges Formulieren im EnglischenWarum It might be worth considering im Englischen normal ist und die direkte deutsche Übertragung unhöflich wirkt, ohne dass du es merkst.
- altertümliche Formen — thou, shall und whom im heutigen EnglischWo dir thou, thee, shall und whom heute noch begegnen, was sie bedeuten und welche dieser Formen du selbst benutzen solltest.
- Bindewörter der Ergänzung — moreover, furthermore, in additionWann moreover, furthermore und in addition stehen, wie sie interpunktiert werden und warum außerdem alle drei zugleich übersetzt.
- Bindewörter des Gegensatzes — however, whereas, neverthelessWelches Wort einen Nebensatz einleitet und welches ein eigener Satzverbinder ist, warum however he was tired falsch ist und wie die Kommas sitzen.
- Bindewörter des Grundes — because, since, as und due toWann because steht und wann since oder as, warum due to ein Nomen verlangt und wie sich das vom deutschen weil unterscheidet.
- britisch gegen amerikanisch — Grammatik, nicht nur WortschatzDie Unterschiede reichen tiefer als lift und elevator: Zeitformen, Sammelbegriffe, Verbformen, Präpositionen und der Konjunktiv.