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C1Satzbau16 Min. Lesezeit

Relativsätze fortgeschritten — Präposition plus which, whose

Wann die Präposition vor das Relativpronomen rückt, wie whose bei Sachen funktioniert und warum die Präposition am Satzende kein Fehler ist.

Das kannst du danach

  • Du stellst die Präposition bewusst vor which oder whom statt ans Satzende.
  • Du erkennst, dass beide Stellungen richtig sind und sich nur im Register unterscheiden.
  • Du verwendest whose auch für Sachen und kennst die Alternative mit of which.
  • Du bildest Mengenangaben wie some of which und all of whom korrekt.
  • Du vermeidest die deutschen Übertragungsfehler bei wo, womit und dessen.

Was auf dieser Stufe noch offen ist

Die Grundlagen der Relativsätze sind schnell abgehakt: who für Menschen, which für Sachen, that für beides, und in notwendigen Relativsätzen darf das Objektpronomen ganz wegfallen. Was danach kommt, wird selten unterrichtet und entscheidet trotzdem darüber, ob ein englischer Text erwachsen klingt oder wie eine gut gemeinte Schulübersetzung. Es geht um drei Dinge: die Stellung der Präposition, whose bei Sachen und die Anschlüsse mit of which und of whom.

Keines dieser drei Themen ist eine Frage von richtig gegen falsch. Beide Stellungen der Präposition sind grammatisch einwandfrei. whose bei Sachen ist erlaubt und war es immer. Wer auf dieser Stufe noch nach der einen korrekten Form sucht, sucht am falschen Ort. Die Frage lautet nicht, was geht, sondern was in dieser Textsorte, in diesem Ton, vor diesem Publikum passt. Das ist der Sprung von B2 nach C1: Grammatik wird zur Stilentscheidung.

Für Deutschsprachige hat das eine unangenehme Nebenwirkung. Unsere Sprache lässt bei Relativsätzen fast keine Wahl. Das Relativpronomen richtet sich nach Genus, Numerus und Kasus, die Präposition steht zwingend davor, und das Verb rutscht ans Ende. Der Mann, mit dem ich gesprochen habe. Es gibt keine zweite Möglichkeit. Wer aus dieser Sprache kommt, sucht im Englischen unwillkürlich die eine zwingende Form und übersieht, dass es sie hier nicht gibt.

Der zweite Effekt ist subtiler. Weil die deutsche Form gehoben aussieht, wirkt ihr englisches Gegenstück auf uns neutral. The man with whom I spoke fühlt sich für ein deutsches Ohr an wie ganz normales Englisch, weil es dem deutschen Satz eins zu eins entspricht. Für ein englisches Ohr ist es ein deutlich formeller Satz, der im Gespräch fast steif klingt. Genau hier entsteht der typische Registerfehler von fortgeschrittenen Deutschsprachigen: zu formell, ohne es zu merken.

Die Präposition vorn oder hinten

Jeder Relativsatz, in dem das Relativpronomen von einer Präposition abhängt, lässt sich auf zwei Arten bauen. Entweder die Präposition wandert mit dem Pronomen nach vorn, dann steht zwingend whom oder which. Oder sie bleibt an ihrem natürlichen Platz beim Verb und rutscht ans Satzende, dann sind that und die Nullform erlaubt. Der Bedeutungsunterschied ist gleich null, der Wirkungsunterschied ist erheblich.

The colleague to whom I sent the file hasn't answered. Das ist die vordere Stellung, formell, schriftlich, in einem Bericht oder einer juristischen Klausel zu Hause. The colleague I sent the file to hasn't answered. Dieselbe Aussage, nur ohne Pronomen und mit der Präposition am Ende. Das ist die Form, die jeder Muttersprachler im Gespräch wählt, und sie ist kein Zeichen von Nachlässigkeit.

Die Regel, die Präposition dürfe nicht am Satzende stehen, ist eine Erfindung des achtzehnten Jahrhunderts. Grammatiker wollten das Englische dem Lateinischen ähnlicher machen, wo eine solche Stellung tatsächlich unmöglich ist. Im Englischen war sie nie unmöglich, sie ist im Gegenteil die ältere und natürlichere Variante. Wer heute noch behauptet, sie sei falsch, wiederholt ein zweihundertfünfzig Jahre altes Missverständnis.

Ein praktischer Punkt kommt dazu: Bei Phrasal Verbs ist die vordere Stellung gar nicht möglich. Man sagt the problem we ran into, aber nicht the problem into which we ran, weil into hier kein freies Präpositionalgefüge ist, sondern zum Verb gehört. Dasselbe gilt für look after, put up with, deal with in vielen Verwendungen. Wer die Präposition mechanisch nach vorn zieht, produziert Sätze, die es nicht gibt.

StellungBeispielRegisterPronomen
Präposition vornthe man to whom I spokeformell, schriftlichnur whom / which
Präposition hintenthe man whom I spoke toneutral, seltenwhom / who
Präposition hintenthe man who I spoke togesprochen, normalwho
Präposition hintenthe man that I spoke toneutralthat
Präposition hintenthe man I spoke togesprochen, häufigste Formkeines
Phrasal Verbthe issue we ran intoimmer hintenkeines / that

whom und wann es wirklich gebraucht wird

whom ist der Objektfall von who und damit im Grunde ein Überbleibsel aus einer Zeit, in der das Englische noch ein Kasussystem hatte. In der gesprochenen Sprache ist es fast verschwunden, in geschriebener Prosa lebt es weiter, und in einem einzigen Fall ist es nicht ersetzbar: direkt nach einer Präposition. To whom, for whom, with whom, of whom. Dort steht niemals who. Alles andere ist Geschmackssache, das ist es nicht.

Damit hat whom eine klare Arbeitsteilung. Steht die Präposition am Satzende, kannst du who nehmen und niemand zuckt. The people who we work with. Ziehst du die Präposition nach vorn, musst du umschalten: The people with whom we work. Ein Satz wie the people with who we work ist der eine echte Fehler in diesem ganzen Themenbereich, und er passiert regelmäßig, wenn jemand formell klingen will, ohne die Mechanik zu kennen.

In nicht notwendigen Relativsätzen hält sich whom länger als sonst, weil diese Sätze ohnehin schriftsprachlicher sind. My supervisor, whom I had met only once, decided the case. Hier klingt who für viele Ohren nachlässig, obwohl es niemand als falsch markieren würde. Wo die Kommas hingehören und warum sie hier bedeutungstragend sind, gehört zur Kommasetzung und ist die Voraussetzung dafür, dass der Satz überhaupt richtig gelesen wird.

Wie weit whom insgesamt auf dem Rückzug ist, zeigt der Blick auf verwandte altertümliche Formen wie thou oder shall in seiner alten Bedeutung. whom unterscheidet sich von ihnen dadurch, dass es noch produktiv ist. Du wirst es in einer Zeitung von heute finden, in einer E-Mail einer Anwaltskanzlei, in einer Stellenausschreibung. Es ist die einzige dieser Formen, die du aktiv beherrschen und gelegentlich auch selbst benutzen solltest.

whose bei Sachen und die Alternative of which

whose gilt bei vielen Lernenden als das Pronomen für Menschen, weil es nach whose book is this aussieht. Tatsächlich ist es das Genitivpronomen für alles: Menschen, Tiere, Dinge, Begriffe. A company whose profits have fallen. A theory whose consequences nobody had considered. Das ist völlig normales Englisch und in Zeitungen wie in Fachtexten die übliche Form.

Die schwerfällige Alternative lautet of which. A theory the consequences of which nobody had considered. Grammatisch einwandfrei, stilistisch eine Zumutung, weil die Nomengruppe auseinandergerissen wird und der Leser den Bezug erst am Ende auflösen kann. In sehr formeller oder juristischer Prosa kommt sie vor, gerade weil sie unmissverständlich ist. Für normale Texte gilt: whose ist kürzer, klarer und genauso richtig.

Ein Missverständnis lohnt die Klarstellung. whose bezieht sich nicht auf Besitz im engeren Sinn, sondern auf jede Zugehörigkeit. Ein Unternehmen besitzt seine Gewinne nicht in dem Sinn, in dem jemand ein Fahrrad besitzt. Dieselbe Weite hat das englische Genitiv-s auch sonst nicht immer, was den Reflex erklärt, whose bei Sachen zu meiden. Der Reflex ist unbegründet.

Das Deutsche hat hier eine hübsche Falle. Unser dessen und deren beugen sich nach dem Bezugswort, whose bleibt unverändert. Und wo wir bei Sachen gern auf eine Konstruktion mit wo ausweichen, gibt es das im Englischen so nicht. Der Ordner, wo die Rechnungen drin sind wird nicht zu the folder where the invoices are in, sondern zu the folder the invoices are in oder the folder in which the invoices are kept.

DeutschEmpfohlenFormelle VarianteKommentar
ein Unternehmen, dessen Gewinne fielena company whose profits fella company the profits of which fellwhose ist Standard
ein Buch, dessen Titel ich vergaßa book whose title I forgota book the title of which I forgotof which wirkt schwerfällig
das Haus, in dem wir wohntenthe house we lived inthe house in which we livednicht: the house where we lived in
der Tag, an dem sie ankamthe day she arrivedthe day on which she arrivedwhen ist ebenfalls möglich
der Grund, weshalb er gingthe reason he leftthe reason for which he leftwhy ist die übliche Mitte

Mengen und Zahlen: some of which, all of whom

Eine Konstruktion, die im Deutschen umständlich und im Englischen elegant ist: Mengenangaben, die an einen Relativsatz andocken. She interviewed forty applicants, some of whom had no experience at all. The report lists twelve risks, none of which had been discussed. Das Muster ist immer gleich: Mengenwort plus of plus whom oder which, danach das finite Verb.

Für Menschen steht hier zwingend whom, nicht who, weil auf die Präposition of ein Objektfall folgt. Für alles andere steht which. Der Anschluss verlangt zwingend ein Komma, denn ein solcher Relativsatz ist nie notwendig, er fügt immer eine Zusatzinformation hinzu. Ohne Komma entsteht ein Satz, den ein Muttersprachler zweimal lesen muss.

Der Nutzen dieser Form ist Verdichtung. Statt zweier Hauptsätze mit einem und dann wiederholten Bezug bekommst du eine Kette. Genau das macht Texte auf C1-Niveau kompakt, ohne dass sie geschwollen wirken, und es ist eng verwandt mit dem, was in der Kohäsion als Verknüpfung über Satzgrenzen hinweg beschrieben wird. Wer diese Konstruktion beherrscht, braucht deutlich seltener and this means oder and that is why.

Dieselbe Logik trägt auch Adjektive im Superlativ und Zahlwörter: three of which, the worst of which, many of whom, most of which. Und sie funktioniert nach einer Präposition doppelt: a situation in which none of us had any experience. Wer hier stolpert, kann fast immer auf eine verkürzte Relativsatzform ausweichen, verliert dabei aber Präzision.

MusterBeispielDeutsch
some of whomtwenty guests, some of whom left earlyzwanzig Gäste, von denen einige früh gingen
none of whichthree offers, none of which was seriousdrei Angebote, von denen keines ernst war
most of whomthe staff, most of whom are part-timedie Belegschaft, die großenteils in Teilzeit arbeitet
the worst of whichseveral errors, the worst of which was oursmehrere Fehler, deren schlimmster unserer war
both of whichtwo versions, both of which are wrongzwei Fassungen, die beide falsch sind

Wo das Deutsche systematisch täuscht

Der erste Übertragungsfehler ist das doppelte Ortsverhältnis. Weil wir wo als Universalanschluss benutzen, entsteht the room where we sat in, the city where I was born in. Im Englischen trägt where die Präposition bereits in sich. Entweder where ohne Präposition oder die Präposition ohne where, nie beides. Diese Verdopplung ist einer der zuverlässigsten Marker für deutschsprachige Texte.

Der zweite Fehler betrifft die Wortstellung im Relativsatz selbst. Im Deutschen wandert das finite Verb ans Ende, im Englischen bleibt die Reihenfolge Subjekt vor Verb vor Objekt unangetastet. The email that I yesterday sent ist deshalb keine kleine Stilfrage, sondern ein harter Verstoß gegen die Satzstellung. Der Relativsatz ist ein normaler Satz mit einem Pronomen vorn, mehr nicht.

Der dritte Fehler ist das mitgeschleppte Pronomen. Im Deutschen kommt es nicht vor, aber viele Lernende bauen es aus Unsicherheit ein: the file which I sent it yesterday. Das Relativpronomen ist bereits das Objekt, ein zweites Objekt ist eine Verdopplung. Wer hier unsicher ist, prüft den Satz ohne den Relativanschluss: I sent the file yesterday. Ein it kommt darin nicht vor, also gehört auch keines in den Relativsatz.

Der vierte Punkt ist kein Fehler, sondern eine Auslassung. Deutschsprachige nutzen die Möglichkeit, das Relativpronomen ganz wegzulassen, viel zu selten, weil unsere Sprache sie nicht kennt. The person I spoke to, the book you lent me, the day we met. Diese Nullform ist kein Sonderfall, sondern die häufigste Variante im gesprochenen Englisch, und sie kostet nichts außer der Gewohnheit, sie zu benutzen.

Register: was du wann wählst

Die praktische Entscheidungshilfe ist kürzer, als das Thema vermuten lässt. Schreibst du eine Vertragsklausel, einen wissenschaftlichen Text oder ein förmliches Anschreiben, ziehst du die Präposition nach vorn und nimmst whom oder which. Alles andere, von der Arbeitsmail bis zum Gespräch, lässt die Präposition hinten und verzichtet oft ganz auf das Pronomen. Mehr Unterscheidung braucht es im Alltag nicht.

Was du dabei vermeiden solltest, ist das Mischen der Ebenen im selben Absatz. Ein Text, in dem einmal to whom und zwei Sätze später we ran into steht, wirkt nicht abwechslungsreich, sondern unentschieden. Konsistenz ist im Register wichtiger als die Wahl selbst, und ein durchgehend informeller Text ist besser als ein schwankender.

Für Prüfungen gilt eine kleine Sonderregel: Wo Prüfer sehen wollen, dass du eine Struktur beherrschst, ist eine vorangestellte Präposition der billigste Beleg dafür. Ein einziger Satz mit a period during which oder the extent to which zeigt mehr als drei Absätze fehlerfreier Grundstruktur. Übertreiben lohnt sich trotzdem nicht, denn drei solcher Sätze hintereinander lesen sich wie ein Formular.

Und eine letzte Beobachtung, die die Sache entspannt: Muttersprachler streiten über whom, sie irren sich bei whom, und viele meiden es aus Unsicherheit. Du kannst dir hier keinen Ruf ruinieren. Was ein Text tatsächlich verrät, ist nicht die Wahl zwischen who und whom, sondern ob der Relativsatz an der richtigen Stelle sitzt und ob die Kommas den Unterschied zwischen notwendig und nicht notwendig sauber markieren.

Häufige Fragen

Darf die Präposition im Englischen am Satzende stehen?
Ja, uneingeschränkt. Die gegenteilige Regel stammt aus dem achtzehnten Jahrhundert und wurde dem Englischen nach lateinischem Vorbild übergestülpt. Sätze wie the person I was talking to sind nicht nur erlaubt, sondern die normale Form im gesprochenen Englisch. Bei Phrasal Verbs ist die vorangestellte Präposition sogar unmöglich.
Wann muss ich whom benutzen und wann reicht who?
Zwingend ist whom nur direkt nach einer Präposition: to whom, for whom, with whom, some of whom. Steht die Präposition am Satzende, ist who völlig normal und klingt natürlicher. In sehr formellen Texten hält sich whom auch als Objekt ohne Präposition, aber niemand wird dir who dort als Fehler anstreichen.
Kann whose sich auf Sachen beziehen?
Ja. a company whose profits fell ist einwandfreies Englisch und in Presse wie Fachtexten die übliche Form. Die Alternative the profits of which fell ist ebenfalls richtig, wirkt aber schwerfällig, weil sie die Nomengruppe auseinanderzieht. Wer sich unsicher fühlt, nimmt whose.
Warum ist the city where I was born in falsch?
Weil where die Präposition schon enthält. Richtig ist entweder the city where I was born oder the city I was born in oder, formeller, the city in which I was born. Die Verdopplung entsteht durch die Übertragung des deutschen wo, das keine Präposition in sich trägt und deshalb eine zusätzliche verlangt.
Wann lasse ich das Relativpronomen weg?
Immer dann, wenn es Objekt eines notwendigen Relativsatzes ist: the book you lent me, the person I spoke to. Ist das Pronomen Subjekt, muss es stehen: the man who called. Und in nicht notwendigen Relativsätzen mit Komma darf es nie fehlen. Deutschsprachige nutzen die Weglassung deutlich zu selten.

Passt dazu