Das kannst du danach
- Du erkennst den Konjunktiv an der fehlenden Endung und am blanken be.
- Du ordnest die festen Wendungen ihrer ursprünglichen Bedeutung zu.
- Du unterscheidest die versteinerten Reste vom lebendigen Konjunktiv nach that.
- Du erklärst, warum if I were you kein Fehler, sondern ein Rest ist.
- Du weißt, welche dieser Formen du benutzen kannst und welche nur zitiert werden.
Eine Verbform, die kaum noch sichtbar ist
Das Englische hatte einmal einen vollständigen Konjunktiv, so wie das Deutsche ihn noch hat. Er ist fast vollständig mit den Endungen verschwunden, und übrig geblieben sind zwei Stellen, an denen man ihn überhaupt noch sieht: das fehlende -s in der dritten Person Einzahl und die Form be statt am, is oder are. God save the King. If he be found guilty. So be it.
Das Tückische daran ist die Unsichtbarkeit. Bei I go, we go, they go sieht der Konjunktiv genauso aus wie der Indikativ, weil beide keine Endung tragen. Nur in der dritten Person Einzahl und beim Verb be tritt der Unterschied ans Licht. Deshalb halten viele Muttersprachler den englischen Konjunktiv für eine ausgestorbene Kategorie, obwohl sie ihn täglich benutzen.
Für Deutschsprachige ist das Thema leichter zugänglich als für andere Lernende, weil unser Konjunktiv I dieselbe Arbeit tut und dieselben Reste hinterlassen hat. Es lebe der König, man nehme drei Eier, koste es, was es wolle, Gott sei Dank. Wir lesen diese Formen als Wunsch, Aufforderung oder Einräumung, ohne über die Grammatik nachzudenken. Genau so funktionieren die englischen Wendungen.
Zu unterscheiden sind zwei Dinge, die oft in einen Topf geworfen werden. Erstens die versteinerten Wendungen, die man nicht mehr frei bilden kann: God save the King. Zweitens der noch produktive Konjunktiv nach Verben des Forderns, der in Amerika lebendig und in Großbritannien formell ist: We insist that he be present. Nur der zweite lässt sich auf neue Sätze anwenden.
| Wendung | Wörtlich | Funktion | Deutsche Entsprechung |
|---|---|---|---|
| God save the King | Gott rette den König | Wunsch | Es lebe der König |
| So be it | So sei es | Ergebung | So sei es |
| Be that as it may | Sei dem, wie es sei | Einräumung | Wie dem auch sei |
| Come what may | Komme, was kommen mag | Trotz | Komme, was wolle |
| Suffice it to say | Es genüge zu sagen | Verkürzung | Es sei nur gesagt |
| Far be it from me | Fern sei es von mir | Distanzierung | Es liegt mir fern |
| Heaven forbid | Der Himmel verbiete es | Abwehr | Gott bewahre |
| If need be | Wenn Not sei | Bedingung | Nötigenfalls |
Die Wunschformeln
Die größte Gruppe sind Wünsche und Anrufungen. God save the King ist die bekannteste, weil sie die britische Hymne eröffnet. Grammatisch steht dort kein Indikativ, sonst hieße es God saves the King, was eine Feststellung wäre statt eines Wunsches. Das fehlende -s ist die ganze Markierung, und es macht aus einer Behauptung eine Bitte.
Dazu gehören God bless you, God help us, long live the Queen, heaven forbid, perish the thought und curse the day. Alle folgen demselben Muster: Verb ohne Endung, oft vorangestellt, dahinter das Subjekt oder umgekehrt. Und alle sind fest, das heißt, man kann sie nicht analog neu bilden. God protect the cat versteht jeder, aber es klingt konstruiert.
Interessant ist der Vergleich mit dem Deutschen, weil unsere Entsprechungen exakt gleich gebaut sind. Gott segne dich, Gott bewahre, es lebe die Königin, verflucht sei der Tag. Wir erkennen sie sofort als Wunschformen und benutzen sie ebenfalls nicht produktiv. Das macht diese Gruppe zum leichtesten Teil des Themas: Übersetzen genügt, Verstehen kommt von selbst.
Ein moderner Ableger ist bemerkenswert, weil er neu ist: God forbid taucht in Alltagsgesprächen ständig auf, oft ohne religiösen Gehalt. God forbid we should be on time for once. Hier hat sich eine alte Form in eine ironische Floskel verwandelt, ein Vorgang, der in der Lektion zum Understatement genauer beschrieben ist.
Die Einräumungsformeln
Die zweite Gruppe räumt etwas ein und schiebt es zur Seite. Be that as it may heißt wörtlich sei dem, wie es sei, und funktional wie dem auch sei. Der Sprecher gibt zu, dass etwas stimmen mag, und erklärt es im selben Atemzug für unerheblich. Be that as it may, the deadline hasn't moved.
Verwandt sind come what may, whatever the cost be, however that may be und be it ever so humble. Alle drücken aus, dass ein Umstand die Sache nicht ändert. Diese Gruppe ist stilistisch höher angesiedelt als die Wunschformeln und begegnet einem eher in Reden und geschriebener Prosa als im Gespräch.
Funktional gehören sie zu den Konzessivkonstruktionen, für die das heutige Englisch normalere Mittel hat: although, even if, no matter how, whatever happens. Der Unterschied ist einer des Registers, nicht der Bedeutung, und wer sie einsetzt, sollte wissen, dass ein Text damit sofort eine feierliche Färbung bekommt. Die üblichen Alternativen behandelt die Lektion zu although, though, despite.
Eine besondere Rolle spielt be it, das noch halb produktiv ist. Be it in London or in Leeds, the rules are the same. Diese Form kann man tatsächlich noch bilden, sie taucht in gehobener Prosa auf und wirkt dort nicht antiquiert, sondern gepflegt. Sie ist damit die einzige Einräumungsformel, die ein fortgeschrittener Schreiber gelegentlich selbst benutzen kann.
if I were you und der Konjunktiv der Irrealität
Der bekannteste Rest steht mitten im Alltagsenglisch: if I were you. Ein Deutschsprachiger fragt zu Recht, warum dort were und nicht was steht, wo doch I was heißt. Die Antwort ist, dass were hier keine Vergangenheit ist, sondern die alte Konjunktivform, die sich ausgerechnet bei diesem Verb gehalten hat. Details dazu stehen in der Lektion zu were statt was.
Diese Form gehört zu den If-Sätzen Typ 2 und markiert dort das Unwirkliche. If I were in charge, if she were here, if it were true. In der gesprochenen Sprache setzt sich was durch, und niemand hält if I was you für falsch, aber in geschriebenem Englisch ist were der Standard und in Prüfungen die erwartete Form.
Dieselbe Konjunktivform trägt auch die Konstruktionen mit wish und if only: I wish I were taller, if only he were here. Und sie trägt die Vergleiche mit as if und as though: He talks as if he were the owner. In allen drei Fällen geht es nicht um Zeit, sondern um Nichtwirklichkeit, und das ist genau die Aufgabe, die im Deutschen unser Konjunktiv II übernimmt.
Ein eleganter Nebenzweig ist die Inversion ohne if: Were I in your position, I'd decline. Das Hilfsverb rückt an den Satzanfang und die Bedingung kommt ganz ohne Bindewort aus. Diese Konstruktion ist formell, aber lebendig und in geschäftlicher Korrespondenz durchaus üblich. Wie sie gebaut wird, steht bei der Bedingung ohne if.
| Konstruktion | Beispiel | Register | Alternative |
|---|---|---|---|
| if + were | If I were you, I'd wait. | Standard schriftlich | if I was, gesprochen |
| wish + were | I wish it were Friday. | Standard | I wish it was, gesprochen |
| as if + were | He acts as if he were in charge. | gehoben | as if he was |
| Inversion | Were I to accept, I'd need time. | formell, lebendig | If I accepted |
| that + Grundform | We ask that she be informed. | formell BE, normal AE | that she should be informed |
| feste Wendung | Be that as it may | zitathaft | However that may be |
Der noch lebendige Konjunktiv nach that
Neben den versteinerten Wendungen gibt es einen Bereich, in dem der Konjunktiv nicht Rest, sondern lebendige Regel ist. Nach Verben und Adjektiven des Forderns, Empfehlens und Verlangens steht im that-Satz die Grundform des Verbs, ohne Endung und ohne Hilfsverb. The board demands that he resign. It is essential that every applicant be informed.
Auffällig ist das fehlende -s bei he resign, und genau daran erkennt man die Form. Zu den auslösenden Wörtern gehören demand, insist, recommend, suggest, propose, request, require sowie essential, vital, crucial, important und imperative. Wer diese Liste kennt, kann die Konstruktion frei bilden, sie ist also produktiv im Unterschied zu allem, was in den vorigen Abschnitten stand.
Hier liegt der markanteste Unterschied zwischen den Sprachvarianten. Im amerikanischen Englisch ist diese Form die Normalvariante und klingt völlig unauffällig. Im britischen Englisch ist sie zwar korrekt, wirkt aber formell, und die übliche Alternative arbeitet mit should: The board demands that he should resign. Beide Varianten sind richtig, wie es die Lektion zum britisch gegen amerikanisch auch für andere Punkte beschreibt.
In der Verneinung fällt das Fehlen von do besonders auf: We insist that she not be informed. Kein doesn't, kein should, einfach not vor der Grundform. Das sieht für Lernende falsch aus und ist es nicht. Wer sich die Konstruktion einprägt, hat damit die einzige Stelle abgedeckt, an der der englische Konjunktiv im Alltag noch aktiv gefordert wird, etwa in Protokollen und Beschlüssen, wie sie auch das juristische Englisch verlangt.
Was das Deutsche hier leichter macht und was schwerer
Leichter macht es der direkte Zugang. Deutschsprachige haben ein funktionierendes Gefühl für Wunsch- und Einräumungsformen, weil unsere Sprache sie noch bildet. Wer man nehme drei Eier und wie dem auch sei versteht, versteht auch suffice it to say und be that as it may. Der begriffliche Rahmen ist bereits da, es fehlen nur die Vokabeln.
Schwerer macht es die Verlockung. Weil unser Konjunktiv lebt, neigen Deutschsprachige dazu, ihn im Englischen zu suchen, wo es keinen gibt. Die indirekte Rede ist der Hauptfall: Er sagte, er sei krank hat im Englischen keine Konjunktiventsprechung, sondern nur die Zeitverschiebung. He said he was ill. Wer hier be oder were einsetzt, baut einen Satz, den niemand versteht. Die Mechanik dahinter erklären die Backshift-Regeln.
Ein zweiter Übertragungsfehler betrifft Aufforderungen. Im Deutschen kann man mit dem Konjunktiv befehlen: Man beachte, man wende sich an. Im Englischen geht das nicht, dort stehen Imperativ oder Passivkonstruktionen: Please note, applications should be sent to. Für die englischen Muster bei weitergegebenen Aufforderungen ist die indirekte Rede bei Aufforderungen der richtige Ort.
Zuletzt die praktische Einordnung. Von allem, was in dieser Lektion steht, brauchst du aktiv genau zwei Dinge: were in irrealen Bedingungen und den Konjunktiv nach that in formellen Texten. Alles andere ist Lesekompetenz, so wie bei den verwandten altertümlichen Formen. Die Wendungen zu erkennen lohnt sich, sie zu streuen nicht, denn ein einzelnes far be it from me in einer normalen E-Mail wirkt nicht belesen, sondern verkleidet.
Häufige Fragen
- Warum heißt es God save the King und nicht God saves the King?
- Weil dort kein Indikativ steht, sondern ein Konjunktiv. God saves the King wäre eine Feststellung, God save the King ist ein Wunsch. Das fehlende -s in der dritten Person Einzahl ist im Englischen die einzige sichtbare Markierung dieser Form, abgesehen vom blanken be.
- Was bedeutet be that as it may?
- Wörtlich sei dem, wie es sei, sinngemäß wie dem auch sei. Der Sprecher räumt ein, dass etwas zutreffen mag, erklärt es aber für unerheblich für seine Schlussfolgerung. Die Wendung ist fest und gehoben; im normalen Text leisten however, even so oder that said dasselbe.
- Heißt es if I was oder if I were?
- In geschriebenem Englisch und in Prüfungen were, weil es sich um eine unwirkliche Bedingung handelt und were dort die alte Konjunktivform ist. In der gesprochenen Sprache ist if I was weit verbreitet und wird kaum als Fehler empfunden. Bei der festen Wendung if I were you bleibt were auch mündlich üblich.
- Warum steht in we insist that he resign kein s?
- Weil nach Verben des Forderns und Empfehlens die endungslose Grundform steht, der sogenannte Konjunktiv Präsens. Das gilt auch in der Verneinung ohne do: we insist that he not resign. Im amerikanischen Englisch ist diese Form Alltag, im britischen wirkt sie formell, dort wird oft should eingefügt.
- Sollte ich Wendungen wie far be it from me selbst benutzen?
- Nur mit Bedacht. Diese Formeln tragen ein hohes, teils ironisches Register und wirken in einer sachlichen E-Mail deplatziert. Aktiv brauchst du aus diesem Bereich zwei Dinge: were in irrealen Bedingungen und den Konjunktiv nach that in formellen Texten. Der Rest gehört in die Lesekompetenz.
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