Das kannst du danach
- Du setzt were in allen Personen nach if, wish, as if und suppose.
- Du erkennst, wann was umgangssprachlich zulässig ist und wann nicht.
- Du verwendest die feste Wendung If I were you sicher.
- Du unterscheidest diesen Rest des Konjunktivs vom formellen Konjunktiv mit be.
- Du erklärst, warum der deutsche Konjunktiv hier eine Hilfe und zugleich eine Falle ist.
Ein Rest, keine vollständige Form
Das Englische hatte einmal einen Konjunktiv mit eigenen Formen für alle Personen. Übrig geblieben ist fast nichts. In der Gegenwart fällt er mit dem Infinitiv zusammen, in der Vergangenheit sieht er aus wie das Simple Past. Genau ein einziges Verb hat noch eine erkennbar eigene Form, und das ist to be: were, gebraucht in allen Personen.
Deshalb ist diese Lektion so klein und zugleich so wichtig. Es geht nicht um ein System, sondern um ein Wort an bestimmten Stellen. I were, he were, she were, it were — dort, wo sonst was stünde. Für alle anderen Verben gibt es diesen sichtbaren Unterschied nicht, weshalb man ihn ausschließlich an be bemerkt.
Für Deutschsprachige ist das eine ungewohnte Lage. Der deutsche Konjunktiv II lebt: wäre, hätte, käme, ginge, müsste. Er ist an Hunderten von Verben sichtbar und wird täglich benutzt. Wer aus dieser Sprache kommt, erwartet im Englischen ein ähnlich reiches System und findet stattdessen ein Restwort. Das ist die eigentliche Umstellung.
Die Hilfe daraus ist trotzdem groß. Wo im Deutschen wäre steht, steht im Englischen sehr oft were. Ich wäre vorsichtig wird zu I would be careful, wenn ich du wäre wird zu if I were you. Das deutsche Gefühl zeigt zuverlässig an, wo die unwirkliche Form hingehört — nur die englische Umsetzung ist ärmer an Formen.
| Person | Indikativ (Tatsache) | Konjunktiv (unwirklich) |
|---|---|---|
| I | I was late. | if I were late |
| you | you were late | if you were late |
| he / she / it | he was late | if he were late |
| we / they | they were late | if they were late |
Nach if: die unwirkliche Bedingung
Der wichtigste Ort für were ist der unwirkliche Bedingungssatz. If I were rich, I would travel more. If he were here, he would know what to do. If it were up to me, we'd start now. In allen drei Sätzen wird eine Lage beschrieben, die es nicht gibt, und genau das trägt die Form were.
Der Aufbau folgt vollständig den If-Sätzen Typ 2: im if-Teil eine Vergangenheitsform, im Hauptsatz would plus Grundform. Bei allen Verben außer be sieht diese Vergangenheitsform gewöhnlich aus, bei be zeigt sie sich als were. Man kann also sagen: Der Typ 2 ist der Konjunktiv, nur merkt man es an einem einzigen Verb.
Nicht jedes if verlangt were. Steht eine echte Möglichkeit im Raum, bleibt was richtig: If he was at the meeting yesterday, he already knows. Hier geht es nicht um Unwirklichkeit, sondern um Unwissen über eine Tatsache. Der Unterschied zu den If-Sätzen Typ 1 und zum bloßen Berichten liegt also in der Bedeutung, nicht in der Form von if.
Praktisch heißt das: Zuerst entscheiden, ob die Bedingung unwirklich ist, dann die Form wählen. If I were you setzt voraus, dass ich nicht du bin — unwirklich, also were. If I was rude, I apologise setzt voraus, dass es möglicherweise passiert ist — real, also was. Wer diese Prüfung einmal macht, trifft die Form fast immer.
Nach wish und if only
Wunschsätze verlangen dieselbe Form. I wish I were somewhere else. She wishes she were younger. If only he were more patient. Die Bedeutung ist immer dieselbe: Die Wirklichkeit ist anders, und der Satz beschreibt, wie sie sein sollte.
Die vollständige Zeitenlogik dieser Sätze steht in der Lektion zu wish und if only; hier zählt nur die Form von be. Wichtig ist, dass sich die Frage nach were ausschließlich beim Gegenwartswunsch stellt. Beim Bedauern über die Vergangenheit steht ohnehin had been: I wish I had been there. Dort gibt es keine Wahl und keinen Zweifel.
In der gesprochenen Sprache hört man auch hier was. I wish I was taller ist in Großbritannien wie in den USA weit verbreitet und wird von den meisten Sprechenden nicht als Fehler empfunden. Wörterbücher verzeichnen es als üblich. In geschriebenem und geprüftem Englisch bleibt were trotzdem die erwartete Form.
Eine feste Wendung ist erwähnenswert, weil sie sich der Regel entzieht: as it were, im Sinne von sozusagen. Sie ist versteinert, verändert sich nie und hat mit der eigentlichen Bedingungsgrammatik nichts mehr zu tun. Solche Reste sammeln sich in den Resten des Konjunktivs, die man als Wendungen lernt statt als Regel.
Nach as if, as though, suppose und imagine
Vergleiche mit as if und as though beschreiben oft etwas, das nicht zutrifft, und verlangen dann were. He talks as if he were the boss. She looked at me as though I were a stranger. Der Satz sagt gerade nicht, dass er der Chef ist, sondern dass er sich so verhält.
Trifft der Vergleich dagegen möglicherweise zu, bleibt die normale Form. It looks as if he was right after all. Hier ist offen, ob er recht hatte, und der Vergleich beschreibt einen Eindruck von einer möglichen Tatsache. Diese Unterscheidung ist dieselbe wie bei if und lässt sich mit derselben Prüfung treffen.
Auch suppose, supposing und imagine leiten unwirkliche Lagen ein. Suppose you were in charge — what would you change? Imagine it were true. Hier ersetzt das Verb schlicht das if, die Grammatik bleibt gleich. Wer solche Einleitungen kennt, hat mehr Möglichkeiten als nur unless, provided und as long as, die eine andere, sachlichere Funktion haben.
Eine letzte Gruppe ist would rather und it's time. I'd rather you were more careful. It's time we were going. Beide verlangen eine Vergangenheitsform, obwohl sie über die Gegenwart sprechen, und beide zeigen bei be dieselbe Konjunktivform. Sie sind der Beweis, dass es hier um Distanz geht und nicht um Zeit.
| Einleitung | unwirklich | möglicherweise real |
|---|---|---|
| if | If I were you, I'd wait. | If he was there, he saw it. |
| wish | I wish it were easier. | — nicht möglich |
| as if | He acts as if he were rich. | It seems as if he was right. |
| suppose | Suppose you were wrong. | — selten |
| would rather | I'd rather she were here. | — nicht möglich |
was oder were: Register und Prüfung
Die ehrliche Auskunft lautet: Beides kommt vor. Im gesprochenen Englisch ist was nach if und wish in der ersten und dritten Person völlig gewöhnlich, in manchen Regionen sogar die Mehrheitsform. Wer If I was you sagt, wird verstanden und in den meisten Situationen nicht korrigiert.
Im geschriebenen und formellen Englisch ist were dagegen Standard, und in Sprachprüfungen wird es erwartet. Cambridge, IELTS und Schulabschlüsse werten was an diesen Stellen als Fehler oder zumindest als weniger passend. Wer für die Prüfungsgrammatik lernt, sollte also durchgehend were verwenden und sich das gar nicht erst abgewöhnen.
Eine Ausnahme ist auch mündlich fest: If I were you. Diese Wendung wird auch von Sprechenden benutzt, die sonst was sagen. Sie ist so gebräuchlich, dass sie sich wie ein einzelnes Wort verhält. If I was you existiert zwar, klingt aber deutlich ungepflegter als etwa If he was here.
Die Wahl ist damit weniger eine Frage von richtig und falsch als eine Frage von Register. Wer beides kennt, kann bewusst wählen. Wer nur eines kennt, sollte were nehmen, weil es überall funktioniert und nirgends angestrichen wird — was dagegen fällt in schriftlichen Texten sofort auf.
Der andere Konjunktiv: die Grundform nach bestimmten Verben
Neben were gibt es einen zweiten Rest, der leicht übersehen wird, weil er unauffällig aussieht. Nach Verben des Forderns und Vorschlagens steht die reine Grundform, ohne s und ohne Zeitmarkierung. I suggest that he be informed. They demanded that she leave immediately. It is essential that everyone attend.
Auffällig ist das nur in der dritten Person Singular, weil dort das übliche s fehlt. He leave statt he leaves sieht nach einem Tippfehler aus und ist keiner. Diese Form heißt present subjunctive und ist in der Lektion zum formellen Konjunktiv ausführlich beschrieben.
Ein Unterschied zwischen den Varianten ist hier deutlich: Amerikanisches Englisch verwendet diesen Konjunktiv regelmäßig und schriftlich wie mündlich. Britisches Englisch weicht häufiger auf should aus: I suggest that he should be informed. Beide Formen sind korrekt, und wer should kennt, hat die britische Variante bereits.
Die beiden Konjunktivreste haben also nichts miteinander zu tun. Der eine betrifft nur be in der Vergangenheit und markiert Unwirklichkeit. Der andere betrifft alle Verben in der Gegenwart und markiert Forderung. Wer sie auseinanderhält, verwechselt auch die Regeln nicht — im Zweifel hilft ein Blick auf die altertümlichen Formen, in denen beide Reste ihren Ursprung haben.
Vergleich zum Deutschen und typische Fehler
Der deutsche Konjunktiv II ist reicher, aber nicht großzügiger. Er zwingt an denselben Stellen zur unwirklichen Form: Wenn ich reich wäre, an deiner Stelle wäre ich vorsichtig, er tut, als ob er der Chef wäre. Wer den deutschen Satz im Konjunktiv bildet, braucht im Englischen fast immer were. Diese Übertragung funktioniert erstaunlich zuverlässig.
Die Falle liegt woanders. Im Deutschen kann man den Konjunktiv mit würde umschreiben, und zwar auch im Nebensatz: Wenn ich mehr Zeit hätte oder umgangssprachlich wenn ich mehr Zeit haben würde. Im Englischen ist das im if-Teil ausgeschlossen. If I would have more time ist falsch, und dieser Fehler gehört zu den auffälligsten, die Deutschsprachige machen.
Ein zweiter Fehler betrifft die Person. Weil were im Deutschen keinem festen Muster entspricht, setzen Lernende gern were bei you und they, aber was bei I und he. Die Regel ist einfacher: Im unwirklichen Satz steht were bei allen Personen, ohne Ausnahme und ohne Nachdenken.
Ein dritter Punkt betrifft die Rückkehr zur Wirklichkeit. Sobald ein Satz eine echte Vergangenheit beschreibt, ist were als Konjunktiv falsch. He was ill last week bleibt was. Nur wenn eine Bedingung, ein Wunsch oder ein Vergleich die Unwirklichkeit markiert, tritt die Sonderform ein. Wer diese Grenze zieht, hat den ganzen Rest des Konjunktivs im Griff — und kann sich der spannenderen Frage widmen, wie sich unwirkliche Sätze mit einer Bedingung ohne if noch verdichten lassen.
Häufige Fragen
- Heißt es If I was you oder If I were you?
- If I were you ist die Standardform und auch mündlich die übliche. Sie beschreibt eine unwirkliche Lage, denn ich bin nicht du. If I was you kommt umgangssprachlich vor, klingt aber deutlich ungepflegter und wird in Prüfungen als Fehler gewertet. Bei dieser einen Wendung lohnt es sich besonders, konsequent were zu sagen.
- Gilt were in allen Personen?
- Ja. Im unwirklichen Satz steht were bei I, you, he, she, it, we und they gleichermaßen. Es gibt keine Person, die eine eigene Form behält. Die gewöhnliche Unterscheidung zwischen was und were gilt nur für echte Vergangenheitsaussagen.
- Ist was nach if immer falsch?
- Nein. Wenn die Bedingung eine mögliche Tatsache betrifft, ist was richtig: If he was at the meeting, he already knows. Falsch ist was nur dort, wo der Satz ausdrücklich eine unwirkliche Lage beschreibt. Die Entscheidung fällt über die Bedeutung, nicht über das Wort if.
- Warum ist If I would have more time falsch?
- Weil im if-Teil kein would steht. Richtig ist If I had more time, would gehört in den Hauptsatz: If I had more time, I would help you. Der Fehler entsteht durch die deutsche Umschreibung mit würde, die im Nebensatz erlaubt ist. Im Englischen ist sie es nicht.
- Was hat were mit dem Konjunktiv in I suggest that he be told zu tun?
- Nichts außer dem Namen. Were ist der Rest des Vergangenheitskonjunktivs und markiert Unwirklichkeit. Die Grundform nach suggest, demand oder insist ist der Gegenwartskonjunktiv und markiert eine Forderung. Beide sind Überbleibsel derselben alten Formenreihe, folgen heute aber getrennten Regeln.
Passt dazu
- Bedingung ohne if — Had I known und Were it not forWie Had I known, Were it not for und Should you need gebildet werden, wo sie hingehören und warum sie in Prüfungen erwartet werden.
- gemischte If-Sätze — Bedingung und Folge in zwei ZeitenWenn eine vergangene Bedingung eine heutige Folge hätte oder umgekehrt: die zwei Mischformen aus Typ 2 und Typ 3.
- If-Sätze Typ 0 — Bedingungen, die immer geltenDer Bedingungssatz für Naturgesetze, Gewohnheiten und Regeln — zweimal Präsens, kein will, und meist ist when genauso richtig.
- If-Sätze Typ 1 — reale Bedingung, und warum nach if kein will stehtDer Bedingungssatz für alles, was wirklich passieren kann — mit der Regel, die Deutschsprachige am häufigsten verletzen.
- If-Sätze Typ 2 — die unwahrscheinliche Bedingung mit wouldSimple Past im if-Teil, would im Hauptteil: wie der zweite Bedingungssatz gebaut wird und warum würde nie in beide Satzteile gehört.
- If-Sätze Typ 3 — was hätte sein können und nie geschahPast Perfect im if-Teil, would have plus dritte Form im Hauptsatz: die irreale Vergangenheit und die Fallen, die das Deutsche stellt.