Das kannst du danach
- Du erkennst, wann eine allgemeine Aussage im Plural ohne Artikel steht.
- Du lässt den Artikel vor unzählbaren Nomen, Mahlzeiten, Sprachen und Fächern weg.
- Du unterscheidest go to school von go to the school.
- Du kennst die festen Wendungen mit Nullartikel wie by car, at night und in bed.
- Du weißt, bei welchen Eigennamen the trotzdem steht.
Was Nullartikel heißt
Englisch kennt drei Möglichkeiten vor einem Nomen: den unbestimmten Artikel a oder an, den bestimmten Artikel the und gar nichts. Diese dritte Möglichkeit ist keine Lücke, sondern eine eigene Entscheidung mit eigener Bedeutung, und deshalb hat sie einen Namen: Nullartikel. Wer die Grundlagen von a, an und the beherrscht, hat zwei Drittel des Systems — dieses Kapitel schließt das letzte Drittel.
Für Deutschsprachige ist das der schwierigste Teil, und der Grund liegt in unserer eigenen Sprache. Deutsch setzt den Artikel fast überall. Der Kaffee ist teuer. Ich gehe in die Schule. Wir hatten Glück beim Frühstück — auch dort, wo wir ihn weglassen, tun wir es aus anderen Gründen als das Englische. Weil unser Artikelgebrauch so dicht ist, übertragen wir ihn unbemerkt, und heraus kommen Sätze wie The life is short oder I go to the work.
Solche Sätze sind grammatisch nicht kaputt, aber sie sagen etwas anderes als gemeint. The life is short bezieht sich auf ein bestimmtes Leben, das vorher genannt wurde. Life is short ist die allgemeine Aussage. Der Artikel ist im Englischen also kein Zierrat, sondern ein Bedeutungsträger: Er entscheidet, ob von etwas Bestimmtem oder von der Sache an sich die Rede ist.
Die Grundregel dahinter lautet: Der Nullartikel steht dort, wo nicht von einem einzelnen Exemplar die Rede ist, sondern von der Kategorie, dem Stoff oder der Idee. Alles andere ist eine Anwendung dieser Regel, und die folgenden Abschnitte gehen sie der Reihe nach durch.
| Fall | Ohne Artikel | Mit the | Unterschied |
|---|---|---|---|
| Gattung / Bestimmtes | Cats sleep a lot. | The cats are asleep. | alle Katzen / diese Katzen |
| Stoff / Portion | Milk is cheap. | The milk is off. | Milch allgemein / diese Milch |
| Institution / Gebäude | She's at school. | She's at the school. | sie lernt dort / sie ist dort |
| Abstrakt | Life is short. | The life he chose | das Leben / dieses Leben |
Allgemeine Aussagen im Plural
Wenn du etwas über eine ganze Gattung sagst, steht das Nomen im Plural und ohne Artikel. Dogs are loyal. Computers get cheaper every year. Children need routines. Im Deutschen steht an derselben Stelle regelmäßig der bestimmte Artikel: Die Hunde sind treu. Diese Übertragung ist der häufigste Artikelfehler von Deutschsprachigen überhaupt, und sie fällt Muttersprachlern sofort auf, weil The dogs are loyal für sie ganz bestimmte Hunde meint.
Sobald du eine Teilmenge meinst, kommt the zurück. The dogs in this shelter are all vaccinated. Der Unterschied ist derselbe wie bei all und all the: ohne Artikel die Gattung, mit Artikel die bekannte Gruppe. Beim Sprechen entscheidet sich das an einer einzigen Frage — weiß mein Gegenüber, welche gemeint sind?
Auch der Singular kann eine Gattung bezeichnen, aber anders. The tiger is an endangered species ist korrekt und klingt wissenschaftlich; A tiger can weigh 300 kilos nimmt ein beliebiges Exemplar als Beispiel. Beide sind gehobener als der schlichte Plural Tigers are endangered, der im Alltag die normale Form ist. Für den Anfang reicht: Willst du allgemein sprechen, nimm den Plural ohne Artikel.
Der Nullartikel gilt entsprechend auch für Gruppen von Menschen und für Nationalitäten im Plural: Germans drink a lot of coffee. Teachers are underpaid. Ausnahmen sind die substantivierten Adjektive wie the English, the French, the Dutch — dort steht the, weil das Wort selbst kein Nomen ist. Wie mit solchen Sonderformen umzugehen ist, vertieft die Lektion zu den Determinatoren.
Unzählbare Nomen und abstrakte Begriffe
Unzählbare Nomen stehen ohne Artikel, wenn es um den Stoff oder die Sache an sich geht. Water freezes at zero. Bread is cheap here. Music helps me concentrate. Sie haben keinen Plural und deshalb auch keine Gattungsform im Plural — der Nullartikel ist ihre einzige allgemeine Form.
Dieselbe Regel gilt für abstrakte Begriffe, und dort ist die deutsche Störung am größten. Love, freedom, time, happiness, patience, advice, information, knowledge — alle stehen ohne Artikel, wo Deutsch die Liebe, die Freiheit, die Zeit sagt. Time is money. Freedom isn't free. Wer hier ein the setzt, bezieht sich unabsichtlich auf einen bestimmten, vorher genannten Fall.
Sobald das Nomen näher bestimmt wird, kehrt the zurück: the information you gave me, the time we spent in Cornwall, the water in this tank. Ein Relativsatz, eine Präpositionalgruppe oder ein Genitiv machen aus der allgemeinen Sache eine bestimmte. Das ist der zuverlässigste Test überhaupt: Steht hinter dem Nomen eine Einschränkung, steht davor meist the.
Eine praktische Nebenwirkung: Unzählbare Nomen wie advice, information, news, furniture, luggage und homework sind im Englischen unzählbar, im Deutschen teilweise zählbar. Deshalb heißt es a piece of advice und nicht an advice, und deshalb heißt es The news is good mit Singularverb. Bei Mengenangaben davor gilt dann das übliche Muster aus much und many.
Mahlzeiten, Sprachen, Fächer, Sportarten
Vier Gruppen stehen fast immer ohne Artikel, und alle vier haben im Deutschen einen. Mahlzeiten: We had breakfast at eight. Dinner is ready. Sprachen: She speaks Portuguese. I'm learning Japanese. Schulfächer: He teaches history. Sportarten: They play football on Sundays. Deutsch sagt das Frühstück, das Portugiesische, die Geschichte, den Fußball — die Übertragung ist also naheliegend und immer falsch.
Bei Mahlzeiten kommt der Artikel zurück, sobald eine bestimmte Mahlzeit gemeint ist oder ein Adjektiv dazutritt: The dinner we had in Bath was excellent. We had a quick lunch. Der Nullartikel gilt für die Mahlzeit als Einrichtung, nicht für das konkrete Essen. Dieselbe Unterscheidung wie überall in diesem Kapitel.
Bei Sprachen steht the nur in der Verbindung mit dem Wort language: the English language. Ohne dieses Wort nie. I'm studying English. He translates from the Russian language ist möglich, aber gestelzt; He translates from Russian ist die normale Form.
Bei Sportarten gilt der Nullartikel für das Spielen selbst. Er verschwindet, wenn von einem Instrument die Rede ist: play the piano, play the violin. Diese Gegenüberstellung — play football, aber play the guitar — ist willkürlich und wird am besten als Paar gelernt. Im amerikanischen Englisch hört man gelegentlich auch play guitar ohne Artikel, britisch ist the die klare Norm.
| Gruppe | Englisch | Deutsch |
|---|---|---|
| Mahlzeit | after lunch | nach dem Mittagessen |
| Sprache | in French | auf Französisch |
| Fach | study biology | Biologie studieren |
| Sportart | play tennis | Tennis spielen |
| Instrument | play the cello | Cello spielen |
| Jahreszeit | in spring | im Frühling |
go to school gegen go to the school
Bei einer kleinen Gruppe von Einrichtungen unterscheidet Englisch mit dem Artikel zwischen dem Zweck und dem Gebäude. She goes to school heißt: Sie ist Schülerin. She goes to the school heißt: Sie geht zu diesem Gebäude, vielleicht als Handwerkerin oder um jemanden abzuholen. Der Artikel trägt hier eine Bedeutung, die im Deutschen komplett fehlt — wir sagen in beiden Fällen in die Schule.
Die Gruppe ist überschaubar: school, university, college, church, hospital, prison, court, bed, work, home. Ohne Artikel geht es um die Tätigkeit, die dort stattfindet. Mit Artikel um den Ort. He's in hospital heißt, er ist Patient. He's at the hospital heißt, er befindet sich dort. He's in prison heißt, er ist verurteilt; He's at the prison heißt, er arbeitet vielleicht dort.
Genau bei hospital liegt einer der bekanntesten Unterschiede zwischen den Varianten. Britisch heißt es in hospital, amerikanisch in the hospital — auch dann, wenn die Person Patient ist. Dasselbe gilt für at university gegen in college. Weitere Fälle dieser Art sammelt die Lektion zu britischem gegen amerikanisches Englisch.
Zwei Wörter aus dieser Gruppe verhalten sich noch strenger. work steht nie mit Artikel, wenn es die Arbeitsstelle meint: I go to work, I'm at work. The work bedeutet immer die Tätigkeit selbst, nicht den Ort. Und home steht sogar ohne Präposition: go home, nicht go to home. Warum das so ist, hat historische Gründe; es hilft, home in dieser Verwendung als Adverb zu behandeln, wie es die Lektion zu den Präpositionen des Ortes tut.
Feste Wendungen, Zeit und Verkehrsmittel
Eine große Zahl fester Wendungen kommt ohne Artikel aus, und sie folgen keiner ableitbaren Regel — sie werden als Ganzes gelernt. Bei Verkehrsmitteln steht by ohne Artikel: by car, by bus, by train, by plane, by bike. Sobald ein anderes Muster gewählt wird, kommt der Artikel zurück: on the bus, in the car, in my car. by beschreibt die Art der Fortbewegung, on und in den konkreten Ort.
Bei Zeitangaben gilt Ähnliches. at night, at noon, at midnight, by day. Aber: in the morning, in the afternoon, in the evening — dort steht the. Diese Verteilung ist willkürlich und muss auswendig gelernt werden; sie gehört zum Grundbestand der Präpositionen der Zeit. Ebenso ohne Artikel stehen Monate, Wochentage und Jahreszeiten: in July, on Monday, in winter.
Weitere häufige Wendungen ohne Artikel: at home, in bed, at work, on foot, at first, by heart, in fact, on time, at war, in love. Und die Doppelungen wie face to face, day by day, from door to door, hand in hand. Solche Paare sind in beiden Sprachen artikellos, was sie zu den wenigen Stellen macht, an denen das deutsche Sprachgefühl trägt.
Ein letzter Bereich sind Eigennamen. Die meisten stehen ohne Artikel: Germany, Berlin, Oxford Street, Lake Windermere, Mount Snowdon. Mit the stehen dagegen Länder im Plural oder mit Staatsbezeichnung — the Netherlands, the United States, the United Kingdom —, Gebirge und Inselgruppen wie the Alps und the Canaries, Flüsse und Meere wie the Thames und the Atlantic, sowie Hotels, Museen und Zeitungen: the Ritz, the British Museum, the Guardian. Wer den Genitiv im Namen hat, verliert den Artikel wieder — St Paul's Cathedral, Harrods —, was mit der Funktion des Genitiv-s zu tun hat: Ein bestimmender Zusatz ersetzt den Artikel.
| Ohne Artikel | Mit the |
|---|---|
| by train | on the train |
| at night | in the morning |
| in bed | in the bedroom |
| go to work | go to the office |
| Germany, France | the Netherlands, the USA |
| Lake Garda | the Rhine, the Alps |
Der schnelle Selbsttest
Wenn du beim Schreiben unsicher bist, geh drei Fragen durch. Erstens: Meinst du die Sache allgemein oder ein bestimmtes Exemplar? Allgemein und im Plural oder unzählbar heißt Nullartikel. Zweitens: Weiß dein Gegenüber, welches gemeint ist — weil es vorher genannt wurde oder weil es nur eines gibt? Dann the. Drittens: Ist es eine feste Wendung? Dann gilt die Wendung und keine Regel.
Für den Alltag hilft eine zweite Faustregel: Wenn Deutsch einen Artikel setzt und du keinen Grund findest, warum er im Englischen stehen müsste, lass ihn weg. Der Nullartikel ist im Englischen häufiger als im Deutschen, und Deutschsprachige setzen im Zweifel zu viele Artikel, nicht zu wenige. Diese Asymmetrie ist der Kern des ganzen Kapitels.
Zwei Bereiche bleiben trotzdem schwierig und brauchen Wiederholung: die Institutionen wie school und hospital, weil dort der Artikel die Bedeutung dreht, und die Eigennamen, weil dort keine Logik hilft. Alles andere ergibt sich aus der Frage nach allgemein oder bestimmt.
Wenn du Mengenangaben davorsetzen willst, kommt eine weitere Ebene dazu: some und any bei unbestimmten Mengen, wie in der Lektion zu some und any beschrieben. Sie ersetzen den Artikel nicht, sondern besetzen dieselbe Stelle davor — und deshalb schließen sie sich gegenseitig aus. Some water und the water gehen, some the water nicht.
Häufige Fragen
- Warum heißt es Life is short und nicht The life is short?
- Weil es sich um eine allgemeine Aussage über das Leben an sich handelt. The life würde ein bestimmtes, vorher genanntes Leben meinen. Deutsch setzt bei abstrakten Begriffen fast immer einen Artikel, Englisch fast nie — das ist die Hauptquelle dieses Fehlers.
- Was ist der Unterschied zwischen go to school und go to the school?
- Ohne Artikel geht es um den Zweck: Die Person ist Schülerin oder Schüler. Mit Artikel geht es um das Gebäude, etwa weil man dort jemanden abholt. Dieselbe Unterscheidung gilt für hospital, prison, church und university.
- Heißt es in hospital oder in the hospital?
- Britisch heißt es in hospital, wenn jemand Patient ist. Amerikanisch heißt es auch dann in the hospital. Beide Formen sind in ihrer jeweiligen Variante korrekt; wer britisches Englisch schreibt, lässt den Artikel weg.
- Steht vor Sprachen ein Artikel?
- Nein. She speaks Italian, I'm learning Swedish. Ein the steht nur zusammen mit dem Wort language: the Italian language. Dasselbe gilt für Schulfächer und Sportarten, die im Englischen ebenfalls ohne Artikel stehen.
- Warum heißt es the Netherlands, aber Germany?
- Ländernamen im Plural oder mit einer Staatsbezeichnung im Namen bekommen the: the Netherlands, the United States, the Philippines. Einfache Ländernamen im Singular stehen ohne Artikel. Dieselbe Aufteilung gilt für Inselgruppen und Gebirge, die immer the tragen.
Passt dazu
- a, an, the — die englischen Artikel und wann keiner stehtWarum a oder an vom Laut abhängt, wann the steht und in welchen Fällen das Englische gar keinen Artikel setzt.
- all, every, each — Einzahl oder Mehrzahl danachWarum every student is heißt, all students are, und weshalb ausgerechnet all der Punkt ist, an dem Deutschsprachige stolpern.
- both, either, neither — zwei Dinge, drei AusdrückeWie Englisch über genau zwei Dinge spricht: beide, eins von beiden, keins von beiden — mit Singular, Plural und der Falle der doppelten Verneinung.
- Determinatoren — Reihenfolge und Kombination vor dem NomenWelche Begleiter vor einem englischen Nomen zusammenpassen, in welcher Reihenfolge sie stehen und warum the both nicht existiert.
- Englisch: zählbare und unzählbare Nomen — advice, news, moneyWarum information, advice und news im Englischen keinen Plural haben und wie man sie trotzdem abzählt.
- Genitiv-s — wann 's steht und wann of, mit allen AusnahmenDie Regel hinter Peter's car und the roof of the house — samt Apostroph im Plural und den Ausnahmen bei Zeit, Ländern und Firmen.