Das kannst du danach
- Du gibst Fragewort-Fragen mit der Wortstellung eines Aussagesatzes wieder.
- Du leitest Entscheidungsfragen mit if oder whether ein.
- Du weißt, wo nur whether stehen darf.
- Du lässt do, does und did beim Berichten korrekt weg.
- Du setzt am Ende einer berichteten Frage kein Fragezeichen.
Eine berichtete Frage ist keine Frage mehr
Das ist der eine Satz, aus dem sich fast alles ableiten lässt. Wenn du eine Frage weitererzählst, stellst du sie nicht. Du berichtest über sie. Der Satz He asked where I was ist eine Aussage — er sagt aus, was jemand gefragt hat. Deshalb hat er die Form einer Aussage und nicht die einer Frage.
Englische Fragen erkennt man an zwei Merkmalen: Hilfsverb vor Subjekt und, wo kein Hilfsverb da ist, ein eingeschobenes do. Where are you. Where do you live. Beide Merkmale verschwinden beim Berichten restlos. He asked where I was. He asked where I lived. Kein Hilfsverb vorn, kein do.
Deutschsprachige machen hier einen Fehler, der nicht aus dem Deutschen kommt, sondern aus dem Englischen selbst. Man hat die Frageform mühsam gelernt und trägt sie mit: He asked where was I. He asked where did I live. Beides ist falsch. Die Regel wurde also nicht zu wenig, sondern an der falschen Stelle angewendet.
Das Deutsche hilft hier sogar, wenn man genau hinsieht. Auch dort verändert sich der Satz: Wo bist du wird zu Er fragte, wo ich bin — das Verb rutscht ans Ende. Deutsch dreht also ebenfalls nicht um, es baut nur anders um. Wer sich das klarmacht, hat einen guten Anker: In beiden Sprachen wird aus der Frage ein Nebensatz, und ein Nebensatz sieht in beiden Sprachen anders aus als eine Frage.
Fragen mit Fragewort
Beginnt die direkte Frage mit what, where, when, why, who, whose, which oder how, bleibt dieses Wort als Anschluss stehen. Danach folgt der Satz in normaler Reihenfolge: Subjekt, Verb, Rest. Die Grundregel der englischen Satzstellung gilt hier also ganz gewöhnlich.
Where is the station wird zu She asked where the station was. Why are you late wird zu He wanted to know why I was late. How much did it cost wird zu They asked how much it had cost. In jedem Fall steht das Subjekt vor dem Verb.
Wenn das Fragewort selbst schon Subjekt ist, ändert sich nichts an der Reihenfolge, weil sie ohnehin stimmt. Who broke the window wird zu She asked who had broken the window. Genau deshalb sind Who- und What-Fragen die einzigen, bei denen die berichtete Form der direkten fast gleicht — und deshalb auch die einzigen, die man ohne Nachdenken richtig bildet.
Als Einleitungsverb steht meist ask, oft auch want to know, wonder oder enquire. ask nimmt eine Person direkt: She asked me where I lived. Anders als bei say braucht es dafür kein to. Eine sehr ähnliche Struktur begegnet dir außerdem bei höflichen Nachfragen wie Could you tell me where the station is, den indirekten Fragen, die dieselbe Wortstellung verwenden, ohne dass jemand berichtet wird.
| direkte Frage | berichtet | falsch |
|---|---|---|
| Where do you work? | She asked where I worked. | She asked where did I work. |
| What is your name? | He asked what my name was. | He asked what was my name. |
| When did they leave? | I asked when they had left. | I asked when did they leave. |
| Who called you? | She asked who had called me. | — |
| How are you feeling? | He asked how I was feeling. | He asked how was I feeling. |
Entscheidungsfragen mit if und whether
Fragen ohne Fragewort werden mit ja oder nein beantwortet: Are you coming. Did you see it. Beim Berichten fehlt ihnen dann ein Anschlusswort, denn ohne eines gäbe es keine Verbindung zum Hauptsatz. Englisch setzt dafür if oder whether ein. She asked if I was coming. She asked whether I had seen it.
Deutsch hat dafür nur ein einziges Wort, nämlich ob. Sie fragte, ob ich komme. Genau deshalb wirkt die englische Doppelung verwirrend: Zwei Wörter für eine deutsche Bedeutung, und in den allermeisten Sätzen sind beide austauschbar. Wenn du unsicher bist, ist if die häufigere und in gesprochener Sprache die normalere Wahl.
Ein zweiter deutscher Stolperstein liegt beim if selbst. Es ist dasselbe Wort wie in den Bedingungssätzen, entspricht dort aber wenn, hier ob. Deutschsprachige verwechseln umgekehrt gern wenn und ob, und die englische Doppelbelegung von if verstärkt das. Merke: Steht eine Frage dahinter, heißt if ob. Steht eine Bedingung dahinter, heißt es wenn.
Auf if oder whether folgt wieder die Aussagestellung. He asked if the shop was open, nicht if was the shop open. Auch hier gilt: keine Umkehrung, kein do.
Wo nur whether stehen darf
In einigen Konstruktionen ist if ausgeschlossen. Diese Fälle sind überschaubar und lohnen sich zu merken, weil sie in Prüfungen zuverlässig geprüft werden.
Erstens vor einem to-Infinitiv: I wasn't sure whether to call her. if to call ist unmöglich. Zweitens nach einer Präposition: We talked about whether it was worth it. Nach about, of, on oder in steht immer whether. Drittens direkt vor or not: She asked whether or not I was interested. Steht das or not dagegen am Satzende, ist if wieder erlaubt: She asked if I was interested or not.
Viertens, wenn der Nebensatz Subjekt des Satzes ist: Whether he comes is not important. Damit beginnt man selten einen Satz, aber wenn, dann nur mit whether. Und fünftens gilt whether als das förmlichere Wort. In Berichten, Protokollen und geschäftlicher Korrespondenz wirkt es passender, während if im Gespräch überwiegt.
Britisch und amerikanisch unterscheiden sich hier nicht nennenswert. In beiden Varianten ist if die gesprochene Normalform und whether die schriftliche.
| Fall | Beispiel | if möglich |
|---|---|---|
| normaler Nebensatz | She asked if / whether it was open. | ja |
| vor to-Infinitiv | I don't know whether to go. | nein |
| nach Präposition | It depends on whether he agrees. | nein |
| direkt vor or not | Tell me whether or not you're coming. | nein |
| or not am Satzende | Tell me if you're coming or not. | ja |
| als Satzsubjekt | Whether they win is unclear. | nein |
do fällt ersatzlos weg
In direkten Fragen ohne anderes Hilfsverb schiebt Englisch do, does oder did ein: Where do you live. Did she call. Dieses eingeschobene do hat genau eine Aufgabe, nämlich die Frage formal kenntlich zu machen. Fällt die Frageform weg, fällt do mit weg.
Was dabei nicht verschwindet, ist die grammatische Information, die in do steckte. did trug die Vergangenheit, does trug die dritte Person Singular. Beides wandert beim Umbau zurück ans Vollverb. Where do you live wird zu where I lived, mit Endung am Verb. Did she call wird zu whether she had called. Wer das übersieht, produziert Sätze wie He asked where I live, obwohl die Verschiebung nötig wäre.
Ist dagegen bereits ein Hilfsverb da, bleibt es einfach stehen und rückt hinter das Subjekt: Are you coming wird zu if I was coming. Have you finished wird zu whether I had finished. Can you swim wird zu whether I could swim. Die Formen selbst folgen den Regeln des Backshift, die hier ebenso gelten wie bei Aussagesätzen.
Zum Vergleich lohnt der Blick auf die direkten Fragen mit do. Wenn du dort sicher bist, siehst du sofort, was beim Berichten abgebaut wird: genau die Umstellung und genau das do — sonst nichts.
Zeichensetzung und typische Fehler
Am Ende einer berichteten Frage steht ein Punkt, kein Fragezeichen. She asked where I was. Der Satz stellt keine Frage, also braucht er kein Fragezeichen. Dasselbe gilt im Deutschen — Er fragte, wo ich bin, endet ebenfalls mit einem Punkt. Trotzdem rutscht das Fragezeichen beim schnellen Schreiben oft mit hinein.
Eine Ausnahme gibt es doch: Wenn der Hauptsatz selbst eine Frage ist, steht am Ende ein Fragezeichen. Did she ask where you were? Hier fragt der Satz wirklich etwas, nämlich ob sie gefragt hat.
Der zweite häufige Fehler ist die verschleppte Umkehrung, meist bei längeren Sätzen. Am Anfang schreibt man richtig, und nach ein paar Wörtern kippt der Satz doch in die Frageform: She wanted to know why the meeting had been cancelled and who was responsible for it — dieser Satz ist korrekt, aber viele bauen an der zweiten Stelle wieder um. Prüfe bei Doppelfragen jeden Teilsatz einzeln.
Der dritte Fehler ist das ausgelassene Anschlusswort. Ohne if oder whether hängt der berichtete Satz in der Luft: He asked I was coming ergibt keinen Satz. Bei Fragewort-Fragen ist das Fragewort selbst dieser Anschluss, bei Entscheidungsfragen musst du eines einsetzen.
Wenn du diese Punkte beherrschst, sind Fragen abgeschlossen. Was mit reinen Aussagesätzen passiert, steht in der Lektion zur indirekten Rede bei Aussagen, und wie man Bitten und Befehle wiedergibt, zeigt die indirekte Rede bei Aufforderungen — dort wird gar kein Nebensatz gebraucht.
Häufige Fragen
- Warum heißt es He asked where I was und nicht where was I?
- Weil der berichtete Teil keine Frage mehr ist, sondern ein Nebensatz. Die Umkehrung von Subjekt und Hilfsverb gehört nur zur echten Frage. Sobald jemand über eine Frage berichtet, steht wieder die normale Reihenfolge Subjekt vor Verb. Auch das Deutsche baut hier um, es schiebt das Verb an das Ende des Nebensatzes: Er fragte, wo ich war.
- Wann muss ich whether statt if nehmen?
- In vier Fällen ist if ausgeschlossen: vor einem to-Infinitiv, nach einer Präposition, direkt vor or not und wenn der Nebensatz Subjekt des Satzes ist. Also whether to go, about whether it works, whether or not she agrees, Whether he comes is unclear. In allen anderen Fällen sind beide möglich, wobei if im Gespräch häufiger und whether förmlicher ist.
- Was passiert mit do und did in der berichteten Frage?
- Sie fallen weg, weil sie nur die Frageform markiert haben. Ihre grammatische Information wandert aber ans Vollverb zurück. Where do you live wird zu where I lived, When did she leave zu when she had left. Wer do einfach stehen lässt, baut Sätze wie He asked where did I live, die im Englischen nicht vorkommen.
- Kommt am Ende ein Fragezeichen?
- Nur wenn der ganze Satz eine Frage ist. She asked what time it was endet mit einem Punkt, weil hier niemand fragt, sondern berichtet wird. Did she ask what time it was endet dagegen mit einem Fragezeichen, weil der Hauptsatz selbst eine Frage stellt. Die Zeichensetzung richtet sich immer nach dem Hauptsatz.
- Heißt if hier wenn oder ob?
- In der berichteten Frage heißt es ob: She asked if I was ready bedeutet, sie fragte, ob ich fertig war. Dasselbe Wort bedeutet im Bedingungssatz wenn: If I'm ready, I'll call you. Welche Bedeutung gilt, erkennst du am Verb davor. Nach ask, wonder, want to know oder be sure steht die Frage, also ob.
Passt dazu
- Backshift — wann die Zeit in der indirekten Rede zurückgehtDie Regel der Zeitenverschiebung in der indirekten Rede — und die vier Fälle, in denen sie ausdrücklich nicht gilt.
- indirekte Rede — Aussagesätze richtig wiedergebenWie man englische Aussagesätze wiedergibt, was sich dabei an Zeiten, Pronomen und Zeitangaben verschiebt und warum der deutsche Konjunktiv hier nichts nützt.
- indirekte Rede bei Aufforderungen — tell somebody to doWie Befehle, Bitten und Ratschläge wiedergegeben werden, warum dabei kein Nebensatz entsteht und weshalb say hier grundsätzlich nicht funktioniert.
- Verben des Berichtens — admit, deny, claim und ihre MusterJedes Berichtsverb bringt sein eigenes Muster mit. Wer den deutschen dass-Satz überträgt, baut zuverlässig falsche Sätze.