Das kannst du danach
- Du erkennst Wendungen, die einer festen Form folgen statt einer Regel.
- Du übernimmst solche Muster als Ganzes, statt sie zu zerlegen.
- Du unterscheidest lebendige Muster von erstarrten Einzelfällen.
- Du vermeidest die typischen Übergeneralisierungen, die aus Herleitung entstehen.
- Du beurteilst, in welchem Register ein idiomatisches Muster tragbar ist.
Wenn die Regel nichts mehr erklärt
Auf den unteren Niveaus funktioniert Englisch als Regelsystem erstaunlich gut. Man lernt, wie Fragen gebaut werden, wie Zeitformen entstehen, wie sich Nebensätze anschließen, und die allermeisten Sätze fallen darunter. Auf C2 stößt man auf eine Restmenge, die sich weigert. How come you didn't tell me? ist eine Frage ohne die sonst zwingende Umstellung und ohne das sonst zwingende Hilfsverb aus der Do-Frage. Long time no see hat weder Subjekt noch Verb. The more the merrier hat zwei Artikel, aber keinen einzigen Satzteil, den man benennen könnte. Diese Sätze sind nicht Umgangssprache am Rand der Norm, sondern von Muttersprachlern jederzeit akzeptierte Standardware.
Der Begriff dafür ist idiomatische Grammatik: ein Muster, das eine feste äußere Form hat, das produktiv verwendet wird und dessen innerer Bau sich aus keiner allgemeinen Regel ableiten lässt. Es ist damit etwas anderes als ein Idiom im landläufigen Sinn. Bei kick the bucket ist die Bedeutung undurchsichtig, die Grammatik aber völlig normal. Bei the sooner the better ist die Bedeutung durchsichtig, die Grammatik aber nicht ableitbar. Genau diese zweite Gruppe wird im Unterricht selten behandelt, weil sie sich schlecht in ein Kapitel einordnen lässt.
Für deutschsprachige Lernende ist das eine ungewohnte Zumutung, und der Grund liegt in der Lerngeschichte. Wer Englisch über Regeln aufgebaut hat, hat auch gelernt, dass eine Abweichung entweder ein Fehler ist oder eine Unterregel hat, die man noch nicht kennt. Beides trifft hier nicht zu. Es gibt keine tiefere Regel hinter How come. Es gibt nur die Beobachtung, dass diese Wendung so und nicht anders lautet. Die richtige Reaktion ist nicht Analyse, sondern Übernahme.
Das Deutsche hat dieselbe Erscheinung, nur fällt sie nicht auf, weil sie nie erklärt werden musste. Wie wäre es mit einem Kaffee ist eine Frage ohne erkennbaren Fragegegenstand. Je früher, desto besser folgt keinem Satzbaumuster, das man sonst brauchen würde. Was solls, ab und zu, gut und gerne — lauter Formen, die man als Block gespeichert hat und nie zerlegt. Wer diese Parallele einmal gesehen hat, akzeptiert das englische Gegenstück deutlich schneller.
| Wendung | Was daran nicht aufgeht | Deutsche Entsprechung |
|---|---|---|
| How come you're late? | Frage ohne Umstellung, ohne do | Wie kommt es, dass du zu spät bist? |
| Long time no see. | kein Subjekt, kein Verb, kein Artikel | Lange nicht gesehen. |
| The more the merrier. | zwei Artikel, kein Prädikat | Je mehr, desto besser. |
| Why not ask her? | Infinitiv ohne to nach why | Warum sie nicht fragen? |
| Not that I know of. | Nebensatz ohne Hauptsatz, Präposition am Ende | Nicht dass ich wüsste. |
| Far be it from me to judge. | Konjunktiv ohne erkennbaren Auslöser | Es liegt mir fern zu urteilen. |
Frageformen, die keine Fragen bauen
Die auffälligste Gruppe sind Fragen, die die englische Fragebildung ignorieren. How come steht vor einem ganz gewöhnlichen Aussagesatz: How come she never mentioned it? Wer hier korrigierend eingreift und How come did she never mention it? sagt, produziert genau den Fehler, den die Analyse verursacht hat. Dasselbe gilt für What if. What if he says no? bleibt ebenfalls in der Aussagestellung. Beide Wendungen verhalten sich wie Konjunktionen, obwohl sie aus Fragewörtern bestehen.
Why folgt einem eigenen Muster, das man kaum irgendwo sonst findet: Why not tell her yourself? und Why bother? verwenden den blanken Infinitiv ohne to. Das ist besonders bemerkenswert, weil die englische Verbergänzung sonst streng geregelt ist und in der Wahl zwischen Gerundium und Infinitiv eine der zuverlässigsten Fehlerquellen überhaupt liegt. Hier gilt keine dieser Regeln. Why standing around? ist falsch, obwohl es nach der Logik der Progressivform naheliegen könnte.
Eine dritte Gruppe sind Rückfragen und Kurzantworten, die auf die Auslassung setzen. Not that I know of, none that I'm aware of, if any, if anything — alles Fragmente, deren fehlende Teile sich aus dem Kontext ergeben. Sie gehören technisch zu der englischen Auslassung, aber ihre Form ist erstarrt: Man kann sie nicht frei nach demselben Bauplan erweitern. Not that I remember of ist falsch, obwohl es analog aussieht. Das of gehört zu know und zu aware, nicht zum Muster.
Der praktische Umgang damit heißt: Diese Wendungen wandern in dieselbe Schublade wie Vokabeln. Man lernt sie als Zeichenkette mit einer Leerstelle. How come plus Aussagesatz. What if plus Aussagesatz. Why not plus Grundform. Wer sie so speichert, macht sie nie falsch. Wer sie herleitet, macht sie regelmäßig falsch.
Das Doppelkomparativ-Muster
The more you practise, the easier it gets ist das produktivste idiomatische Muster des Englischen und zugleich das, das am wenigsten nach Grammatik aussieht. Formal stehen dort zwei Teilsätze, von denen keiner ein Hauptsatz ist, jeweils eingeleitet von the plus einer Vergleichsform. Dieses the ist historisch kein Artikel, sondern ein alter Instrumentalfall, der im heutigen System keine Entsprechung mehr hat. Es bleibt also eine Form ohne Funktion, wie manche der Erscheinungen aus dem älteren Formenbestand.
Wichtig ist die Reihenfolge: In beiden Teilen rückt der Vergleichsausdruck ganz nach vorn, und zwar unabhängig davon, welche Satzrolle er hat. The more books she reads, the less television she watches. More books ist Objekt, steht aber vorn. Wer die Vergleichsform hinten lässt, bekommt einen Satz, der im Englischen sofort als falsch auffällt. Für die Bildung der Vergleichsformen selbst gelten die normalen Regeln aus der Komparativbildung, mit einer Ausnahme: The more, the better lässt beide Bezugsgrößen einfach weg.
Das Verb im ersten Teil steht in der Regel im Präsens, auch wenn es um Zukünftiges geht: The sooner we leave, the better our chances are. Das entspricht dem Verhalten in Bedingungssätzen des ersten Typs und in Zeitsätzen und ist einer der wenigen Punkte, an denen sich das Muster doch an eine Regel hält. Umgekehrt darf im zweiten Teil das Verb komplett fehlen: The bigger, the better. The sooner, the better. Diese Kurzform ist nicht salopp, sondern in jedem Register normal.
Das Deutsche hat mit je … desto ein direktes Gegenstück, und ausnahmsweise hilft die Muttersprache hier. Die Falle liegt woanders: Deutsche stellen im desto-Teil das Verb an die zweite Stelle und übertragen das. Je länger ich warte, desto nervöser werde ich hat Verbzweitstellung, das englische the more I wait, the more nervous I get hat sie nicht. Die Wortstellung folgt der gewöhnlichen englischen Grundordnung aus Subjekt, Verb, Objekt, nur mit dem vorgezogenen Vergleichsausdruck davor.
| Englisch | Bau | Deutsch |
|---|---|---|
| The more, the merrier. | beide Teile ohne Verb | Je mehr, desto besser. |
| The sooner you ask, the better. | zweiter Teil verkürzt | Je eher du fragst, desto besser. |
| The harder he tried, the worse it got. | beide Teile vollständig | Je mehr er sich mühte, desto schlimmer wurde es. |
| The less said, the better. | Partizip statt Verb | Je weniger gesagt wird, desto besser. |
Erstarrte Konjunktive und alte Reste
Eine ganze Reihe fester Wendungen enthält Verbformen, die im heutigen Englisch keine lebendige Funktion mehr haben. Be that as it may, come what may, so be it, God forbid, suffice it to say, far be it from me — in all diesen Fällen steht die Grundform des Verbs an einer Stelle, an der man eine gebeugte Form erwarten würde. Systematisch gehören sie zu den Überbleibseln des Konjunktivs, aber praktisch sind sie Einzelstücke: Man kann das Muster nicht auf neue Fälle ausdehnen. Come what may ist möglich, come what will nicht.
Vom lebendigen Konjunktiv unterscheidet sie genau das. Nach suggest, insist oder recommend steht die Grundform produktiv, mit beliebigen Verben, und dieser Gebrauch aus dem formellen Konjunktiv ist eine echte Regel. Die erstarrten Wendungen dagegen sind Museumsstücke, die man am Stück mitnimmt oder gar nicht. Wer sie erweitert, klingt nicht gehoben, sondern schief.
Ähnlich verhält es sich mit Wendungen, die eine Präposition oder ein Pronomen an ungewöhnlicher Stelle mitführen. It's neither here nor there. That's neither here nor there for me wäre bereits eine Erweiterung zu viel. In it as it were, so to speak, if you will steckt jeweils eine Struktur, die man nicht anfassen darf. Sie fungieren als Abtönung und liegen damit nah an dem, was in der abschwächenden Sprache behandelt wird, sind aber formal unbeweglich.
Die Grenze zwischen lebendig und erstarrt ist die entscheidende Unterscheidung dieser Lektion. Ein lebendiges Muster verträgt Einsetzungen: Nach the more kann fast jeder Vergleichsausdruck stehen. Ein erstarrtes verträgt keine: So be it hat kein Nachbarmuster. Wer beim Lesen bewusst darauf achtet, ob eine Konstruktion in mehreren Varianten begegnet oder immer identisch, hat den Test schon in der Hand.
Muster ohne Subjekt und ohne Verb
Long time no see gehört zu einer kleinen Gruppe von Wendungen, in denen die Verneinung wie im Chinesischen oder im Pidgin vor das Nomen tritt. No pain no gain, no harm no foul, no worries, no can do folgen demselben Bau. Sie haben kein Verb, keinen Artikel und keine Kongruenz. Zu erklären gibt es nichts; zu lernen gibt es die Liste. Wer aus dem Muster ableitet und long time no talk bildet, klingt fremd, obwohl der Bau formal identisch ist.
Verwandt, aber weiter verbreitet sind die verbleiben Kurzformeln des gesprochenen Englisch: fair enough, good point, no such luck, so far so good, same here, other way round. Sie gehören in den Bereich, den die Grammatik des Gesprochenen beschreibt, und sie sind der Grund, warum sich mündliches Englisch beim Zuhören so anders anfühlt als gelesenes. Auch hier lohnt kein Zerlegen. Same here funktioniert, same there nicht.
Eine dritte Gruppe sind Wendungen mit einer Präposition, die nirgendwo anhängt. In for a penny, in for a pound. Better safe than sorry. First come, first served. Once bitten, twice shy. Der Verzicht auf Verb und Artikel gibt ihnen ihren sprichwörtlichen Klang, und genau deshalb sind sie schriftlich sparsam einzusetzen. Wer im Bericht eines Unternehmens auf better safe than sorry ausweicht, wechselt das Register mitten im Satz, was in der Registerlehre als Bruch gilt.
Für den aktiven Gebrauch gilt eine einfache Faustregel: Diese Wendungen sind Antworten, keine Bausteine. Sie stehen für sich, meist als ganzer Redebeitrag, und sie lassen sich nicht in einen längeren Satz einbetten. He said that long time no see ist falsch. He said it had been a long time ist richtig. Wer das trennt, kann sie ohne Risiko verwenden.
Was man daraus praktisch macht
Die Konsequenz ist eine andere Art zu lernen. Ein Muster wie How come speichert man nicht als Grammatikeintrag, sondern als vollständigen Beispielsatz mit einer Leerstelle. Der Satz ist der Anker, die Regel wäre nur eine nachträgliche Erfindung. Das gilt übrigens auch für Bereiche, in denen es sehr wohl Regeln gibt, die aber so viele Ausnahmen haben, dass der Beispielsatz schneller trägt — etwa bei Präpositionen nach Verben oder bei vielen Verbindungen aus dem Bereich der Phrasal Verbs.
Zweitens hilft ein Bewusstsein für die Herkunft der eigenen Fehler. Wer einen Satz produziert hat, der grammatisch stimmt und trotzdem falsch klingt, hat fast immer korrekt hergeleitet, wo Übernahme nötig gewesen wäre. Typische Beispiele: How comes it that, the most better, why not to ask, long time not seen. Alle vier sind Analyseergebnisse. Alle vier sind falsch. In der Sammlung typischer Fehler deutschsprachiger Lernender tauchen sie regelmäßig auf.
Drittens ist Register mitzudenken. Idiomatische Muster sind unterschiedlich formell. The more the better ist neutral und passt überall. Far be it from me ist gehoben und wirkt in einer Alltagsunterhaltung geziert. No can do ist salopp und hat in einem Geschäftsbrief nichts verloren. Wer die Wendung übernimmt, übernimmt ihr Register mit, und dafür gibt es keine Umrechnung — nur das gehörte Beispiel.
Der Aufwand lohnt sich, weil kaum etwas so schnell nach Muttersprachlichkeit klingt wie ein richtig gesetztes idiomatisches Muster. Ein Sprecher, dessen Grammatik makellos ist und der nie How come sagt, klingt gebildet, aber fremd. Ein Sprecher mit ein paar dieser Muster im Repertoire klingt beteiligt. Das ist der eigentliche Ertrag dieser Lektion: nicht Korrektheit, sondern Zugehörigkeit.
Häufige Fragen
- Ist How come umgangssprachlich?
- Es ist gesprochensprachlich, aber nicht salopp. In einer Unterhaltung, einer E-Mail unter Kollegen oder einem Interview ist es völlig unauffällig. In einem förmlichen Text nimmt man Why oder How is it that. Falsch ist es nirgends, es passt nur nicht in jedes Register.
- Warum heißt es the more the better und nicht more is better?
- Das the in dieser Wendung ist kein Artikel, sondern ein Rest einer alten Fallform, die es im heutigen Englisch nicht mehr gibt. Sie hat keine Funktion mehr, gehört aber fest zum Muster. More is better ist ein anderer, ebenfalls möglicher Satz mit anderer Wirkung.
- Kann ich Long time no see auf andere Fälle übertragen?
- Nein. Der Bau sieht produktiv aus, ist es aber nicht. Long time no talk oder long time no hear werden zwar gelegentlich gesagt, klingen aber als Scherz mit der Vorlage. Behandle die Wendung als Einzelstück.
- Wie erkenne ich, ob ein Muster produktiv ist oder erstarrt?
- Achte beim Lesen und Hören darauf, ob dir die Konstruktion in unterschiedlichen Füllungen begegnet. The more … the … kommt ständig mit neuen Wörtern vor, ist also produktiv. So be it kommt immer identisch vor, ist also erstarrt. Ein Muster, das du nur in einer einzigen Form gesehen hast, verwendest du auch nur in dieser Form.
- Muss ich diese Wendungen aktiv beherrschen?
- Verstehen musst du sie, sonst stolperst du im Gespräch. Aktiv reichen einige wenige, die zu deinem Register passen. Fünf sicher gesetzte Wendungen bringen mehr als zwanzig halb erinnerte, die du im Satz dann doch verbiegst.
Passt dazu
- Abschwächung — hedging und vorsichtiges Formulieren im EnglischenWarum It might be worth considering im Englischen normal ist und die direkte deutsche Übertragung unhöflich wirkt, ohne dass du es merkst.
- altertümliche Formen — thou, shall und whom im heutigen EnglischWo dir thou, thee, shall und whom heute noch begegnen, was sie bedeuten und welche dieser Formen du selbst benutzen solltest.
- Bindewörter der Ergänzung — moreover, furthermore, in additionWann moreover, furthermore und in addition stehen, wie sie interpunktiert werden und warum außerdem alle drei zugleich übersetzt.
- Bindewörter des Gegensatzes — however, whereas, neverthelessWelches Wort einen Nebensatz einleitet und welches ein eigener Satzverbinder ist, warum however he was tired falsch ist und wie die Kommas sitzen.
- Bindewörter des Grundes — because, since, as und due toWann because steht und wann since oder as, warum due to ein Nomen verlangt und wie sich das vom deutschen weil unterscheidet.
- britisch gegen amerikanisch — Grammatik, nicht nur WortschatzDie Unterschiede reichen tiefer als lift und elevator: Zeitformen, Sammelbegriffe, Verbformen, Präpositionen und der Konjunktiv.