Das Wichtigste in Kürze
- Scheinanglizismen sind deutsche Wörter aus englischem Material.
- Sie sind besonders tückisch, weil sie sich beim Sprechen richtig anfühlen.
- Manche existieren im Englischen tatsächlich, bedeuten dort aber etwas anderes.
- Die Lösung ist kein Regelwerk, sondern eine kurze Liste, die man einmal lernt.
- Britisches und amerikanisches Englisch weichen bei einigen dieser Wörter voneinander ab.
Woher das Missverständnis kommt
Englische Wörter, die es im Englischen nicht gibt, klingen wie ein Widerspruch, beschreiben aber einen alltäglichen Vorgang. Das Deutsche nimmt englisches Material — ein Wort, eine Endung, ein Muster — und baut daraus einen neuen Begriff, den es im Englischen so nie gab. Fachleute nennen das Scheinanglizismus. Für Lernende ist es eine der unauffälligsten Fehlerquellen überhaupt.
Unauffällig ist sie deshalb, weil das Gefühl fehlt, etwas Deutsches zu sagen. Wer „Fenster“ sagt, weiß, dass er übersetzen muss. Wer „Handy“ sagt, hat den Eindruck, bereits Englisch zu sprechen — und wird trotzdem nicht verstanden. Der Fehler entsteht nicht aus Unwissen, sondern aus falscher Sicherheit.
Dazu kommt ein zweiter Fall, der noch schwerer zu bemerken ist: Manche dieser Wörter existieren im Englischen wirklich, meinen dort aber etwas anderes. Dann versteht der Gegenüber einen Satz, nur eben nicht den gemeinten. Solche Verwechslungen gehören in dieselbe Familie wie die anderen typischen Fehler Deutschsprachiger.
Die bekanntesten Fälle
Die folgende Übersicht sammelt Wörter, bei denen die Abweichung eindeutig ist. Die rechte Spalte nennt jeweils den üblichen englischen Ausdruck; wo britisches und amerikanisches Englisch auseinandergehen, steht beides. Britisches Englisch gilt hier als Standard, die amerikanische Form ist ausdrücklich gekennzeichnet.
Auffällig ist, dass viele dieser Wörter aus dem Bereich Technik und Arbeitswelt stammen. Genau dort wurden in den letzten Jahrzehnten die meisten Begriffe neu gebraucht, und genau dort greift das Deutsche am liebsten zu englischem Material. Passende Wortfelder sind Technik und Internet sowie Arbeit und Büro.
| Deutsches Wort | Klingt englisch nach | Heißt tatsächlich |
|---|---|---|
| Handy | handy (praktisch) | mobile phone, amerikanisch cell phone |
| Beamer | beam (Strahl) | projector |
| Oldtimer | old-timer (alter Mensch) | classic car, vintage car |
| Public Viewing | öffentliches Ansehen | public screening, outdoor screening |
| Homeoffice | home office (Arbeitszimmer) | working from home, remote work |
| Shooting | shooting (Schießerei) | photo shoot |
| Wellness | wellness (Wohlbefinden) | spa, spa break |
| Mobbing | mob (Meute) | bullying, im Beruf workplace bullying |
| Smoking | smoking (das Rauchen) | dinner jacket, amerikanisch tuxedo |
| Basecap | base cap | baseball cap |
Wenn das Wort existiert, aber anderes meint
Die gefährlichere Hälfte der Liste sind die Wörter, die es wirklich gibt. „Shooting“ ist ein englisches Wort, es bezeichnet aber einen Schusswechsel. Wer einem englischsprachigen Gegenüber erzählt, er habe am Samstag ein shooting gehabt, löst kurz Besorgnis aus. Gemeint war ein photo shoot.
Ähnlich liegt der Fall bei „Public Viewing“. In den Vereinigten Staaten bezeichnet der Ausdruck die öffentliche Aufbahrung eines Verstorbenen. Wer zum gemeinsamen Fußballschauen einlädt, sagt besser public screening oder einfach: We are watching the match on a big screen in the park.
„Homeoffice“ ist ein dritter Fall dieser Art. Ein home office ist im Englischen der Raum, in dem jemand zu Hause arbeitet, nicht die Arbeitsform; in Großbritannien ist the Home Office zusätzlich ein Ministerium. Die Arbeitsform heißt working from home, oft abgekürzt als WFH. Weitere solche Kürzel stehen unter Abkürzungen.
Und „Oldtimer“ meint im Englischen einen alten Menschen, meist wohlwollend gemeint, gelegentlich einen langjährigen Mitarbeiter in einem Betrieb. Das Fahrzeug dagegen ist ein classic car oder ein vintage car. Wer im Gespräch unsicher ist, beschreibt lieber, statt zu raten: a car from the 1960s versteht jeder, und niemand muss dabei ein Wort erraten.
Wo Scheinanglizismen entstehen
Ein häufiges Muster ist die Verkürzung. Aus einem längeren englischen Ausdruck bleibt im Deutschen ein Teil übrig, der allein nichts mehr bedeutet. „Basecap“ ist so entstanden, ebenso das Verb „chillen“ aus chill out. Im Englischen bleibt der zweite Bestandteil dagegen häufig stehen, weil viele dieser Ausdrücke Phrasal Verbs sind.
Ein zweites Muster ist die Neuzusammensetzung. Das Deutsche liebt Komposita und bildet sie auch aus englischen Teilen, ohne dass es das Ergebnis im Englischen gäbe. „Public Viewing“ und „Beamer“ gehören hierher: Die einzelnen Bestandteile sind englisch, die Verbindung ist deutsch. Ein englischsprachiger Zuhörer hört also lauter bekannte Teile und kann sie trotzdem nicht zusammensetzen.
Ein drittes Muster ist die Bedeutungsverengung. „Wellness“ heißt im Englischen allgemein Wohlbefinden und ist kein feststehender Begriff für Hotels mit Sauna und Massage. Wer im Englischen ein solches Angebot meint, sagt spa oder spa break. Das dazugehörige Reisevokabular findet sich unter Hotel, und es lohnt sich vor jeder Buchung.
Alle drei Muster haben denselben Hintergrund: Das Deutsche entlehnt nicht ganze Wörter, sondern Bausteine, und baut damit selbständig weiter. Das ist normale Sprachentwicklung und für sich genommen kein Fehler — ein Fehler entsteht erst auf dem Rückweg ins Englische, wenn man das fertige deutsche Ergebnis für englisch hält. Mehr dazu unter Denglisch vermeiden.
Die Gegenrichtung
Interessanterweise funktioniert der Vorgang auch in die andere Richtung. Das Englische hat deutsche Wörter übernommen und ihnen dabei häufig eine engere Bedeutung gegeben: kindergarten, rucksack, angst, zeitgeist. Ein englischer Satz mit angst meint nicht jede beliebige Sorge, sondern eine diffuse, meist jugendliche Beklemmung, und ein kindergarten ist in den Vereinigten Staaten ein Schuljahr, keine Einrichtung für Kleinkinder.
Für Lernende ist das eine kleine Hilfe, denn diese Wörter darf man tatsächlich benutzen. Man sollte nur die Aussprache anpassen und nicht davon ausgehen, dass jedes deutsche Wort auf demselben Weg funktioniert. Welche es sind, steht unter deutsche Wörter im Englischen.
Was in beide Richtungen gilt: Entlehnte Wörter behalten ihre Bedeutung selten vollständig. Beim Übernehmen wird fast immer ein Teil weggelassen oder verschoben, und genau dieser weggelassene Teil ist es, der später zu Missverständnissen führt. Wer eine Entlehnung benutzt, sollte deshalb wissen, welchen Ausschnitt sie in der Zielsprache abdeckt.
Wie man sich das abgewöhnt
Der erste Schritt ist eine kurze Liste. Es sind keine hunderte Wörter, sondern einige Dutzend, und die meisten davon stehen in der Tabelle weiter oben. Wer sie einmal bewusst durchgeht und die englischen Entsprechungen zusammen mit einem Beispielsatz notiert, hat den größten Teil des Problems erledigt.
Der zweite Schritt ist Aufmerksamkeit im eigenen deutschen Sprechen. Jedes englisch klingende Wort, das im Alltag fällt, ist ein Kandidat. Wer sich angewöhnt, an dieser Stelle kurz innezuhalten, sammelt seine persönliche Liste in wenigen Wochen zusammen — sie ist wirksamer als jede allgemeine.
Der dritte Schritt ist Ersatz durch Beschreibung. Wenn der richtige Ausdruck fehlt, hilft ein Nebensatz mehr als ein geratenes Wort: the thing you connect to a laptop to show slides on a wall ist umständlich, aber es kommt an. Solche Umschreibungen sind eine eigene Fähigkeit, und sie zahlt sich beim Wortschatzaufbau doppelt aus.
Der vierte Schritt ist Kontakt mit echtem Sprachgebrauch. Wer regelmäßig englische Nachrichten liest oder hört, merkt nach kurzer Zeit, welche vermeintlich englischen Wörter dort schlicht nie vorkommen. Dieses Fehlen fällt stärker auf als jede Liste. Passend dazu ist das Wortfeld Nachrichten, und die gesprochene Ebene behandelt englische Umgangssprache.
Zwei Varianten, zwei Antworten
Bei einigen dieser Wörter reicht eine einzige englische Entsprechung nicht, weil Großbritannien und die Vereinigten Staaten unterschiedliche Ausdrücke benutzen. Das Telefon ist im britischen Englisch ein mobile oder mobile phone, im amerikanischen ein cell phone oder kurz cell. Beide sind richtig, aber nicht beliebig austauschbar.
Ähnlich verhält es sich beim festlichen Anzug: dinner jacket im britischen Englisch, tuxedo oder kurz tux im amerikanischen. Die Mütze mit Schirm dagegen heißt in beiden Varianten baseball cap und niemals basecap. Wer viel telefoniert, findet weitere Unterschiede dieser Art im Wortfeld Telefonieren.
Praktisch heißt das: Entscheiden Sie sich für eine Variante und bleiben Sie im selben Text oder Gespräch dabei. Eine Mischung fällt auf, auch wenn sie niemand ausdrücklich korrigiert. Welche Variante wofür spricht und wo die Unterschiede sonst noch liegen, steht unter britisches oder amerikanisches Englisch lernen.
Häufige Fragen
- Was ist ein Scheinanglizismus?
- Ein deutsches Wort, das aus englischem Material gebaut ist, im Englischen aber so nicht existiert oder etwas anderes bedeutet. „Handy“ und „Beamer“ sind die bekanntesten Beispiele.
- Sind solche Wörter im Deutschen falsch?
- Nein. Im Deutschen sind sie ganz normale Wörter. Ein Problem werden sie erst, wenn man sie unverändert in einen englischen Satz übernimmt und annimmt, sie seien englisch.
- Wie viele dieser Wörter muss ich lernen?
- Deutlich weniger, als man befürchtet. Die alltagsrelevanten Fälle passen auf eine Seite. Wer sie einmal mit Beispielsatz notiert und gelegentlich look up, hat den Großteil abgedeckt.
- Woran erkenne ich einen Scheinanglizismus im eigenen Sprechen?
- An dem Gefühl, dass ein Wort bereits englisch ist. Genau dort lohnt das Nachschlagen. Wörter, die man ganz selbstverständlich benutzt, prüft sonst niemand — deshalb überleben sie am längsten.
Redaktion Englischclub · zuletzt aktualisiert am 10. September 2026
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