englischclub
ab B2Wissenschaft und Bildung7 Min. Lesezeit

Englisch für das Studium: Fachtexte und Hausarbeiten

Fachliteratur lesen, zitieren, schreiben und vortragen — was im Studium sprachlich verlangt wird und wie man es aufbaut.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fachtexte liest man nicht von vorn bis hinten, sondern nach Struktur.
  • Akademisches Englisch verlangt klare, kurze Sätze statt verschachtelter Konstruktionen.
  • Der Wortschatz der Wissenschaftssprache ist begrenzt und lernbar.
  • Vortragen folgt festen Signalwörtern, die Orientierung geben.

Was im Studium verlangt wird

Englisch für das Studium unterscheidet sich vom Alltagsenglisch weniger im Wortschatz als in der Form. Verlangt werden vier Dinge: Fachtexte verstehen, korrekt zitieren, selbst schreiben und vortragen.

Das Sprechen im Alltag spielt dabei eine kleinere Rolle, als viele erwarten. Wer in einem internationalen Studiengang eingeschrieben ist, scheitert selten am Gespräch und oft an der schriftlichen Form.

Hilfreich ist, die vier Bereiche getrennt anzugehen. Lesen lässt sich in Wochen verbessern, Schreiben braucht Monate, und beides hat wenig miteinander zu tun.

Dieser Beitrag geht die Bereiche einzeln durch und nennt jeweils die Mittel, die sich bewährt haben.

Fachtexte lesen

Wissenschaftliche Artikel folgen einem festen Aufbau: abstract, introduction, methods, results, discussion. Wer das weiß, liest nicht von vorn nach hinten, sondern gezielt.

Üblich ist die Reihenfolge abstract, dann Einleitung und Diskussion, erst danach die Einzelheiten. Nach dem Abstract weiß man meist schon, ob der Text überhaupt gebraucht wird.

Unbekannte Wörter schlägt man nicht einzeln nach. Fachbegriffe wiederholen sich, und wer die zwanzig häufigsten seines Gebiets kennt, versteht achtzig Prozent der Literatur.

Hilfreich ist die Technik, zuerst den ersten und letzten Satz jedes Absatzes zu lesen. In englischen Fachtexten tragen diese beiden Sätze fast immer die Aussage.

Nützlich ist außerdem, sich die Literaturliste des Kurses früh anzusehen und zwei bis drei Texte vorab zu lesen. Wer die zentralen Begriffe eines Gebiets kennt, bevor die Sitzung beginnt, folgt der Diskussion ohne Mühe — das spart später deutlich mehr Zeit, als die Vorbereitung kostet.

Die Sprache der Wissenschaft

Akademisches Englisch ist nüchterner als deutsches. Lange Schachtelsätze gelten nicht als anspruchsvoll, sondern als unklar; der Maßstab ist Verständlichkeit, nicht Dichte.

Es gibt einen festen Vorrat an Formulierungen: „This paper argues that“, „Previous research has shown“, „The findings suggest“, „Further research is needed“. Diese Bausteine kehren in jedem Fach wieder.

Typisch sind außerdem vorsichtige Formulierungen, englisch „hedging“: „may indicate“, „appears to“, „is likely to“. Wer zu bestimmt formuliert, wirkt unwissenschaftlich.

Der Wortschatz dafür ist überschaubar. Listen akademischer Wörter umfassen einige hundert Einträge und decken einen großen Teil wissenschaftlicher Texte ab.

Zu meiden sind dagegen Füllformeln, die nichts aussagen. Sätze wie „It is an interesting fact that“ oder „Since the beginning of time“ kosten Platz und Glaubwürdigkeit; in Bewertungsrastern gelten sie als Schwäche, nicht als Stil.

Hausarbeiten schreiben

Der Aufbau ist vorgegeben und sollte nicht variiert werden: Einleitung mit Fragestellung, Hauptteil mit Argumenten und Belegen, Schluss mit Ergebnis.

Jeder Absatz behandelt einen Gedanken und beginnt mit einem Satz, der ihn ankündigt — englisch „topic sentence“. Diese Regel ist strenger als im Deutschen und wird in der Bewertung tatsächlich geprüft.

Verbindungen tragen den Text: however, therefore, moreover, in contrast, consequently. Eine Übersicht bieten die Lektionen zu Bindewörtern des Gegensatzes und Bindewörtern des Grundes.

Die Ich-Form ist je nach Fach erlaubt oder unerwünscht. In den Naturwissenschaften überwiegt das Passiv, in den Geisteswissenschaften ist „I argue“ häufig zulässig.

Zitieren

Welches System gilt — Harvard, APA, MLA oder Chicago —, legt das Fach fest. Innerhalb einer Arbeit wird nicht gemischt, und die Formvorgaben sind verbindlich.

Wichtig ist der Unterschied zwischen wörtlichem Zitat, Paraphrase und Zusammenfassung. Alle drei brauchen einen Beleg; auch wer nur den Gedanken übernimmt, nennt die Quelle.

Die Regeln werden an englischsprachigen Hochschulen strenger gehandhabt als an vielen deutschen. Verstöße gelten als Täuschung und werden ernsthaft verfolgt.

Praktische Hinweise dazu stehen in Englisch im Auslandssemester.

Hilfreich ist ein Literaturverwaltungsprogramm, das die Belege automatisch im geforderten System formatiert. Das erspart Stunden und verhindert die Flüchtigkeitsfehler, die bei Dutzenden Quellen sonst unvermeidlich sind.

Vorträge und Präsentationen

Ein Vortrag braucht Signalwörter, die dem Publikum zeigen, wo man steht: „First of all“, „Moving on to“, „This brings me to“, „To sum up“.

Üblich ist eine knappe Ankündigung zu Beginn: „I'll cover three points today.“ Danach folgt der Vortrag genau in dieser Reihenfolge — Abweichungen irritieren.

Fragen beantwortet man kurz und sagt notfalls, dass man es nicht weiß: „That's a good question — I'd have to look into that.“ Das ist akzeptabel und besser als eine erfundene Antwort.

Weitere Formulierungen stehen in Präsentation auf Englisch halten.

In Seminaren mitreden

An vielen Hochschulen wird Beteiligung erwartet und teilweise benotet. Wer schweigt, gilt nicht als zurückhaltend, sondern als unvorbereitet.

Nützlich sind Einstiegsformeln, die Zeit verschaffen: „Building on that point …“, „I'd like to add something“, „Could I come back to the earlier question?“

Für Widerspruch gilt die übliche Verpackung aus Zugeständnis und Einwand, wie sie Zustimmen und widersprechen beschreibt.

Praktisch hilft, sich vor jeder Sitzung eine Frage zu notieren. Wer eine Frage mitbringt, kommt leichter ins Gespräch als jemand, der auf eine Gelegenheit wartet.

Prüfungen und Klausuren

Klausurfragen enthalten Signalverben, die genau bestimmen, was verlangt ist: describe, compare, evaluate, discuss, analyse. Wer „discuss“ liest und nur beschreibt, verliert Punkte.

„Evaluate“ verlangt eine Bewertung mit Begründung, „compare“ eine Gegenüberstellung, „outline“ nur einen Überblick. Diese Unterschiede sind in Bewertungsrastern festgeschrieben.

Hilfreich ist, die Frage vor dem Schreiben in eigene Worte zu fassen. Wer die Aufgabe falsch versteht, schreibt eine gute Arbeit zum falschen Thema.

Für mündliche Prüfungen gelten eigene Regeln, die Mündliche Englischprüfung behandelt.

Wie man gezielt aufbaut

Für das Lesen genügt ein Artikel pro Woche aus dem eigenen Fach, gründlich bearbeitet. Nach einem Semester kennt man die Begriffe des Gebiets.

Für das Schreiben ist Rückmeldung entscheidend. Hochschulen bieten meist ein Schreibzentrum oder „academic skills centre“, und die Beratung dort ist kostenlos.

Der allgemeine Wortschatz lässt sich nebenbei aufbauen, etwa über Zeitungen oder gezielt nach Wortfeldern wie Wissenschaft und Schule und Studium.

Und schließlich lohnt ein Blick auf den eigenen Stand: Wer unter B2 liegt, braucht zuerst Sprachaufbau, bevor Fachtexte überhaupt sinnvoll sind — Sprachniveau einschätzen hilft bei dieser Entscheidung.

Eine wirksame Gewohnheit ist, jede Woche eine Seite auf Englisch zu schreiben und sie nach drei Tagen erneut zu lesen. Mit Abstand erkennt man die eigenen Muster — zu lange Sätze, fehlende Verbindungen, unklare Absätze — und genau diese Muster entscheiden über die Note.

Häufige Fragen

Welches Niveau brauche ich für ein englischsprachiges Studium?
Die meisten Programme verlangen B2, viele C1. Maßgeblich sind die Zulassungsbedingungen der Hochschule, die oft auch bestimmte Tests vorschreiben.
Darf ich in Hausarbeiten ich schreiben?
Das hängt vom Fach ab. In den Naturwissenschaften ist das Passiv üblich, in den Geisteswissenschaften ist die Ich-Form oft zulässig. Im Zweifel fragt man die Betreuung.
Wie lese ich einen Fachartikel am schnellsten?
Zuerst das Abstract, dann Einleitung und Diskussion, erst danach die Methoden. Nach dem Abstract weiß man meist schon, ob der Text gebraucht wird.
Was bedeutet discuss in einer Klausurfrage?
Argumente abwägen und zu einem begründeten Ergebnis kommen — nicht nur beschreiben. Die Signalverben in Prüfungsfragen sind festgelegt und entscheiden über die Bewertung.

Redaktion Englischclub · zuletzt aktualisiert am 03. Oktober 2026

Weiterlesen

Alle Beiträge stehen im Blog.