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C1Passiv16 Min. Lesezeit

Passiv fortgeschritten — zwei Objekte, get-Passiv, Präpositionalverben

Wie das Englische aus zwei Objekten zwei Passivsätze macht, wann get statt be steht und warum die Präposition am Satzende bleibt.

Das kannst du danach

  • Du bildest aus Sätzen mit zwei Objekten beide möglichen Passivformen.
  • Du setzt das get-Passiv dort ein, wo es umgangssprachlich und negativ gefärbt passt.
  • Du bildest das Passiv von Präpositional- und Phrasal Verbs mit der Präposition am Satzende.
  • Du erkennst, welche englischen Passivsätze im Deutschen unmöglich sind.
  • Du wählst zwischen Passiv, unpersönlichem Subjekt und Aktiv nach Register.

Was hier vorausgesetzt wird

Diese Lektion setzt voraus, dass Bildung und Grundgebrauch sitzen. Wer noch überlegen muss, wie be plus Past Participle in den einzelnen Zeitformen aussieht, sollte zuerst den Passiv-Überblick und die beiden Grundlektionen zu Passiv in der Gegenwart und Passiv in der Vergangenheit wiederholen. Hier geht es um die Fälle darüber hinaus.

Diese Fälle haben eines gemeinsam: Sie funktionieren im Englischen und im Deutschen unterschiedlich, und zwar nicht in Nuancen, sondern grundsätzlich. Ein englischer Satz wie I was given the book hat keine wörtliche deutsche Entsprechung. Man kann ihn übersetzen, aber nicht nachbauen. Genau deshalb entstehen hier die Fehler, die auch bei sonst gutem Englisch bleiben.

Der Grund liegt im Kasussystem. Das Deutsche markiert am Artikel, ob ein Objekt Dativ oder Akkusativ ist, und nur der Akkusativ darf zum Passivsubjekt werden. Dem Mann wird das Buch gegeben — dem Mann bleibt im Dativ stehen, obwohl der Satz passiv ist. Das Englische hat diese Markierung nicht und behandelt beide Objekte als gleichwertig. Was formal gleich aussieht, darf auch dieselbe Stelle einnehmen.

Daraus folgt der zentrale Satz dieser Lektion: Das Englische kann fast alles ins Passivsubjekt heben, was hinter dem Verb steht. Das Deutsche kann das nur mit dem Akkusativobjekt. Alle folgenden Abschnitte sind Ausprägungen dieses einen Unterschieds.

Zwei Objekte, zwei Passivsätze

Verben wie give, send, offer, tell, show, pay, teach, lend, promise, award nehmen zwei Objekte: They gave her a prize. Daraus lassen sich im Englischen zwei Passivsätze bilden. Erstens mit der Person als Subjekt: She was given a prize. Zweitens mit der Sache als Subjekt: A prize was given to her. Beide sind korrekt, aber sie sind nicht gleich häufig.

Die Personenvariante ist die deutlich übliche. She was given a prize klingt normal, A prize was given to her klingt nach Urkundentext. Das hat einen Grund: Englische Sätze setzen bevorzugt das Bekannte nach vorn, und die Person ist im Gespräch meist schon eingeführt. Die Sachvariante wählt man nur, wenn die Sache im Mittelpunkt steht oder wenn kontrastiert wird.

Für deutsche Sprecher ist genau die übliche Variante die unmögliche. Sie wird mir gegeben ist deutsch nicht bildbar, weil mir im Dativ steht. Die Folge: Deutschsprachige greifen automatisch zur Sachvariante und produzieren einen englisch korrekten, aber steifen Satz. Wer sich das abgewöhnt, gewinnt sofort an Natürlichkeit.

Merke dir außerdem die Präposition. In der Sachvariante muss die Person mit to oder for angeschlossen werden: The book was sent to me, A chair was found for her. Ohne Präposition ist der Satz falsch. In der Personenvariante steht die Sache dagegen nackt dahinter: I was sent the book. Welche Form der Objektpronomen dabei steht, ändert sich nicht, nur ihre Position.

Ein Sonderfall sind explain, describe, suggest, announce und mention. Diese Verben nehmen die Person nie ohne Präposition: They explained the rule to me, nicht They explained me the rule. Folglich gibt es auch kein I was explained the rule — ein Fehler, der auf C1 noch regelmäßig auftaucht.

AktivPassiv (Person)Passiv (Sache)Üblich
They gave her a prize.She was given a prize.A prize was given to her.Person
We sent him the invoice.He was sent the invoice.The invoice was sent to him.beide
They offered me the job.I was offered the job.The job was offered to me.Person
Someone told us the truth.We were told the truth.The truth was told to us.Person
They explained the rule to me.The rule was explained to me.nur Sache

Das get-Passiv

Neben be gibt es get als Passivhilfsverb: He got fired. Our car got stolen last week. She got promoted after two years. Grammatisch geschieht dasselbe, stilistisch nicht. Das get-Passiv ist gesprochene Sprache, es hat kein förmliches Register und taucht in Verträgen, wissenschaftlichen Texten und amtlichen Schreiben nicht auf.

Zwei Eigenschaften unterscheiden es vom be-Passiv. Erstens der Beiklang: get bezeichnet meist etwas Plötzliches, Unerwartetes und oft Unerfreuliches. He got hurt, they got caught, the window got broken. Positive Fälle gibt es — got married, got promoted —, sie sind aber in der Minderheit. Zweitens die Betonung des Betroffenen: get rückt näher an das Subjekt heran und legt nahe, dass es die Folgen trägt.

Daraus folgt ein feiner Bedeutungsunterschied, den man im Deutschen nicht abbilden kann. He was hurt in the accident ist neutral berichtend. He got hurt in the accident betont, dass es ihn traf. Das Deutsche hat mit „bekommen“ nur beim Passiv mit Dativobjekt eine Entsprechung — er bekam das Buch geschenkt —, und die deckt einen ganz anderen Fall ab.

Formal gibt es zwei Einschränkungen. Das get-Passiv steht selten mit einem by-Objekt: The window got broken by the boys ist möglich, klingt aber unrund. Und es verträgt sich schlecht mit Zustandsbeschreibungen: The door is closed beschreibt einen Zustand, The door got closed einen Vorgang. Wer den Zustand meint, muss be nehmen.

Nicht verwechseln solltest du dieses get mit dem veranlassenden get in have und get something done. I got my hair cut heißt, dass ich es habe schneiden lassen; I got cut heißt, dass ich verletzt wurde. Der Unterschied liegt allein daran, ob zwischen get und dem Partizip ein Objekt steht.

be-Passivget-PassivUnterschied
He was arrested.He got arrested.neutral gegen umgangssprachlich
The vase was broken.The vase got broken.Zustand gegen Vorgang
They were married in May.They got married in May.beide üblich, get lebendiger
She was promoted.She got promoted.get betont die Person
The report was written by Tom.by-Objekt meidet get

Passiv bei Präpositional- und Phrasal Verbs

Verben, die fest an eine Präposition gebunden sind, bilden im Englischen ein Passiv, bei dem die Präposition am Satzende hängen bleibt. Somebody has slept in this bed wird zu This bed has been slept in. The children were well looked after. The proposal was thoroughly gone through. Für deutsche Ohren klingt das erst einmal wie ein abgebrochener Satz.

Die Regel dahinter ist einfach: Das Objekt der Präposition rückt an die Subjektstelle, die Präposition selbst bleibt stehen, weil sie zum Verb gehört und nicht zum Objekt. Genau darum darf man sie nicht mitnehmen. In looked after nach vorn zu ziehen — After the children were looked — ergibt keinen Satz.

Das Deutsche kann das nicht. Auf jemanden wird aufgepasst geht nur mit unpersönlichem es oder ganz ohne Subjekt. Deshalb umgehen deutschsprachige Sprecher diese Konstruktion und formulieren aktiv, wo Englisch passiv formulieren würde. Wer die Konstruktion beherrscht, spart oft einen ganzen Nebensatz. Wenn dir die zugrunde liegenden Verben noch nicht geläufig sind, hilft die Einführung in Phrasal Verbs und die Übersicht zu Präpositionen nach Verben.

Nicht jedes Verb mit Präposition lässt sich so passivieren. Es funktioniert dann, wenn die Verbindung eine feste Einheit bildet und das Objekt wirklich betroffen ist. look after, take over, deal with, refer to, rely on, account for, talk about, send for gehen problemlos. Bei rein örtlichen Angaben geht es nicht: She sat on the chair ergibt kein The chair was sat on, außer man meint tatsächlich einen beschädigten Stuhl.

Bei dreiteiligen Verben bleiben beide Partikel stehen: This behaviour will not be put up with. Der Satz wirkt schwerfällig, ist aber korrekt und in förmlichem Schriftverkehr durchaus üblich.

Passiv mit Infinitiv und unpersönlichen Konstruktionen

Eine besondere Gruppe bilden Verben des Sagens und Denkens. Aus People say that he lives abroad entstehen zwei Passivformen: It is said that he lives abroad und He is said to live abroad. Die zweite Form, das persönliche Passiv mit Infinitiv, ist im Englischen sehr häufig und im Deutschen fast unbekannt. Ausführlich steht das in Passiv mit Verben des Sagens.

Wichtig ist die Zeitenfolge. Bezieht sich der Infinitiv auf dieselbe Zeit wie das Hauptverb, steht der einfache Infinitiv: He is believed to be in France. Liegt er davor, steht der Perfektinfinitiv: He is believed to have left the country. Wer diese Unterscheidung nicht macht, verschiebt die Aussage um Jahre.

Daneben gibt es Passivformen mit Modalverben und Perfektformen, die zusammengesetzt lang werden: The decision should have been taken earlier. The building is being renovated. The files will have been deleted by then. Diese Ketten sind mechanisch aufgebaut — jedes Hilfsverb bestimmt die Form des nächsten —, wirken aber beim ersten Lesen abschreckend.

Für den Textbau gilt: Das Passiv ist im Englischen kein Notbehelf, sondern das übliche Mittel, um das Bekannte an den Satzanfang zu stellen und das Neue ans Ende. Deshalb ist es im Bericht, im Verfahrenstext und in der Wissenschaft so häufig. Wie stark es das Register hebt, gehört zur Frage von formell und informell — be-Passiv hebt, get-Passiv senkt.

Ein letzter praktischer Hinweis: Englische Stilratgeber warnen vor zu viel Passiv, deutsche Lehrbücher übernehmen diese Warnung. Sie gilt für erzählende und werbende Texte. Für Fachtexte gilt sie nicht, dort ist das Passiv die erwartete Form.

KonstruktionBeispielDeutsch
it-PassivIt is said that she resigned.Es heißt, sie sei zurückgetreten.
persönliches PassivShe is said to have resigned.Sie soll zurückgetreten sein.
VerlaufsformThe road is being repaired.Die Straße wird gerade repariert.
ModalverbIt must be done today.Es muss heute erledigt werden.
Perfekt + ModalIt should have been checked.Es hätte geprüft werden müssen.

Typische Fehler und britisch-amerikanische Unterschiede

Der häufigste Fehler ist das erfundene Passiv bei explain-Verben: I was explained the situation. Richtig ist The situation was explained to me. Der zweite ist die vergessene Präposition in der Sachvariante: The book was sent me statt The book was sent to me. Der dritte ist die weggelassene Endpräposition: The children were looked after gerät zu The children were looked.

Ein vierter Fehler betrifft Verben, die gar kein Passiv bilden. Have im Sinne von besitzen, lack, resemble, suit, fit, become gehören dazu: A hat was had by him ist unmöglich. Diese Verben haben zwar ein Objekt, beschreiben aber keinen Vorgang, der jemanden betrifft.

Zwischen den Varianten gibt es kleine, aber sichtbare Unterschiede. Britisches Englisch bildet das Passiv bei need mit Gerundium — The car needs washing —, amerikanisches nutzt daneben The car needs washed in einigen Regionen und sonst The car needs to be washed. Beim get-Passiv ist der amerikanische Gebrauch etwas breiter und reicht weiter in halbförmliche Texte hinein, während er britisch klar mündlich bleibt.

Zum Üben nimmst du am besten Nachrichtenmeldungen. Suche in einem englischen Artikel alle Passivformen und frage dich bei jeder, warum sie dort steht: Ist der Handelnde unbekannt, unwichtig oder soll er unerwähnt bleiben? Diese drei Gründe decken fast alle Fälle ab, und wer sie erkennt, trifft die eigene Wahl schneller.

Häufige Fragen

Warum heißt es I was given the book und nicht Me was given?
Weil das Passivsubjekt im Englischen immer in der Subjektform steht, unabhängig davon, welche Rolle es im Aktivsatz hatte. Im Aktiv war es Objekt — they gave me the book —, im Passiv wird es Subjekt und heißt deshalb I. Das Deutsche kann diesen Schritt nicht gehen, weil mir im Dativ bleibt.
Wann nehme ich get statt be im Passiv?
In gesprochener und informeller Sprache, wenn etwas Plötzliches oder Unerfreuliches passiert: he got fired, the car got stolen. In förmlichen Texten, in der Wissenschaft und im Schriftverkehr steht be. Mit einem by-Objekt klingt get unrund, und für Zustandsbeschreibungen ist es ungeeignet.
Darf ein englischer Satz wirklich mit einer Präposition enden?
Ja. Bei Passivformen von Präpositionalverben ist das die einzige mögliche Form: This bed has been slept in, the children were looked after. Die alte Schulregel gegen Präpositionen am Satzende stammt aus einem Versuch, lateinische Syntax aufs Englische zu übertragen, und gilt heute nicht mehr.
Was ist der Unterschied zwischen It is said that he left und He is said to have left?
Inhaltlich keiner, stilistisch schon. Die it-Form ist unpersönlicher und häufiger im Nachrichtentext, die Form mit Infinitiv ist eleganter und im Englischen sehr verbreitet. Im Deutschen entspricht der zweiten Form am ehesten „er soll gegangen sein“.
Welche Verben bilden gar kein Passiv?
Verben, die keinen Vorgang beschreiben, sondern eine Beziehung: have im Sinne von besitzen, lack, resemble, suit, fit, become, cost. Sie haben zwar ein Objekt, aber dieses Objekt ist von nichts betroffen. Deshalb sind Sätze wie A car is had by him nicht bildbar.

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