Das Wichtigste in Kürze
- Beide Tests prüfen Lesen, Hören, Schreiben und Sprechen, unterscheiden sich aber in Format und Skala deutlich.
- IELTS wird auf einer Bandskala berichtet, TOEFL iBT mit Punkten je Abschnitt und einem Gesamtwert.
- Die Ergebnisse beider Tests gelten üblicherweise zwei Jahre; verbindlich ist die Angabe des Anbieters.
- Nicht die Sympathie entscheidet, sondern welchen Test die Zieleinrichtung akzeptiert.
- Format und Anerkennung werden regelmäßig geändert, deshalb gilt immer die aktuelle Auskunft der Anbieter.
Die Frage ist selten offen
IELTS oder TOEFL — diese Frage wird meist gestellt, als ginge es um Geschmack, dabei ist sie in den meisten Fällen längst entschieden. Entscheidend ist, welchen Nachweis die Hochschule, die Behörde oder der Arbeitgeber annimmt, bei dem man einreichen will. Erst wenn beide Tests zugelassen sind, wird es zu einer echten Wahl, und dann entscheiden Format und Prüfungssituation, nicht der bessere Ruf.
Beide sind standardisierte Tests für Englisch als Fremdsprache, beide prüfen Lesen, Hören, Schreiben und Sprechen, beide liefern ein Ergebnis, das ohne Bestehen und Durchfallen auskommt. Man erreicht einen Wert, und die annehmende Stelle legt fest, welcher Wert ihr reicht. Das ist ein anderer Ansatz als bei den Cambridge Zertifikaten, die an eine Stufe gebunden sind.
Für Deutschsprachige kommt hinzu, dass beide Tests akademisch geprägt sind. Sie messen nicht, ob man im Urlaub zurechtkommt, sondern ob man einem Vortrag folgen, eine Grafik beschreiben und eine Position begründen kann. Wer erst bei B1 steht, sollte den Test verschieben, statt Geld für ein Ergebnis auszugeben, das niemand akzeptiert.
Aufbau im Vergleich
IELTS besteht aus vier Teilen in der Reihenfolge Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen. Es gibt zwei Varianten: die akademische für Studium und akademische Zwecke und die allgemeine für Ausbildung, Arbeit und einige Einwanderungsverfahren. Der Unterschied liegt vor allem in den Lese- und Schreibteilen; welche Variante verlangt wird, gibt die Zieleinrichtung vor.
TOEFL iBT läuft am Rechner ab und prüft in der Reihenfolge Lesen, Hören, Sprechen und Schreiben. Ein Teil der Aufgaben ist integriert: Man liest einen Text, hört dazu einen Vortrag und muss anschließend beides zusammenfassend verarbeiten. Diese Aufgaben verlangen wenig Fantasie und viel Genauigkeit beim Wiedergeben fremder Aussagen, wofür sicheres Berichten und indirekte Rede nötig sind.
Der auffälligste Unterschied liegt im Sprechteil. Beim IELTS spricht man mit einer prüfenden Person, es gibt ein kurzes Gespräch, einen längeren Einzelvortrag nach kurzer Vorbereitung und eine anschließende Diskussion. Beim TOEFL spricht man in ein Mikrofon, die Antworten werden aufgezeichnet und später bewertet. Wer sich von Menschen aus der Ruhe bringen lässt, fährt mit dem Rechner besser; wer im luftleeren Raum verstummt, mit dem Gespräch.
| Merkmal | IELTS | TOEFL iBT |
|---|---|---|
| Reihenfolge | Hören, Lesen, Schreiben, Sprechen | Lesen, Hören, Sprechen, Schreiben |
| Sprechteil | Gespräch mit einer prüfenden Person | Aufnahme am Rechner |
| Bewertung | Bandskala von 0 bis 9, auch halbe Bänder | 0 bis 30 je Abschnitt, Gesamtwert bis 120 |
| Varianten | Academic und General Training | eine akademisch geprägte Testform |
| Sprachliche Prägung | eher britisch, Sprecher aus mehreren Ländern | überwiegend amerikanisch |
Wie die Ergebnisse zu lesen sind
IELTS berichtet auf einer Bandskala von 0 bis 9, in ganzen und halben Schritten, für jeden Teil einzeln und als Gesamtwert. Die Skala ist eng: Zwischen einem halben Band liegt spürbar Arbeit, und viele Hochschulen fordern zusätzlich einen Mindestwert in jedem Einzelteil. Genau daran scheitern Deutschsprachige häufiger als am Gesamtwert, meist im Schreiben.
TOEFL iBT vergibt für jeden der vier Abschnitte Punkte von 0 bis 30 und addiert sie zu einem Gesamtwert von höchstens 120. Auch hier setzen viele Einrichtungen Teilanforderungen. Wer nur den Gesamtwert im Blick hat, übersieht, dass ein schwacher Sprechteil eine Bewerbung kippen kann, obwohl die Summe stimmt.
Beide Skalen lassen sich grob auf den Referenzrahmen beziehen, und beide Anbieter veröffentlichen dazu eigene Zuordnungen. Diese Zuordnungen sind Näherungen und werden gelegentlich angepasst; wer eine harte Grenze braucht, nimmt die Zahl, die die Zieleinrichtung nennt, und nicht die Umrechnung aus einem Forum.
Gültigkeit und Anerkennung
Die Ergebnisse beider Tests sind üblicherweise zwei Jahre gültig. Danach gelten sie als überholt, weil ein Sprachstand sich in beide Richtungen bewegt. Wer eine Bewerbung plant, sollte den Test deshalb nicht Jahre im Voraus ablegen, sondern so, dass das Ergebnis zum Einreichungszeitpunkt noch frisch ist. Verbindlich ist auch hier die Angabe des Anbieters.
Bei der Anerkennung sind grobe Muster erkennbar: Im Vereinigten Königreich, in Irland, Australien und Neuseeland ist IELTS der geläufigere Nachweis, in den Vereinigten Staaten ist TOEFL weit verbreitet. Beide werden inzwischen an vielen Orten nebeneinander akzeptiert, und es gibt für bestimmte behördliche Zwecke eigene Testvarianten. Was im Einzelfall gilt, kann sich ändern.
Deshalb gilt für die Auswahl eine schlichte Reihenfolge: erst die Liste der akzeptierten Nachweise der Zieleinrichtung lesen, dann prüfen, ob Teilanforderungen genannt sind, und erst danach überlegen, welches Format einem persönlich liegt. Wer in umgekehrter Reihenfolge vorgeht, hat im schlechtesten Fall ein gültiges Ergebnis für einen Test, den niemand sehen will.
Was Deutschsprachigen typischerweise Punkte kostet
Im Schreiben ist es selten der Wortschatz. Es ist die Struktur: Absätze ohne erkennbare Funktion, Sätze, die aneinandergereiht statt verbunden sind, und eine Einleitung, die nichts ankündigt. Beide Tests bewerten ausdrücklich, wie ein Text zusammenhängt; die Mittel dafür stehen in Textkohäsion, bei den Bindewörtern für Gegensätze und in einer geordneten Sammlung von Bindewörtern.
Der zweite Punktverlust entsteht durch zu direkte Formulierungen. Deutsche Argumentation darf schroffer auftreten als englische; im Englischen wird abgeschwächt, eingeschränkt und relativiert. Wer jede Aussage als Tatsache setzt, wirkt ungenau statt überzeugend. Dafür gibt es abschwächende Sprache und Modalverben für Vermutungen.
Im Sprechteil kostet das Suchen nach dem perfekten Satz mehr als ein einfacher Fehler. Bewertet wird auch Flüssigkeit, und lange Pausen mitten im Satz schlagen härter durch als eine falsche Präposition. Hilfreich sind eingeübte Wendungen zum Anfangen, Fortführen und Korrigieren, wie sie unter Diskursmarker stehen.
Im Hörteil ist nicht die Sprache das Problem, sondern die Situation: Man hört jeweils nur einmal, muss gleichzeitig mitschreiben und darf dabei den Faden nicht verlieren. Das ist eine Frage des Trainings und nicht des Wortschatzes. Wer regelmäßig an Hörverstehen arbeitet und dabei mitschreibt statt nur zuhört, verliert diesen Nachteil in wenigen Wochen.
Vorbereitung mit Zeitplan
Sinnvoll ist eine Vorbereitung über acht bis zwölf Wochen, wenn das Niveau grundsätzlich passt. Die erste Woche gehört einem vollständigen Übungstest unter echten Bedingungen; er ist unangenehm und liefert die einzige belastbare Ausgangslage. Aus dem Ergebnis ergibt sich der Plan, nicht aus dem Gefühl. Eine Vorlage dafür bietet der Lernplan.
Danach wechseln sich zwei Arten von Arbeit ab: Formattraining an einzelnen Aufgabentypen und Sprachaufbau an den Stellen, die der Test sichtbar gemacht hat. Für den akademischen Wortschatz ist systematischer Wortschatzaufbau die Grundlage, für Texte über Nachrichtenlagen hilft ein Wortfeld rund um Nachrichten und Politik.
In den letzten zwei Wochen wird nichts Neues mehr gelernt. Dann geht es nur noch um Tempo, Reihenfolge und Ruhe: zwei weitere vollständige Durchläufe, danach Schlaf statt Wiederholung. Wer am Vorabend noch Vokabellisten durchgeht, verliert am nächsten Morgen mehr Punkte durch Müdigkeit, als er durch zwanzig neue Wörter gewinnt.
Was beide Tests nicht leisten
Kein Testergebnis sagt, ob jemand in einem englischsprachigen Seminar mitkommt. Beide Formate messen unter Zeitdruck an vorgegebenem Material, und beide lassen sich zu einem gewissen Grad trainieren, ohne dass die Sprache mitwächst. Wer sein Ergebnis erreicht und danach aufhört, merkt das im ersten Semester.
Ebenso wenig ersetzt der Test die Unterlagen, die eine Einrichtung sonst verlangt. Aussagen zu Visa, Zulassung oder Anerkennung gehören zu den jeweiligen Behörden und Hochschulen, nicht in einen Ratgeber. Verlässlich sind nur die aktuellen Vorgaben des Anbieters und der Stelle, bei der eingereicht wird — beide werden regelmäßig geändert.
Häufige Fragen
- Welcher Test ist einfacher?
- Keiner grundsätzlich. Sie sind unterschiedlich unangenehm: Der IELTS-Sprechteil ist ein Gespräch mit einem Menschen, der TOEFL-Sprechteil eine Aufnahme unter Zeitvorgabe. Wer im Gespräch aufblüht, ist beim IELTS besser aufgehoben, wer lieber ohne Gegenüber spricht, beim TOEFL.
- Wie lange gilt mein Ergebnis?
- Üblicherweise zwei Jahre bei beiden Tests. Danach ist ein neuer Test nötig. Weil solche Regelungen angepasst werden können, sollte man die Angabe beim Anbieter selbst nachlesen, bevor man einen Termin plant.
- Kann ich einzelne Teile wiederholen?
- Die Anbieter haben dazu unterschiedliche und sich ändernde Regelungen, teils lassen sich einzelne Teile nachholen, teils nicht. Das ist eine der Angaben, die man nur direkt beim Anbieter und für den eigenen Prüfungsort verlässlich bekommt.
- Muss ich amerikanisches Englisch sprechen?
- Nein. Bewertet wird verständliches, zusammenhängendes Englisch, nicht eine bestimmte Varietät. Wichtig ist Konsequenz innerhalb eines Textes, gerade bei Schreibweisen. Die Unterschiede stehen in britisch-amerikanische Grammatik; im TOEFL sollte man sich aber auf überwiegend amerikanische Sprecher einstellen.
- Lohnt sich ein Vorbereitungskurs?
- Für Lesen und Hören selten, dort reicht eigenständiges Üben mit Originalmaterial. Für Schreiben und Sprechen oft ja, weil beides Rückmeldung braucht. Wer allein arbeitet, sollte sich zumindest einige Texte korrigieren lassen; ob ein Kurs oder Einzelunterricht sinnvoll ist, behandelt der Beitrag zur Nachhilfe.
Redaktion Englischclub · zuletzt aktualisiert am 10. September 2026
Weiterlesen
- Britisches oder amerikanisches Englisch lernen?
Die Unterschiede in Wortschatz, Schreibung, Grammatik und Aussprache — und warum die Entscheidung weniger wichtig ist als die Konsequenz.
6 Min. - Business English lernen ohne Floskelkatalog
Business English ist kein Sonderdialekt, sondern klares Englisch plus Fachwortschatz. Warum Klarheit mehr bringt als dreihundert auswendige Wendungen.
7 Min. - Cambridge Zertifikate im Überblick
B1 Preliminary bis C2 Proficiency: welches Cambridge-Zertifikat wofür taugt, wie geprüft wird und wo die Grenzen liegen.
7 Min.
Alle Beiträge stehen im Blog.