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Englisch Abitur: Vorbereitung, die etwas bringt

Textanalyse, Comment und Mediation sind die drei Aufgabenformen, die immer wiederkommen. Was dabei zählt und was keine Punkte bringt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die schriftliche Prüfung besteht in aller Regel aus drei wiederkehrenden Aufgabenformen: Analyse, Comment und Mediation.
  • Bewertet wird immer beides, Inhalt und Sprache, und die Sprache wiegt schwerer als viele glauben.
  • Nacherzählen statt analysieren ist der häufigste vermeidbare Punktverlust.
  • Die Mediation ist keine Übersetzung, sondern eine sinngemäße Wiedergabe für einen bestimmten Zweck.
  • Die Anforderungen sind Ländersache; verbindlich sind die Vorgaben des jeweiligen Bundeslandes und der Schule.

Was tatsächlich geprüft wird

Wer sich auf das Englisch Abitur vorbereitet, arbeitet meist an den falschen Stellen: an Vokabellisten und an Wissen über Autoren, während die Prüfung vor allem drei Fertigkeiten abfragt, die man üben kann. Aufgabenformen und Gewichtung legt jedes Bundesland selbst fest, in der Sache laufen die schriftlichen Prüfungen aber fast überall auf dieselben drei Formen hinaus: eine Textanalyse, eine eigene Stellungnahme und eine Mediation.

Bewertet wird dabei stets beides: die inhaltliche Leistung und die sprachliche. Die sprachliche Seite bekommt in vielen Ländern ein erhebliches Gewicht, und sie ist der Teil, an dem sich gezielt arbeiten lässt. Inhaltliche Ideen kommen in der Prüfung oder sie kommen nicht; ein sicherer Satzbau dagegen ist Handwerk, das man vorher aufbaut.

Was in dieser Übersicht steht, ist allgemein gehalten. Welche Operatoren gelten, wie viele Aufgaben zu bearbeiten sind und ob ein Wörterbuch zugelassen ist, entscheidet das jeweilige Bundesland. Maßgeblich sind die Vorgaben der Schulbehörde und die Hinweise der eigenen Lehrkraft, nicht ein Ratgebertext.

Die Textanalyse

Analysieren heißt: zeigen, wie ein Text seine Wirkung erzeugt, nicht, wovon er handelt. Der häufigste Punktverlust entsteht dadurch, dass die Hälfte der Bearbeitung aus Nacherzählung besteht. Eine Zusammenfassung ist nur dann gefragt, wenn sie ausdrücklich verlangt wird, und dann kurz. Alles andere muss eine Beobachtung mit einem Beleg verbinden und daraus eine Aussage über die Wirkung ableiten.

Der brauchbarste Aufbau ist immer derselbe: Beobachtung, Beleg, Deutung. Man benennt ein Mittel, zitiert knapp die Stelle und sagt, was sie beim Lesenden bewirkt. Wer diesen Dreischritt verinnerlicht hat, schreibt auch über einen Text, der ihm nichts sagt, eine tragfähige Analyse. Die dafür nötigen Formulierungen sind überschaubar und lassen sich vorher einüben.

Sprachlich ist die Analyse durch feste Muster geprägt. Sie steht überwiegend im Präsens, sie verwendet auffällig oft das Passiv und sie gibt fremde Aussagen wieder, wofür sichere Verben des Berichtens nötig sind. Wer stattdessen deutsche Satzmuster überträgt, verliert Punkte in der Sprachbewertung, obwohl der Inhalt stimmt.

Der Comment

Der Comment verlangt eine eigene Position, die begründet und geordnet ist. Er ist kein Aufsatz über Gefühle und kein Sammelbecken für alles, was einem einfällt. Bewertet wird, ob die Argumente tragen, ob sie in einer erkennbaren Ordnung stehen und ob am Ende ein Ergebnis steht, das aus dem Vorangegangenen folgt.

Am wenigsten Punkte kosten dabei Fehler, am meisten kostet fehlende Struktur. Ein Comment mit drei Absätzen, von denen jeder ein Argument entfaltet und mit einem Beispiel belegt, schlägt einen sprachlich glatteren Text ohne Linie. Die Verbindungen zwischen den Absätzen sind sichtbarer Teil der Leistung; die Mittel dafür stehen in Textkohäsion und bei den Bindewörtern für Gegensätze.

Sprachlich fallen deutsche Muster hier besonders auf. Im Deutschen darf eine Position kantiger auftreten, im Englischen wird sie eingeschränkt und abgewogen. Wer jeden Satz als Tatsache setzt, wirkt nicht überzeugend, sondern ungenau. Nützlich sind abschwächende Sprache und Modalverben, mit denen sich eine Vermutung als Vermutung kennzeichnen lässt.

Ein zweiter Punkt ist das Register. Ein Comment ist ein schriftlicher, eher formeller Text; Umgangssprache und Kurzformen wie „don't“ oder „can't“ gehören nicht hinein, ausgeschriebene Formen dagegen schon. Dasselbe gilt für saloppe Wendungen aus Serien, die im Ohr sitzen und im Prüfungstext deplatziert wirken. Was in welchen Zusammenhang passt, steht unter formelles und informelles Register.

Die Mediation

Die Mediation ist die Aufgabe, die am häufigsten missverstanden wird. Sie ist keine Übersetzung. Verlangt ist, den Inhalt eines meist deutschen Ausgangstextes für einen bestimmten englischsprachigen Adressaten und einen bestimmten Zweck sinngemäß wiederzugeben. Was für diesen Zweck nicht gebraucht wird, wird weggelassen, und zwar bewusst.

Damit sind die zwei typischen Fehler benannt. Der eine ist das Übersetzen Satz für Satz, wodurch deutsche Strukturen ins Englische durchschlagen und der Text unlesbar wird. Der andere ist das Ignorieren der Situation: Wer nicht beachtet, ob eine Mail an eine Austauschschule oder ein Beitrag für ein Forum verlangt ist, verliert Punkte unabhängig von der Sprache.

Praktisch hilft ein fester Ablauf: den Ausgangstext lesen und in Stichworten auf Englisch notieren, dann den Ausgangstext weglegen und aus den Notizen schreiben. Wer den deutschen Text neben sich liegen hat, übersetzt fast zwangsläufig. Nützlich sind dabei Umschreibungsstrategien für Begriffe, die es im Englischen so nicht gibt; dazu gehören Umschreibungen für Begriffe aus Schule, Verwaltung und Alltag, die keine direkte Entsprechung haben.

Sprachlich braucht die Mediation vor allem die Wiedergabe fremder Aussagen und, wenn eine Textsorte wie die Mail verlangt ist, eine saubere Anrede- und Schlussformel. Beides lässt sich lange vor der Prüfung einüben, weil es sich kaum ändert; wie englische Mails aufgebaut sind, steht in englische E-Mails schreiben.

Woran die Sprachnote hängt

In der sprachlichen Bewertung tauchen bei Deutschsprachigen über die Jahre immer dieselben Punkte auf. An erster Stelle steht die Wortstellung, weil das Englische das Verb nicht verschiebt und Adverbien an anderen Stellen stehen als im Deutschen. Wer nach einer Zeitangabe am Satzanfang das Verb vorzieht, schreibt eine Konstruktion, die es im Englischen nicht gibt; nachzulesen ist das unter Satzstellung.

An zweiter Stelle stehen die Zeiten, vor allem die Entscheidung zwischen Present Perfect und Simple Past, die im Deutschen keine Entsprechung hat. Zum Nachprüfen gibt es die Übung dazu. An dritter Stelle folgen die Relativsätze, weil das Englische zwischen notwendigen und nicht notwendigen unterscheidet und die Kommasetzung genau daran hängt.

Dazu kommt die Kommasetzung insgesamt, die anderen Regeln folgt als die deutsche und in der Prüfung mitbewertet wird. Wer deutsche Kommaregeln überträgt, setzt sie systematisch falsch; die Unterschiede stehen unter Kommasetzung im Englischen. Eine Sammlung der übrigen Stolperstellen bietet typische Fehler Deutschsprachiger.

Positiv wirkt dagegen Abwechslung im Satzbau. Fünf kurze Hauptsätze hintereinander wirken unfertig, ein Text mit unterschiedlich gebauten Sätzen wirkt souverän. Mittel dafür sind Partizipialsätze, vorangestellte Nebensätze und gelegentliche Nominalisierungen. Wer drei solcher Muster sicher beherrscht, braucht keine weiteren, denn ein Muster, das sitzt, ist mehr wert als fünf halb verstandene.

Ein Plan für das letzte halbe Jahr

Die ersten drei Monate gehören der Sprache, nicht den Inhalten. Wer in dieser Zeit seine Zeitformen, die Satzstellung und die Kommasetzung ordnet, verdient sich Punkte in jeder der drei Aufgabenformen gleichzeitig. Parallel dazu läuft der Wortschatz nach Themen statt nach Alphabet; wie das geht, steht im Beitrag zum Vokabellernen in der Schule.

Die folgenden zwei Monate gehören dem Format. Jede Woche eine vollständige Aufgabe unter Zeitbedingungen, im Wechsel Analyse, Comment und Mediation, danach eine ehrliche Auswertung. Ohne Uhr geübte Aufgaben täuschen, weil in der Prüfung nicht das Können, sondern das Zeitmanagement zuerst reißt.

Der letzte Monat dient der Wiederholung und der Ruhe. Neue Themen bringen nichts mehr; sinnvoll ist, die eigenen korrigierten Arbeiten durchzusehen und die drei Fehler zu notieren, die immer wiederkommen. Wer in der Prüfung nur diese drei vermeidet, holt mehr heraus als durch jeden weiteren Lesetext.

Für die mündliche Prüfung gilt eine eigene Regel: laut üben statt im Kopf. Wer seine Argumente nur denkt, hat sie im Prüfungsraum nicht parat, weil Sprechen eine eigene Fertigkeit mit eigener Übungszeit ist. Hilfreich ist regelmäßiges Sprechen über Sachthemen, notfalls allein im eigenen Zimmer, und das Aufnehmen der eigenen Stimme, so unangenehm das beim ersten Mal ist.

Was keine Punkte bringt

Auswendig gelernte Einleitungsfloskeln bringen wenig und schaden mitunter, weil sie Platz kosten und erkennbar aufgesetzt wirken. Ebenso wenig hilft es, seltene Wörter einzustreuen, deren Bedeutung man nicht genau kennt. Ein falsch verwendetes gehobenes Wort wirkt schlechter als ein einfaches, das passt.

Auch das Sammeln von Inhaltswissen über Autoren, Epochen und historische Hintergründe ersetzt die Analyse nicht. Solches Wissen kann eine Deutung stützen und ein Zitat einordnen, aber es beantwortet für sich genommen keine Aufgabe. Wer statt einer Analyse Hintergrundwissen abliefert, schreibt an der Aufgabenstellung vorbei und bekommt dafür auch dann wenig, wenn alles davon inhaltlich stimmt.

Und schließlich hilft kein Ratgeber gegen falsche Annahmen über das eigene Format. Was in der eigenen Prüfung gilt, steht in den Vorgaben des jeweiligen Bundeslandes und in den Hinweisen der Schule: welche Operatoren verwendet werden, welche Hilfsmittel zugelassen sind und wie die Teile gewichtet werden. Diese Vorgaben werden von Zeit zu Zeit verändert. Dieser Beitrag ordnet ein, er ersetzt keine verbindliche Auskunft.

Häufige Fragen

Wie viel zählt die Sprache gegenüber dem Inhalt?
Das legt jedes Bundesland selbst fest, in der Regel wird beides bewertet und die Sprache trägt einen erheblichen Anteil. Praktisch heißt das: An der Sprache zu arbeiten lohnt sich, weil sie in jeder Aufgabenform zählt. Die genaue Gewichtung steht in den Vorgaben des eigenen Landes.
Darf ich im Comment Ich-Formulierungen verwenden?
In einem Comment ist eine eigene Position erwünscht, und Wendungen wie „In my view“ sind üblich. Sparsam einsetzen und nicht jeden Absatz damit beginnen. Was in welchem Zusammenhang passt, klärt die Lektion zum formellen und informellen Register.
Muss ich britisches oder amerikanisches Englisch schreiben?
Beides ist üblicherweise zulässig, entscheidend ist Konsequenz innerhalb der Arbeit. Ein Text, der zwischen colour und color wechselt, wirkt unsauber. Die Unterschiede stehen in britisch-amerikanische Grammatik; im deutschsprachigen Schulunterricht ist britisches Englisch der übliche Standard.
Wie bereite ich die Mediation vor?
Mit dem Ablauf, nicht mit Vokabeln: deutschen Text lesen, englische Stichworte notieren, Ausgangstext weglegen, aus den Notizen schreiben. Dazu die typischen Textsorten einüben, etwa die Mail mit Anrede, Anliegen und Schlussformel.
Lohnt sich Nachhilfe im letzten Halbjahr?
Wenn die Rückmeldung fehlt, ja. Analyse, Comment und Mediation lassen sich allein üben, aber nicht allein bewerten. Wichtig ist, dass korrigiert und besprochen wird statt nur Stoff wiederholt; ob und wann sich das lohnt, behandelt der Beitrag zur Nachhilfe.

Redaktion Englischclub · zuletzt aktualisiert am 10. September 2026

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