Das Wichtigste in Kürze
- Deutsche Abschlüsse haben selten eine englische Entsprechung und werden besser erklärt als übersetzt.
- Die Kopfzeile ist das wichtigste Feld und keine bloße Berufsbezeichnung.
- Im Englischen schreibt man Leistungen mit Zahlen, nicht mit Aufgabenlisten.
- Ein Foto ist in den USA unüblich, in Europa dagegen normal.
Warum wörtliches Übersetzen hier scheitert
Ein LinkedIn-Profil auf Englisch ist kein übersetzter Lebenslauf, sondern ein eigener Text. Wer die deutschen Felder Satz für Satz überträgt, erzeugt Begriffe, die im englischsprachigen Raum nichts bedeuten — und verschenkt genau die Aufmerksamkeit, die das Profil bringen soll.
Das beginnt bei den Abschlüssen. Ein Diplom-Kaufmann hat keine Entsprechung, eine Ausbildung ebenso wenig, und der Meisterbrief erst recht nicht. Wer „Diplom-Kaufmann“ mit „Diploma Merchant“ übersetzt, wird nicht verstanden.
Dasselbe gilt für Positionen. „Sachbearbeiter“ als „case worker“ führt in die Irre, weil das im Englischen eine Tätigkeit im Sozialwesen meint. Die richtige Übersetzung hängt davon ab, was man tatsächlich getan hat.
Die Faustregel lautet deshalb: beschreiben statt übersetzen. Wer die Tätigkeit in zwei Sätzen erklärt, erreicht mehr als jeder gesuchte Fachbegriff.
Die Kopfzeile
Das Feld unter dem Namen ist das meistgelesene des ganzen Profils. Es erscheint in jeder Suche, bei jedem Kommentar und in jeder Kontaktanfrage. Trotzdem steht dort bei den meisten nur die Berufsbezeichnung.
Besser ist eine Kombination aus Funktion und Schwerpunkt: „Mechanical Engineer — automation and plant design“ sagt mehr als „Mechanical Engineer“ allein. Wer sucht, sucht nach dem Schwerpunkt.
Zu vermeiden sind Phrasen ohne Inhalt. „Passionate about excellence“ oder „Results-driven professional“ stehen in Tausenden Profilen und sagen nichts aus.
Hilfreich ist ein Blick auf Profile von Muttersprachlern in derselben Branche. Dort sieht man, welche Begriffe tatsächlich benutzt werden und welche nur in Wörterbüchern stehen. Fünf Profile durchzusehen bringt mehr als eine Stunde Übersetzungsarbeit, weil man dabei auch die üblichen Schwerpunktangaben mitbekommt.
Abschlüsse richtig angeben
Die sicherste Form ist, den deutschen Titel stehen zu lassen und in Klammern zu erklären. „Diplom-Kaufmann (equivalent to a Master's degree in Business Administration)“ ist verständlich und trotzdem korrekt.
Für die Ausbildung im dualen System hat sich „vocational training“ oder „apprenticeship“ eingebürgert. Der Zusatz „three-year apprenticeship combining work and vocational school“ erklärt ein System, das im Ausland unbekannt ist.
Der Meisterbrief lässt sich als „master craftsman certificate“ wiedergeben, braucht aber ebenfalls eine Erläuterung. Wer in einem Handwerksberuf arbeitet, findet weitere Begriffe in Englisch für Handwerker.
Bachelor und Master sind die einzigen Abschlüsse, die ohne Erklärung funktionieren. Bei ihnen genügt die englische Schreibweise mit Apostroph: „Bachelor's degree“, „Master's degree“.
Erfahrung beschreiben
Deutsche Lebensläufe listen Aufgaben, englische nennen Ergebnisse. Statt „Verantwortlich für die Lagerverwaltung“ steht dort „Reduced stock errors by 30% by introducing a new scanning process“.
Dafür braucht es keine erfundenen Zahlen. Auch „supervised a team of eight“ oder „managed three product lines“ sind Angaben, die sich belegen lassen und mehr sagen als jede Aufgabenbeschreibung.
Die Zeitform ist dabei festgelegt: abgeschlossene Stellen im Simple Past, die aktuelle im Present. Wer unsicher ist, findet die Formen unter Simple Past und Simple Present.
Jeder Punkt beginnt mit einem Verb. „Led“, „built“, „improved“, „launched“, „negotiated“ — diese Startwörter tragen den ganzen Eintrag.
Sprachkenntnisse angeben
Hier wird am häufigsten übertrieben, und zwar unabsichtlich. „Fluent“ bedeutet im englischsprachigen Raum tatsächlich fließend, also Verhandlungssicherheit — nicht gutes Schulenglisch.
Verlässlicher sind die Stufen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens: „German (native), English (C1), French (B1)“. Diese Angabe ist überprüfbar und wird international verstanden.
Wer unsicher ist, wo er steht, findet eine Einordnung in Sprachniveau einschätzen. Für die Angabe im Lebenslauf hilft außerdem Englischkenntnisse im Lebenslauf.
Der Infobereich
Der Abschnitt „About“ ist kein Anschreiben. Drei bis fünf Sätze reichen: was man macht, worin man gut ist, wonach man sucht.
Im Englischen ist die erste Person üblich. „I design production lines for the food industry“ liest sich besser als eine Beschreibung in der dritten Person, die im Deutschen noch verbreitet ist.
Wichtig sind die ersten beiden Zeilen, weil der Rest zunächst verborgen bleibt. Was dort nicht steht, wird oft nicht gelesen.
Wer nicht weiß, wie er beginnen soll, schreibt den Text zuerst auf Deutsch und kürzt ihn dann auf die Hälfte, bevor er übersetzt. Englische Profiltexte sind deutlich knapper als deutsche, und was im Deutschen sachlich klingt, wirkt übersetzt oft umständlich.
Foto, Standort und Kontakt
In den USA ist ein Bewerbungsfoto unüblich und wird von manchen Unternehmen sogar vermieden, um Vorurteile auszuschließen. Auf LinkedIn ist ein Profilbild dagegen überall normal, auch in den USA.
Beim Standort gilt die englische Form: „Osnabrück Region, Germany“ statt der deutschen Schreibweise mit Postleitzahl. Wer für internationale Stellen sichtbar sein will, sollte das Land immer nennen.
Kontaktdaten gehören in die dafür vorgesehenen Felder, nicht in den Infotext. Eine Telefonnummer wird mit Ländervorwahl angegeben.
Ein praktischer Hinweis zur Erreichbarkeit: Wer internationale Anfragen will, sollte die Profiladresse anpassen und auf Englisch umstellen. Die vorgegebene Adresse mit Zahlenanhang wirkt unfertig und lässt sich in einer Minute ändern.
Britisch oder amerikanisch
Die Schreibweise sollte einheitlich sein. „Organised“ und „organized“ im selben Profil fällt auf, auch wenn beide Formen für sich richtig sind.
Die Wahl richtet sich nach dem Zielmarkt: Wer sich in Großbritannien bewirbt, nimmt britische Schreibung, wer in die USA will, amerikanische. Für den deutschen Markt ist beides vertretbar.
Auch die Begriffe unterscheiden sich: „CV“ ist britisch, „resume“ amerikanisch — der Unterschied ist größer als nur der Name, wie CV oder Resume zeigt. Weitere Unterschiede nennt dieser Beitrag.
Was man weglassen sollte
Geburtsdatum, Familienstand und Staatsangehörigkeit stehen in englischsprachigen Profilen nicht. In vielen Ländern dürfen danach nicht einmal gefragt werden, und ihre Angabe wirkt deshalb befremdlich.
Ebenso entbehrlich sind Schulnoten und der Name der Grundschule. Alles vor der Berufsausbildung interessiert nur, wenn es unmittelbar einschlägig ist.
Und schließlich: Der Satz „Looking for new challenges“ sagt nichts. Wer sucht, benennt besser die Art der Stelle und die Branche.
Auch Hobbys gehören nur hinein, wenn sie etwas zur Sache beitragen. Ehrenamtliche Tätigkeit mit Führungsverantwortung ist ein Gewinn, eine Liste privater Vorlieben nicht. Im Zweifel gilt, was für den ganzen Text gilt: Was keinen Zweck erfüllt, kostet Aufmerksamkeit, die anderswo fehlt.
Häufige Fragen
- Soll ich mein Profil zweisprachig führen?
- LinkedIn erlaubt mehrere Sprachfassungen eines Profils. Das ist sinnvoll, wenn man sowohl national als auch international sichtbar sein will. Wichtig ist, beide Fassungen aktuell zu halten.
- Wie übersetze ich meine Ausbildung?
- Am besten gar nicht wörtlich, sondern mit Erklärung: „Vocational training as an industrial clerk (three-year apprenticeship combining work and vocational school)“. So versteht auch jemand ohne Kenntnis des deutschen Systems, worum es geht.
- Ist fluent zu hoch gegriffen?
- Häufig ja. „Fluent“ wird als Verhandlungssicherheit verstanden. Wer Texte versteht und Gespräche führen kann, aber bei Fachdiskussionen Mühe hat, gibt besser B2 oder C1 an.
- Brauche ich ein Foto?
- Auf LinkedIn ja, es erhöht die Zahl der Profilaufrufe deutlich. Im beigefügten Lebenslauf für den amerikanischen Markt eher nicht, dort ist es unüblich.
Redaktion Englischclub · zuletzt aktualisiert am 03. Oktober 2026
Weiterlesen
- 30 Minuten Englisch am Tag: was realistisch dabei herauskommt
Was ein halbstündiges Tagespensum in einem halben Jahr bewirkt — und wie man die Zeit aufteilt, damit sie nicht verpufft.
6 Min. - Am Flughafen auf Englisch: vom Check-in bis zum Gate
Alle Sätze für Abflug, Sicherheitskontrolle, Umsteigen und Gepäckverlust — in der Reihenfolge, in der man sie braucht.
6 Min. - Begrüßung auf Englisch: vom Hallo bis zum Händedruck
Welche Begrüßung wann passt, was How are you wirklich bedeutet und wie man sich vorstellt, ohne steif zu wirken.
6 Min.
Alle Beiträge stehen im Blog.