Das Wichtigste in Kürze
- Viele englische Sprichwörter haben ein deutsches Gegenstück mit anderem Bild.
- Wörtliche Übersetzungen aus dem Deutschen werden fast nie verstanden.
- Im Gespräch reicht es, Sprichwörter zu erkennen; selbst benutzen sollte man wenige.
- In Prüfungen und Bewerbungen sind sie riskant, weil sie schnell abgegriffen wirken.
Warum Sprichwörter schwerer sind als Vokabeln
Englische Sprichwörter lassen sich nicht aus ihren Einzelteilen erschließen. „It's raining cats and dogs“ hat mit Tieren nichts zu tun, und wer die Wörter kennt, versteht den Satz trotzdem nicht. Genau das macht sie zu einer eigenen Lernkategorie.
Dazu kommt, dass sie oft in verkürzter Form auftreten. Muttersprachler sagen selten das ganze Sprichwort, sondern nur die Hälfte: „Well, when in Rome …“ und der Rest bleibt unausgesprochen. Wer die vollständige Form nicht kennt, versteht die Anspielung nicht.
Schließlich sind viele veraltet oder regional. Manche stehen in jedem Lehrbuch und begegnen einem im echten Leben nie. Es lohnt sich deshalb, zwischen häufigen und dekorativen zu unterscheiden.
Gleiches Bild, gleiche Bedeutung
Eine Gruppe ist unproblematisch, weil beide Sprachen dasselbe Bild verwenden. Diese lassen sich fast wörtlich übertragen und sind schnell gelernt.
Dazu gehören: „Better late than never“ — besser spät als nie. „Practice makes perfect“ — Übung macht den Meister, mit leicht anderem Bild. „Time is money“ — Zeit ist Geld. „Don't judge a book by its cover“ — man soll nicht nach dem Äußeren urteilen.
Der Grund für diese Übereinstimmung liegt oft in gemeinsamen Quellen: der Bibel, lateinischen Vorlagen oder wechselseitiger Übersetzung. Wer ein solches Sprichwort erkennt, kann es meist auch ohne Erklärung einordnen.
| Englisch | Deutsch |
|---|---|
| Better late than never | Besser spät als nie |
| Practice makes perfect | Übung macht den Meister |
| Don't judge a book by its cover | Der Schein trügt |
| Actions speak louder than words | Taten sagen mehr als Worte |
| The early bird catches the worm | Der frühe Vogel fängt den Wurm |
Anderes Bild, gleiche Bedeutung
Schwieriger ist die zweite Gruppe. Hier trifft dieselbe Aussage auf ein völlig anderes Bild, und eine wörtliche Übersetzung führt in die Irre.
„It's raining cats and dogs“ entspricht „es schüttet wie aus Kübeln“. „Speak of the devil“ sagt man, wenn jemand auftaucht, über den gerade gesprochen wurde — auf Deutsch „wenn man vom Teufel spricht“. „To kill two birds with one stone“ ist unsere Fliege mit einer Klappe.
Weitere Beispiele: „Every cloud has a silver lining“ für „kein Unglück ohne Glück“, „The ball is in your court“ für „du bist am Zug“, „Let sleeping dogs lie“ für „schlafende Hunde soll man nicht wecken“ — hier ist das Bild ausnahmsweise wieder gleich.
| Englisch | Wörtlich | Gemeint |
|---|---|---|
| It's raining cats and dogs | Es regnet Katzen und Hunde | Es schüttet |
| To kill two birds with one stone | Zwei Vögel mit einem Stein | Zwei Fliegen mit einer Klappe |
| The ball is in your court | Der Ball ist in deinem Feld | Du bist am Zug |
| Every cloud has a silver lining | Jede Wolke hat einen Silberrand | Kein Unglück ohne Glück |
| To let the cat out of the bag | Die Katze aus dem Sack lassen | Ein Geheimnis verraten |
Die Falle der Rückübersetzung
Der häufigste Fehler ist der umgekehrte Weg: ein deutsches Sprichwort wörtlich ins Englische zu übertragen. „That's not the yellow from the egg“ oder „I only understand train station“ sind im Netz als Scherz verbreitet und im Gespräch schlicht unverständlich.
Auch weniger auffällige Fälle gehen schief. „Ich drücke dir die Daumen“ heißt nicht „I press your thumbs“, sondern „I'll keep my fingers crossed“. Die Geste selbst ist eine andere, und das zeigt, wie tief solche Wendungen in der Kultur sitzen.
Als Faustregel gilt: Wer ein deutsches Sprichwort im Kopf hat, sollte es nicht übersetzen, sondern nach der englischen Entsprechung suchen — oder den Gedanken schlicht wörtlich ausdrücken. Verstanden zu werden ist wichtiger als bildhaft zu klingen.
Sprichwörter im Berufsleben
In Besprechungen und E-Mails begegnen einem einige wenige immer wieder. „Let's touch base“, „back to square one“, „the ball is in your court“, „at the end of the day“ und „think outside the box“ gehören dazu.
Diese sind weniger Sprichwörter als Bürofloskeln, und sie sind zwiespältig: Sie erleichtern das Mitreden und gelten gleichzeitig als abgegriffen. Wer sie versteht, hat den größeren Nutzen; wer sie selbst häufig benutzt, klingt schnell inhaltsleer.
Für den beruflichen Sprachgebrauch ist es deshalb sinnvoller, klare Formulierungen zu lernen, wie sie der Beitrag über Business English beschreibt, und Sprichwörter nur passiv zu beherrschen. Für Besprechungen hilft daneben das Wortfeld Besprechung.
Wie viele man aktiv braucht
Sehr wenige. Für Muttersprachler ist der Gebrauch selbstverständlich und dosiert; bei Lernenden wirkt er schnell aufgesetzt, besonders wenn das Sprichwort nicht exakt passt. Zwei oder drei, die man wirklich beherrscht, genügen.
Deutlich wichtiger ist das Erkennen. Wenn im Gespräch „that's the last straw“ fällt, muss man wissen, dass es um den Tropfen geht, der das Fass zum Überlaufen bringt — sonst geht die Aussage verloren.
Deshalb lohnt es sich, Sprichwörter wie Hörverstehen zu behandeln: passiv aufbauen, aktiv sparsam bleiben. Für den Aufbau eignen sich Serien und Romane besser als Listen, wie in Englisch lernen mit Serien beschrieben.
Sprichwörter in Prüfungen
In schriftlichen Prüfungen sind Sprichwörter riskant. Sie zählen in vielen Bewertungsrastern nicht als Beleg für Sprachbeherrschung, sondern können als Floskel gewertet werden, wenn sie nicht genau sitzen.
Sicherer ist eine präzise Formulierung mit passenden Bindewörtern. Wer zeigen will, dass er Sprache beherrscht, tut das besser mit Satzbau und Wortwahl als mit einem geborgten Bild.
Im mündlichen Teil kann ein passendes Sprichwort dagegen Natürlichkeit zeigen — vorausgesetzt, es kommt beiläufig. Hinweise zur Vorbereitung stehen in Mündliche Englischprüfung.
Vierzig, die sich lohnen
Wer eine Auswahl sucht, beginnt mit den häufigsten aus beiden Gruppen. Neben den bereits genannten gehören dazu: „Better safe than sorry“, „No pain, no gain“, „You can't have your cake and eat it“, „When in Rome, do as the Romans do“, „Don't count your chickens before they hatch“.
Weiter: „A picture is worth a thousand words“, „Two heads are better than one“, „Curiosity killed the cat“, „Out of sight, out of mind“, „Once bitten, twice shy“, „The grass is always greener on the other side“.
Wer diese zwanzig kennt und die zwanzig aus den Tabellen dazunimmt, versteht den größten Teil dessen, was in Filmen und Gesprächen fällt. Verwandt damit sind feste Wendungen mit Verb und Partikel, deren Aufbau die Einführung zu Phrasal Verbs erklärt.
Wie man sie behält
Sprichwörter haften besser über die Geschichte als über die Übersetzung. Wer weiß, dass „to let the cat out of the bag“ vermutlich auf Markttäuschungen zurückgeht, merkt sich das Bild leichter als das Wortpaar.
Hilfreich ist außerdem, sie in Gruppen zu lernen: alle mit Tieren, alle mit Wetter, alle mit Essen. Diese Bündelung erzeugt Querverbindungen, die beim Abrufen helfen.
Und wie bei allem Wortschatz gilt: im Satz lernen, nicht als Paar. Ein selbst erfundener Zusammenhang aus dem eigenen Alltag schlägt jede Liste, wie der Beitrag über das Vergessen von Vokabeln zeigt.
Häufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen Sprichwort und Redewendung?
- Ein Sprichwort ist ein vollständiger Satz mit einer allgemeinen Aussage, etwa „Practice makes perfect“. Eine Redewendung ist ein Baustein im Satz, etwa „to kill two birds with one stone“. Im Alltag verschwimmt die Grenze.
- Soll ich Sprichwörter in Bewerbungen verwenden?
- Besser nicht. In Anschreiben wirken sie schnell abgegriffen, und ein leicht unpassendes Bild fällt negativ auf. Klare, konkrete Formulierungen sind wirksamer. Was stattdessen wirkt, steht in Englische Bewerbung schreiben.
- Wie erkenne ich, ob ein Sprichwort noch gebräuchlich ist?
- Ein verlässlicher Hinweis ist, ob es einem in Filmen, Serien oder Zeitungen begegnet. Was nur im Lehrbuch steht und sonst nirgends, ist meist veraltet.
Redaktion Englischclub · zuletzt aktualisiert am 03. Oktober 2026
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